Mit der Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums im Zuge des Bolognaprozesses verschärft sich der Wettbewerb im Hochschulsektor. Durch die Europäisierung erhöht sich nicht nur die Vergleichbarkeit der Leistungen, sondern auch der Leistungsdruck auf allen Ebenen der Hochschulen, die sich als Non-Profit Organisationen nun ökonomischen Anforderungen gegenüber stehen sehen. Um in Zukunft an diesem Wettbewerb - auch im Hinblick auf die Mittelknappheit im öffentlichen Sektor und die Umwerbung von Spendenmitteln - in möglichst großem Umfang teilhaben zu können ist es nötig, die eigene Leistung ständig zu verbessern und im Rahmen eines ausgereiften Hochschulmarketings zu kommunizieren. Vorraussetzung dafür sind eine permanente Evaluation der Ist-Leistung sowie Zielvereinbarungen zur Formulierung der Soll-Leistung, auch disaggregiert auf Fakultäts-, Institutions- und Lehrstuhlebene. Ein Vergleich von Soll- und Ist-Leistung lässt auf Effektivität und Effizienz, und damit auf den Erfolg der einzelnen Ebenen schließen. Im Gegensatz zu Unternehmen lässt sich der Erfolg hier nicht direkt an eindeutig messbaren monetären Größen ausmachen. Vielmehr helfen qualitative Indikatoren neben Kennzahlen mit quantitativen In-formationen wie Input-, Throughput- und Outputgrößen die finanziellen Größen zu ersetzen. Diverse Institute, wie z.B. das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), versuchen die Qualität von Hochschulen durch Rankings zu messen, veranschaulichen und zu vergleichen. Dabei greifen Sie auf Indikatoren und Kennzahlen zurück, die die Performance in Forschung und Lehre möglichst gut widerspiegeln sollen. Ziel dieser Arbeit ist es, quantitative und qualitative Indikatoren in diesen Bereichen vorzustellen und deren Eignung als transparentes Erfolgsmaß auf Institutionsebene kritisch zu überprüfen. Nach einem Blick auf die Erfolgsvermarktung herausragender Wirtschaftsfakultäten soll eine Empfehlung abgegeben werden, woran der Erfolg des betriebswirtschaftlichen Instituts der Universität Regensburg in kurz- und langfristiger Perspektive konkret gemessen werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Erfolgsmessung im Fokus
3 Erfolgsmessung in der Lehre
3.1 Quantitative Maße
3.1.1 Zahl der Studienanfänger
3.1.2 Absolventenquote
3.1.3 Durchschnittliche Fachstudiendauer
3.1.4 Betreuungsverhältnis
3.1.5 Studienabbruch- und Studienfachwechselquote
3.2 Qualitative Maße
3.2.1 Evaluation von Lehre und Lehrveranstaltungen
3.2.2 Internationalisierung
3.2.3 Praxisnähe
4 Erfolgsmessung in der Forschung
4.1 Quantitative Maße
4.1.1 Publikationsraten
4.1.2 Promotionen und Habilitationen
4.2 Qualitative Maße
4.2.1 Zitierhäufigkeit
4.2.2 Drittmittelquote
4.2.3 Peer Reviews und Forschungspreise
5 Rankings
6 Erfolgsmessung bei herausragenden Fakultäten
6.1 Universität Mannheim
6.2 Universität Münster
6.3 Universität St. Gallen (HSG)
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie der Erfolg betriebswirtschaftlicher Institute an Universitäten in Forschung und Lehre durch quantitative und qualitative Indikatoren messbar gemacht werden kann, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für das Fakultätscontrolling zu bieten.
- Grundlagen des akademischen Controllings und der Erfolgsmessung an Hochschulen.
- Analyse quantitativer und qualitativer Indikatoren für die Lehre (z. B. Absolventenquote, Evaluation).
- Untersuchung von Leistungsmaßen in der Forschung (z. B. Publikationsraten, Drittmittel).
- Kritische Würdigung der Aussagekraft von Hochschulrankings.
- Vergleich der Erfolgsmessung an ausgewählten führenden Wirtschaftsfakultäten.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Absolventenquote
Die Absolventenquote ist eine relative Kennzahl und orientiert sich an dem Output einer Hochschule, den Absolventen. Der Zähler beschreibt die Zahl der erfolgreichen Studienabschlüsse (Absolventen) und wird üblicherweise ins Verhältnis gesetzt zur Zahl der immatrikulierten Studenten im Jahrgang oder in der Regelstudienzeit. Je nach gewünschtem Informationsoutput lässt sich der Zähler alternativ auch in Relation
- zur Zahl des wissenschaftlichen Personals am betriebswirtschaftlichen Institut,
- zur Zahl der Studienanfänger im Jahr der erfassten Absolventen,
- zur Zahl der Absolventen eines BWL-Studiums im gesamten Hochschulraum Deutschlands,
- zur gleichaltrigen Bevölkerung setzen.
Generell eignet sich bereits die absolute Zahl der Absolventen als Erfolgsindikator, da sie sich mit dem Ziel der Hochschule, Studenten erfolgreich zum Studienabschluss zu führen, gut identifiziert. Die Absolventenquote erweitert diesen Indikator um einen Bezug. Je größer die Absolventenquote, desto mehr Erfolg wird man der Fakultät zusprechen. Die Zahl der Absolventen spiegelt jedoch nicht die reine Leistung der Fakultät wider, da zudem Immatrikulationszahlen, Verweildauer im Studium und vor allem die individuelle Leistung der Studenten maßgeblich die Absolventenzahlen beeinflussen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den durch den Bologna-Prozess verschärften Wettbewerb und die Notwendigkeit, Leistungen an Hochschulen durch geeignete Indikatoren im Rahmen eines Fakultätscontrollings messbar zu machen.
2 Erfolgsmessung im Fokus: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen der Erfolgsmessung und diskutiert die Herausforderungen bei der Abgrenzung von Kennzahlen und Indikatoren zur Qualitätssicherung.
3 Erfolgsmessung in der Lehre: Hier werden verschiedene quantitative Maße wie Studienanfängerzahlen und Studiendauer sowie qualitative Kriterien wie Evaluation und Internationalisierung zur Bewertung der Lehrqualität vorgestellt.
4 Erfolgsmessung in der Forschung: Das Kapitel analysiert Instrumente zur Messung der Forschungsleistung, darunter Publikationsraten, Drittmittelquoten sowie bibliometrische Zitieranalysen.
5 Rankings: Dieser Abschnitt kritisiert die Aussagekraft von Hochschulrankings, da diese oft auf heterogenen Methoden basieren und von Faktoren beeinflusst werden, die außerhalb des Einflussbereichs der Institute liegen.
6 Erfolgsmessung bei herausragenden Fakultäten: Es werden die Strategien der Universitäten Mannheim, Münster und St. Gallen analysiert, um Best-Practice-Beispiele für die Erfolgsmessung aufzuzeigen.
7 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass es keine universelle Erfolgsmessung gibt und Indikatoren stets in ein zielorientiertes System eingebettet und kritisch hinterfragt werden müssen.
Schlüsselwörter
Fakultätscontrolling, Erfolgsmessung, Hochschulmanagement, Lehre, Forschung, Kennzahlen, Indikatoren, Bologna-Prozess, Publikationsrate, Drittmittel, Studienabbruchquote, Evaluation, Rankings, Praxisnähe, Internationalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Analyse von Messgrößen, um den Erfolg von betriebswirtschaftlichen Fakultäten in Forschung und Lehre objektiv oder vergleichbar darzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind das akademische Controlling, die Quantifizierung von Lehr- und Forschungsleistungen sowie der strategische Einsatz von Kennzahlen im Hochschulmarketing.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, woran der Erfolg eines betriebswirtschaftlichen Instituts kurz- und langfristig gemessen werden sollte, um sowohl der internen Zielerreichung als auch externen Anforderungen gerecht zu werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive Analyse sowie ein Literaturvergleich gängiger Indikatoren, ergänzt um Fallbeispiele führender deutscher und internationaler Wirtschaftsfakultäten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Aufarbeitung quantitativer und qualitativer Indikatoren für Lehre und Forschung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Rankings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Fakultätscontrolling, Erfolgsindikatoren, Forschungs- und Lehrleistung, Kennzahlensysteme und Internationalisierung.
Wie unterscheidet sich die Erfolgsmessung der Universität Mannheim von anderen?
Die Universität Mannheim nutzt insbesondere eine internationale Doppel-Akkreditierung und spezifische bibliometrische Indikatoren, um ihre Spitzenposition und Forschungsqualität gezielt zu kommunizieren.
Warum wird die Aussagekraft von Hochschulrankings als umstritten eingestuft?
Rankings werden kritisiert, da sie häufig methodisch nicht repräsentativ sind und Faktoren in das Ergebnis einfließen, die nicht unmittelbar auf die Leistungsfähigkeit der Fakultät zurückzuführen sind.
- Quote paper
- Martin Fickentscher (Author), 2005, Erfolgsmessung: Woran sollte der Erfolg des betriebswirtschaftlichen Instituts dieser Fakultät in kurz- und langfristiger Perspektive gemessen werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53404