Die Melancholie im Werk Edvard Munchs


Hausarbeit, 2006

18 Seiten, Note: Gut


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Edvard Munch und der Symbolismus

3. Bildbeschreibung der Gemälde:
3.1. „Abend- Melancholie- Eifersucht“ (1892)
3.2. „Weinende Frau (Melancholie)“ (1906/1907)
3.3. „Eifersucht“ (1895)

4. Deutung der Gemälde im Kontext der Melancholie

5. Einbezug des Gedichtes „Eifersucht“ von Don Coles

6. Fazit

7. Anhang

8. Quellenverzeichnis

9. Bildnachweis

„Die Qualen gehören zu meiner Kunst. Sie sind eins mit mir geworden. (…) Ich möchte dieses Leiden gern behalten.“[1]

(Edvard Munch)

1. Einleitung

In dieser Seminararbeit wird vordergründig die Melancholie im Werk Edvard Munchs anhand von drei ausgewählten Gemäldebeispielen dargestellt. Mit der Zusammenfassung der Bedeutung von Melancholie im Symbolismus, der Epoche, in die sich der norwegische Künstler einordnen lässt, werden einleitend Auffassungen, Thesen und Kontexte geklärt. Das im Zusammenhang der hier benutzten Gemälde stehende Gedicht „Eifersucht“ von Don Coles soll die genannten Thesen verdeutlichen. Die Frage nach der persönlichen Schwermut Munchs, aus der ebenso relevante Rückschlüsse gezogen werden können, wird weniger umfangreich verarbeitet und von der Melancholie, die aus den Gemälden spricht, differenziert dargestellt.

2. Edvard Munch und der Symbolismus

Symbolismus, „eine Kunst, in der der Künstler die Wirklichkeit seinen eigenen Gesetzen unterwirft, in der (…) die Wirklichkeit nur als Symbol gebraucht wird.“(Edvard Munch)[2]

Der Symbolismus stach nicht etwa durch einen besonderen Stil hervor, sondern durch eine im 19. Jahrhundert neue Weltanschauung, in der Antithesen zur Bürgerlichkeit, Konvention und Moral im Vordergrund standen. Edvard Munch, der diese Auffassungen voranschreitend begleitet hat, verarbeitete in seinem Werk die am häufigsten gebrauchten Bildthemen der Symbolisten, wie z.B. Tod, Liebe, Nacht, Schatten, Krankheit, Vergänglichkeit und Leben. Ziel war es, aus der vorgegebenen, moralisch geprägten Welt zu flüchten und dafür „die Welten der Fantasie und des Traums, die sich einer rationalistischen Festlegung entziehen, wiederzugeben.“[3].

Einer so genannten Boheme, die für „eine bessere, gerechtere Gesellschaftsordnung (…) [und] gegen das die natürlichen Triebe unterdrückende Christentum“[4] (mit künstlerischen Mitteln) kämpfte, trat Munch nur halbherzig bei, da er in einem ständigen Zwiespalt zwischen dieser Gruppe, also einem unkonventionellen und unmoralischen Leben und dem religiösen, gesitteten Leben bei seiner Familie pendelte. Der Grund, aus dem sich der Norweger nicht voll und ganz der Boheme anschließen konnte, waren wohl die neun Regeln, die unter anderem forderten, „die Wurzeln (…) [der] Familie zerschneiden“[5] und sich „das Leben nehmen“[6] zu sollen. Denn vor allem die Erlebnisse, die Munch, auch schon früh in seiner Familie mitbekommen hat, waren primärer und relevanter Inspirationsquell für seine Arbeit, was ein Abwenden von der geliebten Familie unmöglich machte: Der Tod der Mutter als Munch fünf Jahre alt war, der Tod der Schwester Sophie neun Jahre später, die lebenslange Depression und Melancholie der Schwester Laura[7], der frühe Tod des Bruder Andreas 1895 und der bis zum Ableben 1889 ausgefochtene Streit um Religionsauffassung mit dem Vater, der seinen Glauben bis in den Wahnsinn steigerte, waren Themen, die Munch folgendermaßen kommentierte: „Krankheit, Wahnsinn und Tod hielten wie schwarze Engel Wache an meiner Wiege und begleiteten mich seitdem durchs Leben.“[8]. Daraus resultierte für den Künstler eine ständige Angst, geisteskrank zu werden: „Zwei der schrecklichsten Feinde der Menschen erbte ich, die Anlage zur Auszehrung und zur Geisteskrankheit.“[9]. Auf der anderen Seite gestand er sich aber auch ein: „Die Lebensangst hat mich begleitet, solange ich mich erinnern kann. Meine Kunst ist ein Selbstbekenntnis gewesen. (…) Ohne Lebensangst und Krankheit wäre ich eine Schiff ohne Ruder gewesen.“[10].

Munch hatte lange Zeit Wahnvorstellungen und fühlte sich ständig hintergangen. Flüsterten Menschen in seiner Gegenwart, dachte er, dies sei gegen ihn gerichtet. Auch vermied er es, sich auf offener Straße umzudrehen und litt unter Platzangst und Schwindelgefühl[11]. Trotzdem wollte er keinen Arzt konsultieren, da er davon ausging: “daß diese Krankheit, die gespannten Nerven, ihm zum Malen verhalfen. Er wollte ja kein Bürger sein, nicht seine besondere Prägung verlieren.“[12].

Obwohl Munch sich nicht vollkommen mit der Boheme identifizierte, hatte er einen sehr eigenständigen Stil, der meist für Skandale sorgte (z.B. 1892 bei einer Ausstellung in Berlin) und aufgrund dessen ihn die Menschen auch für einen „geisteskranken norwegischen Maler“[13] hielten. Eben dieser Aspekt, dass seine Kunst in der Öffentlichkeit und besonders in Norwegen kritisiert und verspottet wurde, ging nicht unbemerkt an dem Künstler vorbei: „Ich bin niemals verrückt gewesen (…), aber jahrelang hat sich ein Gewirr von Ereignissen, Intrigen mit anschließenden Aufregungen angesammelt. Und der Alkoholgenuß hat zum Schluß diese Nervenkrise ausgelöst.“[14]. Somit verbrachte auch Munch einen Klinikaufenthalt 1908 in Kopenhagen. In welchem Zustand er zu dieser Zeit war, verarbeitete er in dem „Selbstportrait mit Weinflasche“ (1906)[15], in dem er sich „selbst demaskiert“[16] zeigt.

Aus diesen vielfältigen Gründen resultierten die Ideen für seine Gemälde. Ein anderer Aspekt war, dass der Norweger auf einer Sinnsuche war, den Sinn des Lebens hinterfragte und den dringlichen Wunsch hatte, Menschen, die über die Bilder „gelächelt oder den Kopf geschüttelt haben“[17] zu zeigen, dass „ein Baum rot oder blau ist oder ein Gesicht blau oder grün“[18]. „Ich habe geglaubt, anderen helfen zu können, sich über das Leben klar zu werden.“[19].

Diese biographischen Hintergründe wurden in vielfältigen Gemälden verarbeitet, von denen nun drei in den Zusammenhang der Melancholie gebracht werden sollen.

3. Bildbeschreibung der Gemälde:

3.1. „Abend- Melancholie- Eifersucht“ (1892)

Öl auf Leinwand, 65 x 96 cm, monogrammiert unten links: E.M. Nasjonalgalleriet, Oslo.[20]

Auf dem querrechteckigen Gemälde ist rechts im Vordergrund vor einem Strand und Wasser ein schwarz- und kurzhaariger Mann abgebildet, dessen Gesichtszüge nur schemenhaft bzw. maskenhaft gezeichnet sind. Der weite Strand, der sich hinter der Figur, die der Natur den Rücken zukehrt, aufreiht, ist in vier horizontal verlaufende Ebenen gegliedert. Links außen verläuft hellblaues Wasser mit dem schlierenhaft in schwungvollen queren Linien gemalten Himmel, der in abwechselnd weißen und bläulichen Streifen gehalten ist. Es folgt ein vom Wasser verdunkeltes Stück Sand, auf dem einige sichtbare Steine liegen, die vom sich zurückziehenden Wasser umspült werden. Oberhalb der Bildmitte ragt ein roter Steg ins Wasser. Rechts daneben liegen auf hellerem Sand große, abgerundete Steine, die teils in der Farbigkeit ein Pendant zum rechts dahinter liegenden, gelben Boot bilden. Dieses wird ebenfalls nur schemenhaft umrissen und nimmt etwa die gleiche Größe wie der schwarz gekleidete Mann ein, von dem nur der Kopf und die rechte Schulter zu sehen sind. Seine Augen sind von breiten, tief schwarzen Augenbrauen verdeckt und lassen sich nur als kleine Punkte darunter erahnen. Dieses, dem Gesicht einen düsteren Ausdruck verleihende Element wird durch die nach vorne zugespitzten Gesichtszüge verstärkt. Der Mund ist schmal und dünnlippig, die Nase lang. Die Hand ist so an das Gesicht gelehnt. Durch die Sicht des Betrachters von oben auf die Figur entsteht der Eindruck, als habe der Mann keine Hals, was seine Haltung gebückt aussehen lässt.

[...]


[1] Ragna Stang: Edvard Munch der Mensch und der Künstler. Königstein im Taunus 1979, S.107.

[2] Der Brockhaus Kunst. Künstler, Epochen, Sachbegriffe. Hsg. v. Lexikonredaktion des Verlages F.A. Brockhaus GmbH. Mannheim/ Leipzig 2001, S. 789.

[3] Ebd., S. 1126.

[4] Matthias Arnold: Edvard Munch. Bildmonographie. Reinbek bei Hamburg 1986, S.26.

[5] Ebd., S.28

[6] Matthias Arnold: Edvard Munch. Bildmonographie. Reinbek bei Hamburg 1986, S. 28.

[7] „Melancholie (Laura)“ um 1899. Alle im Text angesprochenen Gemälde sind nummeriert im Anhang zu finden.

[8] Ragna Stang: Edvard Munch der Mensch und der Künstler. Königstein im Taunus 1979, S.31.

[9] Ebd., S.12.

[10] Ebd., S.24.

[11] Vgl. Rolf Stenersen: Edvard Munch. Zürich 1949, S. 35, 46.

[12] Rolf Stenersen: Edvard Munch. Zürich 1949, S. 46.

[13] Pal Hougen u. Ingrid Krause (Hrsgg.): Edvard Munch. Kat. Ausst. München 1973, S. 13.

[14] Ragna Stang: Edvard Munch der Mensch und der Künstler. Königstein im Taunus 1979, S.211.

[15] Siehe Anhang Nr. 2.

[16] Ragna Stang: Edvard Munch der Mensch und der Künstler. Königstein im Taunus 1979, S.209.

[17] Ebd., S.12

[18] Ebd.

[19] Ebd., S. 11.

[20] Siehe Anhang Nr. 3.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Melancholie im Werk Edvard Munchs
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Philologische Fakultät II, Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Die Geschichte der Melancholie
Note
Gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V53592
ISBN (eBook)
9783638490016
ISBN (Buch)
9783638751766
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Melancholie, Werk, Edvard, Munchs, Geschichte, Melancholie
Arbeit zitieren
Anna-Lena Henkel (Autor), 2006, Die Melancholie im Werk Edvard Munchs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53592

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