Didaktik der Landeskunde im Fremdsprachenunterricht

Wie kann Landeskunde die kommunikative Fähigkeit erweitern und verbessern?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

34 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zur Didaktik der Landeskunde
Ziele im Landeskundeunterricht
Lehrziele für den Landeskundeunterricht
Die Einbeziehung landeskundlichen Wissens in die Entwicklung sprachlicher Fähigkeiten
Landeskundekenntnisse
Die Inhalte im Landeskundeunterricht
Landeskundeinhalte im Lehrbuch
Aktualität der landeskundlichen Inhalte
Authentizität
Landeskundliche Themen
Die Haltungen im Landeskundeunterricht
Die Leistungsfeststellung im Landeskundeunterricht

Literaturverzeichnis

Zur Didaktik der Landeskunde

Dieser Beitrag beschreibt die Grundlagen der Landeskundedidaktik. Der Landeskundeunterricht wird als Ganzes betrachtet, d. h. welche Faktoren beeinflussen ihn, die Bestimmung von Faktoren und Stellenwert der Landeskunde innerhalb des Fremdsprachenunterrichts und die Einbeziehung landeskundlichen Wissens in die Entwicklung fremdsprachlicher Kommunikationsfähigkeit.

Ziele im Landeskundeunterricht

Es wird festgestellt, dass die Ziele ohne Zweifel eine der wichtigsten Forderungen für die Vollkommenheit eines Lehrprogramms betrachtet werden. Sie stehen in enger Verbindung und Wechselwirkung mit Lernmethoden, qualifizierten Lehrkräften und Lernmaterialien. Lernziele werden in zwei Gruppen eingeteilt, die sind inhaltliche Lernziele (informationsbezogene Landeskunde (LK)) und instrumentale Lernziele (handlungsbezogene LK). Mit der Beantwortung der Frage nach Wissenserwerb und Verstehensfähigkeit befassen sich die inhaltlichen Lernziele und instrumentalen Lernziele nach Orientierungs-, Partizipations- und Kommunikationsfähigkeit. (vgl. DEUTSCHMANN 1982: 236)

LK als Bestandteil im Ssprachunterricht hat die gleiche Zielformulierung wie im Fremdsprachenunterricht. Nach Erdmenger gehören dazu 1. die Vermittlung von Sprachtätigkeiten: Fähigkeiten und Fertigkeiten (Hörverstehen, Sprechen, Leseverstehen, Schreiben und Übersetzen, 2. die Vermittlung unterschiedlicher Kenntnisse dann 3. Das Anstreben bestimmter Haltungen. (vgl. ERDMENGER 1996: 43)

BETTERMANN spricht von drei Dimensionen oder Zielstellungen der LK:

[E]eine pragmatische, die der Entwicklung von Kommunikations- und Verhaltenskompetenzen dient, eine kognitive, die auf Weitergabe, Aneignung und Verarbeitung von Wissen und Informationen gerichtet ist und eine pädagogische, die an der Ausprägung von Haltungen und Einstellungen beteiligt ist. (BETTERMANN 1999: 509)

Das grundsätzliche Ziel des Landeskundestudiums ist die Aneignung landeskundlicher und sozialkultureller Kenntnisse. Diese dienen zur Erweiterung der kommunikativen Kompetenz der Lernenden, denn „Überblicke und Einblicke in landesbezogene sozialwissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden und die Entwicklung der Fähigkeit zur Kulturanalyse und zum Kulturvergleich sind deshalb unverzichtbare landeskundliche Ausbildungsziele. Dazu kommt die Fähigkeit zum Erkunden und Erschließen von Informationen.“ (BETTERMANN 1999: 510)

Es wird gemeint, dass durch landeskundliche Kenntnisse die Lernenden in der Lage sein müssen, immer mehr Situationen zu bewältigen, d. b. die Fähigkeit der Verwendung der Kenntnisse unter veränderten Bedingungen und Situationen. Es könnte im Landeskundeunterricht (LKU) keine kompletten Einblicke in das komplizierte System der Landesbilder vermittelt werden. Ein objektives umfassendes Bild über das fremde Land und seine Kultur sollte kein Ziel im LKU sein, weil es unerreichbar ist. Das vorrangige Ziel ist die Auseinandersetzung mit dem Prozesscharakter des landeskundlichen Lernens, d.h. Die Entstehung der Bilder von der fremden Welt, die Wahrnehmung der fremden Welt aus der Lernerperspektive, die Entwicklung von Strategien des landeskundlichen Lernens und die Sachinformation.

Im Rahmen des interkulturellen Lernens ist das Ziel der LK die Befähigung zur interkulturellen Kommunikation. Das richtige Training des Verhaltens in der fremden Welt und die richtige Einschätzung sollten sich nicht nur auf fixierte Alltagsroutinen und -rituale anhand der alltagsorientierten Leutekunde konzentrieren, weil ihre soziokulturellen Kontexten nicht berücksichtigt werden, die zur Stereotypen und Vorurteile führen.

Lehrziele für den Landeskundeunterricht

Die Gestaltung landeskundlichen Wissens (Auswahlkriterien, wie z.B. kultur-, realien-, alltagsweltorientierter Art, Repräsentativität; Systematizität und Vollständigkeit der Information) und die Entwicklung sprachlichen Könnens anhand LK sind wichtigste Punkte, die zur Bestimmung von Lehrzielen dienen. Bei Formulierung von Zielen aus Lernerperspektive werden die Bewusstmachung der Elemente und Perspektive des fremden Bildes; das Interesse der Lernenden an landeskundlichen Kenntnissen; die Strategien der selbständigen Erschließung landeskundlicher Erkenntnisse; die Pragmalandeskunde (welches Kontextwissen wichtig und unwichtig ist?) und Empathie und Rollendistanz als wichtigste Punkte, die berücksichtigt werden sollen. (vgl. NEUNER 1994: 29)

Nach GRÄTZ (2000:39) haben die Lehrenden folgende allgemeine Lehrziele:

- Wahrnehmen und Erkennen (affektiver Bereich) bewußt machen,
- Narrationen (emotionaler Bereich) entwickeln,
- Ausdrucksaktivierung (kognitiver Bereich) hervorrufen,
- Umgang mit Medien (pragmatischer Bereich) trainieren,
- authentische Sprechakte (linguistischer Bereich) fördern,
- Lernmotivation (sozialer Bereich) steigern und
- differenzierten Sprachgebrauch (sprachlicher Bereich) bewerkstelligen. (GRÄTZ 2000: 39)

Die eigenen Erfahrungen der Lernenden müssen im LKU angesprochen und aktiviert werden, denn die Lernenden verfügen nicht nur über Vorwissen über das eigene Land sondern auch über das fremde Land durch verschiedene Wege, durch andere Unterrichtsfächer, beim Aufenthalt im Ausland, beim Lesen von Zeitungen und Zeitschriften und über das Fernsehen.

Das Aktivieren solcher Vorkenntnisse dient also zur Verstärkung der Motivation der Lernenden, zur Weckung ihrer Neugier und zur Entwicklung ihrer Kommunikationsfähigkeit.

Der Lehrer sollte eine bedeutende Rolle bei der Aktivierung solcher Vorkenntnisse anhand verschiedener Methoden, beispielsweise, offene Fragen im Unterricht zum behandelten Thema stellen und Überschriften erstellen, Assoziogramme erstellen, mit anschaulichem Material arbeiten. Diese und andere Wege leisten den Beitrag zur Aktivierung der Erfahrungen und Vorkenntnisse der Lernenden.

Es wird jetzt von der Frage ausgegangen, wie kann LK die kommunikative Fähigkeit der Lernenden erweitern und verbessern.

Die Einbeziehung landeskundlichen Wissens in die Entwicklung sprachlicher Fähigkeiten

Es wird festgestellt, dass die Besonderheit der Verwendung landeskundlicher Kenntnisse zur Entwicklung fremdsprachlicher Fertigkeiten in der Arbeit an Lexik im Text liegt. Diese Kenntnisse dienen zur Erweiterung, Vertiefung und vor allem zum genauen Erfassen des Wortschatzes. Im Text wird die kultursemantische Ebene des Wortschatzes berücksichtigt und dies ist der Bereich der Landeskundeuntersuchung. Deshalb scheint es mir wichtig, einen kurzen Überblick über die LK – Semantik- Beziehung darzustellen.

Landeskunde- Semantik- Verhältnis

„[D]die sprachlichen Zeichen […] die gedanklichen Abbilder [...] die Menschen, die die Zeichen hervorbringen, benutzen, verstehen[...]“ (KLAUS 1976: 58) sind die grundlegenden Elemente der semiotischen Untersuchung, daraus ergibt sich die drei zentralen Teildisziplinen der Semiotik:“ die Syntax, als die Relation von Zeichen untereinander; die Semantik, als die Relation von Zeichen und gedanklichem Abbild; die Pragmatik, als die Relation von Zeichen und Menschen, die diese Zeichen verwenden . “ (KLAUS/BUHR 1976: 57 ff.)

Das Zeichen als Einheit von Form und Inhalt hat Verbindungen in allen drei Dimensionen. Nach FRIEDRICH ist die Bedeutung eines Wortes: “was zusammen mit der Gestalt eines Wortes als Spiegelfeld der Welt in das Bewusstsein des Menschen tritt.“ (WOLF 1971: 160) Nach PIEPHO (1978: 293) hängt nach der Semiotik jede Art sprachlicher Kommunikation von soziokulturell determinierten Faktoren ab.

Aus den oben angeführten Zitaten wird es festgestellt, dass LK bereits in der semantischen Seite des Wortschatzes eintritt, und dass die inhaltliche Klärung der sprachlichen Zeichen zugleich landeskundlichen Bezugs bedarf, „[w]Wenn der Lernende über den Umfang mit den phonetisch- phonologischen, morpho-syntaktischen und semantischen Regelhaftigkeiten einer Sprache hinaus auch mit den Kulturspezifischen Verwendungsbedingungen vertraut […]ist. (ERDMENGER 1996: 22)

Die semiotisch begründete Analyse der Landes- und Kulturkunde von KÖHRING/SCHWERDTFEGER (1976: 55-80) versucht, einen fachwissenschaftlichen Bezugsrahmen für die LK in der Semiotik zu finden. Sie gehen davon aus, dass Die Darstellung der zielsprachlichen Kultur in Richtlinien und Unterrichtsmaterialien durch einen realienkundlichen, einen lebenspraktischen, einen anthropologisch-wesenskundlichen, einen sozialpsychologischen, einen sprachmethodischen, einen bildungstheoretisch-geistes-geschichtlichen, einen motivations-psychologischen und einen kritisch-emanzipativen Filter gesehen wird.

Beispielsweise ist der realienkundliche Ansatz dadurch gekennzeichnet, dass die Vermittlung eines objektiven Bildes von Deutschland durch die Vermittlung von Faktenwissen erreicht wird. Der anthropologisch-wesenskundliche Ansatz beruht auf das Erkennen des Typischen der deutschen Kultur bzw. Eigenart. Im Rahmen eines motivations-psychologisch orientierten

Ansatzes geht es bei der Stoffwahl um Lernerinteressen. Die Funktion von LK in einem interkulturellen Konzept könnte sich an einem semiotischen Kulturbegriff orientieren, in dem die Kultur auf den Ebenen Gesellschaft, Zivilisation und Mentalität beschrieben wird.

Im FU werden die sprachlich-landeskundlichen und außersprachlich-landeskundlichen Kenntnisse bewältigt. Im Rahmen von Situationsdarstellungen werden die außersprachlich-landeskundlichen Kenntnisse vermittelt. Die semantische Dimension der Zeichen trifft auf den außersprachlichen Raum zu. Mit der Verwendung von sprachlichen Zeichen und mit dem angemessen vorhandenen Hintergrundwissen über die Situation gelingt damit ein adäquates Kommunizieren in allen Situationen. Beispielsweise und anhand des GÖRSCH Referats in dem er „[z]Zur Arbeit mit aktueller Zeitungslektüre“ sprach, wird es dargestellt, dass die Arbeit am Wortschatz unter landeskundlichem Gesichtspunkt von großer Bedeutung im Kommunikationsprozess ist. (FISCHER 1977: 47)

Bei der Interpretation eines Zeitungsartikels finden die Lernenden Schwierigkeiten. Sie sind mit dem Problem der „äquivalenzlosen Lexik“ konfrontiert, wo das korrekte Verständnis des verwendeten Sprachmaterials bestimmten historisch und soziokulturellen Hintergrundkenntnisse bedarf, die in Bezug auf den „zeitungstypischen Wortschatz bzw. journalistisch geprägte Satzstrukturen und Stilfiguren“ (ebd.: 47) vertretbar sind. Landeskundliche Kenntnisse haben darin integrativen Charakter, denn sie fördern das richtige Verständnis, anhand der Verarbeitung der Ergebnisse der Nachbardisziplinen, wo das Erfassen der Inhalte sich auf die genaue Kenntnis der verwendeten Sprachmaterialien und in enger Verbindung mit Hintergrundwissen über die Erscheinungen im Land bezieht, dann auf der Grundlage des eigenen Gesichtspunkts kann die Vorurteilshaltung gegenüber dem Fremden wegen der schlechten unrichtigen Interpretation vermeiden. (vgl. ERDMENGER 1996: 23)

Der Text als grundlegendes Mittel für die Vermittlung sprachlicher und sachlicher Kenntnisse wird durch seine sprachliche und geistige Ausarbeitung auf die Entwicklung der sprachlichen Tätigkeiten der Lernenden bezieht. Anders gesagt, steht der Lehrer bei der Arbeit an einem landeskundlichen orientierten Text vor der Aufgabe, seine Lernenden zunächst vielseitige Informationen zu vermitteln und zu erklären und im Vordergrund mit der Lexik zu befähigen. Das semantische Feld eines Textes, das die textinternen Gegebenheiten umfasst, wird in Bezug auf die außersprachlichen kultur-, zeit- und ortspezifischen Werte erschlossen. (vgl. BOGATYREWA 1994: 100)

Auf der Ebene des lexikalischen Systems spiegelt den Zusammenhang zwischen Sprache und Gesellschaft wider. Landeskundliche Lexik wird anhand Texte vermittelt, gefestigt und aktiviert. Um eine adäquate Verwendung dieser spezifischen Lexik zu erreichen, sollen diese Lexeme nur in ihrem gesellschaftlichen Kontext verstanden werden. Für die Lernenden ist es also wichtig, die vermittelte Information zu verstehen anhand des genauen Erfassens der Bedeutung gesellschaftlicher bzw. landeskundlicher Lexik, damit sich über die gegebenen Sachverhalte ihre eigenen Einsichten ausdrücken und diskutieren, d.h. sie müssen befähigt werden, „der Übergang von der Rezeption schriftlicher Texte zur Produktion mündlicher Äußerungen“ (LÖSCHMANN 1985: 9) zu bewältigen.

Andere Möglichkeiten für die Einbeziehung landeskundlichen Wissens in die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten werden anhand einer Reihe verschiedener Kommunikationsformen wie: Vortrag, Diskussion, Vorlesung, Seminar u. a. gegeben. Diese Kommunikationsformen tragen zugleich zur Aneignung des landeskundlichen Wissens.

Die Gemeinsamkeit zwischen diesen Kommunikationsformen besteht darin, dass man immer mehr Anregungen zur selbständigen Arbeit landeskundlichen Wissens der Lernenden gegeben werden. Dadurch wird das ständige Interesse an LK gestärkt. Die Lernenden können auch ihre sprachlichen Fertigkeiten herausbilden und Diskussionen über unterschiedliche Themen führen. Beispielsweise: bei der Ausarbeitung und dem Handeln von Kurzvorträgen werden günstige Möglichkeiten zum freien Sprechen über Themen nach eigener Wahl gegeben, damit die Sprachäußerung der Lernenden entwickeln könnte. Sie werden gezwungen, ihre Meinungen selbst zu formulieren und zu produzieren.

Das Seminar wie der Vortrag bietet die Entwicklung des freien Sprechens an. Die Vorlesung ist die wichtigste Form der Kenntnisvermittlung. Bei der Vorlesung werden stets neue Wissen angeeignet und neue Erkenntnisse gewonnen. Die Interpretation landeskundlicher Erfahrung anhand seminarmethodischen Verfahrens wird durch Wissensvermittlung und Übungsformen, die Rollenverteilung, durch den Wechsel der Sozialformen, durch Disziplin, Strenge, Verhaltensstile und Bewegungsfreiheiten, durch emotionale Faktoren und Äußerungen zur kulturellen bzw. nationalen Identität, durch Einheitlichkeit bzw. Differenziertheit von Unterrichtsprozessen, durch Gestaltung der Seminarräume und empfundene Themen am Seminar gewonnen.

Der Wechsel ist von einem kursleiter-zentrierten zu einem stärker gruppen-aktiven Verfahren. Bevor man bestimmte Medien einsetzt, die Sozialformen wechselt, bestimmte Texte, Bilder, systematische, kommunikative oder spielerische Übungsformen einbringt, den Unterricht differenziert und die Sitzordnung variiert, sollte der Seminarleiter beim Übergang zu neuen Seminarphasen laut mit seinen Lernenden danach nachdenken. Das Einverständnis und die Ablehnung zum Seminarverlauf und zu bestimmten seminarmethodischen Entscheidungen werden durch unterschiedliche Techniken ausgedrückt, z. B. Assoziogramme. (vgl. KILIAN 1994: 236)

UHLEMANN resümierte die Beziehung der LK zur kommunikativen Zielstellung des DU in folgender Aussage:

Einmal wäre zu prüfen, was kommunikative Orientierung thematisch- inhaltlich für das Lehrfach bedeutet, in welcher Weise sie die inhaltliche Gestaltung des Lehrfaches beeinflusst. Zum anderen wäre zu fragen, wie bei der Vermittlung landeskundlicher Stoffe im Fach Landeskunde sprachliche Ziele der Fremdsprachenlehrerausbildung beachtet werden können . (UHLEMANN 1979: 361)

Mit der Berücksichtigung dieser zwei Aspekte wird die Wechselbeziehung zwischen LK und kommunikativer Zielstellung innerhalb des FU erfasst. In Bezug auf die Entwicklung des freien Sprechens und des Lesens in Verbindung mit verstehendem Hören werden auch die technischen Unterrichtsmaterialien eingesetzt. Die Fragestellungen, das Berichten, das Beschreiben, das Sprechen über eigene Erlebnisse und Erfahrungen der Lernenden, die Teilnahmen an Gesprächen und Diskussionen über landeskundliche Themen und andere Möglichkeiten dienen zur Entwicklung des Sprechens.

Vielfältige Materialien im Zusammenhang mit der Entwicklung des Lesens können für Sprechübungen benutzt werden, beispielsweise: Fahrpläne, Speisekarten usw. Die Verwendung der Bildmaterialien zur Entwicklung des Sprechens ist wünschenswert, denn sie dienen zur Anregung des freien Sprechens und der mündlichen Äußerung. Sie bieten eine günstige Gelegenheit für die Lernenden an, über Erscheinungen im eigenen Land zu sprechen.

Zur Weiterentwicklung des Lesens dienen die Auswertung von Presse bzw. Zeitungstexten unter landeskundlichem Aspekt und die Auswertung von Rundfunk- Fernsehkommentaren u. a. Die Lernenden begegnen in den Lesetexten viele Erscheinungen und Verhaltensweisen. Die Aneignung solches Wissens leistet den Beitrag zum Verständnis und zur Verständigung der fremden Menschen.

Zur Entwicklung des verstehenden Hörens werden Texte zu den landeskundlichen Themen vom Lehrenden oder Lernenden vorgetragen oder vom Tonband abgehört. Das Hören von aktuellen Radio- und Fernsehsendungen und Hörspiele sind weitere Möglichkeiten, die einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Sprachtätigkeiten der Lernenden ausüben können. Eine anschauliche und eindrucksvolle Gestaltung des verstehenden Hörens könnte anhand landeskundlicher Bildmaterialien z. B. Fernsehsendungen, Tonfilme u. a. erreicht werden. (vgl. AUTORENKOLLEKTIV 1981: 92)

Allgemein gesagt, müssen die Lernenden befähigt werden, Diskussionen aller Art in verschiedenen Situationen auf der Grundlage eines soliden Niveaus zu führen, und anhand landeskundlicher Kenntnisse ihre kommunikative Kompetenz zu stärken und ihren geistigen Gesichtskreis zu erstrecken. Das ist nicht nur die Aufgabe des Lehrers aber zugleich der Lernenden. Briefwechsel, Berichte, Beschreibungen u. a. dienen zur Entwicklung des schriftlichen Ausdrucks in Verbindung mit landeskundlichem Stoff.

Resümierend wird es festgestellt, dass der Fremdsprachenunterricht in Bezug auf die Einbeziehung von landeskundlichen Inhalten vielfältige Forderungen erfüllt. Diese schließen die Entwicklung der Lernerpersönlichkeit, die Anknüpfung landeskundlichen Stoffes an die Erfahrungswelt der Lernenden, die Förderung der Motivation zur selbstständigen Beschäftigung mit landeskundlichen Inhalten, Suchen und Nutzen aller Möglichkeiten für die Begegnung mit Zielsprachenland und -kultur, die Verwendung von unterschiedlichen Medien und von kontrastivem Verfahren ein. (vgl. AUTORENKOLLEKTIV 1981: 83 f.)

Landeskundekenntnisse

Laut BUCHBINDER/ STRAUSS (1986: 155) „Kenntnisse werden wirksam, verfügbar und einsetzbar auf der Grundlage von Fähigkeiten und Fertigkeiten. Diese wiederum können nur wirksam werden, wenn ein entsprechender sicherer Kenntnisbesitz vorhanden ist.“ Das bedeutet, dass die Aufnahme und Verarbeitung von Kenntnissen in dialektischer Verbindung mit der Aneignung von Fähigkeiten und Fertigkeiten steht. Also immer „ umfassend, allseitig, vielfältig miteinander verflochten und zusammengesetzt.“ (HERRDE 1979: 358)

Es wird festgestellt, dass landeskundliche Kenntnisse sich mit der komplexen gesellschaftlichen Realität eines Landes, mit den historischen, politischen, ökonomischen, geografischen, geistig-kulturellen u.a. Erscheinungen befassen müssen, die für die sprachliche Kommunikation im SU nutzbar sind.

Aber trotz der Vielfalt landeskundlicher Inhalte und Komplexität des Landesbildes scheint es gewiss nicht möglich, alle Erscheinungen und Gegebenheiten dieser Realität in ihrer ganzen Breite thematisch- inhaltlich zu behandeln. Daraus ergibt sich also eine Selektion bzw. Auswahl der Inhalte, die vermittelt werden müssen. Diese Inhalte werden je nach der Zielstellung jeder Unterrichtsstunde einerseits und andererseits je nach der Kommunikationsfähigkeit der Studierenden ausgewählt.

Man kann zustimmen, wenn PFEIFFER (1977: 13) festgestellt hat, dass „die landeskundlichen Informationen sollen im Rahmen des fremdsprachlichen Unterrichtsprozess zum tieferen Verständnis anderer Völker und Nationen und deren bereit verstandener Kultur im Sinne der humanistischen Völkerverständigung beitragen.“

Das bedeutet, dass landeskundliche Kenntnisse im Rahmen des FU zum richtigen Erfassen der Situationen und Themen dienen. Bei der Vermittlung von landeskundlichen Kenntnissen über Zielland sowie über Ausgangsland werden günstige Möglichkeiten der Weiterentwicklung kommunikativer Kompetenz der Lernenden angeboten, zugleich ihrer kritischen Sicht im Hinblick auf Kulturen selbständig erworben. Man kann auch formulieren, dass auf der Erarbeitung landeskundlicher Kenntnisse über Zielland sowie über Heimatland der Studenten günstige Voraussetzungen für die Verständigung mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern geschaffen werden.

Die Vermittlung der vielfältigen Informationen über die Andersartigkeit des fremden Landes und der fremden Kultur im Hinblick auf das eigene Land und die eigene Kultur dient zur Förderung der Kontakte zwischen einander. Empathie und Rollendistanz werden also als wichtige Qualifikationen im interkulturellen Lernen betrachtet. Die landeskundlichen Kenntnisse führen also zwangsläufig zur Förderung der Sprachbeherrschung sowie zur Förderung der Menschenbeziehungen im Sinne der interkulturellen Verständigung. CIESELA formulierte darunter, dass

nicht nur der Homofaber, der produzierende Mensch, soll im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen, sondern auch der Mensch als Glied einer Kulturgemeinschaft mit seinen Traditionen, Sitten, Gewohnheiten und Bräuchen. So dürfte also auf die kollektiv geschaffenen und überlieferten Werte seines Kulturerbes besonders Augenmerk gerichtet werden. (CIESELA 1978: 359)

Das bedeutet, bei der Vermittlung landeskundlicher Kenntnisse steht im Vordergrund der Betrachtung nicht nur die Darstellung komplexer Erscheinungen eines Landes, sondern auch die Menschen dieser fremden Kultur, dieses fremden Landes zu verstehen, sich mit ihren Verhaltensweisen, Denkweisen, Gewohnheiten und anderen Werten vertraut zu machen.

GÜNTHNER (1989: 433-435) unterscheidet zwei Arten von Kenntnissen, die sind: „Kenntnisse über kulturelle Wertvorstellungen und Normen der Zielsprachenkultur“ und „Kenntnisse, die von GesprächsteilnehmerInnen benötigt werden, um in einer bestimmten Situation ihre kommunikativen Absichten angemessen verbalisieren bzw. die Beiträge ihrer Interaktionspartner adäquat interpretieren zu können.“ Diese Kenntnisse werden nach MÜLLER (1991) in Wortschatz, Sprechakten, Diskurskonventionen, Themen, Register, nonverbalem und paraverbalem Bereich, kommunikativer Stile, kulturspezifischer Werte und Einstellungen und in kulturspezifischen Handlungen (einschließlich Ritualen) und Handlungssequenzen auftreten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Didaktik der Landeskunde im Fremdsprachenunterricht
Untertitel
Wie kann Landeskunde die kommunikative Fähigkeit erweitern und verbessern?
Autor
Jahr
2020
Seiten
34
Katalognummer
V535116
ISBN (eBook)
9783346117540
ISBN (Buch)
9783346117557
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik der Landeskunde, Ziele, Kenntnisse, Inhalte
Arbeit zitieren
Asma Hammadi (Autor), 2020, Didaktik der Landeskunde im Fremdsprachenunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535116

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Didaktik der Landeskunde im Fremdsprachenunterricht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden