Burnout. Die Ursachen und seine Abgrenzung zu anderen Konstrukten wie der Depression sowie der Stellenwert innerhalb der ICD-10


Hausarbeit, 2020
37 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorie
2.1 Historische Entwicklung der Burn-Out Forschung und aktuelle Forschungsthemen
2.2 Problematik der Burnout-Begriffsbestimmung
2.3 Burnout-Symptomatik
2.4 Burnout – Definitionsversuche

3 Abgrenzung des Burnouts gegenüber anderen Konzepten
3.1 Differenzialdiagnostik von Burnout
3.2 Abgrenzung zum Arbeitsstress

4 Ursachen von Burnout
4.1 Persönlichkeitszentrierte Ansätze
4.2 Soziologische-sozialwissenschaftliche Ansätze
4.3 Arbeitsund organisationspsychologische Ansätze
4.4 Arbeitsbezogene Modelle zur Erklärung von Burnout
4.4.1 Die COR-Theorie
4.4.2 Das JDR-Modell

5 Kritische Diskussion

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Burnout-Symptomatik Kurzfassung

Tabelle 2: Burnout-Definitionen

Tabelle 3: Dimensionen des Burnouts nach Maslach (1982)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Job-Demands-Resources (JDR) -Modell

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Obgleich das Burnout mittlerweile seit mehr als 40 Jahren erforscht wird, bleiben noch einige konzeptionelle Probleme ungelöst. Die aktuelle Burnout-Forschung ist geprägt durch eine kontroverse Diskussion über die Definition und die Ursachen von Burnout, seiner Abgrenzung zu anderen Konstrukten wie der Depression und seinen Stellenwert innerhalb der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsprobleme [ICD-10].

Das Thema Burn-out erfährt in der Öffentlichkeit schon seit vielen Jahren eine hohe Aufmerksamkeit. Das Spektrum der Beiträge reicht von wissenschaftlichen Publikationen über Expertenmeinungen bis hin zu Selbsttests und Kommentaren von Laien. Der Begriff Burnout wird dabei jedoch uneinheitlich und inflationär für allerlei Konzepte, darunter psychische Belastungen in der Arbeitswelt und psychische Störungen oder z.B. als ein Synonym für arbeitsbedingten Stress, verwendet. Die Diskurse rund um das Thema Burnout, erfahren durch die Fehlzeitenstatistiken der gesetzlichen Krankenkassen, die einen starken Anstieg der Arbeitsunfähigkeitstage und -fälle aufgrund der Vergabe von psychischen Diagnosen verzeichnen, noch mehr Interesse. Besonders die Vergabe der Zusatzdiagnose Z73, unter die sich Burnout subsumiert, ist in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches angestiegen (Meyer, Böttcher & Glushanok, 2015, S. 368-369). Tatsächlich haben sich in den vergangenen Jahren die Arbeitsbedingungen dahingehend gewandelt, dass psychische Belastungen angestiegen sind (Eichhorst, Tobsch, & Wehner, 2016, S. 14). Die meisten Krankheitsfehltage entfielen geschlechtsübergreifend im Jahr 2018 erstmals auf Erkrankungen mit Diagnosen von psychischen Störungen (Techniker Krankenkasse, 2018, S. 40); nach Angaben von Gallup fühlen sich 34% der Erwerbstätigen durch Stress bei der Arbeit von Burnout betroffen (Nink, 2019, o.S.). Doch auch die Fehlzeitenstatistiken der Krankenkassen bilden den Gesundheitszustand der Abwesenden nur unzuverlässig ab, denn sie geben weder Auskunft über zugrunde liegende Ursachen noch über den Gesundheitsstatus der in den Unternehmen anwesenden Mitarbeiter (Badura, 2013, S. 12-16). Mit dem Anstieg der Krankheitstage auf Grund psychischer Krankheiten und dem zusätzlichen Anstieg der Vergabehäufigkeit der Zusatzdiagnose Z73 begründet sich die Public Health-Relevanz des Themas. Das Kernmerkmal der emotionalen Erschöpfung repräsentiert Burnout bewirkt außerdem eine beeinträchtigte psychische Befindlichkeit des Betroffenen. In der modernen Wissensund Dienstleistungsgesellschaft und mit Blick auf die Arbeit 4.0 ist das Konzept somit als äußerst relevant einzustufen.

Basierend auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft hat die Arbeit zum Ziel, verschiedene Definitionsansätze, Erklärungsansätze und mögliche Ursachen für das Burnout aufzuzeigen. So soll der Frage nachgegangen werden, ob es sich bei dem Phänomen Burnout um eine psychische Erkrankung, ein arbeitspsychologisches Stressmodell oder wohlmöglich um eine „Trenddiagnose“ handelt.

Die Struktur dieser Hausarbeit gliedert sich folgendermaßen: Zunächst werden im Theorieteil einige Hauptaspekte zum Thema Burnout besprochen. Der Leser erhält Einblicke in die Entwicklung der Burnout-Forschung im historischen Verlauf, die Definition des Konzeptes sowie in Kapitel 3 die Abgrenzung des Burnouts von anderen Konzepten. Alsdann werden in Kapitel 4 unterschiedliche Burnout-Erklärungs-Ansätze vorgestellt. In der Diskussion in Kapitel 5 werden die Ergebnisse rückblickend auf die Forschungsfragen sowie den Theorieteil noch wieder aufgegriffen. Das Kapitel 6 skizziert weiterführende Forschungsbedarfe. Im Ausblick werden außerdem Implikationen für Unternehmen besprochen.

2 Theorie

Der Theorieteil der vorliegenden Hausarbeit beschäftigt sich anfangs mit der begriffsgeschichtlichen Entstehung von Burnout. Infolgedessen wird darauf eingegangen, weshalb es nicht einfach ist, die Bezeichnung Burnout zu präzisieren. Bevor divergierende, wissenschaftliche Burnout-Definitionsversuche betrachtet werden, werden Burnout-typische Symptome herausgearbeitet.

2.1 Historische Entwicklung der Burn-Out Forschung und aktuelle Forschungsthemen

Widmet man sich der historischen Entstehung der Bezeichnung Burnout, so ist festzustellen, dass selbige weit älter ist als zunächst angenommen. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts verwendete Shakespeare den Begriff „to burn-out“. Unter der Bezeichnung Neurasthenie beschreibt im Jahre 1911 Siegbert Schneider ein Phänomen bei Lehrern, welches eine starke Ähnlichkeit mit dem heutigen Konzept von Burnout aufweist (Schneider, 1911). Der Psychoanalytiker Freudenberger publizierte 1974 den ersten wissenschaftlichen Artikel zum Thema Burnout, in dem er das Burnout-Syndrom als eine Erschöpfung aufgrund von inneren und äußeren Überforderungen, die einer Person Energie und Kraft rauben, beschrieb (Freudenberger, 1974). Maslach und Jackson erweiterten 1981 diese Definition, indem sie den Prozess in die drei Dimensionen Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und (reduzierte) Subjektive Leistungsfähigkeit unterteilten (Maslach & Jackson, 1981). Die Burnout-Publikationen „A burnt-out case“ (Greene, 1961) sowie „Ausgebrannt. Vom Überdruß zur Selbstentfaltung“ (Aronson, Pines & Kafry, 1983) trugen vor allem in Deutschland zur Ausweitung der Burnout-Begriffsbedeutung bei (Burisch, 2010, S. 6).

Die Burnout-Forschung wurde in den 80er Jahren durch systematische, empirische Forschungsarbeiten bereichert. Es kamen quantitative Forschungsmethoden zum Einsatz, die Stichproben wurden umfassender, zudem wurden standardisierte Messinstrumente entwickelt und eingesetzt sowie theoretische Grundlagen geschaffen (Maslach, Schaufeli & Leiter, 2001, S. 401-402.; Muheim, 2013, S. 43). Der Wechsel hin zur Empirie-gestützten Burnout-Forschung wurde durch theoretische und methodologische Beiträge aus der wissenschaftlichen Fachrichtung der Arbeitsund Organisationspsychologie begleitet. Burnout wurde als eine Form von Arbeitsstress betrachtet, und steht mit Konzepten der Arbeitszufriedenheit, organisationaler Bindung und Fluktuation in Verbindung. Seit dem Jahr 2000 konzentrierte sich die Forschung auf bislang noch unterrepräsentierte Berufsgruppen; Burnout wurde generell mit der Arbeitswelt, nicht mehr exklusiv mit interpersoneller Arbeit assoziiert (Maslach et al., 2001, S. 401; Schaufeli & Salanova, 2014, S. 296). Die Beziehungen zwischen organisationsbezogenen Faktoren und Burnout führte zu der Entwicklung von strukturierten Burnout-Entstehungsmodellen.

Die aktuelle Burnout-Forschung ist geprägt durch eine kontroverse Diskussion über die Definition und Messung von Burnout, seine Abgrenzung zu anderen Konstrukten wie der Depression und seinen Stellenwert innerhalb der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsprobleme [ICD-10]. Seit Mitte der 90er Jahre wird auch verstärkt die Kehrseite von Burnout, das sogenannte Engagement, in Untersuchungen einbezogen (Maslach, Leiter & Jackson, 2012, S. 297; Schaufeli, Leiter & Maslach, 2008, S. 214). Darüber hinaus werden verstärkt die Folgen von Burnout für die organisationale Leistungsfähigkeit herausgearbeitet (Maslach et al., 2012, 297; Schaufeli & Salanova, 2014, S. 306-307).

Für Burnout, obwohl seit 1974 in der psychologischen Literatur vorhanden, gibt es keine allgemein akzeptierte Definition. Der folgende Passus konzentriert sich daher auf die Problematik der Begriffsbestimmung des Burnouts.

2.2 Problematik der Burnout-Begriffsbestimmung

Bisher wird in der Wissenschaft unter Burnout häufig ein arbeitsbezogenes Syndrom verstanden, das sich aus den Dimensionen emotionale Erschöpfung, Depersonalisation oder Zynismus und einer verminderten Leistungsfähigkeit bildet. Faktisch existiert jedoch keine einheitlich gültige Definition. Obwohl Burnout offiziell keine eigenständige Diagnose darstellt, wird in der klinischen Praxis dennoch davon gesprochen. Das Burnout-Syndrom ist manchmal von anderen psychischen Erscheinungsbildern schwer abgrenzbar. Verschiedene Begriffe haben Ähnlichkeit mit dem Burn-out, so etwa „Betriebsneurose“, „Helfersyndrom“, „chronische nervöse Erschöpfung“ und „Erschöpfungsdepression“. Ebenso finden sich in der Literatur eine Vielzahl unterschiedlicher Burnout-Symptome sowie mehrere Verlaufstheorien und Erklärungsmodelle. Darüber hinaus existieren konkurrierende Burnout-Messinstrumente (Muheim, 2013, S.38). Zur Differentialdiagnostik liegen nur Symptomkataloge mit hohem Allgemeinheitsgrad vor. Burisch (2010) zu Folge sind daher auch die psychischen und psychobiologischen Mechanismen, die den verschiedenen Symptomen zugrunde liegen, wie auch die Zusammenhänge mit anderen Krankheitsbildern größtenteils ungeklärt (Burisch, 2010, S.16). Zudem sind die psychosozialen Folgen Burnout-Betroffener und die Auswirkungen auf andere Menschen weitgehend unbekannt (Koch & Kühn, 2008, S.11). Burnout repräsentiert folglich ein herausforderndes, weil unscharf definiertes, Konstrukt, das interdisziplinären Charakter besitzt. Da Burnout ein berufsbezogenes Ereignis darstellt, beschäftigt sich neben der klinischen Psychologie auch die Arbeitsund Organisationspsychologie mit dieser Thematik. Dies macht sich auch in der Beschreibung der Burnout-Symptomatik bemerkbar, die im nachfolgenden vorgestellt werden sollen.

2.3 Burnout-Symptomatik

Burnout lässt sich auch durch Symptome nicht klar eingrenzen. Einigkeit besteht in der Forschung dahingehend, dass Burnout keine psychische Erkrankung darstellt, sondern ein Syndrom. Ein Syndrom besteht aus einer Gruppe von physischen oder psychischen Krankheitsmerkmalen (Symptome), die bei einer bestimmten Störung kollektiv in Erscheinung treten und entsprechend das typische klinische Erscheinungsbild der Störung reflektieren (Butcher, Mineka & Hooley; 2009, S.822). Nach Burisch (2014a, S. 25) stellt sich das Symptombild von Burnout in der Literatur als äußerst komplex dar, gleichwohl fände sich eine hohe Übereinstimmung der Burnout-Merkmale über die Studien hinweg. Er bündelt letztlich über 130 Symptome zu 7 Kategorien mit 15 Subkategorien. Auf diese Arbeit von Burisch beziehen sich die meisten Autoren. Tabelle 1 zeigt die Kurzfassung dieses Katalogs.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle1: Burnout-Symptomatik Kurzfassung

(Quelle: Burisch, 1998; zit. nach Korczak et al., 2010, S.15)

Burisch (2010, S. 27) fügt zu diesem Symptomkatalog hinzu, dass sich nur wenige Autoren festlegen, was als hinreichende oder notwendige Bedingung angesehen wird. Natürlich müssen in einem Burnout-Fall nicht alle Symptome vorhanden sein. Einige schließen sich aus und nicht immer wird die zeitliche Reihenfolge eingehalten. Koch und Kühn (2005) weisen ebenfalls auf die Vielschichtigkeit des Symptombildes hin, das sich in körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung zeigt. Zudem müssen die Symptome über einen längeren Zeitraum auftreten, da sie in belastenden Lebenssituationen vorübergehend als normale menschliche Reaktionen gelten. Ihr Symptomkatalog deckt sich mit dem oben dargestellten von Burisch (Koch & Kühn, 2005, S.11).

Schaufeli und Enzmann teilen ihre über 130 erfassten Symptome in andere Kategorien ein. Sie unterscheiden affektive, kognitive, körperliche, verhaltensmäßige und motivationale Symptome, jeweils auf individueller, zwischenmenschlicher und Organisationsebene (1998; zit. nach Korczak, Kister & Huber, 2010, S.16). Die beiden Autoren beklagen, dass aufgrund der Fülle an Symptomen diese Zusammenstellung für die Ergründung des Burnouts wertlos ist. Es müssen Kernsymptome definiert werden. Diesen Beitrag leisten Schaufeli und Enzmann (1998), indem sie die Anzeichen auf das Kernsymptom der Erschöpfung reduzieren. Daneben sehen sie vier Begleitsymptome: affektives, kognitives, physisches und verhaltensbezogenes Leiden (distress); Gefühl reduzierter Effektivität; Abbau von Motivation; unangemessene Einstellungen und Verhaltensweisen am Arbeitsplatz (Schaufeli & Enzmann, 1998). Forney, Wallace & Wiggers betonen die „individuelle Natur“ von Burnout. Reihenfolge und Symptommuster seien vom Individuum und seiner Umwelt abhängig (1982; zit. nach Burisch, 2010, S. 27). Andere Burnout-Forscher stellen jedoch eine Regelmäßigkeit im Auftreten von Symptomen fest und entwickelten aus diesem Grund Verlaufstheorien, auf die hier aus Platzgründen nicht weiter eingegangen werden kann. Obwohl zahlreich vorhanden, erweist sich die Suche nach einem übereinstimmenden Symptomkatalog des Burnouts als problematisch, da die Theorien hierzu inhaltlich sehr unterschiedlich dargestellt sind.

Diese Problematik stellt sich ebenso für die Definition des Burnouts dar. Nichtsdestotrotz dienen die im folgenden Kapitel ausgewählten Definitionen einer ersten Orientierung über die Vielschichtigkeit des Syndroms.

2.4 Burnout – Definitionsversuche

Im Idealfall sollte zu Beginn einer wissenschaftlichen Arbeit eine eindeutige wissenschaftliche Definition des zu untersuchenden Phänomens vorgelegt werden, um an ein gemeinsames Verständnis anknüpfen zu können. Obwohl die Existenz des Phänomens als unbestritten gilt, ist die genaue Definition des Konstruktes Burnout als ein zentrales Grundproblem des Phänomens zu betrachten. In diesem Kapitel erfolgt daher nur eine definitorische Eingrenzung des Konstrukts.

Maslach monierte bereits im Jahre 1982 das Fehlen einer eindeutigen und allgemein verbindlichen Definition, was zu Irritationen und Kontroversen führe (Maslach, 1982, S. 30). Burnout-Forscher führen die Vielfalt an Definitionen auf den Umstand zurück, dass diese aus der Beobachtung von Burnout-Symptomen heraus entwickelt wurden: „Dadurch finden fast alle beobachtbaren negativen Reaktionen von Mitarbeitern in Dienstleistungsinstitutionen Eingang in irgendeine Burnout Definition“ (Kleiber & Enzmann, 1990, S.19).

In Tabelle 2 werden einzelne Burnout-Definitionen vorgestellt. Die dargestellten Begriffsbestimmungen stellen nur einen Auszug dar, da eine vollständige Auflistung den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde. Dies macht deutlich, wie weitläufig und heterogen die Burnout-Auffassung der Wissenschaft angelegt ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle2: Burnout-Definitionen

(Quelle: Eigene Darstellung)

Deutlich wird, dass die Definitionen einerseits zwar unterschiedliche Akzente setzen, andererseits Themenüberschneidungen aufweisen. In der Fülle der bestehenden Definitionen sind einige dominante Merkmale wie körperliche und seelische Erschöpfung; Motivationsverlust, subjektiv erlebte reduzierte Leistungsfähigkeit; Entfremdung, Insuffizienzgefühle; Rückzugsverhalten; Reizbarkeit, Angst, Frustration, geringe Selbstwertschätzung; Desillusionierung und Depersonalisation, direkt oder indirekt genannt. Weiterhin ist festzuhalten, dass die Definitionen fast durchweg einen konkreten Bezug zur Arbeitswelt aufweisen.

Maslach gibt zu bedenken, dass Übereinstimmungen zwischen Definitionen bestehen: „However, all is not total chaos. Despite the differences, there are also similarities. among definitions of burnout“ (Maslach, 1982, S. 31). So würden gewisse Merkmale von einer breiten Mehrheit getragen. Dabei handele es sich um folgende drei Dimensionen: 1. psychische bzw. physische Erschöpfung, 2. eine veränderte, negative Haltung gegenüber anderen (Zynismus bzw. Depersonalisation) und 3. eine negative Bewertung der eigenen Leistungsfähigkeit (reduzierte Leistungsfähigkeit). Die hierfür verwendeten, Beschreibungen der Dimensionen sind in Tabelle 3 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle3: Dimensionen des Burnouts nach Maslach (1982)

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Maslach, 1982, S. 32)

Tatsächlich finden sich diese oder vergleichbare Konzepte in fast allen der eingangs exemplarisch vorgestellten Definitionen wieder. Es ist diese Merkmalskombination, die heute am häufigsten zur Definition von Burnout herangezogen wird (Schaufeli & Salanova, 2014, S. 296) und daher als Konsens begriffen werden kann. Aufgrund der breiten wissenschaftlichen Zustimmung folgt die vorliegende Hausarbeit der Burnout-Definition nach Maslach (1982), des Burnouts als psychischen Zustand, der sich aus den Komponenten Erschöpfung, Zynismus und einer reduzierten Leistungsfähigkeit zusammensetzt.

Wie erläutert, ist das Hauptproblem der Burnout-Forschung bis heute unzulänglich gelöst, nämlich eine konsensfähige Definition mit trennscharfen Unterscheidungskriterien zu anderen somatischen, psychosomatischen und psychiatrischen Krankheitsbildern und dem Konzept von Arbeitsstress zu finden. Im Folgenden Kapitel wird daher der Versuch einer Abgrenzung des Burnouts gegenüber anderen Krankheitsbildern und dem Konzept des Arbeitsstresses beschrieben.

3 Abgrenzung des Burnouts gegenüber anderen Konzepten

Einige Forscher gehen davon aus, dass die gegenwärtige Problematik einer fehlenden allgemeingültigen Definition von Burnout darin begründet liegt, dass die Abgrenzung zu ähnlichen Krankheitsbildern wie Depression, dem chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) oder Neurasthenie sich als sehr schwierig erweist (Litzcke & Schuh, 2007, S. 153-175; Kaschka, Korczak & Broich, 2011, Dörr & Nater, 2013). Außerdem wird der Begriff Burnout häufig mit dem Arbeitsstress gleichgesetzt (DGPPN 2012, 4 und 10). Diesen Abgrenzungsproblematiken wird sich in folgenden Unterkapiteln angenommen.

3.1 Differenzialdiagnostik von Burnout

Die beiden medizinisch gesehen wichtigsten Diagnose-Klassifikationssysteme, das ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das DSM-V der American Psychological Association (APA) führen Burnout nicht als eigenständige Erkrankung auf. So wird in der ICD-10 Burnout unter der Ziffer Z.73 „Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ als „Zustand der totalen Erschöpfung“ aufgeführt. Separiert wird dabei zwischen den Zuständen des Ausgebrannt seins und der totalen Erschöpfung. Im DSM-V wird Burnout der Rubrik Berufsprobleme beigefügt. Darin ist zu lesen, dass es sich bei Burnout um eine beobachtbare, aber nicht zu behandelnde Anomalie handelt (Weimer & Pöll, 2012, S.16). Im Katalog der deutschen Krankenkassen muss zur Abrechnung auf andere Diagnosen, bspw. Depression ausgewichen werden. Neben allgemeinen diagnostischen Methoden kommen zur Diagnostik auch spezifische Fragebögen zum Einsatz. Mit dem Maslach Burnout Inventory (MBI) wurde laut Maslach et al. (2012, S. 296) die „psychometric challenge“ angenommen, ein Instrument zur Erfassung von Burnout zu entwickeln. Bei 90 % der Fälle liegt in der empirischen Burnout-Forschung das MBI als Messinstrument vor, sodass der MBI-Fragebogen als Goldstandard für die Messung von Burnout bezeichnet wird (Maslach et al., 2012). Die Skalen des MBI stellen sich wie folgt dar: Erschöpfung (9 Items); Zynismus (5 Items), Berufliche Leistungsfähigkeit (8 Items). Die wissenschaftliche Testkonstruktion des MBI wird jedoch generell von einigen Autoren z. B. in Bezug auf Cut-off-Werte und Gütekriterien hinterfragt (Korczak et al., 2010; Zaudig, Berberich & Konermann, 2012).

Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) hat 2010 einen Bericht zur Differenzialdiagnostik des Burnout-Syndroms publiziert. In dieser ausführlichen Untersuchung von Korczak et al. (2010) kommen die Autoren zum Ergebnis, dass vor allem Depressionen, Alexithymie, Befindlichkeitsstörungen und das Konzept der anhaltenden Erschöpfung von differentialdiagnostischer Bedeutung sind. Denkbar wäre ein phasenhafter Zusammenhang der Konzepte. Im Unterschied zu psychisch eindeutigen Krankheitsbildern, wie bspw. der Depression oder der generalisierten Angststörung, repräsentiert Burnout „kein spezifisches Krankheitsbild mit eindeutig definierten Kriterien“ (von Känel, 2008, S.478). Folglich existieren für das emotionale Erschöpfungssyndrom Burnout weder klinisch allgemeingültige Krankheitssymptome noch eine universal verbindliche Definition der Pathogenese (von Känel, 2008, S.478). Im Folgenden soll daher zumindest eine Abgrenzung zu anderen psychischen Krankheitsbildern erfolgen.

Die Neurasthenie zeigt einige Gemeinsamkeiten mit Burnout: Sie beschreibt ebenso geistige Ermüdungserscheinungen plus Begleitsymptome wie akute oder chronische Muskelschmerzen, Schlafstörungen oder Reizbarkeit. Inzwischen wird diese Diagnose aber in einem eher historischen Kontext verortet, spielt in der klinischen Praxis eine untergeordnete Rolle und wird aktuell überwiegend im asiatischen Kulturbereich angewendet (Dörr & Nater, 2013). Nicht selten wird als Ausweichdiagnose für Burnout auch auf eine Depression zurückgegriffen (Kaschka et al., 2011; Lanz, 2009). Zugleich wird der Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen, seitdem Burnout in Erscheinung getreten ist, diskutiert (Schaufeli & Enzmann, 1998). Bereits in den 1980er Jahren war die Konstruktvalidität des Burnout-Syndroms Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion und es zeigte sich, dass Burnout eng mit depressiven Tendenzen korreliert. Korczak et al. (2010) folgern aus ihrer Untersuchung: Als besonders relevant erscheint die Verbindung zwischen Burnout und Depression, da Burnout möglicherweise eine Entwicklungsphase einer Depression ist. Trotz Ähnlichkeiten mit einer Depression gibt es –neben dem konkreten Arbeitsplatzbezug bei Burnout –eine Reihe von Differenzierungsmöglichkeiten (Koch & Broich, 2012). Im Rahmen von depressiven Episoden leiden Betroffene unter gemindertem Antrieb und verringerter Aktivität sowie einer gedrückten Stimmungslage. Zudem sind Freude, Interesse und Konzentrationsfähigkeit gedämpft. Nach bereits kleinen Anstrengungen tritt eine starke Müdigkeit auf. Häufig wird dies von Beeinträchtigungen des Selbstwertgefühls begleitet (DIMDI, 2014). Während Depressive an unabänderlichen Geschehnissen wie beispielsweise irreversible Verluste oder Kränkungen leiden, kämpfen von Burnout Betroffene gegen prinzipiell lösbare und stets nachvollziehbare Probleme. Auch sind die vorherrschenden Effekte bei Burnout eher Angst und Wut, bei Depression dagegen Trauer bzw. Melancholie. Ebenso unterscheiden sich in der Selbsteinschätzung die Betroffenen voneinander. So neigen an Burnout leidende Personen dazu, ihre Kräfte zu überschätzen und geben sich erst geschlagen, wenn die allerletzten Ressourcen erschöpft sind. Depressive Personen hingegen unterschätzen sich und resignieren bei Aufgaben, welche Außenstehende als zumutbar erachten (Litzcke & Schuh, 2007, S. 160). Auch wenn Gegenstimmen existieren (Bianchi, Boffy, Hingray, Truchot & Laurent, 2013; Bianchi, Schonfeld & Laurent, 2014), so spricht sich eine Vielzahl an Autoren dafür aus, trotz dieser Nähe zwischen beiden Konzepten zu unterscheiden (Brenninkmeyer, van Yperen & Buunk, 2001; Glass & McKnight, 1996; Maslach & Leiter, 2008; Toker & Biron, 2012), wozu sowohl quantitative als auch qualitative Studien als Beleg hinzugezogen werden können (Armon, Melamed & Shirom, 2012). Teils wird der prädiktive Charakter von Burnout in Bezug auf Depressionen betont (Ahola & Hakanen, 2007; Toker & Biron, 2012; von Känel, 2008).

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Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Burnout. Die Ursachen und seine Abgrenzung zu anderen Konstrukten wie der Depression sowie der Stellenwert innerhalb der ICD-10
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
37
Katalognummer
V535840
ISBN (eBook)
9783346131676
ISBN (Buch)
9783346131683
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burnout, Arbeits- und Organisationspsychologie, Stress, Depressionen, JDR-Modell, Antonovsky, Engagement, Überforderung
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Burnout. Die Ursachen und seine Abgrenzung zu anderen Konstrukten wie der Depression sowie der Stellenwert innerhalb der ICD-10, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535840

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