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Modernisation ou Decadence - Modernisierung in Frankreich von den 30er bis in die 60er Jahre

Title: Modernisation ou Decadence - Modernisierung in Frankreich von den 30er bis in die 60er Jahre

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 35 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Moritz Deutschmann (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Die Zeit zwischen Anfang der 50er Jahre und den frühen 70er Jahren wirkt, verglichen mit der Zeit zwischen 1919 und 1945, in den meisten Länder Westeuropas geradezu wie ein „goldenes Zeitalter“. Während man in Deutschland dabei vor allem an das „Wirtschaftswunder“ denkt, ist in Frankreich häufig von den „Trente Glorieuses“ die Rede, wie der französische Ökonom Jean Fourastié die Jahre zwischen 1945 und 1975 bezeichnete . Während die wirtschaftlichen Modernisierungsprozesse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oft genug zu schweren gesellschaftlichen Erschütterungen geführt hatten, schien dies in der Mitte des Jahrhunderts ziemlich schlagartig vorbei zu sein. Modernisierung erschien den Zeitgenossen immer häufiger nicht mehr als ein unkontrollierbar ablaufender, zerstörerischer Prozess, sondern als Weg zu einer besseren Gesellschaft.
Trotz dieser grundsätzlichen erfahrungsgeschichtlichen Gemeinsamkeit ist auffällig, wie stark sich die Modernisierungsmodelle der Nachkriegszeit in einzelnen europäischen Länder unterschieden. Ein in mancher Hinsicht besonders extremes Beispiel ist Frankreich, wo die Modernisierung der Wirtschaft unter einer zumindest symbolisch so starken Vorherrschaft des Staates stattfand wie in keinem anderen kapitalistischen Land Europas.
In dieser Hausarbeit soll der Modernisierungsprozess in Frankreich in zweierlei Hinsicht untersucht werden: Erstens soll klar werden, warum und wie bestimmte Gruppen in der französischen Gesellschaft unter wechselnden politischen Umständen seit den 30er Jahren auf eine Erneuerung des Landes hinarbeiteten und wie sie nach dem Krieg im Rahmen der „Planification“ eine gezielte Modernisierungspolitik einleiteten. Zweitens soll es darum gehen, welches Bild der Moderne und von Modernisierung die Planungsexperten aus ihren Erfahrungen abgeleitet haben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

II. EINLEITUNG

III. FRANKREICH UND DIE MODERNE IN DER ZWISCHENKRIEGSZEIT

A. EINE BLOCKIERTE GESELLSCHAFT?

B. REFORMVORSTELLUNGEN SEIT DEM ERSTEN WELTKRIEG

IV. DIE BESATZUNGSZEIT

A. DIE POLITIK DER VICHY-REGIERUNG

B. DIE IDEEN DES ”FREIEN FRANKREICH” UND DER RÉSISTANCE

V. NACHKRIEGSZEIT

A. DIE ENTSTEHUNG DER WIRTSCHAFTSPLANUNG

B. NATIONALISIERUNGEN

C. EUROPÄISCHE INTEGRATION

VI. DIE PLANUNGSEXPERTEN UND DIE MODERNE

A. PRODUKTIVITÄT STATT ”MALTHUSIANISMUS”

B. RATIONALE ORDNUNG STATT PARTIKULARISMUS

C. TECHNOKRATIE

VII. ERGEBNISSE

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht den Modernisierungsprozess in Frankreich von den 1930er bis in die 1960er Jahre. Ziel ist es, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Triebkräfte hinter der staatlich gelenkten Erneuerung des Landes zu analysieren und das Bild der Moderne zu beleuchten, das die damaligen Planungsexperten prägte.

  • Die Wahrnehmung der französischen Gesellschaft als "blockiert" in den 1930er Jahren.
  • Der Einfluss der Besatzungszeit und der Vichy-Regierung auf die späteren Reformkonzepte.
  • Die Rolle von Jean Monnet und die Etablierung der Wirtschaftsplanung ("Planification").
  • Die Bedeutung der Nationalisierungen und der europäischen Integration für den wirtschaftlichen Wiederaufbau.
  • Die technokratischen Visionen und das Selbstverständnis der damaligen Planungseliten.

Auszug aus dem Buch

A. Produktivität statt ”Malthusianismus”

Am Anfang seines sprichwörtlich gewordenen Buch ”Les Trente Glorieuses” stellt Jean Fourastié zwei Dörfer in Frankreich gegenüber: Während im ersten Dorf der Großteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebt, die wenigsten ein Auto haben, und die Mehrzahl der Einwohner ihren Geburtsort nie verlässt, arbeiten im zweiten Dorf die meisten im Dienstleistungsbereich und pendeln zur Arbeit in die nächste Stadt. Von ihnen ist nur noch weniger als die Hälfte im Dorf oder der unmittelbaren Umgebung geboren. Nach einiger Zeit eröffnet Fourastié dem Leser, dass er nicht über zwei verschiedene Dörfer redet, sondern das gleiche französische Dorf zu unterschiedlichen Zeiten meint, einmal im Jahr 1946 und einmal 1975. Fourastié beklagt, dass die rapide wirtschaftliche Entwicklung Frankreichs in diesem Zeitraum von der Bevölkerung entweder überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, oder auf die falschen Ursachen, nämlich die Umverteilungspolitik der Linken oder der Gewerkschaften zurückgeführt würde. Die wirkliche Ursache für die erfolgreiche Entwicklung hätte man vollkommen übersehen: Die enorme Steigerung der Produktivität.

Produktivitätssteigerung erschien Fourastié als eine Lösung für die meisten sozialen und wirtschaftlichen Probleme - ganz im Gegensatz zur Kritik an der ”Überproduktion” und den Rationalisierungen, die noch während der dreißiger Jahre dominiert hatte und die in der wirtschaftspolitischen Debatte der Nachkriegszeit mit dem abwertenden Begriff „Malthusianismus“ gekennzeichnet wurde. Mit dem Konzept der Produktivitätssteigerung konnte man nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg Frankreichs nach dem Krieg erklären, sondern auch eine Entideologisierung der wirtschaftspolitischen Debatte vorantreiben, denn schließlich war auch in der Sowjetunion die Erhöhung der Produktivität ein wesentliches politisches Ziel – insofern erschien dieses Ziel auch als eine denkbare politisch neutrale ”Grundlage der neuen Sozialwissenschaft”, wie Fourastié es vorschlug.

Zusammenfassung der Kapitel

II. EINLEITUNG: Die Einleitung definiert den zeitlichen Rahmen der Untersuchung und legt den Fokus auf den französischen Modernisierungsprozess sowie das Handeln der Planungsexperten.

III. FRANKREICH UND DIE MODERNE IN DER ZWISCHENKRIEGSZEIT: Dieses Kapitel analysiert die Wahrnehmung der französischen Gesellschaft als rückständig und blockiert, geprägt durch eine Schwäche des Staates und des Wirtschaftssystems.

IV. DIE BESATZUNGSZEIT: Hier wird untersucht, wie die Kriegsniederlage 1940 als Chance für institutionelle Reformen begriffen wurde und welche Ansätze für eine staatliche Wirtschaftsplanung innerhalb der Vichy-Regierung und Résistance entstanden.

V. NACHKRIEGSZEIT: Dieses Kapitel behandelt die konkrete Umsetzung der wirtschaftspolitischen Erneuerung durch die Einrichtung der Planungsbehörde, Nationalisierungen und die europäische Integration.

VI. DIE PLANUNGSEXPERTEN UND DIE MODERNE: Der Fokus liegt hier auf den theoretischen Vorstellungen und dem Selbstverständnis der Funktionäre, die den Modernisierungsprozess mit einem Fokus auf Produktivität und rationale Ordnung vorantrieben.

VII. ERGEBNISSE: Das Fazit zieht eine Bilanz der französischen Modernisierungspolitik und diskutiert den Gründungsmythos der "Planification" in der vierten Republik.

Schlüsselwörter

Frankreich, Modernisierung, Planification, Jean Monnet, Vichy-Regierung, Nachkriegszeit, Produktivitätssteigerung, Technokratie, Nationalisierung, Europäische Integration, Wirtschaftsplanung, Verwaltungselite, Reform, Wirtschaftswachstum, Sozialgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse in Frankreich zwischen den 1930er und 1960er Jahren, mit besonderem Fokus auf den staatlich gelenkten Modernisierungswillen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Felder sind die Überwindung der wirtschaftlichen Stagnation, die Rolle der technokratischen Planungseliten, der Aufbau der Wirtschaftsstatistik und der Einfluss des Staates als Akteur des sozialen Fortschritts.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es soll geklärt werden, warum und wie Akteure in der französischen Gesellschaft seit den 30er Jahren eine Erneuerung anstrebten und welche Vorstellungen von "Moderne" die Planungsexperten aus ihrer Praxis ableiteten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politik- und sozialgeschichtliche Analyse, die historische Quellen sowie zeitgenössische Konzepte der Wirtschaftsplanung und Modernisierungstheorien auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Zwischenkriegs- und Besatzungszeit, eine detaillierte Betrachtung der nachkriegszeitlichen Wirtschaftsreformen und eine Untersuchung der Weltanschauung der planenden Elite.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Modernisierung, "Planification", Technokratie, Produktivität, Jean Monnet und das französische Modell der staatlichen Wirtschaftssteuerung.

Welche Rolle spielte die Besatzungszeit für den späteren Modernisierungsprozess?

Die Besatzungszeit fungierte als Wendepunkt, da sie den Druck zur wirtschaftlichen Neuordnung erhöhte und eine modernisierungswillige Gruppe von Funktionären innerhalb der Verwaltung stärkte, die später die Nachkriegspolitik prägten.

Was bedeutet der Begriff "économie concertée"?

Der Begriff beschreibt das von François Bloch-Lainé geprägte Modell eines dauerhaften, kooperativen Austauschs von Informationen zwischen Staat, Arbeitgebern und Gewerkschaften, um die Wirtschaft zu lenken, ohne eine sowjetische Planwirtschaft einzuführen.

Warum gab es Widerstände gegen die Technokratie?

Der Begriff war in Frankreich negativ konnotiert und löste Befürchtungen vor einer undemokratischen Machtübernahme durch eine geschlossene Gruppe von Experten und Funktionären aus, was durch Mythen wie die "Synarchie" verstärkt wurde.

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Details

Title
Modernisation ou Decadence - Modernisierung in Frankreich von den 30er bis in die 60er Jahre
College
University of Freiburg  (Historisches Seminar)
Course
Hauptseminar: Die Moderne und die Theorien der Moderne
Grade
1,3
Author
Moritz Deutschmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
35
Catalog Number
V53446
ISBN (eBook)
9783638489010
ISBN (Book)
9783638656832
Language
German
Tags
Modernisation Decadence Modernisierung Frankreich Jahre Hauptseminar Moderne Theorien Moderne Nachkriegszeit Wirtschaftswunder Mondernisierungstheorie Monnet Marjolin Europäische Wirtschaftsgemeinschaft Planification Planung Wirtschaftsplanung Wirtschaftsgeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Moritz Deutschmann (Author), 2005, Modernisation ou Decadence - Modernisierung in Frankreich von den 30er bis in die 60er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53446
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