Donatismus. Einfluss der Christenverfolgung in Nordafrika auf das donatische Schisma


Akademische Arbeit, 2018

19 Seiten, Note: 1,6

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

2 Vorgeschichte des Donatismus
2.1 Voraussetzungen für das donatistische Schisma
2.2 Verfolgung unter der Ideologie Diokletians
2.3 Das Toleranzedikt des Galerius von 311
2.4 Maxentius und Konstantin
2.5 Die Konstantinische Religionspolitik

3 Ausbruch des donatistischen Schismas
3.1 Bischofsweihe in Karthago
3.2 Das Schisma in den Jahren 311/312
3.2.1 Das Eingreifen Konstantins und der Donatistenstreit
3.2.2 Duldungspolitik Konstantins

4 Die Donatisten - eine Märtyrergemeinschaft?
4.1 Die Circumcellionen
4.2 Der Donatistische Wiederstand

5 Die Endphase des Donatismus

6 Resümee

7 Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Das Proseminar zur Alten Geschichte und Altertumskunde, welches im Wintersemester 2016/17 stattfand, fokussierte sich hauptsächlich auf die „Römer in Nordafrika“. Diese vorliegende Arbeit basiert auf einem Kurzreferat zum Themenbereich „Donatismus“, welches im Zuge der Lehrveranstaltung abgehalten werden musste.

Die zahlreichen Christenverfolgungen im römischen Reich spielten für die Anfänge des donatistischen Schismas eine bedeutende Rolle, aus diesem Grund werden sie eine wichtige Rolle innerhalb dieser Arbeit einnehmen. Des Weiteren wird ersichtlich werden, wie sich die Gemeinschaft der Donatisten über die Jahre hinweg veränderte.

Diese Aspekte führen mich zu meiner Forschungsfrage, welche wie folgt lautet:

„Wäre es ohne die Christenverfolgungen jemals zu einem Ausbruch des donatistischen Schismas gekommen?“

Für diese Arbeit habe ich mich speziell mit kirchengeschichtlicher Literatur auseinandergesetzt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der Sammelband „Geschichte der Katholischen Kirche“, welcher unteranderem von Josef Lenzenweger herausgegeben wurde als Grundlage für die vorliegende Arbeit dient. Des Weiteren befasste ich mich mit Literatur rund um Konstantin des Großen, welche einen Hauptteil meiner Arbeit bildet, da er mit seinem öffentlichen Bekenntnis zum Christentum, zur Entstehung des donatistischen Schismas beitrug. Einige Aspekte dieser Arbeit lieferte die Literatur von Arno Hogrefe, wie auch von Peter Guyot und Richard Klein, ebenso von Ulrich Huttner, Heinrich Schlange- Schöningen und Karen Piepenbrink.

2 Vorgeschichte des Donatismus

Kaiser Konstantin der Große, Herrscher des Westens, traf nach seinem Sieg an der Milvischen Brücke auf eine Kirche, welche als Gefährdung des sogenannten christlichen Gottes galt.1 Somit kann gesagt werden, dass das donatistische Schisma in Nordafrika zu jener Zeit ausbrach, in welchem sich das Christentum im Übergang zum Konstantinischen Zeitalter befand. Durch Konstantin sollte es erstmals möglich gemacht werden, das Christentum zu einer eigenständigen Staatsreligion heranwachsen zu lassen. Dies war vor allem nach Jahrhundertquallen, welche durch Verfolgungen der christlichen Gemeinschaften geprägt waren, notwendig.2

2.1 Voraussetzungen für das donatistische Schisma

Das Vortreten Jesu Christus vor Pontius Pilatus3 bildet den erstmaligen Kontakt zwischen dem römischen Staat und dem Christentum. Jüdische Gemeinden hingegen waren mit dieser Kontaktaufnahme nicht einverstanden und gingen sogar soweit, dass sie christliche Gruppierungen bei römischen Autoritäten anklagten, diese jedoch (vorerst) nichts gegen sie unternahmen. Im Gegenteil, den Christen wurde sogar ein anfänglicher Schutz durch die Römer zuteil. Kaiser Tiberius verfolgte sogar den Plan, Jesus Christus als Gottheit anerkennen zu lassen, jedoch wurde dieser Vorschlag durch den Senat abgelehnt und im Zuge dessen die erste Christenverfolgungsphase eingeleitet. Jegliches Veto von Tiberius erfuhr ebenfalls einer Ablehnung. Grund dafür war vermutlich jener, dass das Christentum noch nicht als Staatsreligion fixiert wurde, sondern lediglich als jüdische Sekte galt. Kaiser Nero sah in der christlichen Religion eine Gefährdung der allgemeinen Staatsreligion und lies somit seine Anhänger schwer dafür Buse tragen. Nero trug die alleinige Entscheidungsfreiheit, die Christen aufgrund der religio illicita anklagen und verurteilen zu dürfen.4

Mit der Flavischen-Dynastie im Zeitraum von 69-86 wurde den christlichen Anhängern Ruhe und Toleranz seitens der Autoritäten geboten. Sie sahen in den Christen nämlich keine Gefährdung für den Staat oder eine Auflehnung gegenüber den herrschaftlichen Autoritäten - das Christentum breitete sich aus. Unter Domitian5 im Jahr 95 kam es jedoch zu einer erneuten Verfolgungswelle, da die Christen nicht damit einverstanden waren, römischen Göttern in ihrer Religionsvorstellung Anerkennung zu schenken. Domitian galt als Verteidiger des römischen Reiches und fungierte schließlich als dieser. In der Christenverfolgung sah er eine Idealvorstellung, das Reich vor allem Unheil zu bewahren. Die Verfolgung unter Diokletian gilt als endgültige Trennung zwischen dem Christentum und dem Judentum, was wiederrum zu einer verstärkten Bekämpfung des Christentums führte. Besonders den christlich-römischen Adel traf diese Spaltung schwer, welche aufgrund ihrer Zurückhaltung im öffentlichen Leben mit einem schlechten Ruf bestraft wurden. In den idealtypischen Vorstellungen des römischen Hochadels war es nämlich üblich, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen. Auf die Herrschaft von Domitian folgte die zweijährige Regierungszeit Nervas. Mit ihm wurde eine weitere Phase von Toleranz und Achtung, die christliche Gemeinschaft betreffend, eingeleitet. Diese Phase war jedoch nur von kurzer Dauer. Bereits im Jahre 98 wurden unter Trajan neue Regelungen getroffen. Eine gezielte Verfolgung von Christen wurde von ihm ausgeschlossen, jedoch musste ab diesem Zeitpunkt die Anklage auf persönlichem - und nicht wie bislang üblich- auf anonymen Wegen erfolgen. Des Weiteren sollte in diesem Zusammenhang eine Opfergabe an die römischen Götter des Reiches erfolgen. Im Grunde fanden sich die Christen mit diesen erneuerten Regeln weitgehend ab. Trajan gilt sogar als jener Herrscher, welcher in den letzten Jahresabschnitten seiner Regierungszeit als christenfreundlich galt.6

Ebenso verfolgte Hadrian, welcher Trajans Nachfolge antrat, christenfreundliche Umgangsweisen: So war es üblich, dass bei Anklagen, welche gegenüber Christen erhoben wurden, die anklagende Partei dafür verantwortlich gemacht wurde, Beweise zu liefern. Des Weiteren fanden unter Hadrian Begnadigungen von Christen statt, den für ihn galt die alleinige Zugehörigkeit zum Christentum nicht als Verbrechen. Durch Antonius Pius wurden diese Regelungen jedoch erneut zu Nichte gemacht, was sich wiederrum negativ auf die christlichen Gemeinschaften auswirkte. Mit der Herrschaft von Mark Aurel folgte eine langsame Annäherung zwischen dem Christentum und dem römischen Staat; dies hatte jedoch zur Folge, dass es zu einer erneuten Christenverfolgung im Reich kam. Zu diesem Zeitpunkt wurden christliche Gemeinschaften und ihre religiösen Verbreitungslehren als bedrohlich eingestuft. Grund dafür war einerseits vermutlich die unüberschaubare Größe an Menschen, welche sich der Religionsgemeinschaft des Christentums zugehörig fühlten und andererseits das Auftreten des staatsfeindlichen Montanismus7 . Unter der Herrschaft Commodus wurde das Christentum und ihre kirchlichen Organisationen anerkannt. Für die Anhänger der Glaubensgemeinschaft war es erstmalig möglich, ihre Gottesdienste öffentlich auszutragen, aber auch Begräbnisse nach ihren Vorstellungen auszuführen. Es wuchs sogar das Bedürfnis, die christliche Bevölkerung am politischen und gesellschaftlichen Geschehen des Reiches teilhaben zu lassen.8

Mit den Severern erfuhr die Toleranz gegenüber der Christen einen weiteren Höhepunkt: Demnach erfolgten keine weiteren Verfolgungen. Vielmehr verteidigte Septimus Severus die Christen und sah besonders in christlichen Senatoren loyale Untertanen. Der Kirche wurde das Recht eingeräumt, sich frei zu entfalten, was sogar so weit führte, dass kirchliche und staatliche Würdenträger erstmals miteinander in Verbindung standen und auch verkehrten. Bürgern wurde es erlaubt, sich öffentlich für das Christentum zu interessieren, ohne mit einer Strafe rechnen oder sich verdächtig machen zu müssen. Mit Valerian erfolgte die offizielle Anerkennung der katholischen Kirche; dies brachte jedoch keinerlei positive Erneuerungen mit sich. Die Christen wurden für alles Schlechte im Reich verantwortlich gemacht; so waren sie Schuldträger an der Pest, aber auch an den zahlreichen militärischen Niederlagen, welche das Reich zu verkraften hatte. Für Valerian und einem übermäßig hohen Anteil der Bevölkerung stand fest, dass es sich bei diesen Katastrophen um einen Akt der Bestrafung durch die Schutzgötter handelte, ausgelöst durch die christlichen Gemeinschaften. Ebenso wurde die Angst vor einer einheitlichen Christianisierung des Reiches dadurch erheblich angehoben. Aus Folge dessen wurden vor allem zum Christentum bekennende Senatoren und Beamte ihrer Ämter enthoben. Ihnen wurde zwar die Möglichkeit eingeräumt, sich ihrem Glauben zu wiedersetzen und somit am Leben zu bleiben, jedoch bestand für sie keine Möglichkeit mehr, in ihren Ämtern Fuß zu fassen. Ebenso hart wurde bei kirchlichen Institutionen vorgegangen: So wurden Bischöfe, Priester und Diakone in das Exil geschickt und Kirchen, Friedhöfe und Versammlungsorte geschlossen oder zerstört. Diese Maßnahmen mündeten im Jahre 258 mit Ermordungen von Klerikern und christlichen Würdenträgern. Dazu kam, dass juristische Maßnahmen, welche klare Vorgehensweisen gegen das Christentum beheimateten, festgelegt und ausgeführt wurden.9

Mit dem Herrschaftsantritt von Gallienus im Jahre 253 wurden alle bislang festgelegten Erlässe wiederrufen. Dies führte sogar soweit, dass der katholischen Kirche alle Besitztümer zurückerstattet und die Kirche als staatliche Institution anerkannt wurde. Das Christentum wurde erstmalig als Staatsreligion angesehen.10

Durch den Regierungsantritt Diokletians sollte es jedoch zu einer weiteren Phase der Christenverfolgung kommen.11

2.2 Verfolgung unter der Ideologie Diokletians

Durch den Herrschaftsantritt Diokletians im Jahre 284 kann der christlichen Geschichte ein neuer Wendepunkt zugeschrieben werden. Durften die Christen auch unter seiner Herrschaft 19 Jahre mehr oder weniger in Frieden leben, so begann er im Jahre 303 kontinuierlich damit, Christen verfolgen zu lassen, denn für Diokletian war es unmöglich, sich mit den Christen und ihrer vehementen Verweigerung der Kaiserkult-Verehrung zu arrangieren. An dieser Stelle lässt sich also sagen, dass das Jahr 303 als jenes der letzten großen Christenverfolgung gilt, welche in den vielen Teilen des Reiches mit einer unterschiedlichen Intensität durchgeführt wurde. De facto gilt also, dass in Teilen mit einem erhöhten Anteil an christlichen Anhängern intensiver durchgegriffen wurde, als eben in jenen mit einem niedrigeren Anteil. Besonders im Osten des Reiches erfolgte eine regelrechte Eliminierung der Christen und Christinnen, denn dort verzeichnete diese Religionsgemeinschaft fast mehr als die Hälfte aller Bürger als Anhänger. Anzumerken gilt, dass im Jahr 305 Diokletian endgültig zurücktrat und nur ein Jahr später sein System vollkommen zerbrach.

[...]


1 vgl Lenzenweger, 31995, S. 92.

2 vgl. Guyot/Klein, 1993, S. 256.

3 Pilatus, Pontius: „Römischer Statthalter von Judäa (26-36). Galt als „grausam und hart“ und verurteile Jesus Christus um Kreuzestod. Er soll Selbstmord begangen haben. Die Darstellung von Verhört und Urteil des Pilatus fand früh Eingang in die bildende Kunst.“ Brunner (u.a.), 1993, Bd. 3, S. 163.

4 vgl. Huttner, 2008, S. 386.

5 Domitian, Titus Flavius Domitianus: „römischer Kaiser seit 81. Nach der Erhebung seines Vaters Vespasian zum Kaiser wurde er für kurze Zeit dessen Stellvertreter in Rom und später durch Titus zu dessen Nachfolger ernannt. Seine Innenpolitik ist bestimmt vom Durchbruch des autokrat. Prinzips, erbitterten Kämpfen mit der Senatsopposition und Verfolgung ideologisch oppositioneller Elemente.“ Brunner (u.a.), 1993, Bd. 1, S. 566.

6 vgl. Guyot/Klein, 1993, S. 260.

7 Montanismus: “altkirchliche Bewegung, welche nach 150 in Phrygien entstanden und nach seinem Begründer Montanus benannt ist. Die Bewegung trug einen prophetisch-eschatologischen Charakter, denn Montanus beanspruchte, der im neuen Testament angekündigte Paraklet zu sein und verkündete das nahe Ende der Welt. Von den Bischöfen der Großkirche wurde M. als Häresie verurteilt. Um 207 schloss sich Tertullian in Karthago dem M. an und sammelte eine montanistische Sondergemeinde um sich. Montanistische Gemeinden bestanden bis in 5. Jahrhundert.“ Brunner (u.a.), 1993, Bd. 2, S. 679.

8 vgl. Guyot/Klein, 1993, S. 261f.

9 vgl. Guyot/Klein, 1993, S. 261f.

10 vgl. Lenzenweger, 31995, S. 95.

11 vgl. Noethlichs, 2001, S. 31.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Donatismus. Einfluss der Christenverfolgung in Nordafrika auf das donatische Schisma
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
1,6
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V535733
ISBN (eBook)
9783346148865
ISBN (Buch)
9783346148872
Sprache
Deutsch
Schlagworte
donatismus, einfluss, christenverfolgung, nordafrika, schisma
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Donatismus. Einfluss der Christenverfolgung in Nordafrika auf das donatische Schisma, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535733

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