Die Entwicklung der Figur König Philipp im Drama Don Karlos von Friedrich Schiller


Hausarbeit, 2018

13 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Historische Quellen

3. Figurenkonstellationen
3.1. König Philipp - Dom Karlos
3.2. König Philipp - Königin Elisabeth
3.3. König Philipp - Marquis von Posa

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Angeregt durch den Intendanten Wolfgang Dalberg, befasst sich Friedrich Schiller ab 1782 mit der Geschichte des Spanischen Könighauses des 16. Jahrhunderts und findet in dem historischen Stoff die Grundlage für sein Werk „Dom Karlos – Infant von Spanien“, welches im Jahr 1787 erstmals in Buchform veröffentlicht wird. Der Unabhängigkeitskampf der niederländischen Provinzen von Spanien unter der Herrschaft von König Philipp II. sowie die familiären und sozialen Konflikte am spanischen Hof dienen Schiller als Inspiration, sein eigenes aufklärerisches Gedankengut in eine dramatische Form zu bringen.

[D]as kühnste Ideal einer Menschenrepublik, allgemeiner Duldung und Gewissensfreiheit, wo konnte es besser und wo natürlicher zur Welt geboren werden, als in der Nähe Philipps II. und seiner Inquisition?[1]

Diese Frage stellt Friedrich Schiller im zweiten Brief seiner Schrift „Briefe über Don Karlos“[2] einem imaginären Empfänger, rechtfertigt damit die Wahl seines Stoffes gegenüber zeitgenössischen Kritikern und hebt die Bedeutsamkeit der Königsfigur hervor. Schiller macht es sich in seinem Drama zur Aufgabe, die Menschlichkeit hinter der institutionellen Maske des Souveräns aufzuzeigen. Das Bild des tyrannischen Herrschers wird ergänzt um das eines empfindsamen Mannes. Gerade diese Ambivalenz des Charakters macht König Philipp zu einer der komplexesten Figuren in allen Schiller’schen Werken.

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung des Antagonisten unter Berücksichtigung verschiedener Leitmotive (Macht, Eifersucht, Freundschaft etc.). Um eine umfassende Übersicht über die Entwicklungsgeschichte der Figur zu erlangen, scheint es zunächst sinnvoll, die historischen Quellen darzulegen, die Schiller als Vorlage dienten. König Philipps Verhältnis zu den Figuren Dom Karlos[3], Marquis von Posa und Königin Elisabeth bilden das Gerüst der Analyse und helfen, den inneren und äußeren Konflikt des Charakters in eine geordnete Form zu bringen.

2. Historische Quellen

Als eine der ersten und wichtigsten Quellen in der Erarbeitung des Karlos-Stoffs gilt die historische Novelle „Histoire de Dom Carlos“ des Abbés de St. Réal aus dem Jahr 1682. „Schiller übernahm von St. Real alle wichtigen Personen und im wesentlichen auch die Konzeption der Gestalt Philippes [...]“[4], stellt Ingeborg Scholz in ihrem Buch „Friedrich Schiller – Don Karlos. Interpretationen und Anregungen zur Unterrichtsgestaltung“ fest und bemerkt in diesem Zusammenhang, dass die literarische Figur nicht mit der historischen Figur gleichzusetzen sei. Auch Peter-André Alt weist in seiner Schiller-Monographie, veröffentlicht im Jahr 2000, unter dem Titel „Vom Familienstück zur Tragödie der Macht. Fünf Arbeitsjahre für ein Drama neuen Typs“ darauf hin, dass es sich bei St. Réals Erzählung um eine freie Wiedergabe der geschichtlichen Ereignisse handelt.[5] Alt zufolge ist der Grund für diese Darstellungsweise die „spanienkritische Position“[6] des französischen Schriftstellers.

In der fünfjährigen Entstehungszeit des Stücks bemühte sich Schiller, der unter anderem auch Historiker war, um eine vollständige Erschließung der historischen Fakten zur Regierungszeit König Philipps. Teil der ausgiebigen Quellenlektüre waren unter anderem „The History of the Reign of Philipp the Second, King of Spain“ von Robert Watson aus dem Jahr 1777, Jean-Louis Sébastien de Merciers „Portrait de Philipp II, Roi d’Espagne“, veröffentlicht 1785 und „Allgemeine Historie von Spanien“ von Johann von Ferrera“ (1758-60).

Mercier sieht es als seine Aufgabe als Schriftsteller und Geschichtsschreiber, die außergewöhnliche Grausamkeit des spanischen Königs für die Nachwelt festzuhalten und lässt keinen Zweifel daran, dass Philipp ein „Ungeheuer“[7] war. Watson hingegen porträtiert Philipp als einen vielschichtigen Charakter, der zerrissen von tyrannischem Machtanspruch und menschlicher Schwäche der fiktiven Figur im „Dom Karlos“ am ähnlichsten zu sein scheint. Die widersprüchlichen Facetten des Herrschers werden von Schiller in dem Buch „Abfall der vereinigten Niederlande gegen die spanische Regierung“, veröffentlicht 1788, noch einmal ausgiebig untersucht. Der Schriftsteller bemühte sich, in Philipps Psychologie einzudringen und den Ursprung der negativen Persönlichkeit zu erforschen. Teil der charakterlichen Prägung war für Schiller die Herkunft Philipps („sein Blut“[8] ) sowie die „finsteren Kinderjahre“[9]. Pointiert stellt er fest: „[...] Egoismus und Religion sind der Inhalt und die Überschrift seines ganzen Lebens. Er war König und Christ, und war beides schlecht, weil er beides vereinigen wollte.“[10] Schiller bringt ein großes Maß an Verständnis auf, wenn er geltend macht, dass das Gefühl der Allmacht die Natur des Menschen überfordert. Außerdem sei es Philipps limitiertem Geist nicht möglich gewesen, sich von der „Einförmigkeit“[11] der Institutionen zu lösen, auf die sich seine Macht stützt. Schillers sensible Beobachtungen und Erkenntnisse veranschaulichen das Ausmaß seiner Recherche und sind einer Figurenanalyse dienlich.

3. Figurenkonstellationen

Die Aktionen und Reaktionen der Figuren des Dramas sind so vielfältig motiviert, dass es schwerfällt, die Konflikte zu einem einzigen Thema zusammenzufassen. Der literaturwissenschaftliche Diskurs bringt drei zentrale Motive hervor: das politische Motiv, das Freundschaftsmotiv und das Familienmotiv. Sich allein auf einen dieser Themenkomplexe zu konzentrieren, scheint für eine Figurenanalyse nicht ausreichend zu sein, da jede Figur vielfältige Beweggründe für ihr Handeln hat, die sich im Verlauf der Ereignisse ständig verändern. Größtenteils resultieren die Konflikte aus einer Wechselwirkung von bewahrter und gebrochener Treue sowie erhoffter und verwehrter Liebe. Die Untersuchungen der Person Philipp ergeben diesbezüglich keine Ausnahme, denn er ist neben seiner Funktion als Monarch auch Vater und Ehemann.

3.1. König Philipp - Dom Karlos

Schon der erste Auftritt des ersten Akts vermittelt dem Leser ein Bild von dem gestörten Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Der Beichtvater Domingo versucht im Auftrag des Königs herauszufinden, was dem rätselhaften Kummer des Infanten zugrunde liegt. König Philipp bemüht sich nicht etwa selbst um die Klärung des Problems, sondern schickt einen Untergebenen. Der Kronprinz scheint mit jeder seiner Äußerungen die Verachtung und das Misstrauen seinem Vater gegenüber zum Ausdruck bringen zu wollen. Die Tatsache, dass Philipp einen Geistlichen schickt, verleitet Karlos zum Spott. Offenbar ist er der Ansicht, dass auch die Vertreter der Kirche in einem Abhängigkeitsverhältnis zum König stehen und somit nie wirklich integer sind (vgl. Schiller 1989, S.179ff).[12]

Das Gespräch gibt Aufschluss über die Ereignisse, die dieser Situation vorangegangen sind. Wie sich herausstellt, hatte Philipp aus politischen Gründen Elisabeth von Valois zur Frau genommen, welche zuvor dem Infanten Dom Karlos versprochen war. Die Erinnerung daran, dass Karlos einstige Verlobte nun seine Stiefmutter ist, löst starke Gefühle in ihm aus, denn er sagt: „Oh Himmel, gib, daß ich es dem vergesse, / der sie zu meiner Mutter machte!“ (V. 29). Dieser Ausruf kann als Ausblick auf den Verlauf des dramatischen Gedichts gesehen werden. Obwohl noch nicht eindeutig klar ist, was den Infanten umtreibt, bekommt der Leser doch eine Idee davon, welche Konflikte das Drama birgt.

Zudem leidet der Königssohn allem Anschein nach unter der Verweigerung der väterlichen Liebe („Mein Vater hat mich kaum geliebt.“; V. 38). Diese Vermutung wird im zweiten Auftritt des ersten Akts durch den Infanten bestätigt. Im Gespräch mit Marquis von Posa lässt Karlos keinen Zweifel daran, dass er Philipp eine „knechtische[...] Erziehung“ (V. 348) vorwirft. Karlos zufolge ist er seinem Vater erst im Alter von sechs Jahren das erste Mal begegnet (vgl. V. 350) und sah ihn fortan nur dann, wenn er für einen Fehler bestraft werden sollte (vgl. V.355-359). In einer Allegorie von „feindliche[n] Gestirne[n]“ (V.380) beschreibt Karlos die Beziehung zwischen Vater und Sohn und versinnbildlicht damit die Verschiedenheit der beiden Naturen. Aus Karlos Beschreibungen über seinen Vater geht hervor, dass es sich bei der Figur Philipp um einen unbarmherzigen und furchteinflößenden Mann handelt, der außerstande ist, eine emotionale Bindung zu seinem Sohn aufzubauen.

[...]


[1] Friedrich Schiller: Briefe über Don Karlos. In: ders.: Werke und Briefe in zwölf Bänden. Bd. 3. Hg. v. Gerhard Kluge. Frankfurt a. M. 1989, S.429.

[2] Schillers Stellungnahme zum Karlos-Drama erfolgte in Briefform, die Briefe 1-4 wurden im Juli 1788 im „Teutschen Merkur“ veröffentlicht.

[3] Diese Arbeit hat die Erstausgabe des Werks von 1787 zur Grundlage und übernimmt die Schreibweise Dom Karlos, die Schreibweise Don Karlos findet sich erst seit der Buchausgabe von 1801.

[4] Ingeborg Scholz: Friedrich Schiller: Don Carlos. Interpretation und Anregungen zur Unterrichtsgestaltung. 4. Auflage. Hollfeld 2005, S.16.

[5] Vgl. dazu Michael Hofmann: Friedrich Schiller: Don Karlos. Stuttgart 2007, S.40.

[6] Vgl. dazu ebd., S. 41

[7] ebd., S.44

[8] Hofmann: Friedrich Schiller: Don Karlos, S.55

[9] ebd.

[10] ebd.

[11] ebd., S. 57

[12] Im Folgenden zitiere ich diese Ausgabe mit Verszahlen direkt im Text.

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Details

Titel
Die Entwicklung der Figur König Philipp im Drama Don Karlos von Friedrich Schiller
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V534873
ISBN (eBook)
9783346134752
ISBN (Buch)
9783346134769
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich Schiller, Figurenanalyse, Don Karlos, Dom Karlos, Dramenanalyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Die Entwicklung der Figur König Philipp im Drama Don Karlos von Friedrich Schiller, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/534873

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