Die Einflüsse von Aufklärung und liberaler Wirtschaftstheorie auf die preußische Wirtschaftspolitik zwischen 1806 und 1818


Seminararbeit, 2010

29 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

A. Geistesgeschichtliche Grundlagen: Aufklarung in PreuBen
I. Aufklarung
1. Entwicklung und Grundlagen der Aufklarung
2. Die Sprache und das Menschenbild der Aufklarung
II. Der Aufklarungsdiskurs
1. Der offentlich-publizistische Diskurs
1.1 Zeitschriftenpublizistik
1.2 Buchpublizistik nach Auflagenzahlen und Sektoren
1.3 Die publizistische Politisierung der Wissenschaft
2. Der akademisch-universitare Diskurs: Adam Smith in Deutschland

B. Die preuBische Wirtschaft am Anfang des 19. Jahrhunderts
I. Wirtschaftstheoretische Grundlagen: Der Merkantilismus und die Freihandelstheorie
1. Colbertismus, Physiokratismus, Liberalismus
2. Die wirtschaftsliberale Theorie in PreuBen
II. Die Wirtschaftsverhaltnisse in Europa zu Beginn des 19. Jahrhunderts
1. England
2. Frankreich
3. Deutschland
III. PreuBen
1. Die Wirtschaftsreformen
1.1 Die Bauernbefreiung
1.2 Die Steuer- und Zollreform
1.3 Die Gewerbereform
2. Die wirtschaftlichen Verhaltnisse
2.1 Die agrarischen Provinzen im Osten
2.2 Die halbindustriellen Provinzen Sachsen und Schlesien
3. Das Fallbeispiel Schlesien

SchluB

Quellen- und Literaturverzeichnis
Quellen
Literatur

Einleitung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Zusammenhange zwischen den geistigen Einflussen der Aufklarung und der wirtschaftsliberalen Theorie auf deren Anwendung innerhalb der PreuBischen Wirtschaftsreformen in der Zeit von der Niederlage PreuBens gegen Frankreich bei Jena-Auerstedt 1806 bis zum ErlaB des Zollgesetzes von 1818 zu untersuchen. Beide Teile sind systematisch angelegt und sollen die Situation PreuBens jeweils im Kontext seiner machtigsten Nachbarn Frankreich und England darstellen. Der erste Teil betrachtet die Entstehung der europaischen Aufklarung und ihre Hauptpostulate, dann ihre besondere Erscheinungsform in PreuBen, den offentlich-publizistischen Diskurs und den akademisch- universitaren Diskurs. Im zweiten Teil werden die wirtschaftlichen und wirtschaftstheoretischen Verhaltnisse PreuBens in den Kontext seiner Nachbarn Frankreich und England eingebettet, sodann die wirtschaftspolitischen MaBnahmen der PreuBischen Reformen beleuchtet und am Beispiel Schlesiens exemplarisch gezeigt, wo die Probleme bei der Umsetzung der Reformen lagen.

A. Geistesgeschichtliche Grundlagen: Aufklarung in PreuBen

I. Aufklarung

1. Entwicklung und Grundlagen der Aufklarung

Die Aufklarung als geistesgeschichtliches Phanomen mit all ihren Grundlagen und Postulaten zu erfassen, ist im Rahmen dieser Hausarbeit nicht moglich.1 2 Die allgemeinen Grundlagen seien exemplarisch umrissen, es seien die fur den im zweiten Teil behandelten Untersuchungsgegenstand relevanten Postulate skizziert, d. h. diejenigen, fur die ein direkter EinfluB auf die wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Entwicklung nachweisbar ist.

Der Ausgangspunkt der europaischen Aufklarung war die in naturwissenschaftliche 2 und philosophische Praxis und ihre Denkweise, ausgehend von England im 17. Jh. Die erste systematische Beschreibung dieser Praxis und die Anwendung ihrer Denkweise auf die ubrigen menschlichen Wissensgebiete wurde von den „Enzyklopadisten“ in der erstmals 1751 veroffentlichten Encyclopedie ou Dictionnaire raisonnee des Sciences, des Arts et des Metiers ins Werk gesetzt. Die Verfasser der einzelnen Artikel waren entweder Fachleute auf ihrem Gebiet oder - fur den GroBteil der Artikel - hommes des lettres. Beispielhaft fur deren Betatigungsfelder konnen die Herausgeber der Encyclopedie stehen: Denis DIDEROT, Schriftsteller und Hobbynaturwissenschaftler, und Jean le Rond d'ALEMBERT, Mathematiker und Philosoph. Bei D'ALEMBERT, der sich offenbar seiner Zeit als einer Umbruchszeit bewuBt war, findet sich das neue Denken im Discours Preliminaire, den er der Encyclopedie vorangestellt hatte, bereits voll entwickelt. Nach einer Darlegung der Mathematik und Physik als Grundlagendisziplinen des „esprit systematique“, des wissenschaftlichen Denkens, halt er inne:

“Arretons-nous un moment ici, et jetons les yeux sur l'espace que nous venons de parcourir. Nous y remarquerons deux limites ou se trouvent, pour ainsi dire, concentrees presque toutes les connaissances certaines accordees a nos lumieres naturelles. L'une de ces limites, celle d'ou nous sommes partis, est l'idee de nous-memes, qui conduit a celle de l'Etre toutpuissant et de nos principaux devoirs. L'autre est cette partie des mathematiques qui a pour objet les proprietes generales des corps, de l'etendue et de la grandeur.”3 4

Die zwei Grenzen, die die „lumieres naturelles“, d. i. die Vernunft, abstecken, sind die des menschlichen BewuBtseins und die der Mathematik, die der Vernunft die Denkgesetze vorgibt. Der wissenschaftliche Geist will die Erscheinungen der Welt vermittels Denkprozessen in eine systematische Reprasentation des Reellen bringen. Er ist das Gegenteil des autoritaren Geistes. Das vernunftige Denken, das den Gesetzen der Mathematik und den auf ihr beruhenden formalen Wissenschaften folgt, wurde nun auch auf andere Wissensbereiche ubertragen. Aus ihnen entwickelten die Aufklarer ihre wichtigsten Postulate:

- die anthropologischen Implikationen der Naturrechtstheorie in der Pragung Jean Jacques ROUSSEAUs, gemaB der der Mensch von Natur aus gut ist und gemaB der die Ungleichheit eine Folge der „Kultur“ ist -als Gegenbegriff zur „Natur“5 ;
- religiose Toleranz in der Pragung Gottlob Ephraim LESSINGs;
- die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz und
- die wirtschaftliche und politische Freiheit des Individuums als eine Folge der Naturrechtstheorie in der Pragung der Erklarung der Menschen- und Burgerrechte von 1789;6
- die politische Gewaltenteilung in der Pragung John LOCKEs und Charles-Louis de Secondat de MONTESQUIEUs.7 8

2. Die Sprache und das Menschenbild der Aufklarung

Den Grundgedanken der preuBischen Aufklarung formulierte der wohl einfluBreichste deutsche Aufklarer, der Konigsberger Philosoph Immanuel KANT. Er stand am Ende einer Entwicklung, die gepragt war vom erkenntnistheoretischen Streit der Naturwissenschaftler und Philosophen, mit welcher Methode die Welt qua Verstand adaquat zu beschreiben sei: die Empiristen schlossen vermittels Beobachtung und Experiment - also strukturell induktiv - auf die Realitat, die Rationalisten vermittels der Sprache der Mathematik und ihrer Anwendung 8 auf die Physik. In der Folge dieser naturwissenschaftlichen Auseinandersetzung konnte KANT die Verstandesbegabung als differentia specifica der Gattung Mensch definieren.

So faBte er mit seiner bekanntesten Definition des Begriffs „Aufklarung“ auch die Epoche zusammen, als er dem Pfarrer Johann Friedrich ZOLLNER auf dessen Frage, was denn eigentlich Aufklarung sei, in der Berlinischen Monatsschrift in der Dezemberausgabe von 1783 antwortete:

„Aufklarung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmundigkeit. Unmundigkeit ist das Unvermogen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmundigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der EntschlieBung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“9

„Leitung eines anderen“ ist im historischen Jargon aquivalent zu „Leitung durch Autoritat und Tradition“. Alle Tradition und Autoritat ist am MaBstab des eigenen Verstandes zu messen, nicht an dem der Autoritat oder Tradition selbst.10 Wegbereiter fur dieses Menschenbild11 12 waren die Naturwissenschaften und formalen Wissenschaften Mathematik und Logik.

Da sich jede Erkenntnis sprachlich vollzieht, ist das Medium der Aufklarung eine vernunftige Sprache, d. h. eine Sprache, die sich auf erfahr- und beobachtbares bezieht, die auf die AuBenwelt paBt. Nun war bis ins 18. Jahrhundert die Sprache des Gelehrtendiskurses das Lateinische; sollte aber Wissenschaft und Bildung allgemeinzuganglich sein, stellte sich fur jede Nation die Frage nach dem Status der eigenen Muttersprache.

Zwei durchweg verschiedene Sprachentwicklungen lassen sich in Deutschland und in Frankreich beobachten.

In Frankreich gab die 1660 von Descartes-Schulern entwickelte Grammatik von Port Royal der franzosischen Sprachsicht Ausdruck, daB die sprachliche Struktur erstens die Struktur des Gedankens reprasentiert, zweitens aber die Struktur des Beobachtbaren reprasentieren soll; sie war eine normative Grammatik zum richtigen Sprechen und Denken, wie schon der vollstandige Titel verrat: Grammaire generale et raisonnee contenant les fondemens de l'art de parler, expliques d'une maniere claire et naturelle.

PreuBen hatte sich nun nicht allein mit dem Sprachproblem auseinanderzusetzen, das Lateinische ins Deutsche zu ubertragen, sondern war zugleich stark vom Franzosischen beeinfluBt; die zwei Sprachen, die das europaische Geistesleben der Aufklarung dominierten, waren das Franzosische und das Lateinische: Seitdem der Hof des Sonnenkonigs das Vorbild fur die der ubrigen europaischen Fursten geworden war, wurde es auch seine Sprache. Das Franzosische war die Sprache des Hofs, der Salons und der gepflegten Kommunikation, teilweise auch der Wissenschaft: Friedrich II. war fur seine Frankophilie und die Geringschatzung der eigenen Sprache bekannt er sprach und schrieb besser franzosisch als deutsch.13

Exemplarisch fur den Diskurs uber den Status der deutschen Sprache zur Zeit Friedrichs II. kann der Diskurs uber die Rezeption des franzosischen und englischen Dramas in Deutschland stehen. Am Hof war die franzosische Klassik Richtschnur der eigenen Produktion gewesen. Seit der Ubersetzung Shakespeares durch Christoph Martin WIELAND war Shakespeare auch „in Deutschland heimisch“ geworden.14

Friedrich II. schrieb in seiner 1780 erschienen Schrift De la litterature allemande anlaBlich einer deutschen Shakespeare-Auffuhrung:

„Um sich zu uberzeugen, wie wenig Geschmack noch bis itzt in Deutschland herrsche, durfen Sie nur unsere offentlichen Schauspiele besuchen. Sie finden daselbst die abscheulichen Stucke von Shakespear aufgefuhrt, die man in unsere Sprache ubersetzt hat. [...] Sie [die Zuschauer] wollen lieber, daB man zu ihren Augen als zu ihrem Verstande rede, und sie ziehen ein bloBes Schauspiel dem vor, was das Herz ruhrt.“15

Indem Friedrich den Erfolg Shakespeares beim deutschen Publikum kritisiert, kritisiert er zugleich die Form der englischen Komodie im Gegensatz zur franzosischen.

Die Gegenposition vertrat der Osnabrucker Politiker und Schriftsteller Justus MOSER, der die Ursache dafur, warum Deutschland „so lange in der Kultur seiner Sprache und der schonen Wissenschaften uberhaupt zuruckgeblieben ist“, in genau der entgegengesetzten Richtung suchte: man habe sich von der romanisch-lateinischen Gelehrsamkeit erziehen lassen und daruber die Ausbildung einer eigenen Kultur vernachlassigt.16

Der Doyen des preuBischen Geisteslebens der Aufklarung Friedrich NICOLAI faBt die Positionen der Diskussion in den Briefen uber den itzigen Zustand der schonen Wissenschaften in Deutschland zusammen:

"Der ehrliche Mann, konte doch wohl recht haben, der behauptet hat, daB man den Charakter, und die Neigungen eines Volkes am besten aus seinen Schauspielen beurtheilen konne. Der Franzose ist in der Komodie, wie im gemeinen Leben, frei, scherzhaft, ungezwungen und fluchtig, [...] Der Englander ist in Westminster, und in Drurylane, wild, ungebunden im Lustigen, [...] ein Feind der Franzosen, und ein Sclave des Frauenzimmers: Ein Deutscher zeiget auch auf dem Theater, daB er ein Nachahmer und Uebersezzer ist [...]"17

NICOLAI sieht das Sprachproblem allerdings auch an das Hauptstadtproblem gebunden:

Wir vermissen, vielleicht nirgends so sehr, den Mangel einer Hauptstadt, deren Geschmakk der algemeine Geschmakk des ganzen Landes ist, und nach der sich der Geschmakk der ubrigen bildet [...]18

Die Ziele der deutschen Aufklarer - der literarischen, der philosophischen und der politischen - war eine publizistische Breitenwirkung. Voraussetzung dafur war ein KompromiB zwischen der Umgangssprache auch der weniger Gebildeten; und dem eigenen Anspruch an eine am klassischen asthetischen Ideal orientierten Ausdrucksweise bei den Dichtern hier, an eine am klassischen logischen Ideal orientierten bei den Philosophen dort: die Muttersprache bedurfte der Reinigung.19 20

Ein Wendepunkt innerhalb der Emanzipierung von den klassischen Sprachen Griechisch, Latein und Franzosisch waren die deutschen Publikationen des preuBischen Philosophen Christian WOLFF, der als groBter Systematiker seiner Zeit auf alle Gebiete - auch die Rechtswissenschaft - wirkte. Das trug dazu bei, daB das Deutsche zum Medium der sich entwickelnden Beamtenschaft wurde. Ein Zeichen fur die Emanzipation des Deutschen vom Lateinischen ist der Ruckgang der lateinischen Publikationen zwischen 1740 und 1800 von knapp 28% auf 4%.21 22 23 24

II. Der Aufklarungsdiskurs

1. Der offentlich-publizistische Diskurs

Friedrich SCHILLER laBt Karl Moor in den Raubern seine eigene Zeit als ein „tintenklecksendes Saeculum“ bezeichnen ; das laBt auf die allgemeine Publizistik als das Organ des offentlichen Aufklarungsdiskurses schlieBen. Johann Wolfgang GOETHE vertraute Zelter an, er wolle „keinen einzigen Vers geschrieben haben, wenn nicht tausend und abertausend die Produktion lasen“ ; das laBt auf die Haltung auch derjenigen schlieBen, die gemeinhin nicht als Vertreter einer Massenpublizistik gelten.

Das Zentrum des Aufklarungsdiskurses in PreuBen war Berlin, sowohl des innerpreuBischen Diskurses als auch der Rezeption desjenigen von auBerhalb. Der offentliche Aufklarungsdiskurs hatte hier zwei Hauptforen, die den Tragern der preuBischen Aufklarung korrespondierten: das Kabinett und die Beamtenbureaus am Berliner Hof und in den Provinzialbehorden und die „burgerlichen“ Clubs wie den Berliner Montagsclub und die Geheime Berliner Mittwochsgesellschaft. Deren offentliches Organ war die Publizistik.

1.1 Zeitschriftenpublizistik

Die Entwicklung der Zeitschriften wahrend der Regierungszeit Friedrichs II. zeigt eine immense Zunahme an offentlicher Gedankenverbreitung: die Zeitschriftentitel vermehrten sich in den funfzig Jahren zwischen 1740 und 1790 von 31 auf 111.

Es sei zunachst auf den publizistischen Aufklarungsdiskurs eingegangen. Er kann exemplarisch an einem der kommunikativsten Aufklarer dargestellt werden: dem Schriftsteller und Verleger Friedrich NICOLAI, der vor allem als Verleger von Rezensionszeitschriften zwischen 1759 und 1811 einen erheblichen EinfluB auf den offentlichen Diskurs in PreuBen ubte und der der Mittelpunkt der sog. „Berliner Aufklarung“25 26 27 28 29 30 war. Die unter NICOLAI publizierten Zeitschriften stehen stellvertretend fur den offentlichen literarischen Diskurs. Neben der Bibliothek der schonen Wissenschaften und der freyen Kunste und den Briefen, die neueste Literatur betreffend, verlegte er auch das einfluBreichste Rezensionsjournal, die Allgemeine Deutsche Bibliothek, deren Vorhaben es war, alle deutschsprachigen Neuerscheinungen einschlieBlich deutscher Ubersetzungen zu rezensieren und deren Redaktion zwischen 1765 und 1806 80000 Bucher rezensierte.

Die ADB war mit 1800 Auflagen am Ende des 18. Jahrhunderts nicht nur das einflussreichste Journal der preuBischen, sondern der allgemeindeutschen Aufklarung, gefolgt von Christoph Martin WIELANDs in Weimar zwischen 1773 und 1789 erscheinendem Teutschen Merkur mit 1500 Auflagen. Wahrend die ADB ein Forum fur den literarischen Diskurs reprasentierte, war die Berlinische Monatsschrift - sie erschien von 1783 bis 1796 - das Organ des offentlich-politischen und offentlich-wissenschaftlichen Diskurses: in ihr veroffentlichte Immanuel KANT als Antwort auf die Frage des Berliner Oberkonsistorialrats ZOLLNER seine Beantwortung der Frage: Was ist Aufklarung?

1.2 Buchpublizistik nach Auflagenzahlen und Sektoren

Betrachtet man die Auflagenzahlen und Neuerscheinungen in Deutschland: im Jahr 1783 3000 Neuerscheinungen und eine durchschnittliche Auflagenzahl von 600 Exemplaren , 32 ergabe sich eine Anzahl von 1,8 Mio. Buchern in diesem Jahr.

Vergleicht man die Entwicklung der Anteile der Buchveroffentlichungen nach Sektoren: die der theologischen, philosophischen und literarischen Veroffentlichungen zwischen 1725 und 1800 auf der einen, die der lateinischsprachigen und der deutschsprachigen auf der anderen Seite, zeigt sich eine starke Sakularisierung des Buchmarkts: es waren zugleich lateinischsprachige (1740: 28 %/ 1800: 4 %) und theologische Veroffentlichungen stark rucklaufig (1740: 40 %/ 1800: 6 %), die literarischen (1740: 4 %/ 1800: 27 %) und philosophischen Veroffentlichungen (1740: 23%/ 1800: 40%) stark wachsend.31 32 33 Damit nahmen philosophische und literarische Veroffentlichungen zwei Drittel des Buchmarkts ein. Gleichzeitig stieg der Anteil der praktischen Literatur: so z. B. die landwirtschaftlich- gewerbliche Literatur (von 1% auf 8 %) und die padagogische Literatur (0,5% auf 4%).

An der Entwicklung von Auflagenzahlen und Sektoren am Buchmarkt zeigt sich eine Entwicklung, die zugleich hinsichtlich des Genres weniger wissenschaftlich und religios, zugleich hinsichtlich der Sprache volkssprachlicher und allgemeinverstandlicher war und damit mehr und mehr zu einer Politisierung der Offentlichkeit beitrug.

[...]


1 Die Aufklarung in Deutschland behandelt ausfuhrlich und im europaischen Konext Moller 1986, der auch den folgenden Ausfuhrungen zu einem Gutteil zugrundeliegt. Zur Aufklarung in PreuBen Moller 1974.

2 Vgl. Enzyklopadie Wissenschaftstheorie I : Art. „Aufklarung“; Worterbuch Philosophische Begriffe : Art. „Aufklarung“.

3 Vgl. ebd.

4 Encyclopedie : XXIII.

5 Vgl. Rousseau, Jean Jacques: Diskurs uber die Ungleichheit/ Discours sur l'inegalite et le fondement de l'inegalite. Ubers. u. komm. v. Heinrich Meier. Paderborn 1984. S. 79 ff. Vgl. auch Moller 1986 : 74.

6 Vgl. Geschichte in Quellen 4 : 200 f.

7 Vgl. Geschichte in Quellen 3 : 715 ff.

8 Zur Entwicklung von DESCARTES' Rationalismus uber die englischen Empiristen und von den preuBischen Fruhaufklarern in der Tradition von Gottfried Wilhelm LEIBNITZ, Christian THOMASIUS und Christian WOLFF, bis zum Erscheinen der Kritik der reinen Vernunf vgl. Moller 1986 : 41-67.

9 I. Kant, Werke in zwolf Banden, hg. v. W. Weischedel, Frankfurt a. M. 1977, Bd. 11. S. 59.

10 Zur Entwicklung von den preuBischen Fruhaufklarern Christian THOMASIUS und Christian WOLFF bis zum Erscheinen der Kritik der reinen Vernunf vgl. Moller 1986 : 49-67.des Selbstdenkens und zur

11 Vgl. u.

12 KANT ist hier insofern als exemplarisch anzusehen, als er sich bereits wahrend seines Studiums an der Albertina mit dem Streit der Descartesschuler und der Leibnizschuler um das KraftemaB auseinandersetzte und dafur alle Systeme kennen muBte. Vgl. Hinske 1977 : 114.

13 Moller 1981 : 123.

14 So Lessing in der Hamburger Dramaturgie. In: Schriften IX : 245. Zit. nach Moller 1981 : 20.

15 Zit. nach Blinn 1982 : 151 f.

16 Justus Moser: Uber die deutsche Sprache und Literatur. S. 180. Zit. Nach Moller 1981 : 20.

17 Blinn. : 65.

18 Ebd. : 65.

19 Vgl. Moller 1981 : 22.

20 Vgl. ebd. 23 f.

21 Vgl. Engelsing 1974 : .

22 I,2.

23 Zit. nach Engelsing 1973 : 58.

24 Vgl. Baumgart 1981.

25 Vgl. Moller 1986 : 276.

26 Vgl. hierzu Goldenbaum, Ursula/Kosenina, Alexander (Hgg.): Berliner Aufklarung. Kulturwissenschaftliche Studien. Hannover 1999 ff.

27 Die Redaktion hatte zeitweise 150 Mitarbeiter, unter ihnen den wichtigsten Literaten der Aufklarung Gotthold Ephraim LESSING und die Philosophen Moses MENDELSSOHN und Johann Gottfried HERDER. Zur ADB vgl. Gunther OST: Friedrich Nicolais Allgemeine Deutsche Bibliothek. Berlin 1928. [Nendeln/Liechtenstein 1967].

28 Moller 1974 : 197 ff.

29 Vgl. Engelsing 1973 : 61.

30 In: Gedike, Friedrich/Biester, Johann Erich (Hgg.): Berlinische Monatsschrift. Bd. 2. Berlin 1783. S. 516. Zit. nach Moller 1974 : 45. Vgl. Kap.

31 Als Naherungswert.

32 Moller 1986 : 275.Die Bestseller der Zeit, die 1797 bei COTTA in Tubingen publizierten Xenien GOETHEs und SCHILLERs oder NICOLAIS 1773-76 erschienener Roman Sebaldus Nothanker, hatten eine Auflage von 3000 Exemplaren. Zu Auflagenzahlen und statistischen Zahlen vgl. Engelsing 1977 : passim.

33 Werte gerundet. Vgl. Moller 1974 : 202.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die Einflüsse von Aufklärung und liberaler Wirtschaftstheorie auf die preußische Wirtschaftspolitik zwischen 1806 und 1818
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Bürgerwelt und starker Staat: David Hansemann und die rheinischen Liberalen in Vormärz und Revolution 1815-1850
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V536334
ISBN (eBook)
9783346123886
ISBN (Buch)
9783346123893
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Preußische Reformen, Wirtschaftsliberalismus, Aufklärung, Kameralistik, Staatswissenschaften, Colbertismus, Physiokraten, Stein-Hardenbergsche Reformen
Arbeit zitieren
Oliver Meuser (Autor:in), 2010, Die Einflüsse von Aufklärung und liberaler Wirtschaftstheorie auf die preußische Wirtschaftspolitik zwischen 1806 und 1818, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536334

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