Das antike Athen. Stellung der Frauen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
15 Seiten, Note: 2,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1. Vorwort
1.2. Quellenproblematik

2 Situation in Athen

3 Frauen im klassischen Athen
3.1. Jugend und Ausbildung
3.2. Leben einer Frau
3.3. Freizeitgestaltungen
3.4. Erwartungen
3.5. Älterwerden

4 Verbannung aus dem öffentlichen Leben

5 Fazit

6 Bibliographie
6.1. Quellen
6.2. Literatur

1 Einleitung

1.1 Vorwort

Während sich die Bürger und Bürgerinnen des klassischen Athens einerseits imposanten Göttinnen widmeten, waren Frauen wiederum stark ausgegrenzt im gesellschaftlichen Leben. Sie genießten keinen Einfluss in das politische Geschehen, ihnen fehlten jegliche Rechte dazu. Diese (scheinbare) Sinnwidrigkeit soll einen primären Teil der vorliegenden Arbeit ausmachen. Das Thema intendiert Einblicke in das Gesellschaftsleben einer Frau zu jener Zeit, die Stellung innerhalb der Familie und welche Rolle sie im Zahnrad Athens hatte. Wie fungierte sie? War die Frau in der Zeit zwischen den Perserkriegen und der Regierung Alexander des Großen (rund 200 Jahre) wirklich so ausgeschlossen aus dem öffentlichen Leben wie Aufzeichnungen aus dieser Zeit es suggerieren? Die Arbeit beabsichtigt sich diesen und weiteren Fragen anzunehmen.

Insbesondere die drei antiken Autoren Aristoteles, Plutarch und Xenophon bieten Perspektiven an, um die Lebensweise der Frau während der klassischen Zeit darzustellen. Vor allem in den letzten Jahrzehnten nahmen die geführten Debatten rasant zu, die sich mit dem Thema der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau auseinander setzten. Nicht selten wird der Ursprung der Diskrepanzen zwischen den Geschlechtern genau an diesem Punkt ausgemacht1 – das Thema ist aktuell, soll aber weniger einen Vergleich mit dem heutigen Frauenbild darstellen, sondern den Alltag des klassischen Athens illustrieren, sodass vor allem die Position der Frau im Oikos2 von großer Bedeutung ist.

Die Situation in Athen soll nur komprimiert und kurz skizziert werden, um auf die besonderen Umstände aufmerksam zu machen, sowie die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen Frauen sich bewegten.

1.2 Quellenproblematik

Anzumerken ist allerdings auch, dass durch die beschränkte Auswahl der antiken Autoren eine facettenreiche Einschätzung nur bedingt möglich ist. Ein weiteres Problem ist die Position der Schriftsteller. Das Werk des Xenophons spiegelt seine Begeisterung für Sparta wieder, verfügt aber nur über marginale Einblicke Athens. Er idealisiert Sparta, das in seinen Augen eine Vorbildfunktion einnimmt, vor allem in Bezug auf die Erziehung von Kindern. Es ist also stets eine mehr als subtile Subjektivität vorhanden. Aristoteles schafft einen Ausgleich, indem er sich wiederum klar für Athen positioniert. Hingegen ist bei Plutarch das gängige Problem, das bei seinen Quellen vorliegt, dass er zu Zeiten der Klassik nicht geboren war. Des Weiteren ist es aus der Sicht der Historik bedauerlich, dass keine Quellen zur Verfügung stehen, die von Frauen verfasst wurden. Viel gravierender wiegt allerdings der Umstand, dass größtenteils über Frauen aus der Oberschicht berichtet worden ist. Der primäre Fokus liegt dementsprechend auf die athenischen Frauen mit Bürgerrecht. Die einzelnen Texte der drei erwähnten Autoren müssen also differenziert betrachtet werden, um Essenzielles extrahieren zu können. Es ist allerdings sehr gut erkennbar, welchen Erwartungshorizont respektive welche Ansprüche es an Frauen gab.

2 Situation in Athen

Den Bürgern Athens war es gestattet im politischen Geschehen der Stadt zu partizipieren. Diese direkte Demokratie im 4. Jahrhundert v. Chr. ist unübertroffen in Bezug auf die einzelne Beteiligung der Bürger. Athen war unterteilt in drei Gruppen. Zum einen die Bürger, die das Recht zur Abstimmung hatten, Anträge stellen konnten und diese (unter anderem) anschließend in einer Rede verteidigen konnten, dann die Metöken3, die von politischen Aktivitäten ausgeschlossen wurden, sowie Sklaven.

In der Volksversammlung (Eklesia) sind politische und militärische Beschlüsse debattiert und finalisiert worden, die mindestens 40 Mal in einem Jahr stattfanden. Die 6000 Mitglieder des Volksgerichtes (Heliaia) wurden per Los bestimmt, die sich auf weiteren Gerichtshöfen (Dikasterien) aufteilten. Ebenfalls per Los wurde der Rat der 500 zusammengesetzt, der sich vor allem um die Anträge der Volksversammlung kümmerte.

Frauen, Metöken und Sklaven waren komplett exkludiert und konnten nicht an der Politik Athens partizipieren, dies trübte das Bild einer Demokratie – zumindest wenn wir es mit unserer heutigen Definition einer Demokratie vergleichen. Der Gedanke einer Gleichberechtigung ähnlich wie wir es heutzutage kennen, entsprach nicht dem Verständnis des antiken Athen. Diese Ausgrenzung großer Bevölkerungsgruppen nahmen die Athener geräuschlos hin. Zwar waren Metöken und Sklaven von immenser wirtschaftlicher Bedeutung, allerdings verfügten beide Gruppen über kein athenisches Bürgerrecht.

Athen selbst war das Kulturzentrum Griechenlands mit einer Affinität sich geistig weiterzubilden. In Anbetracht dessen wirkt das Handlungsfeld der Frauen zu jener Zeit sehr eingeschränkt, von „orientalischen Verhältnissen“ ist die Rede.4 Frauen, die abgeschlossen von der Außenwelt leben, und sich nur ihren Männern zeigen. Sie mussten sich „mit einer untergeordneten Rolle in der Ehe und Familie abfinden“.5 Die Entscheidungsvielfalt war sehr gering, es bedurfte keiner Zustimmung der Frau für die Eheschließung.

3 Frauen im klassischen Athen

3.1 Jugend und Ausbildung

Nicht jedes Mädchen überlebte die Geburt. Der Mann respektive der Vater des Kindes hatte die Entscheidungsvollmacht, ob es ausgesetzt wird, isoliert an einem unzivilisierten Ort, oder ob das Neugeborene Teil der Familie wird. Den Familiennamen durfte ein akzeptiertes Mädchen allerdings nicht behalten.6 Sie benötigte eine Dotation. Diese Mitgift wurde vom Vater bestellt, die bei einer etwaigen Eheauflösung dem Vater wieder zustand, oder bei einem Tod der Ehegattin an die Kinder der Frau weitervererbt wird.7

Während der Krieg dafür verantwortlich war, dass der männliche Anteil der Bevölkerung Athens rapide gesunken ist, gab es auch in Friedenszeiten Hinrichtungen an Kindern, dies betraf vor allem Mädchen. Diese Hinrichtungen hatten die Intention dass die Bevölkerung keine exorbitanten Ausmaße erreicht.8

Die Mütter waren dafür verantwortlich, die Kinder großzuziehen. In speziellen Arealen eines Hauses, dem sogenannten Gynaikonitis, in dem sich nur Frauen aufhielten, wurde die Arbeit an Textilien gelehrt, beispielsweise das Spinnen und das Weben.9 Die Bürger Athens die sich für ihre Tochter entschieden haben, wiesen ihrem Kind meistens einen Sklaven bzw. eine Sklavin zu. In der Regel war dies eine Sklavin. Deren Tätigkeitsfeld lässt sich ähnlich mit der einer Amme anno 2017 vergleichen.10 Frauen spielten nur eine marginale Rolle in der Öffentlichkeit jener Zeit, ergo gab es auch keine Ambitionen der Gesellschaft diese im Kindesalter auszubilden oder zu fördern. Die Arbeit im eigenen Haushalt hatte einen höheren Stellenwert als der Besuch von Schulen. Athenische Mädchen lernten im eigenen Zuhause Fragmente dessen, was ihnen in der Schule gelehrt worden wäre. Diese Isolation aus dem Alltag beschreibt Xenophon als ideal. Das ideale Mädchen sei weder zu hören, noch zu sehen, und schon gar nicht solle sie Fragen stellen.

Die Jugendbildung sah vor, dass aus Jungen Bereicherungen für das öffentliche und private Leben werden. Im Zuge der Restriktionen des Solon, auf die im späteren Verlauf der Arbeit eingegangen wird, wurden Mädchen nur für das private Leben ausgebildet.11 Um in der Politik eloquent die eigenen Punkte, Anträge und Argumente zu verteidigen, wurde das Hauptaugenmerk auf die Redenskunst der Jungen gelegt. Eine gute, physische Verfassung war zudem erforderlich, um als Soldat in den Krieg ziehen zu können. Die Mütter lehrten generationsübergreifend ihren Töchtern Basiswissen im eigenen Haushalt, aber auch das Lesen und Schreiben. Platon setzte sich erfolglos dafür ein, dass nicht zwischen den Geschlechtern differenziert werden solle, sondern die geistigen Fähigkeiten im Kindesalter identisch wären.12

3.2 Leben einer Frau

Auch im fortgeschrittenen Alter gab es viele Hindernisse, die gegen das weibliche Geschlecht gerichtet wurden. So galt die Frau als eine Nymphomanin die Familien zerstören will und deren Sexualität nur kompliziert zu zügeln ist.13 Aus diesem Grund sollten Männer nicht den Fehler begehen, eine Ehe mit einer zu jungen Auserwählten einzugehen. Der hohe Altersunterschied und der teils immense Unterschied im Grad der Bildung führten dazu, dass die Männer ihre Frauen mitunter respektlos und herablassend behandelten.14 Eine Vormundschaft des Vaters ging im Zuge der Hochzeit über zum neuen Ehemann. Es war nur selten der Fall, dass es Wunschehen gab, in den meisten Fällen wurde der zukünftige Ehegatte von den eigenen männlichen Verwandten ausgesucht. Diese Suche hatte nicht selten zur Folge, dass sich zwei Parteien respektive zwei Familien, die zur reichen Oberschicht gehörten, zusammenschlossen und ihre Kinder verheiratet haben, um die Stellung als potente Familie weiterhin zu behalten.15 Der eigentliche Hochzeitstag stellte den Höhepunkt im Leben einer jeden Frau dar. Zu diesem Zeitpunkt galt eine Frau noch als Braut (nymphe), die zwar verheiratet aber noch kinderlos war. Erst mit der Geburt des ersten Kindes wurde aus der Braut eine Ehefrau (gyne).16

Die Ehe selbst sah vor, dass Frauen das Essen für die Männer zubereiten respektive schon zubereitet haben, wenn sie denn von der Versammlung nach Hause kamen. Neben der Herstellung von Kleidern, das für viele aber auch ein angenehmer Zeitvertreib darstellte, stand die eigene Hauswirtschaft im Mittelpunkt. Sie hatte die Aufsicht über die Speisekammer und konnte in der Folge planen, wie der Speiseplan der nächsten Tage und Wochen aussah. Diese Bestandsaufnahmen bzw. dieser Verwaltungsaspekt war aber eher den wohlhabenden Frauen vorbehalten.17 Den Einkauf auf dem Marktplatz erledigte dann der Mann, um seiner Frau nicht den Blicken anderen Männern auszusetzen und weil es als unzumutbar galt, dass die Frau Lebensmittel vom Marktplatz bis zum eigenen Haus transportierte. Die Frau war aber nicht die unterste Sprosse der Hierarchie im eigenen Haus, diese Position hatten Sklaven inne. Sklaven erhielten direkte Anweisungen der Frauen. Eine Mutter überließ die Erziehung der eigenen Kinder aber nur bedingt den Sklaven. Söhne wurden bis zu ihrem siebten Lebensjahr von der eigenen Mutter großgezogen, um dann die weitere Ausbildung eines zukünftigen, athenischen Bürgers zu beginnen, während die Töchter bis zu ihrer Ehe unter der Obhut der Mütter waren.18 Frauen aus der unteren Schicht gingen bei Bedarf Arbeiten außerhalb des Hauses nach. So gibt es Berichte über Wollarbeiterinnen, die für andere Bürger Athens Kleidung herstellten, aber auch Tätigkeiten wie das Waschen von Textilien waren prominent vertreten unter den ärmeren Athenerinnen. Des Weiteren gab es Händlerinnen, die ihre überschüssigen Nahrungsmittel verkauften oder soziale Tätigkeiten wie beispielsweise die Aufsicht von Kindern. Der Verdienst war allerdings marginal.19 Außerhalb der Stadtgrenzen gab es Arbeit in der Landwirtschaft sowie Weinanbau.20

[...]


1 Schnurr-Redford, Christine: Frauen im klassischen Athen. Berlin 1996, S. 15 f.

2 Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft

3 Bewohner ohne Bürgerstatus

4 Schnurr-Redford, S. 162.

5 Sonnet-Altenburg, Helene: Hetären, Mütter, Amazonen. Heidenheim 1963, S. 44.

6 Kunze, Max: Die Frau in der Antike. Stendal 1985, S. 11.

7 Leipoldt, Johannes: Die Frau in der Antike und im Urchristentum. Berlin 1953, S. 32.

8 Pomeroy, Sarah: Frauenleben im klassischen Altertum. Stuttgart 1985, S. 103.

9 Kunze, S. 11.

10 Reeder, Ellen D.: Pandora. Women in Classical Greece. Princeton 1995, S. 20.

11 Schuller, Wolfgang: Frauen in der griechischen Geschichte. Konstanz 1985, S. 44f.

12 Vardiman, Ernst E.: Sittengeschichte der Frau im Altertum. Wien 1982, S. 133f.

13 Aristoteles: Pol. 7. 1335a.

14 Pomeroy, S. 112.

15 Ebenda, S. 95f.

16 Hartmann, Elke: Heirat und Bürgerstatus in Athen. Stuttgart 2000, S. 22.

17 Xenophon: Oikonomikos. 9-10,1

18 Reinsberg, Carola: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland. München 1989, S. 30ff.

19 Pomeroy, S. 109f.

20 Schnurr-Redford, S. 216.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das antike Athen. Stellung der Frauen
Hochschule
Universität Rostock
Note
2,2
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V535220
ISBN (eBook)
9783346127136
ISBN (Buch)
9783346127143
Sprache
Deutsch
Schlagworte
athen, stellung, frauen
Arbeit zitieren
Thomas Max (Autor), 2017, Das antike Athen. Stellung der Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535220

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