Die Abschaffung des Bargelds. Welche Vor- und Nachteile gibt es?


Bachelorarbeit, 2019

40 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung

2 Geldtheoretische Grundlagen
2.1 Geldfunktionen
2.2 Geldarten
2.3 Geldschöpfungsprozess
2.4 Die Theorie der Zentralbanken
2.5 Die Bedeutung des Bargeldes im Zahlungsverkehr

3 Aktuelle Entwicklungen um das Bargeld
3.1 Abschaffung des 500-Euro-Scheins
3.2 Barzahlungsobergrenze in Höhe von 5.000 Euro
3.3 Abschaffung von Kleinmünzen
3.4 Demonetisierung in Indien
3.5 Schweden als Beispiel für eine bargeldlose Gesellschaft
3.6 Vollgeldinitiative in der Schweiz

4 Die Gründe für die Erhaltung des Bargelds
4.1 Schwierigkeit der Findung eines neuen gesetzlichen Zahlungsmittels
4.2 Vertrauenswürdigkeit
4.3 Einfachheit des Zahlungsvorgangs
4.4 Gleichzeitigkeit der Leistung
4.5 Anonymität
4.6 Budgetkontrolle

5 Die Gründe gegen die Erhaltung des Bargelds
5.1 Sinkende Kriminalität
5.2 Geldpolitik
5.3 Nutzen und Kosten

6 Alternative Zahlungsmöglichkeiten
6.1 Kartenzahlung
6.2 Kontaktloses Bezahlen
6.3 Elektronische Zahlungsmethoden
6.4 SEPA-Überweisung
6.5 Virtuelle Währungen
6.5.1 Blockchaintechnologien
6.5.2 Bitcoins als Beispiel für eine Kryptowährung

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Kaurischnecken

Abbildung 2 Käsch-Schein aus China

Abbildung 3 Credity-Zedel

Abbildung 4 Gesamter Euro-Bargeldumlauf

Abbildung 5 Banknotenumlauf im Euroraum 31.Dezember

1 Einleitung

Schwarzgeldgeschäfte und Steuerhinterziehung reißen Jahr für Jahr enorme Lücken in die Taschen des Fiskus. Noch schwerwiegender sind die Probleme, welche sich für das Allgemeinwohl aus der Terrorismusfinanzierung ergeben. Zur Prävention dieser Straftaten wurden bereits verschiedene Maßnahmen seitens der Regierung getroffen. So beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank am 04. Mai 2016 das Ende der Produktion und Ausgabe der 500€-Banknote zum Ende des Jahres 2018.1 Zudem wird über die Einführung einer Barzahlungsobergrenze in Höhe von 5000€ innerhalb der EU-Länder diskutiert.2 Ins Auge springt hierbei, dass die Lösungsvorschläge maßgeblich Bargeld als Hilfsmittel zur Durchführung krimineller Handlungen sehen.

Eine andere Diskussion dreht sich um die Abschaffung der 1-Cent- und 2-Cent-Münzen. Umstritten ist, ob die Herstellung und Prägung der Kupfermünzen wirtschaftlich sinnvoll ist. Initiativen aus dem Handel, welche sich um das Auf- oder Abrunden auf 5 Cent drehen, beweisen, dass nach Lösungen im Umgang mit den kleinen Münzen, welche nur all zu gern zur Vermeidung eines zu schweren Portemonnaies daheim in Einmachgläsern gesammelt werden, gesucht wird.3

Auch die Digitalisierung besitzt einen enormen Einfluss auf das Zahlungsverhalten der Verbraucher. Kartenzahlungen oder die Möglichkeit, per Mobile Pay mit dem Smartphone Bezahlvorgänge abzuwickeln, verringern die Notwendigkeit von Bargeld. Dass der Bedeutungsverlust des Bargeldes weiter fortschreitet, unterstreichen Zuwachszahlen bei Google oder Apple Pay. Eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI aus dem Jahre 2018 ergab, dass die Verbraucher im stationären Einzelhandel 209 Milliarden Euro per Kartenzahlung umsetzten, während es per Barzahlung mit 208 Milliarden Euros eine Milliarde weniger waren. Auch dies unterstreicht den Bedeutungsverlust der Barzahlung.4

Diese drei beispielhaften Problematiken, welche von alltäglicher Präsenz im gesellschaftlichen Leben sind, drehen sich im Kern um ein großes Thema: Das Bargeld.

Um die Komplexität der Thematik zu durchleuchten, ein besseres Verständnis für die Vor- und auch Nachteile der Nutzung von Bargeld zu schaffen und Alternativen vorzustellen, habe ich mich in dieser Bachelorarbeit auf wissenschaftliche Art und Weise damit auseinandergesetzt. Hierzu werde ich zunächst die geldtheoretischen Grundlagen, sowie die eigentliche Funktion des Geldes, erklären. Anschließend erfolgt eine Vorstellung verschiedener Geldarten. Bevor die Theorie der Zentralbanken und die Bedeutung des Bargeldes im Zahlungsverkehr beleuchtet werden können, erfolgt zum besseren Verständnis zunächst eine Darstellung des Geldschöpfungsprozesses.

Wie bereits angedeutet, dreht sich ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit um aktuelle Diskussionen und gegebenenfalls daraus abgeleitete Maßnahmen um das Bargeld, wobei Ansichten verschiedener Länder eine Rolle spielen. Ausgehend von diesen Betrachtungen werde ich die Vor- und Nachteile für die Erhaltung von Bargeld erörtern.

Bevor ich die vorliegende Bachelorarbeit mit einem zusammenfassendem Fazit abschließe, werde ich noch alternative Zahlungsmöglichkeiten zum Ausgleich der vorher erarbeiteten Nachteile von Bargeld vorstellen.

2 Geldtheoretische Grundlagen

Die Geldtheorie befasst sich mit der Beantwortung von Fragen wie: Was ist Geld? Welche Bedeutung hat Geld innerhalb einer Wirtschaft?

In den Anfängen der menschlichen Geschichte spielte Geld noch keine Rolle. Das Überleben eines Individuums war abhängig von der Fähigkeit zur Selbstversorgung mittels des Einsatzes körperlicher Ressourcen. In den Sippengruppen wurde jedem Angehörigen eine bestimmte Aufgabe in Abhängigkeit von seiner jeweiligen Spezialisierung zugedacht. Wie das Hab und Gut verteilt wurde und ob ist eine Hierarchie gab, ist unklar.

Erst mit dem Fortschreiten der Evolution begannen verschiedene Gruppen beim Aufeinandertreffen Werkzeuge und Kenntnisse auszutauschen. So entstanden Tauschgeschäfte, bei denen die Transaktionen zum subjektiven Vorteil gereichten. Wichtig waren hierbei die Grundbedingungen der Einvernehmlichkeit und gleichzeitigen Akzeptanz des Geschäfts.5

Dieses Vorgehen wird als Naturaltausch bezeichnet. Bei diesem verfügen also beide Akteure über ein limitiertes Gut und sind bereit, einen Teil oder das gesamte Gut einzutauschen. Es wird hierbei über die mengenmäßige Tauschrelation verhandelt.6

Schwierigkeiten entstehen hierbei durch das Fehlen einer Lagermöglichkeit, sowie der Ortsgebundenheit oder Unteilbarkeit mancher Güter oder Dienstleistungen. Zudem ist der Zeitaufwand, einen passenden Handelspartner zu finden, stark erhöht, da beide Partner die gegenseitig gebotenen Güter akzeptieren müssen.7

Durch die Einführung des Geldes wurden diese Schwierigkeiten eliminiert und auch die Transaktionskosten gesenkt. Der Güterhandel erfuhr somit eine Vereinfachung und damit auch eine Steigerung seiner Attraktivität.8 Dies trug stark zu Akzeptanz von Geld als Zahlungs- und Tauschmittel bei.

2.1 Geldfunktionen

In einer modernen Volkswirtschaft hat das Geld eine große Bedeutung. Die Vorteile des Geldes zeigen sich in den verschiedenen Geldfunktionen, die erfüllt werden müssen. Hierzu müssen jedoch für jede Funktion jeweils gewisse Eigenschaften erfüllt sein.9

Geld als Tausch und Zahlungsmittel

Hauptsächlich ist Geld ein Tauschmittel, welches den Austausch von Gütern und Dienstleistungen ermöglicht. Dabei muss dieser Austausch möglichst ökonomisch, rational und effizient erfolgen.

Geld verwendet man für die Gewährung von Krediten und für die Begleichung von Schulden. In diesem Fall dient das Geld zur Finanztransaktion und nicht als Austausch von Gütern und Dienstleitungen. Diese Funktion bezeichnet man als Zahlungsmittel, wobei vorauszusetzen ist, dass die jeweilige Form des Geldes in der Gesellschaft anerkannt wird.10

Geld als Recheneinheit

Seit der Einführung des Geldes können alle Geschäfte miteinander verglichen werden, da die Güter und Vermögenswerte nun eine allgemeine Bezugsgröße erhalten haben.11 Dadurch hat das Geld eine Funktion als Recheneinheit, beziehungsweise als Wertmaßstab. Ohne die Erfüllung dieser Funktion gäbe es einen enormen Aufwand, die Austauschverhältnisse von Gütern zu bestimmen. Beispielsweise gäbe es bei 100 Gütern 4950 Austauschverhältnisse (allgemein: n(n-1)/2 Austauschrelationen bei n Gütern). Durch die Existenz von Geld als Recheneinheit ist nur die Beachtung von 100 in Geldform ausgedrückten Preisen notwendig. Die Bedingung, welche durch die Recheneinheit jedoch erfüllt sein muss, ist die ausreichende Teilbarkeit der jeweiligen Geldform.12

Geld vereinfacht den Marktteilnehmern somit die Informationsbeschaffung über die Preisrelation unterschiedlicher Waren.

Letztendlich ist Geld notwendig für die Bildung von Kreditverhältnissen zwischen Menschen. Demzufolge hat Geld auch eine Funktion als Schuldenmaßstab.13

Geld als Wertaufbewahrungsmittel

Da Geld auch die Funktion eines Wertaufbewahrungsmittels erfüllt, können Kauf und Verkauf von Gütern an unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden. Somit kann der Wert einer Sache zwischenzeitlich gespeichert und später weiter verwendet werden. Das Geld muss also nicht unbedingt in den Umlauf gebracht werden, sondern kann auf einem Bankkonto liegen, was den Vorteil einer Verzinsung mit sich bringt. So bildet man zudem eine Reserve, welche zum späteren Zeitpunkt ausgeben werden kann. Für die Aufbewahrung von Geld spielt diese Funktion eine wichtige Rolle. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Wert des Geldes eine Beständigkeit besitzt.14

Zusammengefasst kann also gesagt werden, dass die Voraussetzungen der Teilbarkeit, Wertbeständigkeit und Akzeptanz erfüllt sein müssen, damit ein Gegenstand von der Gesellschaft als Geld bezeichnet und angenommen werden kann. Hinzu kommt, dass dieser jeweilige Gegenstand die diversen Geldfunktionen erfüllen können muss.

2.2 Geldarten

In der Wirtschaft ist Geld ein anerkanntes Zahlungsmittel. Es besteht aus unterschiedlichen Geldformen, welche sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. In der Vergangenheit galten verschiedene Gegenstände als Geld. Heutzutage hat unsichtbares Geld, wie Geld auf Konten, in der Gesellschaft eine große Bedeutung.

Warengeld

Das Warengeld ist eines der ältesten anerkannten Zahlungsmittel. Hierbei handelt es sich um eine Urform des Geldes, welche in Naturalgeschäften benutzt wurde. Beispiele für Warengeld sind Fell, Federn, Kaurischnecken oder Vieh. Zum Warengeld zählen auch die auf der Insel Yap, welche im Pazifik liegt, verwendeten unterschiedlichen Steinscheiben. Diese werden auch als Steingeld bezeichnet. Es gibt sie in verschiedenen Größen, wobei immer ein Loch in der Steinscheibe vorhanden ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Kaurischnecken

Quelle:https://www.bundesbank.de/resource/blob/606038/c0364dd 6034eb7e0c9230b77ed995c06/mL/geld-und-geldpolitik-data.pdf, , Abruf 28.04.2019

Später benutzte man als Edelmetalle, wie Silber, Gold, oder Bronze als Zahlungsmittel. Das Metallgeld ist klein, haltbar und leicht teilbar. Hierdurch entfällt das Problem der Verderblichkeit, welches bei Warengeld wie Federn gegeben war.

Die Verwendung von Warengeld ist auf keine Zeitepoche oder Kulturkreis beschränkt. Es ist zu beobachten, dass die Gesellschaft auf Warengeld zurückgreift, wenn die eigentliche Währung nicht zur Bestreitung des Alltags ausreicht, oder das Vertrauen in die jeweilige Währung verloren geht. So wurden nach dem Zweiten Weltkrieg beispielsweise Zigaretten anstatt der Reichsmark auf den Schwarzmärkten zum Bezahlen diverser Waren genutzt.

Dieses Vorgehen verlor mit der Einführung der D-Mark im Jahre 1948 an Bedeutung.15

Münzengeld

Die älteste bekannte Münze stammt aus der Mitte des. 7 Jahrhunderts vor Christi aus dem Königreich Lydien in der heutige West-Türkei. Zu Beginn bestanden die Münzen aus Metallklümpchen mit einer Prägung. Mit der Zeit entwickelte sich allerdings das Münzgeld. Es wurde breiter, flacher und abgerundeter.

Auf die ersten Münzen prägte man Symbole aus der Natur oder der Mythologie. Später waren Herrscherporträts auf den Münzen zu sehen. Die Münzen wurden gemäß der Münzenregel produziert, wenn sie mit dem Abbild oder Zeichen von Münzherren gekennzeichnet waren. Dafür mussten die Münzherren die Rechte für die Münzprägung, die sogenannten „Münzregal“, besitzen.16 Der Wert von geprägten Goldmünzen und großen Silbermünzen war etwas höher als der Preis für das zur Herstellung verwendete jeweilige Edelmetall. Jede Münze musste ausreichend Silber oder Gold beinhalten. Die Kosten für die Münzherstellung glich man mit dem hohen Preis aus. Dadurch wurde verhindert, dass die Münzen in ihrer Form in die jeweilige Rohstoffmasse umgewandelt wurden.

Allerdings benutzte man die Gold- und Silbermünzen nicht für die Bezahlung von kleinen Beträgen. Dafür brauchte man das „Kleingeld“. Dieser Bestand aus Teil- oder Scheidemünzen, da deren Wert wesentlich höher war als der Preis für die erhaltenen Rohstoffe und die Herstellung selbst. Die Scheidemünzen bildeten die Grundlage für unser heutiges modernes Münzgeld.17

Papiergeld

Mit den papierenen Geldzeichen kann man leichter größere Geldbeträge begleichen. Es ist sicherer, billiger und schneller weiterzugeben. Das älteste bekannte Papiergeld stammt aus China. Durch einen kaiserlichen Erlass bekam das chinesische Zahlungsmittel seinen Wert.

Um zu vermeiden, dass sie große Mengen an Gold und Silber mit sich führen mussten, erfanden die Warenkäufer den Wertbrief als neue Zahlungsart. Der Wert des Wertbriefes musste vom jeweiligen Besitzer, meist dem Käufer, zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder in Gold, Silber oder andere Wertsachen eingewechselt werden. Dieses Zahlungsmittel konnte zur Bezahlung weiterer Einkäufe weitergegeben werden. Das Besondere hierbei war, dass die dem Wertpapier zugehörigen Werte direkt zwischen Käufer und Verkäufer vereinbart wurden, ohne dabei eine Bank als Mittelsmann zu nutzen. Dies ermöglichte die gegenseitige Vergabe einer Form von Krediten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Käsch-Schein aus China

Quelle:,https://www.bundesbank.de/resource/blob/606038/c0364dd6034eb7e0c9230b77ed995c06/mL/ geld-und-geldpolitik-data.pdf, Abruf 28.04.2019

Eine ähnliche Form des Wertpapiers ist der Depositenschein. Zum Erhalt eines solchen Scheins wurden die Wertmittel Gold oder Silber bei einem Bankier oder Goldschmied hinterlegt. Dieser stellte daraufhin entsprechend des Wertes der abgegebenen Edelmetalle einen Depositenschein aus. Diesen Schein konnte man später zum Bezahlen eines Gutes verwenden, wobei es dem Verkäufer möglich war, ihn später wieder gegen Edelmetalle einzutauschen.18

Banknoten

Das Staatspapiergeld aus China konnte sich nicht in Europa etablieren, da es hier keinen Warenwert innehatte. Der Wert dieses Geldes bestand nur aus der Macht und Glaubwürdigkeit des Staates.

Die Depositen- und Wechselscheine wiederum, welche in Europa verwendet wurden, hatten durch die Finanzierung mittels Warengeschäften oder Edelmetallen keine Bedeutung für den Staat. Das Problem bestand hierbei darin, dass die Scheine eine örtliche oder personelle Beschränkung als Kreditpapier erfuhren, wodurch sie nicht wahllos an anderen Orten eingesetzt werden konnten.

Dies ermöglichte die immer stärkere Verteilung von Banknoten, welche von privaten Banken zur Verfügung gestellt wurden. Ab dem Jahr 1644 prägte man aufgrund des Silbernotstandes verstärkt Kupferplatten als Geld. Diese Platten wogen bis zu 20kg, weswegen sie für den täglichen Gebrauch sehr unpraktisch waren. Es bestand die Möglichkeit, die Kupferplatten beim Stockholm Blanco zu hinterlegen und dafür die die sogenannten „Credityf-Zetel“ zu erhalten. Diese „Zettel“ konnte man jederzeit wieder in Metallgeld einwechseln. Durch dieses Vorgehen wurden sie zu den ersten Banknoten in Europa und bildeten die Grundlage des Notenbankwesens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Credity-Zedel

Quelle:https://www.bundesbank.de/resource/blob/606038/c0364dd6034 eb7e0c9230b77ed995c06/mL/geld-und-geldpolitik-data.pdf, Abruf 28.04.2017

Bis ins 20. Jahrhundert wurden Währungen zumindest teilweise durch Gold gedeckt. Die heutige Währung besitzt keine Edelmetalldeckung und man bezeichnet sie als „Fiat-Währung“. Dieser Begriff kommt aus dem lateinischen und bedeutet „es werde“.

Fiatgeld ist Geld, welches durch den Staat als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt wird. Das bedeutet, dass es seinen Wert durch den Beschluss des jeweiligen Staates erhält, nicht durch den Wert des als Zahlungsmittel verwendeten Gegenstandes selbst. Dieses Vorgehen ermöglicht es, die Herstellungskosten von Geld deutlich unter seinem späteren Wert zu halten. Gerade Papiergeld ist viel einfacher zu produzieren und zu transportieren als frühere Münzen aus Edelmetallen. Da so die Möglichkeit besteht, eine unendliche Zahl an Banknoten herzustellen, wird der Geldumlauf und die in ihm befindlichen Summen durch staatliche Zentralbanken stark kontrolliert.19

Buchgeld

Das Buchgeld ist unsichtbares Geld, welches auf Konten aufgeführt wird.

Die Möglichkeit, Geld von einem Konto auf ein anderes zu überweisen, minimiert die Risiken für den Geldtransport enorm. Durch Kreditaufnahmen stellen die Banken mehr Buchgeld zur Verfügung. So können weitere Sichteinlagen geschaffen werden, als dies bei Barreserven möglich wäre.20

Alle Geldtransaktionen werden elektronisch erfasst, wodurch jedem Kontobesitzer ermöglicht wird, seinen Kontostand mittels eines Bankterminals oder durch einen Onlinezugang zum jeweiligen Konto auf einem Endgerät einzusehen.21

Das elektronische Geld setzt sich in der Volkswirtschaft immer stärker durch, da man damit schneller und einfacher Transaktionen vornehmen kann.22

2.3 Geldschöpfungsprozess

In der Europäischen Union gilt der Euro als gemeinsame Währung. Somit sind die Euro- Scheine und Euro-Münzen das einzige anerkannte gesetzliche Zahlungsmittel.

Im Geldschöpfungsprozess wird neues Geld durch die Vergabe von Krediten geschaffen. Es wird ein Kredit gewährleistet und als Sichteinlage auf ein Konto überwiesen. Bei der Kreditvergabe muss der Kreditnehmer die ansprechende Bonität vorweisen. Es gibt noch eine weitere Methode, wie die Zentralbanken das Zentralbankgeld vergeben können. Diese besteht darin, dass die Zentralbanken bei der jeweiligen Bank einen Vermögensgegenstand wie Gold, Anleihen oder Immobilien erwerben. Die Kaufsumme wird auf dem Geschäftsbankkonto gutgeschrieben.23

Die Geldmenge ist das Geldvolumen, welches nicht von den Nichtbanken stammt. Sie hat eine bedeutende Rolle in der Ökonomie, da sie die Auskunft über Preisbildung auf längere Zeit gibt. Um die Geldmenge zu kontrollieren gibt es drei Geldmengenaggregate. Sie werden nach der Verfügbarkeit des Geldes für den Kunden geordnet. Die Geldmenge wird als M1, M2, oder M3 bezeichnet, wobei das M vom englischen Wort „money“ stammt.24 Unter der Geldmenge M1 versteht man das Geld, welches permanent für eine Finanzierung von Gütern zur Verfügung steht. Dazu gehören die gesetzlich anerkannten Zahlungsmittel, also Bargeld und Sichteinlagen (Giralgeld).

Als Terminanlagen werden Gelder bezeichnet, welche man bei den Banken zu einem vorab vereinbarten Zinssatz für einen ausgewählten Zeitraum anlegt. Die Termingelder sind keine üblichen Zahlungsmittel, mit denen man Güter kaufen kann. Deswegen müssen sie zuerst in ein solches Zahlungsmittel umgewandelt werden. Dies kann auch gegen eine Gebühr oder unter Bedingungen, wie beispielsweise einem Zinsabschlag, bei der Bank vor Ablauf der Laufzeit passieren. Aus diesem Grund hat das Termingeld einen relativ hohen Geldgrad.25

Als Spareinlagen bezeichnet man Einlagen, die üblicherweise befristet sind und unmittelbar nach der Kündigungsfrist zurück verlang werden können. Im Allgemeinen sind die Zinsen unterschiedlich hoch und hängen von den Zinsentwicklungen auf dem Markt ab. Bei einer Sparanlage mit drei Monaten Kündigungsfrist kann der Kunde jeden Monat bis zu 2.000 Euro ohne eine Ankündigung abheben. Summen über 2.000 Euro müssen mit der Einhaltung von vereinbarten Fristen gekündigt werden. Wenn keine Kündigung erfolgt wird bei Auflösung des Kontos, durch die Bank einem Strafzins (Vorschusszins) auf die Einlage verhängt.26

[...]


1 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2018.

2 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017.

3 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017, S.9.

4 Vgl. o.V, Zeit Online, 2019.

5 Vgl. Horst, 2017, S.2.

6 Vgl. Horst, 2017, S.3.

7 Vgl. Fruchtmann, 2017, S.14.

8 Vgl. Gischer/Herz/Menkhoff, 2012, S.4.

9 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017, S. 10.

10 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017, S. 11.

11 Vgl. Gischer/Herz/Menkhoff, 2012, S.4.

12 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017, S. 11.

13 Vgl. Karl-Heinz Moritz, 2012, S 7.

14 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017, S. 11.

15 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017, S. 12-13.

16 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017, S. 13.

17 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017, S. 14.

18 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017, S. 15.

19 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017, S. 16.

20 Vgl. Moritz, 2012, S. 11.

21 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2017, S. 17.

22 Vgl. Klein/Krautbauer/Weller, 2013, S. 1.

23 Vgl. Deutsche Bank, 2017, S. 76-77.

24 Vgl. Deutschen Bank, 2017, S. 70.

25 Vgl. Moritz, 2012, S 83.

26 Vgl. Deutschen Bank, 2017, S. 70.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Die Abschaffung des Bargelds. Welche Vor- und Nachteile gibt es?
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
40
Katalognummer
V535112
ISBN (eBook)
9783346126801
ISBN (Buch)
9783346126818
Sprache
Deutsch
Schlagworte
abschaffung, bargelds, welche, vor-, nachteile
Arbeit zitieren
Olga Shchukina (Autor:in), 2019, Die Abschaffung des Bargelds. Welche Vor- und Nachteile gibt es?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535112

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