Die Finanzierungsprobleme mittelständischer Unternehmen sind schon lange ein viel erörtertes Thema in der öffentlichen Diskussion. Die Gründe für diese Misere allerdings sind vielfältig uns lassen sich nicht einfach auf einige wenige reduzieren. Das Geld fehlt, weil die Banken als wesentliche bisherige Finanzierungsquelle des Mittelstandes ihre Kreditvergabe unter anderem aufgrund vermehrter Insolvenzen und im Zuge von Basel II restriktiv eingeschränkt haben. In dieser Situation müssen die kleineren und mittleren Unternehmen eine neue Kultur der Unternehmensfinanzierung entwickeln. Weg von der einseitigen Ausrichtung auf Bankkredite und hin zu alternativen Formen der Unternehmensfinanzierung. Dabei dürfen sich die Unternehmen besonders den zahlreichen Finanzierungsformen des Kapitalmarktes gegenüber nicht verschließen. Die aktuelle Entwicklung sowohl am deutschen als auch am europäischen Kapitalmarkt, insbesondere den Wertpapierbörsen zeigt, dass nach einer Flaute der Neuemissionen in den letzten Jahren neues Potential für die Börseneinführung eines Unternehmens besteht. So gibt es alleine an den deutschen Börsenplätzen mittlerweile drei neue Handelssegmente, die nach eigenen Aussagen der Börsen speziell für kleinere und mittlere Betriebe konzipiert seien. Darüber hinaus existieren mit dem AIM an der Londoner Börse und dem Handelssegment Alternext der Börsenvereinigung Euronext zwei Kandidaten für eine ausländische Notierung mittelständischer Unternehmen.
Ziel der hier vorliegenden Arbeit ist es, das Going Public, also die Börseneinführung eines Unternehmens als eine alternative Form der Finanzierungsmöglichkeit für einen Mittelständler vorzustellen und dabei die wesentlichen Schritte im Prozess der Emission nach dem Kenntnisstand der Literatur konstruktiv kritisch zu beschreiben. In diesem Zusammenhang werden zusätzlich die zuvor erwähnten neuen Börsensegmente kritisch auf ihre mögliche Eignung für die Platzierung der Aktien eines mittelständischen Unternehmens überprüft.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Arbeit
2 ENTWICKLUNGEN UND ABGRENZUNGEN
2.1 Going Public
2.2 Deutscher Mittelstand
2.2.1 Begriffliche Abgrenzung
2.2.1.1 Nach quantitativen und qualitativen Kriterien
2.2.1.2 Abgrenzung in der vorliegenden Arbeit
2.2.2 Unternehmensfinanzierung im Wandel
2.2.2.1 Probleme der traditionellen Finanzierung
2.2.2.2 Basel II und die Folgen
2.3 Kapitalmarkt
2.3.1 Definition und begriffliche Abgrenzung
2.3.2 Börsenmarkt im Wandel
3 MITTELSTANDSSPEZIFISCHE BÖRSENSEGMENTE
3.1 Segmente an inländischen Börsenplätzen
3.1.1 Freiverkehr der FWB
3.1.1.1 Anforderungen und Folgepflichten
3.1.1.2 Beurteilung
3.1.2 Entry Standard der FWB
3.1.2.1 Anforderungen und Folgepflichten
3.1.2.2 Beurteilung
3.1.3 Gate-M der Stuttgarter Wertpapierbörse
3.1.3.1 Anforderungen und Folgepflichten
3.1.3.2 Beurteilung
3.1.4 M:access der Münchner Wertpapierbörse
3.1.4.1 Anforderungen und Folgepflichten
3.1.4.2 Beurteilung
3.2 Segmente an ausländischen Börsenplätzen
3.2.1 Alternative Investment Market der LSE
3.2.1.1 Anforderungen und Folgepflichten
3.2.1.2 Beurteilung
3.2.2 Alternext der Wertpapierbörsenvereinigung Euronext
3.2.2.1 Anforderungen und Folgepflichten
3.2.2.2 Beurteilung
3.3 Kritische Würdigung
4 GOING PUBLIC – ANFORDERUNGEN UND MÖGLICHKEITEN
4.1 Überblick und Abgrenzung
4.2 Planungsphase
4.2.1 Vor- und Nachteile einer Börsennotierung
4.2.2 Börsenreife des Unternehmens
4.2.2.1 Wirtschaftliche
4.2.2.2 Rechtliche
4.2.3 Kalkulierung der Emissionskosten
4.2.4 Auswahl der Emissionsbegleiter
4.3 Strukturierungsphase
4.3.1 Due Diligence
4.3.2 Equity Story
4.3.3 Unternehmensbewertung
4.3.4 Wertpapierverkaufsprospekt
4.4 Platzierungsphase
4.4.1 Bestimmung der Investorengruppen
4.4.2 Aktienmarketing
4.4.3 Bookbuilding und Erstnotierung
4.5 Nach dem Börsengang
4.5.1 Kursstabilisierung und Greenshoe
4.5.2 Investor Relations
4.6 Kritische Würdigung
5 FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Going Public als alternative Finanzierungsform für mittelständische Unternehmen zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Analyse des Emissionsprozesses sowie die kritische Prüfung spezifischer Börsensegmente, die für eine Notierung mittelständischer Unternehmen geeignet sind.
- Finanzierungsprobleme des deutschen Mittelstands und Alternativen zum klassischen Bankkredit
- Kritische Analyse spezialisierter Börsensegmente in Deutschland und im Ausland
- Phasenmodell des Going Public: Planung, Strukturierung, Platzierung und Nachbereitung
- Anforderungen und Kostenfaktoren bei der Börseneinführung
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Vor- und Nachteile einer Börsennotierung
In diesem Abschnitt werden die in der Fachliteratur durchweg am häufigsten genannten Vor- und Nachteile getrennt aufgeführt und erläutert. So sind für ein Unternehmen folgende Vorteile mit einem Going Public verbunden:
Verbesserte Bedingungen für die Unternehmensfinanzierung: Die Ausgabe neuer Aktien eines Unternehmens bei seinem Börsengang erhöht dauerhaft dessen Eigenkapitalbasis und sichert ihm damit seine Eigenständigkeit und die Option auf weitere Finanzierungen über den Kapitalmarkt. Bei solchen Emissionen erhält das Unternehmen einmalige Erlöse durch den Aktienverkauf in Millionenhöhe. Außerdem steht das erhaltene Eigenkapital der Aktiengesellschaft im Gegensatz z.B. zu einer Personengesellschaft dauerhaft zur Verfügung und kann nur durch Beschluss der Hauptversammlung verringert werden.
Neben der weiteren Beschaffung von Eigenkapital durch erneute Kapitalerhöhungen und Ausgabe neuer Aktien, stehen einem börsennotierten Unternehmen auch weitere, interessante Finanzierungsinstrumente des Kapitalmarktes offen, die für nicht-börsennotierten Gesellschaften oftmals nicht zugänglich sind. Diesen fehlt entweder die rechtliche Grundlage oder sie besitzen nicht den durch eine Notierung erreichten Bekanntheitsgrad, um ein benötigtes Volumen erfolgreich zu platzieren.
Des Weiteren kann das erhaltene Eigenkapital zur Finanzierung von Tätigkeitsfeldern mit erhöhtem Risiko für Fehlinvestitionen, wie z.B. dem der Forschung und Entwicklung, eingesetzt werden, da hier oftmals Banken den Unternehmen aufgrund des unrentablen Charakters die entsprechenden Kredite nicht gewähren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Finanzierungsproblematik des Mittelstands, definiert das Ziel der Arbeit und skizziert den methodischen Gang durch die Untersuchung.
2 ENTWICKLUNGEN UND ABGRENZUNGEN: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Going Public, Mittelstand und Kapitalmarkt und beleuchtet die veränderten Finanzierungsrahmenbedingungen durch Entwicklungen wie Basel II.
3 MITTELSTANDSSPEZIFISCHE BÖRSENSEGMENTE: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse in- und ausländischer Börsensegmente sowie deren Eignung für die Emission mittelständischer Unternehmen.
4 GOING PUBLIC – ANFORDERUNGEN UND MÖGLICHKEITEN: Dieses Kapitel strukturiert den Börsengang in vier Phasen und erläutert detailliert die Anforderungen, Kalkulationsgrundlagen und operativen Schritte.
5 FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Chancen und Herausforderungen für den Mittelstand beim Gang an den Kapitalmarkt.
Schlüsselwörter
Going Public, Mittelstand, Kapitalmarkt, Börsensegmente, Eigenkapital, Emissionsprozess, Börsenreife, Due Diligence, Equity Story, Unternehmensbewertung, Wertpapierverkaufsprospekt, Platzierung, Bookbuilding, Basel II, Finanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und den Prozess der Börseneinführung (Going Public) speziell für deutsche mittelständische Unternehmen als alternative Finanzierungsquelle.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Eigenkapitalfinanzierung des Mittelstands, die rechtlichen und wirtschaftlichen Anforderungen an eine Börsennotierung sowie die Analyse spezieller Börsensegmente.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Emissionsprozess theoretisch aufzuarbeiten und die Eignung neuer Handelssegmente für den Mittelstand kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, um den Kenntnisstand zu bewerten, und ergänzt dies durch eine konstruktiv kritische Analyse aktueller Börsensegmente und regulatorischer Anforderungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt zum einen die Abgrenzung und Entwicklung des deutschen Mittelstands sowie zum anderen die konkreten Phasen eines Börsengangs von der Planung bis zur Nachbetreuung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Going Public sind Begriffe wie Mittelstand, Kapitalmarkt, Eigenkapitalquote und die spezifischen Handelssegmente wie Entry Standard oder M:access zentral.
Wie bewertet der Autor den Einfluss von Basel II?
Der Autor sieht in Basel II einen wesentlichen Treiber für den Druck auf den Mittelstand, sich von der klassischen, bankbasierten Fremdkapitalfinanzierung zu lösen und alternative Wege wie den Kapitalmarkt zu erschließen.
Warum ist das Segment „Freiverkehr“ laut Autor nur bedingt geeignet?
Obwohl der Freiverkehr geringere Publizitätspflichten bietet, führt die damit verbundene fehlende Transparenz zu mangelndem Vertrauen bei Investoren, was die für eine gute Liquidität notwendige Attraktivität schmälert.
- Quote paper
- Markus Jansen (Author), 2006, Going Public. Zur Finanzierung deutscher mittelständischer Unternehmen unter besonderer Berücksichtigung geeigneter Börsensegmente am in- und ausländischen Kapitalmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53615