Faires Streiten trotz Wut im Bauch - Fördermöglichkeiten zur gewaltfreien Konfliktlösung in der 3b der KGS L.


Examensarbeit, 2004

39 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Kapitel

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Fair / Fairness
2.2 Wut / Ärger
2.3 Gewalt
2.4 Konflikt / Konfliktlösung

3. Die Situation in der Klasse

4. Das Vorhaben

5. Legitimation der Fördermaßnahme durch die Richtlinien und Lehrpläne

6. Ziele und Sequenzen des Streittrainings
6.1 Fördermöglichkeiten zur Bewusstmachung verschiedener Gefühle
6.1.1 Begründung der Thematik
6.1.2 Überlegungen zur Sache
6.1.3 Didaktisch-methodische Umsetzung des Themas
6.2 Alternative Handlungsmuster in Konfliktsituationen
6.2.1 Begründung der Thematik
6.2.2 Überlegungen zur Sache
6.2.3 Didaktisch-methodische Umsetzung des Themas

7. Reflexion über die Durchführung erster Sequenzen

8. Schlussbemerkungen

9. Literatur

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit widme ich mich der Bewältigung von Konflikten, die im Schulalltag unter den Schülern auftreten. Einige dieser Konflikte werden ohne das Hinzuziehen einer erwachsenen Person mit oder ohne Gewalt gelöst. Oft werden aber die Probleme und Konflikte mit Gleichaltrigen, besonders wenn sie mit einer gewalttätigen Auseinandersetzung endeten, an Erwachsene herangetragen. Auf die Schule bezogen bedeutet dies, dass gerade nach Pausen oder Sportunterricht oft „Krisensitzungen“ und Diskussionen folgen. Am Ende dieser Maßnahmen stehen oft Versöhnungen und Versprechungen, die aber nur selten von Dauer sind, da die Probleme nicht an der Wurzel behandelt worden sind. Meinen Beobachtungen zufolge sind eskalierende Emotionen die häufigste Ursache für gewalttätige Auseinandersetzungen. Viele Kinder sind nicht in der Lage, ihre Gefühle zu benennen, einzuordnen und sie mitzuteilen und reagieren auf unangenehme Emotionen unreflektiert mit verbaler oder physischer Gewalt. Typische Situationen sind zum Beispiel die sogenannten „Spaßkämpfe“, aus denen (meist von einer der beteiligten Parteien unbemerkt) Ernst wird. Diese Ausführungen passen sicherlich auf fast jede Klasse einer Grundschule. Es variieren allerdings die Häufigkeit und der Grad der Auseinandersetzungen.

Da ich im Rahmen meiner Ausbildung in vier verschiedenen Klassen unterrichte, stellte ich fest, dass diese Konflikte in der Klasse 3b, im Vergleich zu den anderen Klassen, vermehrt auftreten. Die Frustrationstoleranz bei den einzelnen Kindern scheint insgesamt niedriger als in anderen Klassen zu sein. Schon einzelne Bemerkungen oder Aktionen rufen nicht selten lautstarke Zurechtweisungen, Beschimpfungen oder sogar Handgreiflichkeiten hervor. Der „Ton“ untereinander ist sehr emotionsgeladen, außerdem scheint ein ständiger Machtkampf untereinander stattzufinden. Für mich stellt sich nach vielen Beobachtungen die Situation so dar, dass die Kinder weder ihre eigenen Gefühle, noch die Gefühle der anderen Kinder richtig deuten können und sie somit, um sie nicht zulassen zu müssen, einfach überschreien bzw. „wegkämpfen“.

Im Titel der vorliegenden Arbeit heißt es „Faires Streiten trotz Wut im Bauch“, um deutlich zu machen, dass die Grundlage des fairen Streitens das Deuten, Akzeptieren und Mitteilen von (eigenen) Gefühlen ist. Wut ist hier also nur ein Stellvertreter für alle unangenehmen Gefühle, die zu einer Streitsituation führen können. Absicht dieser Arbeit ist es also Möglichkeiten zu finden, die, zugeschnitten auf die Klasse 3b, Verbesserungen im Bereich der Konfliktbewältigung bringen. Das Umgehen mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen der anderen soll hierbei im Vordergrund stehen. Obwohl Vorschläge aus der einschlägigen Literatur für die entsprechenden Fördermaßnahmen übernommen werden, wird die Arbeit individuell auf die Situation der Klasse angepasst, denn keins der mir vorliegenden Konzepte ist, aus verschiedenen Gründen wie Anlass, Zeit, Raum etc., eins zu eins übertragbar. Es wird eine speziell für die Klasse 3b zusammengestellte Fördermaßnahme vorgestellt. Dennoch wird die Arbeit ihren Wert bei meiner späteren Arbeit mit anderen Klassen haben. Mit Modifizierungen, aufgrund der Ausgangssituation und im Verlauf, können die vorliegenden Ausführungen auch auf andere Lerngruppen angepasst werden. Auch im Umgang mit anderen Problemen, die nicht im direkten Zusammenhang zur Konfliktbewältigung stehen, ist ein Nutzen denkbar, da das richtige Interpretieren der (eigenen) Gefühle für viele Situationen die Basis ist, um ein angemessenes Verhalten zeigen zu können.

Der Aufbau der Arbeit erfolgt in folgender Struktur: Im 2. Kapitel werden zunächst wichtige Begriffe definiert. Die genaue Situation in der Klasse 3b wird in Kapitel 3 beschrieben. Davon ausgehend wird darüber hinaus im 4. Kapitel das Vorhaben auf diese Situation hin angepasst und im 5. Kapitel durch die Richtlinien und Lehrpläne legitimiert. Den Hauptteil stellt das 6. Kapitel dar. In diesem werden die Sequenzen und Ziele des Streittraining beschrieben. Es ist aufgegliedert in zwei Unterpunkte. Das Kapitel 6.1 beinhaltet Fördermöglichkeiten, die sich zunächst auf die Gefühlswelt der Kinder beschränken, eine besondere Betonung von unangenehmen Gefühlen, die Konflikte begünstigen können ist beabsichtigt. Sind alle gewaltfreien Lösungen im Umgang mit Gefühlen fehlgeschlagen und es kommt zu einer Streitsituation, so sollen die Kinder Alternativen zur Gewalt verinnerlicht haben. Diese Fördermöglichkeiten werden im Kapitel 6.2 behandelt. Da der Schwerpunkt der Arbeit auf der Entwicklung von Fördermöglichkeiten für die Klasse 3b liegt, können innerhalb des Zeitrahmens nur erste Schritte der Förderung durchgeführt werden. Diese werden in Kapitel 7 beschrieben und reflektiert. Im 8. Kapitel werden abschließende Bemerkungen gemacht.

2. Definitionen

2.1 Fair / Fairness

Fairness bedeutet in Bezug auf das Adjektiv fair <engl.>: a) anständig, ehrlich, gerecht; b) den [Spiel]regeln entsprechend, sie beachtend, kameradschaftlich (Sport)[1], dass das Verhalten, hier besonders in Streitsituationen, ehrlich, gerecht und anständig ist. Dieses Verhalten muss und soll eingeübt werden, damit es in den jeweiligen Situationen verinnerlicht ist.

2.2 Wut / Ärger

Mit dem Begriff Ärger umschreibt man eine emotionale, innere und spontane Reaktion auf eine unangenehme Situation, Person oder Erinnerung. Ärger ist außerdem der Oberbegriff für eine ganze Gruppe von unangenehmen Gefühlen, die in ihrem Grad und ihrer Deutlichkeit variieren. Wut ist dabei die stärkste Form des Ärgers und bleibt dem Gegenüber nur selten verborgen. Sanftere Formen des Ärgers sind beispielsweise Missmut, Unbehagen etc.[2]

2.3 Gewalt

Gewalt bedeutet zunächst einmal, vom sprachlichen Ursprung betrachtet, das Verfügen können über innerweltliches Seiendes. Dies ist neutral und fällt noch kein Urteil über die Rechtmäßigkeit. Man spricht von Gewalt, wenn Menschen andere Menschen absichtlich schädigen. Wenn es also Opfer gibt, ist Gewalt ausgeübt worden. Versteht man den Gewaltbegriff sehr eng, so beschränkt er sich auf die zielgerichtete, direkte physische Schädigung, sieht man ihn weiter gefasst, so schließt der Gewaltbegriff neben der körperlichen auch die psychische bzw. verbale und mitunter auch die strukturelle Gewalt ein. Unter struktureller Gewalt wird dabei jegliche Beeinträchtigung der Persönlichkeitsentwicklung (z.B. durch Armut) verstanden.

Der Begriff Gewalt ist im Sprachgebrauch sehr ambivalent. Gleichbedeutend können Macht (englisch power, lateinisch potentia) oder Herrschaft im legitimen Sinne verwendet werden. Repressive Gewalt, zwangsweise ohne oder gegen den Willen der "Unterworfenen" ausgeübt, gilt als nichtlegitim (violence).[3]

2.4 Konflikt / Konfliktlösung

Wenn Differenzen wahrgenommen werden, die gegenseitig im Widerspruch stehen und eine Lösung erfordern, ist ein Konflikt die Folge. Die Ursachen hierfür erforscht die Konfliktforschung. Sie entwickelt ebenfalls Lösungsstrategien, um die Auswirkungen eines Konfliktes begrenzen zu können.

Die Ursachen eines Konfliktes können sehr vielfältig sein. Stehen sich mindestens zwei verschiedene Ansichten oder Interessen gleichzeitig gegenüber, so liegt ein Konflikt vor. Dies ist sowohl innerhalb eines Individuums möglich, als auch zwischen verschiedenen Individuen, Gruppen, bis hin zu Staaten.

Das Verhalten der Beteiligten beeinflusst die Lösung eines Konfliktes. Wird ein Konflikt besprochen und anschließend in beiderseitigem Einverständnis beigelegt, so ist dies der Idealfall. In der Realität haben vielfältige Bedingungen einen Einfluss auf die Beilegung von Konflikten. Da Konflikte ihre Ursache in einem Widerspruch haben, versucht der Stärkere seine Ziele durchzusetzen, was den Konflikt scheinbar löst, ihn aber nicht auf Dauer lösen kann, weil der Schwächere mit dieser scheinbaren Lösung einem erneuten Konflikt ausgesetzt wird.

Die Konfliktlösung in der Realität reicht von Gesprächen - wie z.B. Tarifverhandlungen - zwischen den Beteiligten bis hin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen - in Form von Kriegen zwischen Staaten.[4]

3. Die Situation in der Klasse

Die Klasse 3b besteht aus 28 Kindern, von denen 17 Jungen und 11 Mädchen sind. Die Klassengemeinschaft ist während der gesamten Schulzeit sehr unbeständig gewesen. Meist wechselten Mädchen die Klasse bzw. die Schule und Jungen kamen hinzu. Dies hatte zur Folge, dass zu der sehr wechselhaften Zusammensetzung der Klasse ein großes Ungleichgewicht der Geschlechter hinzukam. In der Klasse 3b herrscht oft eine negative Atmosphäre. Die Kinder scheinen in einem ständigen Konkurrenzkampf miteinander zu stehen und beobachten einander meist argwöhnisch. Passiert jemandem ein Missgeschick oder äußert sich jemand nicht korrekt oder macht Fehler, muss derjenige meist damit rechnen ausgelacht zu werden. Die Klasse scheint jede Möglichkeit zur Schadenfreude auszunutzen. In den Pausen und im Sportunterricht gibt es sehr oft Streit, der nicht selten mit handgreiflichen Auseinandersetzungen endet. Es ist charakteristisch, dass danach jeder (noch vehementer als in anderen Klassen) seine Unschuld bezeugt und die Schuld ganz und gar beim anderen sucht. Selbst Freunde und Freundinnen, besonders auffällig bei der Mädchen Dreierclique J., J. und K., geraten oft in Konfliktsituationen, da sie Meinungsverschiedenheiten oder Spaß sehr oft als persönlichen Angriff betrachten. Meinen Beobachtungen zu Folge, ist dies der Hauptgrund für die häufigen Konflikte. Die Schüler missdeuten Mimik, Gestik und Äußerungen des Gegenübers und reagieren mit verbaler oder physischer Gewalt.

Mit Beginn dieses Schuljahres verschärfte sich die Situation in der Klasse 3b zunächst noch in der Weise, als dass ein neuer Mitschüler M. (Schulwechsel innerhalb des Ortes) in die Klasse kam. Er stellte sich von Anfang an als sehr gewaltbereit dar. Die anderen Kinder stellten sich schnell, nahezu geschlossen, gegen ihn und es folgten tägliche oft auch mehrmalige Auseinandersetzungen, die auch mit Schlägereien endeten. Diskussionen führten meist zu nichts, da die Kinder sehr aufgebracht und zu keinen Kompromissen bereit waren. M. war alles Schuld und er selbst bestritt jeden Vorwurf. Diese Eskalationen haben nachgelassen, brechen jedoch hin und wieder hervor und zeigen damit, dass das Problem nicht an der Basis gelöst worden ist, sondern nur oberflächlich beseitigt wurde. In dieser, ohnehin sehr gespaltenen Klasse ist es für die Kinder immer wieder eine einfache Lösung für Probleme, wenn sie einem einzigen Schüler die Schuld geben können.

4. Das Vorhaben

Das in Kapitel 3 dargestellte Verhältnis der Schüler untereinander hat sich immer mehr durch die wechselnde Klassenzusammensetzung verschärft, so dass auch immer häufiger der Unterricht durch die Konflikte der Schüler untereinander gestört wurde. Besonders in den Stunden nach dem Sportunterricht und nach den Pausen, war es oft gar nicht möglich, zu unterrichten, da die Kinder aufgelöst und frustriert waren. Lange Diskussionen führten selten zu Ergebnissen. Wenn Einsichten vorhanden waren, waren diese spätestens in der Pause wieder über Bord geworfen. Der Wunsch nach Verbesserung der Situation machte sich bei allen Lehrkräften, die in dieser Klasse unterrichten, immer mehr breit, so dass es mir schnell als zu lösendes Problem für die Hausarbeit in den Sinn kam. Die Entscheidung, ein Streittraining durchzuführen, wurde getroffen, um den Kindern ein Streiten zu ermöglichen, dass konstruktive Lösungen hervorbringt. „[...] [F]aires Streiten [gehört] zu den erlernbaren Fertigkeiten und ist keine Fähigkeit, die das eine Kind besitzt, das andere jedoch nicht. Soziales Lernen soll den Kindern die Möglichkeit bieten, sich diese Fertigkeit anzueignen“[5]. Ein Streittraining ist nie nur Auseinandersetzung mit den Streitsituationen, sondern auch besonders ein bewussterer Umgang mit den eigenen Emotionen, Gedanken und Äußerungen. Die Fähigkeit, Konflikte gemeinsam konstruktiv lösen zu können, ist eine der wichtigsten Kompetenzen im menschlichen Miteinander. Es lassen sich also zwei Hauptziele des Streittrainings festhalten: 1. Weniger Konflikte durch bewussteres Beobachten, Äußern und Zuhören und 2. kooperative und konstruktive Lösungen bei nicht zu vermeidenden Konflikten. Gerade in einer Klasse, in der jeder den anderen genau beobachtet und kritisiert, ist es wichtig, das Hauptaugenmerk auf die eigene Person zu richten und dort mit der Verbesserung der allgemeinen Situation zu beginnen. Da im kommenden Schuljahr eine Projektwoche zum Thema „Gewaltprävention“ ansteht, können sich sicherlich Kinder, die besonders erfolgreich das Streittraining bewältigt haben, zu Streitschlichtern ausbilden lassen. Das vorliegende Konzept kann auch, in modifizierter Form, während der Projektwoche angeboten werden und somit weiteren Kindern ein höheres Maß an Streitkompetenz vermitteln.

5. Legitimation der Fördermaßnahme durch die Richtlinien und Lehrpläne

Die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer ist ein wichtiger Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung, welche es, laut Richtlinien[6], ausdrücklich zu fördern gilt. In den Richtlinien werden schon im ersten Kapitel die verbindlichen Vorgaben für das Lernen und Lehren in der Grundschule deutlich gemacht. Jeder Schüler hat einen Anspruch auf die dort erwähnten grundlegenden Kompetenzen, wie auf „[...] die Entwicklung von Werthaltungen und Einstellungen, die für das Leben in einer demokratischen Gesellschaft unverzichtbar sind [...]“[7]. Die Forderung nach einer „[...] Erziehung zur Friedensfertigkeit und Gewaltfreiheit [...]“[8] zeigt, dass das Erlernen von Strategien zum fairen Streiten in der Grundschule seine Berechtigung hat. Zur Entwicklung von „Werthaltungen und Einstellungen“ gehört die Entwicklung von Empathie, welche letztendlich nur dann erlernt werden kann, wenn man gelernt hat, die eigenen Emotionen zu deuten. Auch die Lehrpläne verschiedener Fächer, die in der Grundschule unterrichtet werden, setzen sich mit der Bewältigung von Konflikten auseinander.

Im Fach Deutsch gehören Elemente des Streittrainings zu verschiedenen Aufgabenschwerpunkten des Bereiches Mündliches Sprachhandeln. Die Kinder der Klassen 3 und 4 sollen „das Verstehen durch Rückfragen intensivieren, Meinungen und Gefühle zu Gesprächsbeiträgen ausdrücken, auf Gesprächsbeiträge eingehen und sie weiterführen.“[9] (Aufgabenschwerpunkt verstehendes Zuhören). Im Aufgabenschwerpunkt alltägliches miteinander Sprechen, werden Unterrichtsgegenstände gefordert, mit Hilfe derer die Kinder lernen, „Kontakte mit anderen [zu] gestalten unter Berücksichtigung von Konventionen[,] Gesprächsrituale [sollen] weiterentwickel[t] [werden]“[10]. Besonders der Aufgabenschwerpunkt demokratisches Miteinandersprechen gibt Unterrichtsgegenstände vor, die ein Training zum fairen Streiten geradezu fordern: Die Kinder sollen „über Strittiges diskutieren, Konfliktlösungen anstreben, Meinungen anderer akzeptieren und eigene Meinungen und Sichtweisen mit Argumenten vertreten [und] Rituale bewusst einsetzen und weiterentwickeln, z.B. zu gemeinsamen Planungen und Beratungen, Klassenrat, Streitschlichtergespräch“[11]. Bei vielen ausgewählten Übungen und Aufgaben werden die verbindlichen Unterrichtsgegenstände des Aufgabenschwerpunktes über das Sprechen reden erfüllt, denn die Kinder sollen „Rede- und Gesprächssituationen planen und reflektieren, für ein Sprechziel geeignete sprachliche Mittel in Wortwahl, Satzbau und Redestruktur auswählen und mit anderen reflektieren, über Gründe für das Gelingen und Misslingen von Gesprächen sprechen und diese beachten, Regeln für das Sprechen und Zuhören situationsgerecht weiterentwickeln.“[12]

Im Lehrplan zur Erprobung für das Fach Sachunterricht finden sich im Bereich Mensch und Gemeinschaft innerhalb des Aufgabenschwerpunktes Zusammenleben in der Schule und zu Hause ebenfalls verpflichtende Unterrichtsgegenstände für die Klassen 3 und 4, die die vorliegenden Fördermaßnahmen zur gewaltfreien Konfliktlösung legitimieren. Die Kinder sollen „Konflikte erkennen und Konfliktlösungen erproben“[13]

Da ich in der Klasse 3b im Rahmen des BdU das Fach Katholische Religionslehre unterrichte, ist es für mich von Bedeutung das Vorhaben auch von dieser Seite her zu beleuchten. Da das Thema im Fach Religion auf der Grundlage der christlichen Botschaft vertieft wird, lassen sich in zwei Bereichen Legitimationen finden. Der erste Bereich Ich, die Anderen, die Welt und Gott fordert im Aufgabenschwerpunkt Über das Zusammenleben nachdenken, dass die Kinder „die Verschiedenartigkeit der Menschen als Reichtum für das Zusammenleben“[14] erleben. Dies wird ermöglicht, wenn das Doppelgebot der Liebe (Gottes- und Nächstenliebe) thematisch verknüpft wird. Im Bereich Maßstäbe christlichen Lebens legt der Aufgabenschwerpunkt Schuld erkennen – Vergebung erfahren fest, dass die Kinder „Ursachen und Merkmale von Versagen und Schuld [und] Möglichkeiten des Verzeihens und Versöhnens“[15] erlernen sollen.

Die dargestellten Legitimationen zeigen, dass das Thema „Faires Streiten“ ein fächerübergreifendes Projekt ist. Die Wichtigkeit für die Kinder und deren Leben wird in den erwähnten Fächern und auch in den Richtlinien festgestellt, sodass es sich hier um ein verbindliches Thema handelt, das auch ohne eine Problematik, wie sie für die Klasse 3b dargestellt wurde, behandelt werden muss.

[...]


[1] Wissenschaftlicher Rat der DUDEN Redaktion (Hrsg.). DUDEN. Band 5 Fremdwörterbuch. 6. Aufl. 1997.

[2] Vgl. www.net-lexikon.de/AErger.html

[3] Vgl. www. net-lexikon.de/Gewalt.html

[4] Vgl. www.net-lexikon.de/Konflikt.html

[5] Schwarzhans, Frauke / Hauck, Tim / Redlich, Alexander: Streit-Training. Faires Streiten lernen in der Grundschule. Weinheim und Basel 2001, S. 9. (zitiert als: Schwarzhans / Hauck / Redlich 2001)

[6] Vgl. Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Grundschule in NRW. Richtlinien und Lehrpläne zur Erprobung. Richtlinien 2003, S. 5f.

[7] Ebd. , S. 5.

[8] Ebd., S. 5.

[9] Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Grundschule. Lehrplan Deutsch zur Erprobung. Düsseldorf 2003, S. 5. (zitiert als: Lehrplan zur Erprobung Deutsch 2003)

[10] Ebd., S. 5.

[11] Ebd., S. 6.

[12] Ebd., S. 7.

[13] Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Grundschule. Lehrplan Sachunterricht zur Erprobung. Düsseldorf 2003, S. 8.

[14] Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Grundschule. Lehrplan Katholische Religionslehre zur Erprobung. Düsseldorf 2003, S. 10.

[15] Ebd., S. 16.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Faires Streiten trotz Wut im Bauch - Fördermöglichkeiten zur gewaltfreien Konfliktlösung in der 3b der KGS L.
Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Mönchengladbach
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
39
Katalognummer
V53576
ISBN (eBook)
9783638489881
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Faires, Streiten, Bauch, Fördermöglichkeiten, Konfliktlösung
Arbeit zitieren
Katja Janßen (Autor), 2004, Faires Streiten trotz Wut im Bauch - Fördermöglichkeiten zur gewaltfreien Konfliktlösung in der 3b der KGS L., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53576

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