Diese Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung der Qi-Übungen (Yangsheng) von der Frühzeit (Shang) bis zur späten Han-Dynastie. Zunächst erfolgt über eine Definition und Erläuterung der für das Verständnis der Thematik relevanten Fachbegriffe wie: qi, jing, shen, sheng, yangsheng und shou eine Einführung in die Themenstellung. Ausgehend von den Begriffen 'Langlebigkeit' und gar 'Unsterblichkeit' wird auf die seinerzeit noch vorherrschende Ahnenheilkunde, gefolgt vom Dämonenglauben eingegangen. In diesem Kontext wird auf die 'Schamanen' (wu), 'Meister der Techniken' (fangshi) eingegangen.
Es folgt eine Beschreibung der mutmaßlich ältesten therapeutischen Bewegungen - zunächst in der Regel noch als 'Ritualtänze', gefolgt von den ersten Qi- und Atemübungen. Mit der Beschreibung der 'Neijing tu, der Karte der inneren Struktur des Menschen' und Erwähnung 'Des göttliche Landmanns' für die Kräuterheilkunde betreten wir das Feld der frühen (Kräuter-) Heilkunde. Hierzu gehört eine umfangreiche Schilderung und Bewertung Mawangdui-Funde, wie auch des 'Innere Klassiker des Gelben Ahnherrn' (Huangdi neijing).
Sehr ausführlich wird auf die Entwicklung des 'Tanzes/Spiels der 5 Tiere' und die spannende aber auch durchaus widersprüchliche Lebensgeschichte Hua T’uos, gefolgt von einer ersten Erwähnung der '8 Brokatübungen' eingegangen. Und unter der Überschrift 'Von der Zauberei zur Wissenschaft' - Auf die 'Wu' folgen die 'Ärzte' soll schon ein kleiner Blick in die historische Zukunft gewagt werden. Abschließend wird das Thema 'piancha', die sogenannten 'unerwünschte Effekte' aufgegriffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung, Struktur
2 Geschichtliche Entwicklung der Lebenspflege
2.1 „Lebenspflege“ (Yangsheng 養生)- Begriff und hist. Entwicklung
2.1.1 Die Begriffe: qi, jing und shen
2.1.2 Die Begriffe: Leben „sheng“ und „Lebenspflege“ (Yangsheng)
2.1.3 Ahnenkult, „Schamanen“ (wu), „Meister der Techniken“ (fangshi)
2.1.4 Langlebigkeit und die Suche nach Unsterblichkeit „shou“
2.1.5 Älteste Therapeut. Bewegung - Legendäre Frühzeit - Shang -Dynastie
2.1.6 Ältesten Beschreibung einer Qi-Übung „Jadeinschrift [ … ]"
2.1.7 Erste Qi-Übungen - Atemübungen in Verbindung von Tiermimikry
2.1.8 (Neijing tu) Karte der inneren Struktur des Menschen - Späte Zhou Dyn.
2.1.9 „Der göttliche Landmann“ - „Anfänge der Kräuterheilkunde“
2.1.10 Mawangdui-Grab Nr. 3 - Han (206 v.d.Z. -220 n.d.Z) Dynastie
2.1.11 (Huangdi neijing) „Innere Klassiker des Gelben Ahnherrn“
2.1.12 Das „Spiel der 5 Tiere“ und/oder „Tanz der Tiere“ - „Hua T’uo“
2.1.13 Erste frühe Erwähnungen der 8 Brokate - Jin-Dynastie (265-420 n.d.Z.)
2.1.14 Von der Zauberei zur Wissenschaft - Auf die „Wu“ folgen die „Ärzte“
2.2 „piancha sogen. „unerwünschte Effekte“ - Ming- und Qing-Dyn.
3 Qi-Übungen: Fazit, Würdigung und perspektivischer Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung von Qi-Übungen zur Lebenspflege (Yangsheng) in China von der Frühzeit bis zur späten Han-Dynastie, um die Grundlagen und den Wandel dieser Praktiken im Kontext der chinesischen Kultur und Medizin darzustellen.
- Historische Wurzeln und Einflüsse des Schamanismus und Ahnenkults auf die Lebenspflege.
- Die Entwicklung von Atemübungen und therapeutischen Bewegungsformen (Daoyin) in der Frühzeit.
- Die Bedeutung der Mawangdui-Funde für das Verständnis der frühen medizinischen Praxis.
- Die Rolle der Konzepte Langlebigkeit und Unsterblichkeit im daoistischen Kontext und deren Einfluss auf die körperliche Kultivierung.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die Begriffe: qi, jing und shen
Einführend zunächst ein paar Wort zu dem „Begriff qi“: Außer dem „primären“ und undifferenzierten qi und dem durch Yin und Yang geprägten Qi, existieren noch viele andere Beschaffenheiten von qi. U.a. dies stellt einen wichtigen Unterschied zu unserem (westlichen) Verständnis von Energie dar; qi impliziert in einer gestalteten Welt stets eine qualitative Prägung der Energie und ist von determinierbarer Beschaffenheit.
Von daher definiert M. Porkert das qi auch als „konstellierte (mithin qualitativ gerichtete, in eine Struktur gefasste) Energie bzw. energetische Konstellation“.
Mag man den Begriff „Geist" als Übersetzung bzw. Übertragung für die chinesische Vorstellung von „shen“, wie sie im Rahmen von Qi-Übungen und des Yangsheng sehr häufig genutzt wird, nehmen, kann es sinnvoll sein, einen neuen Bezug unserer altbekannten Auffassung von „Geist“ zu finden. Die nachfolgend erläuterten Punkte sollten die dabei notwendige Beachtung finden:
„Shen als kosmisches alles umfassendes und hervorbringendes Prinzip: Es allerdings mit dem „kollektiven Unbewussten“ gleichzusetzen - wie bei Maciocia - mag uns zwar eine gewisse psychologische Herangehensweise ermöglichen, berücksichtigt jedoch nicht den jingshen Gedanken in gebührender Form. Denn in seinem kosmischen Aspekt hat shen im Lebenswerdungs- und Wandlungsprozess, neben Essenz jing und qi, einen wesentlichen Anteil. Shen ist, so M. Porkert, reine Aktion, die der Wirkkraft „ling“ bedarf, um sich manifestieren zu können.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung, Struktur: Einführung in das Thema, Erläuterung der Motivation des Autors, Eingrenzung des behandelten Zeitraums und Vorstellung der Struktur der Arbeit.
2 Geschichtliche Entwicklung der Lebenspflege: Detaillierte Darstellung der historischen Ursprünge der Lebenspflege-Praktiken, beginnend bei den Wurzeln im Schamanismus über die Entwicklung von Bewegungsformen bis hin zur theoretischen Fundierung durch klassische Texte.
3 Qi-Übungen: Fazit, Würdigung und perspektivischer Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und kritische Reflexion des historischen Weges sowie Ausblick auf die Bedeutung der Tradition für die Gegenwart.
Schlüsselwörter
Qigong, Yangsheng, Lebenspflege, China, Frühzeit, Han-Dynastie, Schamanismus, Daoyin, Qi, Jing, Shen, Unsterblichkeit, Langlebigkeit, TCM, Hua Tuo, 8 Brokate, Spiel der 5 Tiere.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Abschlussarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung von Qi-Übungen und den Praktiken zur Lebenspflege in China von der Frühzeit (Shang-Dynastie) bis zur späten Han-Dynastie.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Zentrale Themen sind die Ursprünge der Lebenspflege im Schamanismus, die Entwicklung von Atem- und Bewegungsübungen, das Konzept der Langlebigkeit und Unsterblichkeit sowie die Entstehung der chinesischen Medizin und ihrer Klassiker.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die historischen Entwicklungsstufen von Yangsheng nachzuvollziehen und die Praktiken in ihrem ursprünglichen gesellschaftlichen und spirituellen Kontext zu verorten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Literaturrecherche, die Einbeziehung archäologischer Funde (wie der Mawangdui-Manuskripte) und die Analyse klassischer chinesischer Texte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung grundlegender Begriffe, die Rolle von Schamanen und Rezeptkundigen, die Beschreibung archaischer Bewegungsformen sowie die Darstellung der theoretischen Fundierung in Texten wie dem „Huangdi neijing“.
Welche Begriffe sind für das Verständnis der Arbeit essentiell?
Wichtige Fachbegriffe sind insbesondere Qi, Jing, Shen, Yangsheng (Lebenspflege), Daoyin (Leiten und Dehnen), sowie die Konzepte von Yin und Yang.
Welche Bedeutung kommt den Mawangdui-Funden zu?
Die Mawangdui-Funde liefern konkrete Belege für frühe therapeutische Übungen und bieten einen direkten Einblick in die medizinische Theorie und Praxis der frühen Han-Zeit.
Welche Rolle spielt Hua T'uo in der Arbeit?
Hua T'uo wird als eine herausragende Persönlichkeit der späten Han-Zeit gewürdigt, dem die Entwicklung des „Spiels der 5 Tiere“ zugeschrieben wird, was einen Meilenstein für die Geschichte der Qigong-Übungen darstellt.
Wie werden „unerwünschte Effekte“ (Piancha) in der Arbeit bewertet?
Der Autor weist auf die Wichtigkeit hin, Fehler und Risiken beim Üben zu erkennen, erläutert deren Ursachen und unterstreicht die Notwendigkeit von Natürlichkeit und Ausgewogenheit beim Praktizieren.
- Quote paper
- Jochen Rahn (Author), 2020, Die historische Entwicklung der Qi-Übungen (Yangsheng). Von der Frühzeit (Shang) bis zur späten Han-Dynastie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536282