Dargestellt wird die Entwicklung der Februarrevolution und die jeweiligen Reaktionen des Zaren auf diese. Gearbeitet wurde größtenteils mit Nachrichten des Zaren an die führenden Befehlshaber in Petrograd (St. Petersburg).
Die hier vorliegende Arbeit untersucht die Fragestellung, in wie weit der Zar Nikolaj II. verantwortlich für den Februarrevolution 1917 war.
Im Kapitel „Prolog der Revolution“ wird zunächst ein kurzer Überblick zur politischen und ökonomischen Situation des russischen Reiches vor Ausbruch der Februarrevolution gegeben. An dieser Stelle lässt es sich nicht vermeiden, Entwicklungen von Problemen aufzuzeigen, damit die Zusammenhänge deutlich gemacht werden können. Ziel ist es die Gründe herauszuarbeiten, die zur Februarrevolution geführt haben.
Im darauffolgenden Kapitel wird der Verlauf der Revolution, ausschließlich in Petrograd, betrachtet, da die Situation in Petrograd entscheidend für den Sieg der Revolution war. Dabei werden entscheidende Schritte, die für den Sieg der Revolution verantwortlich waren, benannt. Es soll zudem dargestellt, in wie weit sich der Verlauf der Ereignisse von dem unterschied, was dem Zaren berichtet wurde. Dazu werden Berichte über die Februarrevolution aus der Sekundärliteratur mit Telegrammen führender Politikern und Militärs genutzt, die Nikolaj von den Ereignissen berichten. Es gibt eine Vielzahl von Quellen, die für die Untersuchung dieses Themas herangezogen werden können. Dennoch beschränkt sich diese Arbeit darauf, eine kleine Zahl der Telegramme detaillierter zu untersuchen. Die weiteren genutzten Quellen dienen nur dazu, die Vorgänge in Petrograd darzustellen.
Anhand dieses Vergleiches, sowie ausgewählter Literatur wird im anschließenden Kapitel diskutiert, in wie weit Nikolajs Handeln den Ausgang der Revolution bestimmt hat. Der Betrachtungszeitraum endet mit der Abdankung des Zaren. Die Abdankungsurkunde wird dabei keine Rolle spielen. Stattdessen soll aufgezeigt werden, wie sich die Ereignisse bis zu diesem Zeitpunkt entwickelten. Die Datumsangaben in dieser Arbeit richten sich nach dem julianischen Kalender.
Das Thema ist von wissenschaftlicher Relevanz, da die Februarrevolution das Ende der 300 jährigen Dynastie des Hauses Romanov und der zaristischen Herrschaft nach sich zieht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Prolog der Revolution
3. Ablauf der Revolution
4. Anteil des Zaren am Erfolg der Revolution
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Fragestellung, in welchem Ausmaß Zar Nikolaj II. für den Ausbruch und den Verlauf der Februarrevolution 1917 sowie den damit verbundenen Zusammenbruch der Zarenherrschaft verantwortlich war.
- Politische und ökonomische Ausgangslage des Russischen Reiches vor 1917
- Chronologischer Ablauf der revolutionären Ereignisse in Petrograd
- Analyse der Kommunikation und Telegrammkorrespondenz zwischen dem Zaren und den Akteuren vor Ort
- Rolle des Militärs und der Duma als treibende Kräfte des Umsturzes
- Bewertung der persönlichen Verantwortung des Zaren angesichts mangelnder Kompromissbereitschaft
Auszug aus dem Buch
3. Ablauf der Revolution
In der Geschichtsschreibung ist der Beginn der Februarrevolution der 23. Februar, der internationale Frauentag. Sowohl der englische Historiker Steven A. Smith, als auch Martin Aust geben diesem Datum eine besondere Bedeutung. An diesem Tag fanden sich vor allem Hausfrauen und Textilarbeiter der Putilov-Werke, dem bedeutendsten Rüstungsunternehmen der Hauptstadt, im Petrograder Stadtteil Vyborg zusammen, um gegen die Probleme in der Lebensmittelversorgung zu demonstrieren. Auch wenn Organe der Bol’ševiki diesem Tag zu Demonstrationen aufgerufen haben, wird davon ausgegangen, dass es sich um spontane Demonstrationen gehandelt hat.
Dennoch sollte angemerkt werden, dass Arbeiter aus den Putilov-Werken bereits am vorigen Tag gestreikt haben. Die Demonstrationen waren also keine Ausnahmesituation, wie bereits im vorherigen Kapitel beschrieben.
Da den Demonstranten nicht Einhalt geboten wurde, vervielfachte sich ihre Zahl schnell. In Petrograd waren am 24. Februar laut Smith 200.000 Menschen auf den Straßen, und zu den Forderungen nach Brot und dem Ende des Krieges kamen immer mehr Stimmen, die das Ende der zaristischen Regierung und ähnliche radikale Forderungen stellten.
Eine Einheit der Kosaken, die bei der Revolution 1905 noch jeden Widerstand blutig niedergeschlagen hatten, unterließ es an diesem Tag, die Demonstranten zu verjagen, und griff nicht entscheidend ein, was die Zuversicht der Bevölkerung nur noch verstärkte.
Der Zar befand sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Petrograd, sondern war auf dem Weg zur Front, um seinen Aufgaben als oberster Befehlshaber des Heeres nachzugehen. In Folge dessen fiel es der Reichsregierung zu, das entstandene Problem zu lösen. Den Vorsitz hatte der Präsident des Ministerrates, Nikolaj Golicyn, der erst kurz zuvor vom Zaren ernannt wurde und somit sehr unerfahren in politischen Angelegenheiten war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsziel, die Rolle des Zaren Nikolaj II. während der Februarrevolution zu bewerten, und erläutert die methodische Vorgehensweise anhand von Quellenvergleichen.
2. Prolog der Revolution: Dieses Kapitel skizziert die sozioökonomischen Krisen, die durch den Ersten Weltkrieg verschärft wurden und den Nährboden für die wachsende Unzufriedenheit und Streikbewegung bildeten.
3. Ablauf der Revolution: Der Hauptteil beschreibt die Eskalation der Ereignisse in Petrograd vom 23. bis zum 27. Februar und analysiert die fehlgeleitete Kommunikation zwischen dem Zaren und seiner Regierung.
4. Anteil des Zaren am Erfolg der Revolution: Dieser Abschnitt wertet das Handeln des Zaren aus, wobei insbesondere seine mangelnde Reformbereitschaft und der fatale Schießbefehl als Mitursachen für das Scheitern der Monarchie identifiziert werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Februarrevolution durch ein Zusammenspiel aus strukturellen Problemen und dem persönlichen Versagen Nikolajs II. erst ermöglicht wurde.
Schlüsselwörter
Februarrevolution, Nikolaj II., Russisches Reich, Romanov, Petrograd, Duma, Erster Weltkrieg, Generalstreik, Abdankung, Autokratie, Revolutionsgeschichte, Telegrammkorrespondenz, sozioökonomischer Wandel, Machtverlust, Provisorisches Komitee
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Verantwortung des russischen Zaren Nikolaj II. für das Ausbrechen und den Erfolg der Februarrevolution im Jahr 1917.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die politische und soziale Lage des Zarenreiches während des Ersten Weltkriegs, die Dynamik der Streikbewegung in Petrograd und die politischen Fehlentscheidungen des Zaren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, inwiefern persönliches Handeln oder Unterlassen des Zaren, wie etwa die Weigerung zu Reformen oder die unzureichende Reaktion auf die Aufstände, zum Zusammenbruch der 300-jährigen Romanov-Dynastie beigetragen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die auf der Auswertung von Sekundärliteratur und dem Vergleich zeitgenössischer Telegrammkorrespondenz zwischen den Akteuren basiert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf den chronologischen Verlauf der Revolution in Petrograd sowie die Analyse der Kommunikation zwischen dem Zaren, seinen Ministern und dem Militär während der kritischen Februartage.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Februarrevolution, Nikolaj II., Duma, Abdankung, Petrograd und der sozioökonomische Wandel des Russischen Reiches.
Warum spielt die Kommunikation per Telegramm in der Analyse eine so große Rolle?
Die Telegramme dienen als Beleg dafür, dass der Zar von seinen Untergebenen nur unzureichend oder verharmlosend über das tatsächliche Ausmaß der Revolution informiert wurde, was seine falschen Entscheidungen maßgeblich beeinflusste.
Inwiefern beeinflusste das Verhalten des Militärs den Ausgang der Revolution?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Ungehorsam vieler Soldaten, die sich statt des Schießens auf die Demonstranten auf die Seite der Revolution stellten, sowie die spätere Haltung der Militäreliten, den Zaren zum Rücktritt zu bewegen, entscheidend für den Umsturz waren.
- Arbeit zitieren
- Simon Heinemann (Autor:in), 2018, Nikolaj II.: Die Rolle des Zaren während der Februarrevolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536220