In meiner Hausarbeit „Die Funktion des Hässlichen im Expressionismus und in der frühen Lyrik Gottfried Benns“ möchte ich, wie der Titel schon andeutet, eine Ästhetik des Hässlichen in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen, die in der Kunst des Expressionismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie in keiner anderen Kunstrichtung zuvor ihren Ausdruck fand, und damit dem Lebensgefühl und der Wirklichkeitserfahrung einer ganzen Generation von Künstlern Ausdruck verlieh, sowie viele der nachfolgenden Generationen entscheidend in ihrer Wahrnehmung beeinflusste.
Als einer der bedeutendsten, wenn nicht sogar der bedeutendste dieser Künstler, die sich im expressionistischen Umfeld bewegten und das Hässliche programmatisch in ihr Werk einfließen ließen, war es der junge Gottfried Benn, der in seiner frühen Lyrik in krassen, schonungslosen Bildern, wie kein anderer das ästhetisch Hässliche verarbeitete und zum zentralen Objekt der Darstellung machte.
In meine Ausführungen möchte ich dementsprechend zunächst versuchen die Funktion des Hässlichen in der Kunst des Expressionismus im allgemeinen darzustellen, um dann auf dieser Grundlage zu einer Betrachtung der Verwendung und Funktion des Hässlichen in der frühen Lyrik Gottfried Benns zu gelangen. Diese Betrachtung wird im wesentlichen mit Textbeispielen aus der frühen Lyrik arbeiten und versuchen, anhand der Analyse dieser Beispiele, so viel wie möglich über die Funktion des Hässlichen im lyrischen Frühwerk Benns auszumachen.
Ziel eines abschließenden Fazits soll es dann sein, zu resümieren was sich über die Funktion des Hässlichen im Expressionismus und in Benns früher Lyrik aussagen lässt, und zu überprüfen inwieweit Gemeinsamkeiten oder Unterschiede dieser Funktion bei Benn im Vergleich zum Expressionismus feststellbar sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort: Inhalt, Aufbau und Intention der Arbeit
2. Zur Funktion des Hässlichen im Expressionismus und in der frühen Lyrik Gottfried Benns
2.1 Eine neue Ästhetik: Das Hässliche in Umkreis des Expressionismus
2.2 Die Funktion des Hässlichen in der frühen Lyrik Gottfried Benns
2.2.1 Der hässliche Mensch in der frühen Lyrik
3. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetische Funktion des Hässlichen im Expressionismus mit einem besonderen Fokus auf das lyrische Frühwerk von Gottfried Benn. Ziel der Untersuchung ist es, die Verwendung von Motiven des Hässlichen als Instrument der Wirklichkeitsverneinung und der Zertrümmerung traditioneller Menschenbilder zu analysieren und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zwischen dem allgemeinen expressionistischen Diskurs und Benns spezifischer Darstellung aufzuzeigen.
- Die Ästhetik des Hässlichen als expressionistische Neuerung.
- Die Darstellung des Menschen in der frühen Lyrik Gottfried Benns.
- Differenzierung zwischen natürlichem Verfall, Krankheit und körperlicher Missbildung.
- Die Entsakralisierung des Menschen durch die Reduktion auf fleischliche Aspekte.
- Kritische Analyse des Menschenbildes bei Benn im Vergleich zum Expressionismus.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Der hässliche Mensch in der frühen Lyrik
Viele der frühen Gedichte Benns, haben die menschliche Fleischlichkeit als zentrales Thema. Sie sind also insofern an die Realität gebunden, als sie auf „ein als real zu denkendes „Sujet“, sei es zuständlich oder vorgangshaft.“ zurückweisen.
Der menschliche Körper ist dabei Ausgangspunkt der Betrachtung und insofern als etwas real Vorgegebenes gedacht. Er wird sowohl in seiner lebendigen als auch in seiner toten „Form“ zum Objekt der lyrischen Anschauung.
So werden beispielsweise in der „Morgue“ in fast schon sachlich nüchtern anmutender Art Körper von Leichen aus dem Leichenschauhaus und deren Sektionen beschrieben (vgl.: „kleine Aster“, „Negerbraut“, „Requiem“, „Schöne Jugend“).
Der lebendige menschliche Körper wird zum Beispiel im Gedicht „Saal der kreißenden Frauen“, wo Geburtsvorgänge in einem Berliner Krankenhaus geschildert werden, oder im Zyklus „Der Arzt“, der nur so von beschreibenden Momenten des menschlichen Körpers strotzt, zum Objekt der Betrachtung.
Beide Formen: der tote und der lebendige menschliche Körper, werden vom Lyriker Benn hinsichtlich der Hässlichkeit des menschlichen Fleisches betrachtet. Hierbei differenziert er in vier Themenkreise: 1. Der tote, verfallene Körper 2. Der von Krankheit befallene Körper 3. Der missgebildete Körper und 4. Der menschliche Körper an sich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Inhalt, Aufbau und Intention der Arbeit: Das Vorwort führt in die Thematik der Ästhetik des Hässlichen ein und definiert das Ziel, Gottfried Benns Lyrik im expressionistischen Kontext zu untersuchen.
2. Zur Funktion des Hässlichen im Expressionismus und in der frühen Lyrik Gottfried Benns: Dieses Kapitel erläutert die allgemeine Abkehr des Expressionismus von der traditionellen Schönheitsdoktrin zugunsten einer Darstellung des Hässlichen als Ausdrucksmittel.
2.1 Eine neue Ästhetik: Das Hässliche in Umkreis des Expressionismus: Es wird analysiert, wie der Expressionismus durch den Bruch mit dem "guten Geschmack" und der antiken Ästhetik eine neue künstlerische Freiheit und Wirklichkeitswahrnehmung legitimiert.
2.2 Die Funktion des Hässlichen in der frühen Lyrik Gottfried Benns: Der Fokus liegt auf der Schockwirkung von Benns frühen Gedichten, die maßgeblich durch die ungeschönte Darstellung des menschlichen Körpers geprägt sind.
2.2.1 Der hässliche Mensch in der frühen Lyrik: Hier erfolgt eine detaillierte Differenzierung in Themenbereiche wie den toten Körper, Krankheit, Missbildung und das Fleischliche als Ausdruck eines nihilistischen Menschenbildes.
3. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Benns Lyrik das Hässliche nutzt, um die menschliche Existenz und die Verbindung zu metaphysischen Werten radikal zu entwerten.
Schlüsselwörter
Gottfried Benn, Expressionismus, Ästhetik des Hässlichen, Lyrik, Fleischlichkeit, Wirklichkeitsverneinung, Schock, Körperbild, Entsakralisierung, Morgue, Nihilismus, Dekadenz, menschliche Existenz, Moderne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion des Hässlichen als zentrales Gestaltungsmittel im deutschen Expressionismus und insbesondere im frühen lyrischen Schaffen von Gottfried Benn.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Abkehr vom Schönheitsideal, die medizinisch geprägte Wahrnehmung des menschlichen Körpers, der Verfall sowie die Entwertung des Menschenbildes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, welche Funktion das Hässliche bei Benn einnimmt und inwieweit Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zur allgemeinen expressionistischen Ästhetik bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär mit Textbeispielen aus den Gedichtbänden Benns und einschlägiger Sekundärliteratur arbeitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur expressionistischen Ästhetik und eine detaillierte Analyse der Darstellung des Menschen bei Benn unterteilt in Themenbereiche wie Tod, Krankheit und Ernährung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fleischlichkeit, Hässlichkeit, Zertrümmerung, Entsakralisierung und moderne Identitätskrise charakterisiert.
Wie unterscheidet Benn zwischen dem lebendigen und dem toten Körper?
Benn betrachtet sowohl den toten als auch den lebendigen Körper als Ausdruck einer hässlichen Materialität, wobei er den Menschen auf seine biologische Substanz reduziert, sei es durch Verwesung oder Krankheit.
Welches Menschenbild resultiert aus Benns Darstellung?
Benn vermittelt ein Menschenbild, das jeglicher Metaphysik oder Würde entbehrt; der Mensch wird als "Geknolle" oder "Ausscheidungsprodukt" der Erde auf die Stufe des Tierischen zurückgeworfen.
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- Benedikt Fuchs (Author), 2004, Die Funktion des Hässlichen im Expressionismus und in der frühen Lyrik Gottfried Benns, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53440