Pablo Escobar. Massenmörder oder Wohltäter?

Wie wirkte sich das Handeln des realen Vorbildes der Serie „Narcos“ auf die kolumbianische Politik aus?


Hausarbeit, 2019

9 Seiten, Note: 15 Punkte

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Serie „Narcos“

3. Die Person Pablo Escobar

4. Politische Lage Kolumbiens zur Zeit Escobars

5. Einfluss Escobars auf die Politik

6. Inhaftierung in „La Catedral“

7. Tod von Pablo Escobar

8. Fazit

9.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit soll sich mit dem Vorbild der Serie „Narcos“ Pablo Escobar und im Besonderen mit dem Kontrast zwischen der einerseits kriminellen und andererseits wohltätigen Seite seiner Person befasst werden. Des Weiteren soll sein Einfluss auf die landesweite nationale Politik Kolumbiens erörtert werden.

Mein Interesse zu diesem Thema wurde durch die Serie „Narcos“ geweckt, die Pablo Escobar von seiner offensichtlich schwerstkriminellen Seite zeigt, ihn aber auch immer wieder als wohltätigen und großzügigen Freund des Volkes dargestellt. Diese Disparität möchte ich in dieser Arbeit detaillierter untersuchen.

2. Die Serie „Narcos“

In der Serie „Narcos“ wird das Leben, der Werdegang zum Schwerstkriminellen und der Tod des weltweit bekannten Drogenbarons Pablo Escobar behandelt.1

Zum einen wird die terroristische und zerstörerische Seite Escobars in Verbindung mit seinem Drogenkartell thematisiert. Zum anderen werden die volksnahen Eigenschaften des damals von der sozial schwachen Bevölkerung als „Robin Hood“ bezeichneten Kolumbianers beleuchtet.2

Eine der Besonderheiten der Serie ist, wie es dem Regisseur gelingt, das Leben Escobars realistisch dokumentativ und gleichzeitig actionreich zu gestalten.3

3. Die Person Pablo Escobar

Pablo Emilio Escobar Gaviria wurde 1949 in Rionegro in der Nähe der Stadt Medellín4, Kolumbien geboren.5 Er hatte sechs Geschwister und ist in einem mittellosen Umfeld aufgewachsen. Unter anderem deswegen lernte er schon in frühen Jahren sich mit Gewalt durchzusetzen. Escobar erlangte durch seine revolutionäre Weiterentwicklung des Drogenschmuggels zwischen Kolumbien und den USA und seinen damit verbundenen Straftaten sowie seines Reichtums durch die Industrialisierung der Kokainherstellung weltweite Bekanntheit.6

Zudem war er der Kopf des sogenannten „Medellín-Kartells“7, welches den Drogenhandel industrialisierte und Escobar somit zu einem der reichsten Menschen der Welt werden ließ.8

In Kontrast zum kriminellen Charakterzug des „Patron“9 stand allerdings seine überaus großzügige Art gegenüber den Armen Medellíns. So baute er beispielsweise vierhundert Häuser für die Bewohner einer Müllhalde der Stadt. Dadurch kam es zu einer Art „Verehrung“ Escobars, in dem von ihm errichteten Viertel hängen zum Beispiel bis heute Porträts seiner Person direkt neben denen von Heiligen.10

4. Politische Lage Kolumbiens zur Zeit Escobars

Im Jahr 1970 gab es während der Präsidentschaftswahl einen Betrugsverdacht. Die Anhänger des Militärgenerals Rojas Pinilla, der die Wahl nur knapp verlor, gründeten daraufhin die Guerillabewegung „M-19“11, welche zum Höhepunkt von Escobars Karriere noch von Bedeutung sein sollte.12

Zu der Zeit von Pablo Escobar herrschte in Kolumbien ein politisches Chaos. Wenige mächtige Familien kontrollierten die Regierung und ihre Ressourcen.13

Als Jorge Gaitan für die Präsidentschaft kandidierte, um die Ungerechtigkeit innerhalb des Landes zu beseitigen, wurde er ermordet.14 Infolgedessen verfiel Kolumbien in eine Art Anarchie. „Es existierte kein staatliches Machtmonopol“[14] und ca. 200.000 Menschen verloren unter anderem durch Guerillabewegungen in den folgenden Jahren ihr Leben. Das waren die ersten politischen Erfahrungen in Pablo Escobars Leben.15

1982 trat der konservative Belisario Bentacur seine Präsidentschaft an und versprach dem Volk einen Friedensvertrag mit den wütenden Bewegungen. Er erreichte einen Waffenstillstand mit der seit 1970 wütenden „M-19“, allerdings ohne großen Erfolg. Das Militär fühlte sich vom Machthaber übergangen und so beschuldigten sich Militär und M-19 gegenseitig, den Vertrag gebrochen zu haben, sodass die Kämpfe zwei Jahre nach Erlass des Friedensvertrages weitergingen.16 Die M-19 besetzte daraufhin den Justizpalast in der Hauptstadt Bogota und forderte den Präsidenten auf, sich zum Verstoß gegen den Waffenstillstand zu bekennen.17 Infolge dessen stürmte das Militär den Palast. Allerdings wartete das Militär keinen Befehl des Präsidenten ab und ging äußerst rücksichtslos und brutal vor, was einerseits die Unzufriedenheit des Militärs gegenüber den Friedensverhandlungen des Präsidenten widerspiegelt, andererseits auch auf einen Putschversuch schließen lassen kann.18 Diese Vermutung sollte bei der Aufarbeitung des Vorfalls jedoch Zweifel aufwerfen.

5. Einfluss Escobars auf die Politik

1982 ließ Escobar sich als Abgeordneter in den Kongress wählen, nachdem er als großzügiger Sponsor von Kultur- und Sportereignissen in der Bevölkerung populär wurde und seine Verstrickung in den Drogenhandel bis dahin nicht nachweisbar war.19 Zudem lag auch die Immunität, die er als Abgeordneter erhalten würde stark, in seinem Interesse.20

Als seine Verbindung zum Drogenhandel vom damaligen Justizminister Lara Bonilla aufgedeckt wurde, musste er sein Mandat ablegen, blieb aufgrund seiner Korruption und Bedrohungen inoffiziell immer noch sehr einflussreich.21 Später forderten die USA in Folge der Aufdeckung Escobars Verbindungen zum Drogenschmuggel die Auslieferung, diesem gab die kolumbianische Regierung statt.22 Daraufhin ermordete Escobar zahlreiche für den Auslieferungsprozess verantwortliche Polizisten, Richter sowie Anwälte und terrorisierte Kolumbien. Den Gipfel erreichte der Terror, als der Drogenbaron 1989 den Befehl gab, ein Zivilflugzeug abzuschießen. Er vermutete dort den ihm feindlich gesonnenen Präsidentschaftskandidaten und wollte diesen ermorden. Er war allerdings nicht an Bord und Escobar tötete alle 107 unschuldigen Flugzeuginsassen.23

Ihm wird außerdem vorgeworfen, maßgeblich am Sturm des Justizpalastes in Bogota 1985 beteiligt gewesen zu sein und diesen in Auftrag gegeben zu haben.24 Grund für diesen Verdacht war das in Brand setzen des vierten Stocks des Obersten Gerichts durch die Guerillas. In diesem Abschnitt des Gebäudes befanden sich alle Dokumente, die in Verbindung zum Auslieferungsabkommen mit den USA bezüglich Drogenhändler standen.25 Außerdem wurde während des Sturms der für das Abkommen verantwortliche Verfassungsrichter ermordet.26 Als der zuständige Justizminister Lara Bonilla schließlich die Zerstörung von "Tranquilandia"27 im Urwald Kolumbiens verfügte, ließ Escobar ihn von einem Motorrad aus auf einer Schnellstraße in Bogota in seinem Dienstwagen hinrichten. Bonilla hatte einige Jahre zuvor verhindert, dass Escobar ein Mandat als Abgeordneter erhielt. Die Regierung drohte ihm hingegen weiterhin mit der Auslieferung an die USA, die Escobar mit allen Mitteln verhindern wollte. „Lieber ein Grab in Kolumbien, als eine Zelle in den USA“ bestätigt die Angst vor amerikanischer Haft.28 Deshalb bot Escobar an, alle Staatsschulden zu begleichen, sollte die Regierung das Auslieferungsabkommen platzen lassen. Dieser Deal kam zu Leiden von Escobar allerdings nie zustande.29

6. Inhaftierung in „La Catedral“

Nur einige Jahre später drohte die Regierung Kolumbiens erneut mit der Auslieferung von Drogenschmugglern an die USA.30

Nach jahrelanger Verfolgung Escobars war dies die einzige Möglichkeit, die die Regierung noch sah, um Escobar zu fassen. Escobar ließ sich auf Verhandlungen ein, terrorisierte jedoch weiterhin das Land, um so neben den Verhandlungen Druck auf die Regierung auszuüben und das Auslieferungsabkommen erneut zu verhindern.31 Wider den Erwartungen stellte sich Escobar der Regierung und behauptete, es sei eine Reaktion auf die Politik des Friedens und die Stärkung der Justiz durch den Präsidenten, wofür er bereit sei, so viele Jahre im Gefängnis zu verbringen, wie für den Frieden seiner Familie und seines Landes nötig wären. Ein weiterer Grund für seine Kapitulation sei auch das Gefühl gewesen, dass die Zahl seiner Verbündeten schwindet und er sich mit seinem Geld zur Ruhe setzen wollte.32 Die essenzielle Bedingung für Escobar war jedoch, dass er sich ein eigenes Gefängnis auf einem seiner Anwesen bauen durfte. Die Regierung willigte ein und so baute der Drogenbaron ein Gefängnis ganz nach seinen eigenen Vorlieben. Neben einem Whirlpool und einer Diskothek ließ er sich von der Regierung einen Fitnessraum, Billardtische und einen Fußballplatz innerhalb des Gefängnisses bauen.33 Er feierte Partys und lud sich Prostituierte in sein Gefängnis ein, sogar Spieler der kolumbianischen Nationalmannschaft ließ er einfliegen, um mit ihnen Fußball zu spielen.34

Außerhalb seines Gefängnisses überwachten Militärpolizisten das Gefängnis, da Escobar der staatlichen Polizei nicht traute. Innerhalb seines Gefängnisses dienten seine jahrelangen Leibwächter als Wachen, was ihm alle Freiheiten ermöglichte. Außerdem war er auch für seine eigene Überwachung in den Mauern des Gefängnisses verantwortlich.35 36

[...]


1 Vgl. Serienjunkies <https://www.serienjunkies.de/narcos/>

2 Ebd.

3 Vgl. Rehfeld, Nina: Vom Aufstieg und Fall eines Drogenbosses, Frankfurter Allgemeine, 05.09.2015

4 Stadt in Kolumbien

5 Vgl. Biografie: Pablo Escobar, Whoiswho <http://www.whoswho.de/bio/pablo-escobar.html>

6 Ebd.

7 Das Medellín-Kartell war neben dem Cali-Kartell Anfang der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre der größte Kokain-Exporteur weltweit.

8 Vgl.Biografie: Pablo Escobar, <http://www.whoswho.de/bio/pablo-escobar.html>

9 Spitzname Escobars, bedeutet so viel wie: „Beschützer“ oder „Chef“

10 Vgl. Lichterbeck, Philipp: Pablo Escobar: Killer, Staatsfeind, Volksheld, Der Tagesspiegel, 13.12.2009

11 Die Guerillabewegung „Movimiento 19 de Abril“, kurz „M-19“ ist eine Bewegung die von einer Miliz am 19. April 1970 nach den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien gegründet wurde.

12 Vgl. Simon Cleven: Ein Drogenboss, 35 Terroristen und elf tote Richter, Welt, 01.11.2019

13 Ebd.

14 Vgl. Lichterbeck, Philipp: Pablo Escobar: Killer, Staatsfeind, Volksheld, Der Tagesspiegel, 13.12.2009

15 Ebd.

16 Vgl. Cleven, Simon: Ein Drogenboss, 35 Terroristen und elf tote Richter, Welt, 01.11.2019

17 Ebd.

18 Ebd.

19 Vgl. Die lange Blutspur des Drogenbarons, Welt, 22.12.2007

20 Vgl. Lichterbeck, Philipp: Pablo Escobar: Killer, Staatsfeind, Volksheld, Der Tagesspiegel, 13.12.2009

21 Ebd.

22 Ebd.

23 Ebd.

24 Vgl. Cleven, Simon: Ein Drogenboss, 35 Terroristen und elf tote Richter, Welt, 01.11.2019

25 Ebd.

26 Ebd.

27 Eine von Escobars Kokainküchen

28 Vgl. Ehringfeld, Klaus: Der Schneekönig, 02.12.2013, Der Spiegel

29 Vgl. Ehringfeld, Klaus: Der Schneekönig, 02.12.2013, Der Spiegel

30 Selbstgebautes und selbstverwaltetes Gefängnis Escobars

31 Vgl. Eglau, Victoria: Als Escobar aus seinem Luxusgefängnis floh, 22.07.2017, Deutschlandfunk

32 Ebd.

33 Vgl. Kolumbien: Guter Mensch, 17.06.1991/ (Ausgabe 25), Der Spiegel

34 Vgl. Ehringfeld, Klaus: Der Schneekönig, 02.12.2013, Der Spiegel

35 Ebd.

36 Vgl. Eglau, Victoria: Als Escobar aus seinem Luxusgefängnis floh, 22.07.2017, Deutschlandfunk

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Pablo Escobar. Massenmörder oder Wohltäter?
Untertitel
Wie wirkte sich das Handeln des realen Vorbildes der Serie „Narcos“ auf die kolumbianische Politik aus?
Note
15 Punkte
Jahr
2019
Seiten
9
Katalognummer
V534852
ISBN (eBook)
9783346125002
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Genaue Fragestellung war : Pablo Escobar: Massenmörder oder Wohltäter? – Wie wirkte sich das Handeln des realen Vorbildes der Serie „Narcos“ auf die kolumbianische Politik aus?
Schlagworte
pablo, escobar, massenmörder, wohltäter, handeln, vorbildes, serie, narcos, politik
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Anonym, 2019, Pablo Escobar. Massenmörder oder Wohltäter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/534852

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