In dieser Arbeit wird "das Böse" in Kinder- und Jugendliteratur untersucht. Die herausgearbeiteten Aspekte sollen exemplarisch am Werk `Krabat` von Otfried Preußler untersucht werden. Dafür sollen Figuren und literarische Räume analysiert werden, um die Darstellungsform von „Gut“ und „Böse“ erkennen zu können. Auf Grundlage dieser Analyse und des zuvor erarbeiteten theoretischen Teils, soll im Fazit dann geklärt werden, welche konkreten Kompetenzen mit `Krabat` als Unterrichtsgegenstand zum Thema „Das Böse“ erarbeitet werden können.
Jeder Leser kennt sie, die Helden und Bösewichte einer Geschichte. Der Kampf gegen Gut und Böse ist seit jeher eins der zentralen Themen der Literatur. Gemeinsam mit dem guten Helden bestreitet man ein Abenteuer, um gegen das Böse zu siegen. Bereits in Kindergeschichten oder Märchen treten Figuren des Bösen auf, sei es in Form von Wölfen, Hexen oder gemeinen Stiefmüttern. Aber auch im alltäglichen Leben werden wir mit dem Bösen konfrontiert. Sei es in persönlichen Konflikten, wenn wir betrogen oder ausgeschlossen werden, oder im überindividuellen Maße in Form von Terror und Krieg, die uns medial allzeit präsent sind. Doch was genau wir als Böse definieren, hat sich im Laufe der Zeit verändert. Heute scheinen „Gut“ und „Böse“ nicht mehr so voneinander trennbar zu sein, wie es einmal der Fall war, vielmehr verlaufen sie sich in einer moralischen Grauzone.
Aus dieser Allgegenwärtigkeit und Komplexität resultiert ein gewisses didaktisches Potenzial des Themas „Das Böse“ für den Literaturunterricht. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll dieses didaktische Potential insbesondere für die phantastische Kinder- und Jugendliteratur untersucht werden. Dafür gilt es, zuerst eine Definition für phantastische KJL zu formulieren und sie von anderen Gattungen abzugrenzen. Wieso eignet sich die phantastische KJL besser als andere Gattungen dazu, das Böse als literarisches Unterrichtsthema zu behandeln? In welcher Art und Weise wird das Böse dargestellt? Welche literarischen und eventuell auch außerliterarischen Kompetenzen können im Besonderen gefördert werden?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Phantastische Kinder- und Jugendliteratur
2.1 Eine Definition
2.2 Leitmotive phantastischer Literatur
2.3 Das didaktische Potential phantastischer Kinder- und Jugendliteratur
3. Das Böse
3.1 Was ist das Böse?
3.2 Das Böse in der Literatur
4. Das Böse in phantastischer Literatur
4.1 Das didaktische Potenzial des Bösen in phantastischer Kinder- und Jugendliteratur
5. Das Böse in Otfried Preußlers `Krabat`
5.1 Figuren
Krabat
Der Meister & Herr Gevatter
Die Gesellen
Die Kantorka
5.2 Literarische Räume
5.3 Zusammenfassung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das didaktische Potenzial der Darstellung des "Bösen" in der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur, wobei Otfried Preußlers Roman `Krabat` als primäres Fallbeispiel dient, um die moralische Komplexität und deren Relevanz für den Literaturunterricht zu beleuchten.
- Definition und Besonderheiten der Gattung phantastische Kinder- und Jugendliteratur
- Philosophische und literarische Konzeptionen des Begriffs "Das Böse"
- Analyse der Figurenkonstellation und Raumgestaltung in `Krabat`
- Didaktische Überlegungen zur Förderung analytischer Kompetenzen durch literarische Texte
Auszug aus dem Buch
3.1 Was ist das Böse?
Das Böse beschäftigt die Menschen seit Anbeginn der Zeit. Immer wieder erscheint es als Thema von Literatur und Kunst. Doch was genau ist eigentlich „das Böse“? Verschiedenste Bereiche der Wissenschaft wie Religion, Ethik, Juristik aber auch die Biologie versuchen sich an Definitionen und suchen nach Erklärungen, wieso es das Böse gibt. Dass das Böse in unserer Welt existiert, ist unbestritten. Täglich begegnet es uns in den Medien: Die Opfer des Bösen, seien es Opfer physischer Ereignisse wie Erdbeben, Überschwemmungen, Krankheiten, oder aber Opfer moralischer Aspekte wie Verrat, Mord oder Betrug, bezeugen die Existenz des Bösen.
Das Böse wird oft im gleichen Zug mit dem Guten genannt. Es scheint, als lasse sich das Böse nur erkennen, wenn man eine Vorstellung des Guten hat. Bis ins 18. Jahrhundert hinein erschien es auch, als könne man Gut und Böse trennscharf voneinander unterscheiden. Religion und Glauben erlaubten es, sei es durch die mythische Figur des Teufels oder durch christliche Moralvorstellungen und Formulierungen von „Todsünden“, das Böse deutlich zu erkennen. Mit Ende des 18. Jahrhunderts verschieben sich diese Ansichten jedoch, die moderne Geschichte des Bösen beginnt: Die Darstellung des Bösen löst sich vom Stereotypischen und wird mehr und mehr in das Innere des Menschen verlagert. So formuliert Kant 1792, dass das Böse aus der Willensfreiheit des Menschen entstehe, die es ihm erlaube, auch gegen die Gesetze der Sittlichkeit zu handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des "Bösen" ein, erläutert die Relevanz für den Literaturunterricht und definiert das Ziel der Untersuchung anhand des Romans `Krabat`.
2. Phantastische Kinder- und Jugendliteratur: Hier werden Definitionen und zentrale Merkmale der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur sowie ihr didaktisches Potenzial erörtert.
3. Das Böse: Dieses Kapitel widmet sich der begrifflichen Klärung des "Bösen" und seiner historischen sowie literarischen Entwicklung hin zur psychologischen Innensicht.
4. Das Böse in phantastischer Literatur: Es wird untersucht, wie phantastische Literatur das Spannungsfeld zwischen Gut und Böse nutzt und welches didaktische Potenzial diese spezifische Gattung bietet.
5. Das Böse in Otfried Preußlers `Krabat`: In diesem Hauptteil erfolgt die Analyse des Romans `Krabat` hinsichtlich der Figurenkonstellation, der symbolischen Raumgestaltung und der moralischen Entwicklung des Protagonisten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass sich `Krabat` hervorragend als Unterrichtsgegenstand eignet, um literarische und moralische Kompetenzen zu schulen.
Schlüsselwörter
Krabat, Otfried Preußler, phantastische Literatur, Das Böse, Literaturdidaktik, literarisches Lernen, Gut und Böse, Jugendliteratur, Moral, Figurenkonstellation, Raumsymbolik, Schwarzmagie, Identifikation, Ambivalenz, pädagogisches Potenzial.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Thema "Das Böse" innerhalb der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur, mit besonderem Fokus auf Otfried Preußlers Roman `Krabat`.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition phantastischer Literatur, die philosophische Betrachtung des Bösen und dessen didaktische Einsetzbarkeit im schulischen Literaturunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Böse als literarisches Thema zur Förderung analytischer Kompetenzen und zur kritischen Reflexion von Werten bei Jugendlichen beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer textimmanenten Interpretation, bei der Figuren und Räume in `Krabat` im Kontext literaturdidaktischer Theorien analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Grundlagen zur Phantastik und zum Begriff des Bösen als auch die konkrete, detaillierte Textanalyse von Preußlers Roman durchgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Phantastik, Krabat, Literaturdidaktik, moralische Ambivalenz und Identifikationsprozesse charakterisiert.
Inwiefern spielt die Figur der Kantorka eine Rolle für das Verständnis des Guten?
Die Kantorka verkörpert das Gute, das sich in Abgrenzung zur schwarzen Magie durch Liebe und Sorge für andere auszeichnet, und dient als Gegengewicht zum dunklen Einfluss des Meisters.
Wie verändert sich die Darstellung des Bösen im Laufe des Romans `Krabat`?
Das Böse wandelt sich von einer äußeren, bedrohlichen Macht des Meisters hin zu einer inneren moralischen Herausforderung, vor der Krabat als Individuum steht.
Warum wird die Mühle in `Krabat` als zentrales Element der Darstellung analysiert?
Die Mühle dient als phantastischer Raum, der das Böse und die Unterdrückung symbolisiert, und bildet den Kontrast zur real-fiktiven Welt, die für Freiheit steht.
Was ist das Fazit der Autorin zur Unterrichtseignung des Buches?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass `Krabat` aufgrund seiner moralischen Vielschichtigkeit ein sehr geeigneter Unterrichtsgegenstand ist, um Jugendlichen den Umgang mit komplexen ethischen Fragen zu vermitteln.
- Arbeit zitieren
- Jana Hartmann (Autor:in), 2020, Das Böse in phantastischer Kinder- und Jugendliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535342