Die Anzahl der chronischen Erkrankungen steigt stetig an. In der folgenden Arbeit wird der Frage nachgegangen, wie sich die Gesundheit eines Menschen auf dessen Lebenslage und somit Lebensqualität niederschlägt. Es wird sich dabei auf chronische Darmentzündungen (insbesondere Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa) beschränkt. Nach theoretischen Grundlagen sowie Definitionen wird eine Umfrage aus dem Jahr 2015 ausgewertet, die in einem Forum für Betroffene erhoben wurde.
In Deutschland ist mehr als ein Drittel der Bevölkerung von chronischen Erkrankungen betroffen und die Anzahl steigt stetig. Die Diagnose stellt nicht nur eine körperliche, sondern auch eine seelische Belastung dar, welche die Betroffenen ihr Leben lang begleitet. Die folgende Arbeit geht der Frage nach, wie sich die Gesundheit eines Menschen auf dessen Lebenslage und somit Lebensqualität niederschlägt.
Um den Rahmen nicht zu sprengen, wird sich hierbei lediglich auf chronisch entzündliche Darmerkrankungen beschränkt. Zu Beginn werden Begrifflichkeiten sowohl aus medizinischer als auch soziologischer Sicht definiert. Anschließend wird das Krankheitsbild chronisch entzündlicher Darmerkrankungen dargestellt. Dabei werden vor allem die am meist verbreitetsten chronischen Darmkrankheiten "Colitis ulcerosa" und "Morbus Crohn" berücksichtigt.
Einen theoretischen Rahmen bildet der Lebenslagenansatz, der im weiteren Verlauf aufgezeigt wird. Hierbei wird vor allem auf die Theorien Neuraths und Weissers eingegangen. Anschließend werden mögliche Einschränkungen in Bezug auf verschiedene Bereiche der Lebenslage, wie beispielsweise Beruf und Partnerschaft, erörtert. Daraufhin wird eine Umfrage von 71 erkrankten Probanden, neben bereits zurückliegende Studien zu der Auswirkung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auf verschiedene Lebensbereiche der Betroffenen, ausgewertet. Den Schluss bildet ein Fazit, in dem die Erkenntnisse zusammengefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
3. Gesundheit als Dimension des Lebenslagenansatzes
4. Lebensqualität mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
5. Auswertung Fragebogen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) auf die Lebenslage und die subjektiv empfundene Lebensqualität von Betroffenen. Ziel ist es, auf Basis theoretischer Ansätze und einer empirischen Umfrage zu analysieren, wie sich körperliche und psychische Belastungen auf verschiedene Lebensbereiche auswirken.
- Definition und Krankheitsbild von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
- Theoretische Verortung im Lebenslagenansatz nach Neurath und Weisser
- Analyse der Auswirkungen auf Beruf, Soziales Umfeld, Partnerschaft und Freizeit
- Empirische Auswertung einer Online-Umfrage unter 71 Betroffenen
- Diskussion psychischer Belastungsfaktoren und Stigmatisierungsprozesse
Auszug aus dem Buch
2. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Der Begriff Krankheit wird zunächst der Schulmedizin zugeordnet. Dort wird er als „eine Reihe von Störungen der Körperfunktionen und der Organstrukturen“ (TECKER 1998, S. 5) beschrieben. Diese Störungen fügen sich als ein bestimmtes Krankheitsbild zusammen, welches eine medizinische Bezeichnung, wie beispielsweise Colitis ulcerosa, bekommt (vgl. TECKER 1998, S.5). Talcott Parsons1 definiert den Begriff Krankheit nicht lediglich schulmedizinisch, sondern auch in Bezug auf das soziale System. Ihm zufolge ist Krankheit ein „Zustand der Störung des ‘normalen‘ Funktionierens des Menschen […], sowohl was den Zustand des Organismus als biologisches System als auch was seine individuellen und sozialen Anpassungen angeht“ (FAßBENDER 1981, S. 10). Diese soziologische Auffassung von Krankheit bezieht also die gesellschaftliche Auswirkung mit ein. Entsprechend des Zitats von Parsons bedeutet Krankheit neben körperlichen Einschränkungen auch Einbußen für die Rolle, welche dem Individuum innerhalb des sozialen Systems zugeschrieben wird. Johannes Siegrist2 führt den Gedanken Parsons weiter aus, indem er die gesellschaftliche Rolle des von Krankheit befallenen Individuums nicht nur eingeschränkt sieht. Laut Siegrist erhält der Mensch aufgrund seiner Krankheit eine neue Rolle im sozialen System, nämlich die Rolle des Kranken (vgl. FAßBENDER 1981, S. 12). Ist eine Krankheit chronisch, verläuft diese langfristig und ist in der Regel nicht heilbar. Der Betroffene muss damit rechnen, dass die Krankheitserscheinungen jederzeit auftreten können (vgl. TECKER 1998, S. 11). Regine Faßbender definiert den chronisch Kranken als „einen Menschen […], der permanent mit der Krankheit konfrontiert ist, an ihr leidet, Lebenseinbußen in Kauf nehmen muß und dessen Lebensqualität schlechter ist als die des Gesunden“ (FAßBENDER 1981, S. 17).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz chronischer Erkrankungen in Deutschland dar und definiert das Ziel, den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Lebensqualität bei CED-Betroffenen zu untersuchen.
2. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Dieses Kapitel erläutert medizinische und soziologische Krankheitsbegriffe sowie spezifische Merkmale von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.
3. Gesundheit als Dimension des Lebenslagenansatzes: Hier werden theoretische Grundlagen nach Neurath und Weisser genutzt, um Gesundheit als variablen Faktor der Lebenslage und Bedürfnisbefriedigung einzuordnen.
4. Lebensqualität mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen: Das Kapitel beleuchtet, wie körperliche und psychische Einschränkungen Freizeit, Beruf, Partnerschaft und das soziale Umfeld beeinflussen.
5. Auswertung Fragebogen: Es erfolgt die statistische Analyse einer Online-Befragung von 71 Probanden hinsichtlich Belastungen und Lebensqualität.
6. Fazit: Die Erkenntnisse werden zusammengefasst und zeigen, dass die Schubhäufigkeit und psychische Belastungsfaktoren die Lebensqualität maßgeblich beeinflussen.
Schlüsselwörter
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, CED, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Lebenslage, Lebensqualität, Lebenslagenansatz, Stigmatisierung, Gesundheit, Bedürfnispyramide, Arbeitsleben, Soziales Umfeld, Krankheitsverlauf, Schubhäufigkeit, Psychische Belastung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auf die Lebenslage und die subjektive Lebensqualität von Betroffenen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen medizinische Aspekte von CED, soziologische Konzepte zur Lebenslage und die Analyse von Einschränkungen im Alltag und Beruf.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit die Erkrankung die Lebensführung einschränkt und welche Rolle dabei körperliche versus psychische Belastungsfaktoren spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Herleitung über den Lebenslagenansatz sowie eine empirische quantitative Auswertung einer Online-Befragung von 71 Betroffenen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Krankheit, die theoretische Einbettung sowie die Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche wie Freizeit, Beruf und Partnerschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lebenslage, Lebensqualität, CED, Stigmatisierung und Krankheitsverlauf.
Welchen Einfluss hat die Schubhäufigkeit auf die Lebensqualität?
Die statistische Auswertung zeigt, dass eine höhere Schubhäufigkeit signifikant mit einer stärker empfundenen Einschränkung im Alltag korreliert.
Welche Rolle spielt die Psyche bei der Einschätzung der Einschränkung?
Die Arbeit stellt fest, dass viele Einschränkungen, beispielsweise im Arbeitsleben oder durch Angst in der Öffentlichkeit, weniger somatisch als vielmehr psychisch bedingt sind.
- Arbeit zitieren
- Janina Heinig (Autor:in), 2015, Wie beeinflusst Gesundheit die Lebenslage von Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535100