Lesekompetenz und deren schulische Förderung


Studienarbeit, 2005
10 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zur Bedeutung der Lesekompetenz

2. Grundlagen der Lesetheorie

3. Schulische Förderung der Lesekompetenz
3.1. Didaktische Implikationen der Leseforschung
3.2. Praktische Umsetzung im Unterricht

Bibliographie

1. Zur Bedeutung der Lesekompetenz

Die Erforschung des komplexen Leseprozesses und dessen Auswertung für schuldidaktische Zwecke besteht sicherlich nicht erst seit PISA, dennoch hat diese Schulleistungsstudie eine umfassende Diskussion in Forschung und Öffentlichkeit ausgelöst.

Ziel von PISA war u.a. die „reliable und valide Messung individueller Lesever-stehensleistungen“ (Schiefele et.al. 2004: 97). Die Auswertung zeigte, dass die 15-jährigen deutschen Schüler in allen drei geprüften Kompetenzbereichen (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) unter den Mittelwerten der OECD-Länder lagen.

Das von PISA zu Grunde gelegte Konzept der ‚Reading Literacy’ umfasst textimmanente und wissensbasierte Verstehensleistungen. Geprüft wurde die Fähigkeit der Schüler, „geschriebenen Texten gezielt Informationen zu entnehmen, die dargestellten Inhalte zu verstehen und zu interpretieren sowie das Material im Hinblick auf Inhalt und Form zu bewerten“[1].

Die Fachdiskussion weist darauf hin, dass sich die Auswirkungen fehlender Lesekompetenz nicht nur auf das Fach Deutsch beschränken, sondern auch die Leistungen in anderen Unterrichtsfächern beeinträchtigen. Über den schulischen Kontext hinaus gilt Lesekompetenz als eine zentrale Schlüsselkompetenz, die eine beachtliche Rolle bei der erfolgreichen Teilnahme am gesellschaftlichen Leben spielt. Der heutige Schüler lebt in einer überaus komplexen und sich schnell wandelnden (Medien)Gesellschaft, deren stetig ansteigender Informationsreichtum entschlüsselt und verarbeitet werden muss. Daher beschränkt sich die Forschung konsequenterweise nicht nur darauf, die Gründe für die aufgedeckten Defizite zu erfragen, sondern Förderungsmöglichkeiten für die Lesekompetenz zu entwickeln.

Ziel dieser Arbeit ist nicht etwa eine Evaluation der PISA-Studie, obwohl deren Konzeption und Interpretation in einigen Punkten sicherlich Anlass zu Kritik bietet (z.B. Auswahlkriterien der Population, Material, etc.). Vielmehr sollen deren Erkenntnisse als eindringlicher Impuls und Ausgangspunkt dafür gelten, die Möglichkeiten der schulischen Lesekompetenzförderung zu betrachten.

2. Grundlagen der Lesetheorie

Um Förderungsmaßnahmen der Lesekompetenz analysieren zu können, sollten zunächst grundlegende Erkenntnisse der Kognitionspsychologie über den Leseprozess herangezogen werden.

Aus kognitionswissenschaftlicher Sicht ist Lesen kein passiver Vorgang, sondern „eine komplexe, hochgradig vernetzte, informationsverarbeitende Funktionen aufbauende Tätigkeit der Sinnentnahme“ (Vanecek 1993: 15). Es ist davon auszugehen, dass sich der Textverständnisprozess[2] aus einer Verknüpfung von visuellen und kognitiven Vorgängen zusammensetzt, beispielsweise korreliert die Fixationszeit[3] mit der Verarbeitungszeit der Information (d.h. größerer Aufwand für unbekannte Wörter).

Der Enkodierungsprozess umfasst die visuelle Worterkennung sowie das Abrufen der Wortbedeutung in dem mentalen Lexikon (vgl. Gross 1994: 9). Anschließend werden in der semantischen und syntaktischen Analyse umfassendere Sinnrelationen entschlüsselt und in den Wissenskontext des Lesers eingebettet. Während des Lesens bildet der kompetente Leser unablässig Hypothesen und Erwartungen an den Text, die bestätigt, modifiziert bzw. korrigiert werden (vgl. Gross 1994: 22).

Interne bzw. kognitive Merkmale einer Person üben einen entscheidenden Einfluss auf deren Lesekompetenz aus (vgl. Schreblowski 2004: 19f.). Ein möglicherweise eingeschränktes Arbeitsgedächtnis erschwert die Verarbeitung und Speicherung dekodierter Informationen. Darüber hinaus wird von dem Leser meist ein gewisses Sach- bzw. Weltwissens verlangt, um den Text umfassend verstehen zu können. Mit Hilfe des Wissens kann eine u. U. fehlende Textkohärenz kompensiert werden.

Die Anwendung von Strategien unterstützt das Verstehen und Memorieren der Informationen.[4] Der Begriff der ‚Metakognition’ bezeichnet in diesem Zusammenhang das Wissen um eigene kognitive Fähigkeiten sowie deren Reflektion, um den Leseprozess analysieren und ggf. zu optimieren zu können (vgl. Schreblowski 2004: 30).

[...]


[1] http://www.mpib-berlin.mpg.de/pisa/PISA_im_Ueberblick.pdf

[2] Groeben definiert ‚Textverständnis’ als „Einordnung sprachlicher, insbesondere semantischer Information in einen weiteren Kontext“ (1982: 19).

[3] Als ‚Fixation’ bezeichnet man das bewusste Erfassen der Buchstaben, wohingegen bei der unkontrollierten Schleuderbewegung der Augen (‚Saccade’) nahezu keine Information wahrgenommen wird (vgl. Vanecek 1993: 22).

[4] Praktische Beispiele für lesekompetenzfördernde Strategien s. Kap. 3.2.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Lesekompetenz und deren schulische Förderung
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
10
Katalognummer
V53502
ISBN (eBook)
9783638489409
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lesekompetenz, Förderung
Arbeit zitieren
Sandra Metzger (Autor), 2005, Lesekompetenz und deren schulische Förderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53502

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