Wie kann es sein, dass gerade Sprache als grundlegendstes Mittel des alltäglichen Lebens im schulischen Gebrauch Probleme bereitet? Und welche Maßnahmen gibt es, um Förderung zu betreiben bzw., wie diese aussehen müsste? Diesen Fragen soll in dieser Hausarbeit nachgegangen werden, wobei die Sprache einen besonderen Stellenwert hat. Der Fokus liegt auf sprachlichen Schwierigkeiten, die in der Schule auftreten können und das Scaffolding als fördernde Gegenmaßnahme.
Der internationale Vergleich und Wettbewerb ist in der heutigen dynamischen Zeit etwas ganz Alltägliches. Auch schulische Leistungen werden weltweit vergleichend in Augenschein genommen. Als weit entwickeltes Land ist Deutschland in sehr vielen Bereichen auf einem der Spitzenränge. Umso unerwarteter haben uns die schwachen schulischen Ergebnisse der PISA–Studien getroffen. Seitdem sind die Leistungen an Deutschlands Schulen stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Immer mit der Frage behaftet, welche Förderungen nötig sind, um die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler und somit deren Leistungen zu verbessern. Eine unzureichende Erfüllung der erwarteten Kompetenzen ist dabei als Kernproblem erkannt worden, was rückschließend die Sprachförderung als wichtige Voraussetzung für eine Verbesserung festlegt.
Als Reaktion der Bildungspolitik sind einige Maßnahmen zur Bewältigung der erkannten Herausforderungen durchgesetzt worden, die auch zur Überarbeitung der Kernlehrpläne, mit verstärktem kompetenzorientierten Unterricht als Ziel, geführt haben. Sprachliche Unterstützung soll den Lernern geboten werden, da besonders die Sprache als Medium des Lernens und Verbreitung des Wissens erhebliche Schwierigkeiten hervorrufen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachliche Anforderungen als Herausforderung in der Schule
2.1. Bildungssprache und fächerspezifische Fachsprachen
2.2. Konzeptionelle Mündlichkeit und konzeptionelle Schriftlichkeit
3. Die sprachliche Vorerfahrung nimmt Einfluss darauf, für wen sprachliche Förderung in der Schule notwendig wird
4. Der sprachsensible Fachunterricht als Basis für grundliegende schulische Förderung
4.1. Das Scaffolding als eine mögliche Form der Sprachförderung in der Schule
4.1.1. Das Makroscaffolding
4.1.2. Das Mirkoscaffolding
4.2. Der Unterrichtsablauf in Phasen entlang des „mode continuum“
4.3. Muskelfunktionen im Biologieunterricht als Beispiel für die praktische Umsetzung des Scaffolding
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Sprache als Medium des Lernens und als potenzielles Hindernis für den schulischen Erfolg. Das primäre Ziel ist es, die Herausforderungen zu identifizieren, die durch bildungssprachliche Anforderungen entstehen, und aufzuzeigen, wie das pädagogische Konzept des „Scaffolding“ in einem sprachsensiblen Fachunterricht gezielt eingesetzt werden kann, um Lernprozesse zu unterstützen und Sprachkompetenzen systematisch aufzubauen.
- Bildungssprache und ihre spezifischen Anforderungen an Schülerinnen und Schüler
- Differenzierung zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit
- Einfluss sozioökonomischer Faktoren und Vorerfahrungen auf den Sprachstand
- Methodik des Scaffolding: Makro- und Mikroscaffolding
- Praktische Umsetzung sprachsensiblen Unterrichts entlang des „mode continuum“
Auszug aus dem Buch
4.1 Das Scaffolding als eine mögliche Form der Sprachförderung in der Schule
Scaffolding kann als ein Unterstützungssystem der gezielten Sprachförderung im sprachsensiblen Fachunterricht verstanden werden. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Baugerüst“, was gleichzeitig das Konzept ziemlich anschaulich erklärt: Mithilfe von diesem sollen die Kompetenzen der SuS durch gezielte Unterstützungen von dem bereits erreichten Sprach- und Kompetenzniveau auf ein höheres Level gebracht werden. Die Lücke zwischen dem, was die Lerner bereits können und dem, was sie durch spezielle Unterstützung erreichen sollen, wird durch angepasste Unterrichtsplanung sowie besonderen Formen der Interaktion überbrückt (vgl. Kniffka 2012, S. 213). Genauer betrachtet geschieht die Förderung durch verschiedene eingesetzte vorübergehende Hilfen, welche als ein stützendes Gerüst zu verstehen sind, durch das Schritt für Schritt ein höheres Niveau erreicht wird. Damit basiert dieses Konzept auf der „Zone der proximalen Entwicklung“ nach Wygotski.
So sollen „Schülerinnen und Schüler […] darin unterstützt werden, sich neue Inhalte, Konzepte und Fähigkeiten zu erschließen, sprachlich und fachlich. Lernende sollen also dazu gebracht werden, anspruchsvollere Aufgaben zu lösen als solche, die sie allein bewältigen könnten“, formuliert Kniffka (ebd.).
Die Bereitstellung der sprachlernfördernden Elemente ist hierbei nicht auf den Fachwortschatz beschränkt: Auch fachrelevante Textsorten, Strukturierungshilfen und Diskursfunktionen werden miteingeschlossen, in Kapitel 4.3 werden dazu Beispiele zur praktischen Umsetzung gegeben. Wenn neue Kompetenzen weit genug verinnerlicht sind und durch authentische, wiederholte Nutzung von allen Lernern in ihr Repertoire aufgenommen wurden, werden die Hilfen nach und nach wieder abgebaut, sodass das neu erworbene Kompetenzniveau letztlich auch ohne Scaffolds gehalten wird. Nach Gibbons (2002) setzt sich das Scaffolding aus Makro- und Mikroscaffolding zusammen, sodass insgesamt „vier Bausteine“ abgedeckt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von PISA-Studien und sprachlichen Anforderungen für den schulischen Erfolg dar und führt in die Fragestellung ein, wie Scaffolding als Fördermaßnahme dienen kann.
2. Sprachliche Anforderungen als Herausforderung in der Schule: Das Kapitel analysiert die Komplexität der Schulsprache, insbesondere der Bildungssprache und der fächerspezifischen Register, und unterscheidet zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
3. Die sprachliche Vorerfahrung nimmt Einfluss darauf, für wen sprachliche Förderung in der Schule notwendig wird: Hier wird thematisiert, dass nicht nur Schüler mit Migrationshintergrund, sondern auch Muttersprachler aus sprachlich wenig angeregten Elternhäusern sprachliche Unterstützung benötigen.
4. Der sprachsensible Fachunterricht als Basis für grundliegende schulische Förderung: Dieses Kapitel erläutert das Konzept des Scaffolding (Makro- und Mikroscaffolding), den Unterrichtsablauf entlang des „mode continuum“ und illustriert dies am Beispiel des Biologieunterrichts.
5. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Wirksamkeit von Scaffolding und diskutiert die Herausforderungen für Lehrkräfte bei der Implementierung eines sprachsensiblen Unterrichts.
Schlüsselwörter
Sprachsensibler Fachunterricht, Scaffolding, Bildungssprache, Sprachförderung, Schulsprache, Makroscaffolding, Mikroscaffolding, mode continuum, Zone der proximalen Entwicklung, fachsprachliche Kompetenz, Unterrichtsinteraktion, Sprachbewusstheit, schriftsprachliche Fähigkeiten, konzeptionelle Schriftlichkeit, Lernunterstützung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Notwendigkeit und Umsetzung eines sprachsensiblen Fachunterrichts, um Schülerinnen und Schüler bei den komplexen sprachlichen Anforderungen in der Schule zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Bildungssprache, die Unterscheidung zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie das Konzept des Scaffolding.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch gezielte, sprachfördernde Maßnahmen (Scaffolding) die Sprachkompetenz der Lernenden gestärkt und der Schulerfolg unabhängig von der Erstsprache verbessert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse aktueller sprachdidaktischer Konzepte und illustriert diese durch ein praktisches Anwendungsbeispiel aus dem Biologieunterricht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die sprachlichen Herausforderungen in der Schule analysiert, das Modell des Makro- und Mikroscaffolding erläutert und ein dreiphasiger Unterrichtsablauf entlang des „mode continuum“ dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Sprachsensibler Fachunterricht, Scaffolding, Bildungssprache und die Zone der proximalen Entwicklung.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft beim Scaffolding?
Die Lehrkraft agiert als Moderatorin, die den Sprachgebrauch der SuS anleitet, sprachliche Hilfestellungen (Scaffolds) bietet und schrittweise in komplexere, kontextreduzierte Sprachregister führt.
Warum ist das Beispiel „Muskelfunktionen“ für die Arbeit gewählt worden?
Es dient der Veranschaulichung, wie in einem naturwissenschaftlichen Fach ein entdeckender Lernprozess über drei Phasen von der alltagssprachlichen mündlichen Beschreibung zur schriftlichen Protokollierung geführt wird.
- Arbeit zitieren
- Anna Eschwer (Autor:in), 2016, Sprachsensibler Fachunterricht durch die Methode des Scaffolding, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535362