Diese Studienarbeit soll mithilfe neuer Untersuchungen weitere Kenntnisse vom Taper in Bezug auf den Kraftsport herausfinden und komprimiert eine Richtung bieten, wie man bei Kraftsportarten einen Taper anwenden kann, um sich bestmöglich vor einem Wettkampf zu erholen und maximale Kraft zu entwickeln.
Das wichtigste Ziel für Trainer und Athleten ist es, die physischen, technischen und psychischen Fähigkeiten der Athleten auf ein Höchstmaß zu heben und ein präzise gesteuertes Trainingsprogramm zu entwickeln, um sicherzustellen, dass die maximale Leistung zum richtigen Zeitpunkt der Saison erreicht wird - d.h. an jedem Punkt eines großen Wettbewerbs (Le Meur, Hausswirth & Mujika, 2011). Dies kann nur realisiert werden, wenn Athleten die optimale Balance zwischen Trainingsbelastung und anschließender Regeneration besitzen (Kellmann, 2010). Der Taper ist im Bereich der Regeneration ein Schlüsselelement für die körperliche Vorbereitung der Athleten in den Wochen vor einem Wettkampf, weswegen seit Anfang der Neunziger Jahre ein erhebliches Forschungsinteresse an ihm und seiner Bedeutung für den Übergang der Athleten von der Vorbereitungs- zur Wettkampfphase der Saison besteht (Pyne, Mujika & Reilly, 2009). Aus diesem Grund wurden schon eine Reihe von Reviews über die physiologischen und leistungsbezogenen Aspekte eines Tapers veröffentlicht (Bosquet, Montpetit, Arisais & Mujika, 2007; Brännström, Rova & Yu, 2013; Houmard & Johns, 1994; Le Meur, Hausswirth & Mujika, 2011; Mujika, 1998; Mujika & Padilla, 2003, Mujika, Padilla, Pyne & Busso, 2004; Pritchard, Keogh, Barnes & McGuigan, 2015).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischen Kenntnisse vom Tapering
2.1 Das Tapering
2.2 Formen des Taper
2.3 Effekte des Taper auf die Kraft
2.4 Mechanismen des Tapers auf die Kraft
2.5 Praktische Erfahrung mit dem Taper
3. Fazit/Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zum Thema Tapering im Kraftsport zusammenzufassen, um Athleten und Trainern eine fundierte Orientierung für die Gestaltung der letzten Trainingsphase vor Wettkämpfen zu geben, mit dem primären Ziel, die maximale Kraft zu optimieren.
- Physiologische Mechanismen des Taperings im Kraftsport
- Vergleich verschiedener Tapering-Methoden (Stufen- vs. progressives Tapering)
- Einfluss von Trainingsvolumen und -intensität auf die Leistungsfähigkeit
- Analyse der Erholungsbedürfnisse und -strategien von Kraftsportlern
- Praktische Implementierung von Tapering-Strategien in verschiedenen Kraftsportdisziplinen
Auszug aus dem Buch
2.5 Praktische Erfahrung mit dem Taper
Bis heute gab es noch keine Untersuchungen die je die verschiedenen Formen eines Taper in Bezug auf die Verbesserung der Kraft miteinander verglichen haben. Es gibt lediglich drei Interviews, welche mehrere Kraftathleten mittels Fragebögen interviewt haben, wie sie jeweils ihren Taper durchführen und haben dann den Konsens daraus gebildet (Grgic & Mikulic, 2017; Pritchard, Tod, Barnes, Keogh & McGuigan, 2016; Winwood et al., 2018). In den Interviews konnten die Athleten für mehrere Punkte ihre Stimme abgeben, weshalb die Gesamtsumme mehr als 100 % betragen kann.
Die ersten die das gemacht haben waren Pritchard et al. (2016). Sie haben elf neuseeländische Elite Raw Powerlifter über ihre Strategien während ihres jeweiligen Tapers befragt. Die Interviews waren semi-strukturiert, wurden wörtlich transkribiert und inhaltlich analysiert. Nach den Angaben der Powerlifter erreichte ihr Trainingsvolumen einen Höchstwert von 5,2 ± 1,7 Wochen vor dem Wettkampf, während ihre durchschnittliche Trainingsintensität (von % 1 RM) 1,9 ± 0,8 Wochen vor dem Wettkampf ihren Höchstwert erreichte. Während dem Taper wurde das Volumen um 58,9 ± 8,4% reduziert, die Intensität beibehalten (oder geringfügig verringert) und die letzte Trainingseinheit 3,7 ± 1,6 Tage vor dem Wettkampf durchgeführt. Die durchschnittliche Taperlänge war 2,4 ± 0.9 Wochen (16.8 ± 6,3 Tage). Am häufigsten gaben die Powerlifter an, dass sie einen Taper durchgeführt haben, um eine vollständige Erholung damit zu erreichen (90,9 %), sie zwei Wochen vor dem Wettkampf die Hilfsübungen gestrichen haben (90,9 %) und das die Erholungszeit fürs Kreuzheben länger dauerte, als für das Bankdrücken oder die Kniebeuge (90,9 %). Ferner gaben sie auch häufiger an, dass Versuch und Irrtum (Trial & Error; 81,1 %) und Änderungen auf der Grundlage des „Gefühls“ (63, 6 %) die Quellen ihrer Taperstrategien sind, Ausrüstung und Ausführungen beim Taper die gleichen wie beim Wettkampf sind (81,8 %), die Ernährung während des Tapers geändert wurde (für eine Gewichtsreduzierung und/oder für Leistungszwecke) (72,7 %) und ein schlechtes Tapering durch zu langes Detraining (eine oder mehrere Wochen) zustande kam (54,4 %).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der optimalen Balance zwischen Trainingsbelastung und Regeneration für die Leistungsmaximierung im Wettkampf.
2. Theoretischen Kenntnisse vom Tapering: Dieser Hauptteil definiert zentrale Begrifflichkeiten, beleuchtet verschiedene Formen des Taperings sowie deren physiologische Effekte und Mechanismen auf die Kraftentwicklung.
2.1 Das Tapering: Hier werden Definitionen und die strategische Bedeutung des Taperings als letzte Trainingsphase vor einem Wettkampf dargelegt.
2.2 Formen des Taper: Es werden verschiedene Tapering-Strukturen, wie linearer, exponentieller und Stufen-Taper, differenziert betrachtet.
2.3 Effekte des Taper auf die Kraft: Dieses Kapitel präsentiert Studienergebnisse zur Auswirkung von Tapering-Perioden auf die maximale isometrische und dynamische Kraftentwicklung.
2.4 Mechanismen des Tapers auf die Kraft: Hier werden physiologische, hormonelle und neuronale Anpassungsprozesse analysiert, die zur Leistungssteigerung durch Tapering beitragen könnten.
2.5 Praktische Erfahrung mit dem Taper: Dieser Abschnitt wertet Interviews mit Kraftathleten aus, um Einblicke in die tatsächliche Anwendung und Modifikation von Tapering-Strategien in der Praxis zu gewinnen.
3. Fazit/Ausblick: Das Fazit fasst die wissenschaftlichen Empfehlungen zusammen und betont den Bedarf an weiterer Forschung zur Optimierung der Tapering-Methodik.
Schlüsselwörter
Tapering, Kraftsport, Leistungsmaximierung, Regeneration, Trainingsvolumen, Trainingsintensität, Maximalkraft, Fitness-Fatigue-Modell, Sportwissenschaft, Periodisierung, Übertraining, Wettkampfvorbereitung, neuronale Anpassung, hormonelle Regulation, Powerlifting
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept des Taperings im Kraftsport und untersucht, wie eine gezielte Reduzierung der Trainingsbelastung vor Wettkämpfen zur Maximierung der sportlichen Leistung beitragen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Formen des Taperings, die physiologischen Mechanismen der Regeneration, die Auswirkung auf die Maximalkraft sowie praktische Tapering-Erfahrungen von Eliteathleten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, auf Basis neuer wissenschaftlicher Untersuchungen ein komprimiertes Konzept zu erstellen, wie Kraftsportler ihr Training vor einem Wettkampf gestalten sollten, um sich optimal zu erholen und ihre maximale Kraft zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung von Studien, Interviews und empirischen Daten zur Tapering-Praxis im Kraftsport.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen, Formen des Taperings, direkte Effekte auf die Kraft, physiologische Anpassungsmechanismen (hormonell, neuronal) und wertet qualitative Interview-Daten zur praktischen Umsetzung aus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Tapering, Kraftsport, Leistungsmaximierung, Regeneration, Periodisierung, Maximalkraft und Wettkampfvorbereitung.
Wie beeinflusst das Fitness-Fatigue-Modell das Verständnis von Tapering?
Das Modell veranschaulicht, dass Training sowohl Fitness- als auch Ermüdungsnachwirkungen erzeugt. Tapering zielt darauf ab, die Ermüdung schneller abzubauen als die Fitness, um zum Wettkampfzeitpunkt ein Leistungsmaximum zu erreichen.
Welche Rolle spielt die Intensität während des Taperings?
Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Beibehaltung oder sogar eine leichte Erhöhung der Trainingsintensität bei gleichzeitiger Reduzierung des Volumens der effektivste Weg ist, um die maximale Kraft zu steigern.
- Arbeit zitieren
- Paolo Keßler (Autor:in), 2019, Taper im Krafttraining. Höhere Leistung durch mehr Regeneration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535580