Trendsportarten im Sportunterricht


Seminararbeit, 2018

11 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einfuhrung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Zum Begriff Trendsport
2.2 Gesellschaftliche Veranderungen

3. Fachdidaktische Analyse
3.1 Chancen und Potentiale
3.1.1 SpaK und Motivation
3.1.2 Mehr Lebensnahe durch Trendsportarten
3.1.3 Chancengleicher Zugang zu exklusiven Sportarten
3.1.4 Forderung von Selbststandigkeit
3.2 Probleme und Nachteile
3.2.1 Verlust von Individualitat
3.2.2 Organisatorische und materielle Probleme
3.2.3 Mangelnde Qualifikation der Lehrkrafte
3.2.4 Hohes Verletzungsrisiko

4. Fazit

1. Einfuhrung

Seit vielen Generationen sind klassische Sportarten wie Gymnastik, Turnen, Volleyball oder Leichtathletik fest im Sportunterricht an allgemeinbildenden Schulen verankert. In einer Zeit des standigen Wandels, der Innovationen und kurzer Produktlebenszyklen nach dem Motto „immer schneller neuer“ stellt sich die Frage, ob sich auch der Schul- sport den gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen sollte. Langst sind ehemalige Trendsportarten wie Beachvolleyball, Windsurfing oder Freestyle-Skiing Teil der Olympischen Spiele. Bei den Olympischen Sommerspielen 2020 soll sogar erstmals Skateboarden zur Disziplin werden. Daher wird schon seit einigen Jahren diskutiert, ob Trendsport in den Lehrplan aufgenommen werden soll. Im bayerischen Lehrplan sind die neuen Sportarten bisher aber nur im Wahlbereich zu finden (ISB, 2004).

In dieser Arbeit soll diskutiert werden, ob Trendsportarten ein fester Bestandteil des Sportunterrichts an Schulen sein sollten. Dazu zeige ich zuerst die Aufgaben des Sportunterrichts an allgemeinbildenden Schulen auf. Weiter soll der Begriff Trendsport sowie die gesellschaftlichen Veranderungen in diesem Bereich naher erlautert werden. AnschlieBend werden in einer fachdidaktischen Analyse sowohl Chancen und Potentiale, als auch Problematiken diskutiert. Daraus werde ich meinen Standpunkt ableiten und klaren, ob Trendsport den Anforderungen an den Schulsport gerecht werden kann.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1 Zum Begriff Trendsport

In der Literatur lasst sich keine prazise und eindeutige Definition finden. In Anlehnung an Jurgen Schwier sollen hier aber einige treffende Definitionselemente aufgezeigt werden: So kann man darunter „neuartige, lifestylegerechte Bewegungsformen“ verstehen, die unsere gewohnten Vorstellungen von Sport uberschreiten und ein hohes Verbreitungspotential aufzeigen. Haufig werden dabei bereits bekannte Bewegungs- praktiken neuorganisiert und interpretiert. Anders als beispielsweise in der Mode beschreibt ein Trend in diesem Zusammenhang keine kurzlebige Erscheinung, sondern eine uber langere Zeit hinweg prasente Entwicklungstendenz (Lange & Sinning, 2012, S. 52 zit. nach Schwier 2000, S. 20).

AuBerdem sind Trendsportarten grob in drei Kategorien zu differenzieren:

- Fitnesspraktiken (Aerobic, Zumba, Spinning etc.),
- Risikosportarten (Basejumping, Paragliding etc.) und
- Funsportarten (Snowboarding, Slacklinen, etc.) (Schwier, 2003, S. 21).

2.2. Gesellschaftliche Veranderungen

Sport fungiert in weiten Kreisen als Lebensstil. Zudem ist seit den 1980er Jahren eine radikale Veranderung hinsichtlich der Kommerzialisierung des Sports zu sehen. Die Fitness- und Gesundheitswelle schwappt aus den USA nach Deutschland heruber. „Sportarten wie Aerobic, Triathlon, Mountainbiking oder Inlineskating [integrieren, d. Verf.] sich so selbstverstandlich wie rasant in die Sportlandschaft Deutschlands“ (Schmidt, 2007, S. 7). Neue Werte wie SpaB, Individualisierung und Vielseitigkeit kommen in den Trendsportarten zum Ausdruck. Demgegenuber stehen von da ab die traditionellen Disziplinen und deren alte Werte wie Leistung und Disziplin (ebd.).

3. Fachdidaktische Analyse

3.1 Chancen und Vorteile

Trendsport ist aktuell und in. Doch Slacklinen, Bouldern und Co. haben weit mehr Potentiale. Eine Auswahl an Chancen und Vorteilen von Trendsportarten sollen nun erlautert werden.

3.1.1 SpaB und Motivation

SpaB und Aktion stehen bei der Ausubung von Trendsportarten im Vordergrund (Heinz, 2007, S. 498f). Viel wichtiger als Gewinnen oder Verlieren ist die Erfahrung, die die jungen Erwachsenen mit sich und anderen bei der sportlichen Betatigung machen. Bei traditionellen Sportarten wie FuBball oder Leichtathletik geht es am Ende stets darum, welches Team die meisten Tore erzielt oder wer zuerst im Ziel einlauft. Ohne Zweifel ist das Gefuhl von Wettkampf ein wichtiger Ansporn und Leistung ein zentrales Element im Sport. Doch insbesondere fur die leistungsschwachen SuS (Schulerinnen und Schuler) ist es von groBer Bedeutung, dass sie Sport nicht nur mit Konkurrenz - und Verlieren - verbinden. Durch den informellen Charakter und die individuelle Be- zugsnormierung von Trendsportdisziplinen konnen Frustrationserlebnisse vermieden werden und die Jugendlichen zum Sport motiviert werden (LaBleben, 2009, S. 23). Dies ist deshalb wichtig, weil Motiviert-sein eine unmittelbare Voraussetzung fur gelin- gende Erziehung darstellt (ebd., S. 20). Daruber hinaus setzt sich die Sportpadagogik als Ziel, die SuS auch fur die Sportausubung in der Freizeit zu begeistern. Das kann durch eine emotionale Beziehung zum Sport erreicht werden. Hierfur sind positive Erfahrungen und Erfolgserlebnisse im Sportunterricht existenziell (ebd., S. 22).

3.1.2 Mehr Lebensnahe durch Trendsportarten

Auftrag der Schule ist es, Kinder und Jugendliche in ihrer Sozialisation zu begleiten und auf das spatere Leben vorzubereiten (ebd., S. 58). Sowohl bei der Auswahl als auch bei der Darbietung von Lerninhalten soll die raumlich-geographische und sozio- kulturelle Umwelt der Jugendlichen beachtet werden. In der Sportpadagogik wird diese Forderung als das didaktische Prinzip Lebensnahe bezeichnet (Zander, 2017, S. 26). Vor allem aber sollen die Inhalte fur die Lernenden von Relevanz sein. Mit der Vermittlung von Trendsportarten kann die Schule an die Sportpraktiken aus der Frei- zeit anknupfen und die „Differenz zwischen schulsportlicher Realitat und auBerschulischer Sportwirklichkeit klein [...] halten“ (LaBleben, 2009, S. 61). Somit kann eine groBere Anzahl an SuS in ihren Interessen angesprochen und leichter fur den Sport begeistert werden.

3.1.3 Chancengleicher Zugang zu exklusiven Sportarten

Der sogenannte Doppelauftrag im Sport beschreibt zwei zentrale Forderungen an den Schulsport. Zum einen soll er die jungen Menschen durch Bewegung, Spiel und Sport in ihrer individuellen Entwicklung fordern (Erziehung durch Sport). Zum andern soil er Kinder und Jugendliche zum Sport Erziehen, d. h. motorische Grund-, und spezielle sportmotorische Fertigkeiten, sowie koordinative und konditionelle Fahigkeiten sollen erlernt werden (Horn, 2009, S. 66). Weiter soll Sportunterricht „die Vielfalt der aktuellen Sportkultur erfahrbar machen“ (Koster, 2010, S. 106 zit. nach MSWWF, 2001). Besonders letzteres ist fur die Legitimation von Trendsport in der Schule entscheidend. Denn die Schere zwischen den sozialen Schichten wird grosser. Durch die Integration in den Sportunterricht kann allen SuS ein chancengleicher Zugang zu den meist exklu- siven Sportarten ermoglicht werden. Zugangsbarrieren stellen vor allem die materiellen Voraussetzungen - wie hohe Kosten bei der Anschaffung von Sportgeraten - sowie soziale Hemmnisse im Bezug auf die speziellen Szenen von Trendsport dar (LaBleben, 2009, S. 22f.).

3.1.4 Forderung von Selbststandigkeit

Trendsportarten konnen Selbststandigkeit fordern. Aufgrund der informellen Rahmen- bedingungen von Trendsport, sind die Disziplinen nicht an Organisationen oder bestimmte Personen gebunden. Motorische Lernprozesse sind uberwiegend selbst organisiert (ebd., S. 71). Bei der Aneignung greifen die Trendsportler also weitestge- hend auf Strategien wie Probieren, Abschauen oder gegenseitiges Weitergeben von Wissen zuruck (Wopp, 2003, S. 95). Hieran sollten sich auch die Lehrkrafte beim Unterrichten von Trendsportarten orientieren, beispielsweise mit induktiven Vermittlungsansatze wie dem Entdeckenden Lernen 1 . Auch konnen SuS bei der Ver­mittlung miteinbezogen werden. Wenn viele Kinder und Jugendliche bereits betrachtliche Handlungskompetenzen auf dem jeweiligen Gebiet besitzen - was bei Trendsportarten oft der Fall ist - muss die Rolle des Lehrers hinterfragt werden. In solch einem Fall kann es nutzlich sein, wenn die Lehrkraft nicht als Vermittler, sondern als Chaospilot agiert, indem sie nur betreut und Orientierung bietet. Sind einzelne Jugendliche Experten in einem Bereich, so konnen sie wie in der Trendsportszene „als Helfer und Vermittler aktiv werden“ (Wopp, 2003, S. 102). Somit bieten Trendsportar- ten die Moglichkeit, den Schulsport nicht fur, sondern mit den Schulern zu gestalten.

[...]


1 Eine Vermittungsmethode, bei der sich der Lernende Fahigkeiten und Fertigkeiten durch eigenstandiges Ausprobieren und Experimentieren aneignet.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Trendsportarten im Sportunterricht
Hochschule
Universität Passau
Note
1,1
Autor
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V535802
ISBN (eBook)
9783346125484
ISBN (Buch)
9783346125491
Sprache
Deutsch
Schlagworte
trendsportarten, sportunterricht
Arbeit zitieren
Lea Kornemann (Autor), 2018, Trendsportarten im Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535802

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