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Seduktion als persuasiver Sonderfall in Robert Greenes "24 Gesetze der Verführung": Was darf der Seduktor, was der Orator nicht darf?

Title: Seduktion als persuasiver Sonderfall in Robert Greenes "24 Gesetze der Verführung": Was darf der Seduktor, was der Orator nicht darf?

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Andreas Glombitza (Author)

Rhetoric / Elocution / Oratory
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„All is fair in love and war“, so sagt ein altes Sprichwort: Im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt. Liest man nur das Vorwort des populären Ratgebers „Die 24 Gesetze der Verführung“ von Robert Greene, bekommt man den Eindruck, dies ist sein Programm. Vom „Kampf um die Macht“1 ist da die Rede, von „Verführung als weiblicher Variante der Kriegführung“2, von der „Perspektive des Kriegers“3, die ein Verführer einnehmen müsse, auch davon, ein Opfer „in die Irre [zu] führen“, bis es schließlich durch den sexuellen Akt „weiter versklavt“4 werde. Das Sprichwort und Greenes martialische Metaphorik implizieren eine Art wesenhafte Verbindung von Liebe und Krieg: sie könnte darin bestehen, daß beide sich schlecht unter herkömmlichen moralischen Kategorien verhandeln lassen – indem beide scheinbar eine Art Verkehrung der Welt mit sich bringen. Zumindest könnte man sagen: einiges ist im Bereich der Partnerwerbung erlaubt, was in der Normalkommunikation verboten ist. Greene geht soweit, zu behaupten, als Verführte (also Verliebte) „verlieren [wir] die Fähigkeit des logischen Denkens und verhalten uns auf mancherlei Weise so irrational, wie wir es sonst nie tun würden“6 – der Verführer solle diesen Zustand induzieren. Verführung sei schließlich „eine Form der Täuschung“, und „Verführer [scheren] sich nicht um die Meinung anderer Menschen“7. Wenn wir uns einer Kunst der Verführung von innerhalb der Rhetoriktheorie aus nähern wollen, können wir mit einem derart kriegerischmanipulativen Ansatz natürlich nur beschränkt operieren. Um Seduktion als Phänomen innerhalb sozialer Systeme ansprechen zu können, müssen wir vielmehr versuchen, die speziellen Voraussetzungen aufzuzeigen, die einer Kommunikation, die auf seduktivpersuasive Beeinflussung abzielt, zugrunde liegen. Davon gilt es, Regelhaftigkeiten für eine ars seducendi abzuleiten, deren Anwendung sich nicht mehr unmittelbar dem Manipulationsvorwurf ausgesetzt sieht. Wir werden uns deshalb, nach Klärung der Grundbegriffe, zunächst klarmachen, was für Voraussetzungen für eine solche ars bestehen. Dann werden wir uns Greenes Verführertypen vornehmen und untersuchen, wo die Unterschiede zwischen Orator und Seduktor zu suchen sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was darf der Seduktor, was der Orator nicht darf?

2.1 Begriffe und Grundlagen

2.1.1 Techne/Ars

2.1.2 Anforderungen an eine Kasualrhetorik

2.1.3 Meta-telos und sub-tele der Seduktion, Zeitpunkt der Zertumserlangung

2.2 Technographische Bedingungen einer Ars Seducendi

2.3 Greene als Kasualrhetorik der Seduktion

2.3.1 Selbstanalyse, Image-Projektion, Integritätsproblematik

2.4 Bedingungen der erweiterten Seduktions-licentia

2.4.1 Das Kooperationsprinzip und seine Maxime

2.4.2 Greenes Anti-Verführer: Erkennen seduktiver Sondervoraussetzungen

3. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die rhetorischen Grundlagen und Besonderheiten der Verführung, wie sie in Robert Greenes Ratgeber "Die 24 Gesetze der Verführung" dargestellt werden. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, inwiefern sich der "Seduktor" als rhetorischer Akteur vom klassischen "Orator" unterscheidet und welche spezifischen Lizenzbereiche (licentia) für eine erfolgreiche Verführung gelten.

  • Analyse der rhetorischen Techniken der Verführung
  • Gegenüberstellung von Orator und Seduktor
  • Untersuchung von Fiktionalitätskontrakten in der Kommunikation
  • Anwendung des Kooperationsprinzips nach H.P. Grice auf Verführungsszenarien

Auszug aus dem Buch

2.4.2 Greenes Anti-Verführer: Erkennen seduktiver Sondervoraussetzungen

Es handelt sich um eine Szene aus Crébillons Roman „Irrwege des Herzens“: der junge Meilcour weilt nach einem gemeinsamen Theaterbesuch bei einer Dame, Madame de Lursay, in die er verliebt ist. Dies hat er ihr bereits offen gestanden. Madame hat diskret arrangiert, dass beide allein sind. Er sitzt mit ihr auf dem Sofa.

„[Meilcour] brachte kaum ein Wort heraus; [...] Um ihn zum Reden zu bringen, griff sie wieder das alte Thema auf: Aufgrund seiner Jugend wäre seine Liebe zu ihm nichts als eine vorübergehende Tollheit. Statt dies zu leugnen, blickte er mutlos drein und blieb weiterhin höflich auf Abstand [...].“

Durch einen ironischen Kommentar bringt sie Meilcour schließlich doch zur Tat: So [...] ergriff Meilcour ihre Hand und blickte ihr in die Augen. Sie errötete und sagte ihm, er müsse gehen, doch die Art und Weise, wie sie sich auf dem Sofa darbot und seine Blicke erwiderte, ließ den Schluß zu, daß er das Gegenteil tun sollte.

Meilcour allerdings geht, und die Verführung ist gescheitert:

Ihr erstaunter und irgendwie kalter Blick, so glaubte er, bedeutete, daß er in der Tat zu weit gegangen war, und so verabschiedete er sich und ging.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, indem sie die Metaphorik der Verführung als kriegerische und manipulative Kunst beleuchtet und den theoretischen Rahmen absteckt.

2. Was darf der Seduktor, was der Orator nicht darf?: Dieses Kapitel untersucht die theoretischen Voraussetzungen einer Ars Seducendi, insbesondere die Unterschiede zwischen klassischer Rhetorik und seduktiver Praxis.

2.1 Begriffe und Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe wie Techne, Kasualrhetorik und die Zielsetzung der Seduktion theoretisch fundiert.

2.1.1 Techne/Ars: Erläuterung der antiken Konzepte von Techne und Ars im Kontext von planvollem rhetorischem Handeln.

2.1.2 Anforderungen an eine Kasualrhetorik: Analyse der situativen Bedingungen und der Bedeutung der Adressatenanalyse für den Redner.

2.1.3 Meta-telos und sub-tele der Seduktion, Zeitpunkt der Zertumserlangung: Untersuchung der verschiedenen Phasen und Ziele der Verführung bei Greene.

2.2 Technographische Bedingungen einer Ars Seducendi: Betrachtung der methodischen Probleme bei der wissenschaftlichen Erfassung von Verführung, insbesondere hinsichtlich Authentizität und Ethik.

2.3 Greene als Kasualrhetorik der Seduktion: Kritische Auseinandersetzung mit Greenes Typologien und seiner Herangehensweise an die Seduktion.

2.3.1 Selbstanalyse, Image-Projektion, Integritätsproblematik: Analyse der Bedeutung der Selbstinszenierung und der Frage nach der Integrität des Seduktors.

2.4 Bedingungen der erweiterten Seduktions-licentia: Diskussion über die besonderen Freiheiten, die ein Verführer in seiner Kommunikation für sich in Anspruch nimmt.

2.4.1 Das Kooperationsprinzip und seine Maxime: Anwendung der Grice'schen Maximen auf den Kontext der Verführungskommunikation.

2.4.2 Greenes Anti-Verführer: Erkennen seduktiver Sondervoraussetzungen: Fallstudie zur Identifikation seduktiver Implikaturen anhand eines literarischen Beispiels.

3. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die wesentlichen Erkenntnisse und stellt die Rolle des Seduktors als Grenzgänger zwischen Fiktion und Realität heraus.

Schlüsselwörter

Verführung, Rhetorik, Robert Greene, Ars Seducendi, Kasualrhetorik, Persuasion, Manipulation, Fiktionalitätskontrakt, H.P. Grice, Kooperationsprinzip, Image-Projektion, Kommunikation, Seduktor, Orator, Implikatur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Robert Greenes Ratgeber "Die 24 Gesetze der Verführung" aus der Perspektive der allgemeinen Rhetorik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der rhetorischen Theorie der Verführung, der Abgrenzung zum Orator und der Untersuchung der Kommunikation zwischen Verführer und Zielperson.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt nach den spezifischen Voraussetzungen für seduktive Beeinflussung und untersucht, welche kommunikativen Freiheiten einem Verführer zugestanden werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt rhetorische Theoriebildungen, ergänzt durch kommunikationstheoretische Ansätze wie das Kooperationsprinzip von H.P. Grice.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Begriffe wie Techne, die Typologie der Verführer nach Greene sowie die Bedingungen einer "erweiterten Seduktions-licentia" analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Rhetorik, Verführung, Manipulation, Kasualrhetorik und Fiktionalitätskontrakt.

Warum wird H.P. Grice in dieser Arbeit verwendet?

Grice wird herangezogen, um zu erklären, wie durch gezielte Verletzung konversationeller Maximen ein "Seduktionskontrakt" zwischen den Beteiligten entstehen kann.

Welche Rolle spielt die Fiktion bei Greenes Verführer-Typen?

Die Arbeit arbeitet heraus, dass der Verführer oft wie ein Schauspieler agiert, der eine bestimmte Rolle oder Identität (wie den "Star") projiziert, um Faszination zu erzeugen.

Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Integrität des Verführers?

Der Verführer muss integer erscheinen, unterliegt aber aufgrund seiner Strategie der Fiktionalisierung einer besonderen Einschränkung im Vergleich zum klassischen Redner.

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Details

Title
Seduktion als persuasiver Sonderfall in Robert Greenes "24 Gesetze der Verführung": Was darf der Seduktor, was der Orator nicht darf?
College
University of Tubingen  (Seminar für Allgemeine Rhetorik)
Course
Ars Seducendi
Grade
1,0
Author
Andreas Glombitza (Author)
Publication Year
2005
Pages
19
Catalog Number
V53410
ISBN (eBook)
9783638488709
ISBN (Book)
9783638773300
Language
German
Tags
Seduktion Sonderfall Robert Greenes Gesetze Verführung Seduktor Orator Seducendi Persuasion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Glombitza (Author), 2005, Seduktion als persuasiver Sonderfall in Robert Greenes "24 Gesetze der Verführung": Was darf der Seduktor, was der Orator nicht darf?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53410
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