Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Zusammenhänge zwischen den geistigen Einflüssen der Aufklärung und der wirtschaftsliberalen Theorie auf deren Anwendung innerhalb der Preußischen Wirtschaftsreformen in der Zeit von der Niederlage Preußens gegen Frankreich bei Jena-Auerstedt 1806 bis zum Erlass des Zollgesetzes von 1818 zu untersuchen. Beide Teile sind systematisch angelegt und sollen die Situation Preußens jeweils im Kontext seiner mächtigsten Nachbarn Frankreich und England darstellen. Der erste Teil betrachtet die Entstehung der europäischen Aufklärung und ihre Hauptpostulate, dann ihre besondere Erscheinungsform in Preußen, den öffentlich-publizistischen Diskurs und den akademisch-universitären Diskurs. Im zweiten Teil werden die wirtschaftlichen und wirtschaftstheoretischen Verhältnisse Preußens in den Kontext seiner Nachbarn Frankreich und England eingebettet, sodann die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Preußischen Reformen beleuchtet und am Beispiel Schlesiens exemplarisch gezeigt, wo die Probleme bei der Umsetzung der Reformen lagen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
A. Geistesgeschichtliche Grundlagen: Aufklärung in Preußen
I. Aufklärung
1. Entwicklung und Grundlagen der Aufklärung
2. Die Sprache und das Menschenbild der Aufklärung
II. Der Aufklärungsdiskurs
1. Der öffentlich-publizistische Diskurs
1.1 Zeitschriftenpublizistik
1.2 Buchpublizistik nach Auflagenzahlen und Sektoren
1.3 Die publizistische Politisierung der Wissenschaft
2. Der akademisch-universitäre Diskurs: Adam Smith in Deutschland
B. Die preußische Wirtschaft am Anfang des 19. Jahrhunderts
I. Wirtschaftstheoretische Grundlagen: Der Merkantilismus und die Freihandelstheorie
1. Colbertismus, Physiokratismus, Liberalismus
2. Die wirtschaftsliberale Theorie in Preußen
II. Die Wirtschaftsverhältnisse in Europa zu Beginn des 19. Jahrhunderts
1. England
2. Frankreich
3. Deutschland
III. Preußen
1. Die Wirtschaftsreformen
1.1 Die Bauernbefreiung
1.2 Die Steuer- und Zollreform
1.3 Die Gewerbereform
2. Die wirtschaftlichen Verhältnisse
2.1 Die agrarischen Provinzen im Osten
2.2 Die halbindustriellen Provinzen Sachsen und Schlesien
3. Das Fallbeispiel Schlesien
Schluß
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen den geistigen Einflüssen der Aufklärung und der wirtschaftsliberalen Theorie auf die praktische Anwendung innerhalb der preußischen Wirtschaftsreformen zwischen 1806 und 1818. Dabei wird die preußische Situation stets in den Kontext der Nachbarstaaten England und Frankreich gestellt.
- Geistesgeschichtliche Ursprünge der Aufklärung in Preußen
- Wirtschaftstheoretische Grundlagen: Merkantilismus vs. Freihandel
- Die Implementierung wirtschaftsliberaler Reformen in der preußischen Verwaltung
- Wirtschaftsstrukturelle Probleme am Beispiel der Provinz Schlesien
Auszug aus dem Buch
Die publizistische Politisierung der Wissenschaft
Die aufklärerische Forderung, unpolitische Untertanen zu politischen Bürgern zu machen, zog neben einer Veränderung innerhalb der Genres und der Sprach auch eine veränderte Haltung zur Wissenschaft selbst mit sich. Sollte die Öffentlichkeit allgemein politisiert werden und aufklärerische Gedanken auch in die ungebildeten Schichten getragen werden, mußte diese popularisiert werden. Über das Gefälle von Produktion und Rezeption gibt das Verhältnis von publizierter Literatur und faktischem Lesepublikum Aufschluß: während im vorrevolutionären Deutschland von circa 25 Mio. Einwohnern schätzungsweise 10 % alphabetisiert waren, machte – nach Schätzungen von Thomas ABBT, nach dem 1765 ein Buch höchstens eine Auflage von 4000 Exemplaren erzielen konnte und das auf einen Leserkreis von etwa 20 Personen verbreitet wurde – das Lesepublikum anspruchsvoller Literatur 80000 Leser oder 0,4 % der deutschen Bevölkerung aus. Dieses Gefälle zwischen Produktion und Rezeption war ein öffentlich diskutiertes Problem.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Geistesgeschichtliche Grundlagen: Aufklärung in Preußen: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der europäischen Aufklärung, ihre Postulate sowie deren spezifische Ausprägung im preußischen Kontext durch publizistische und universitäre Diskurse.
B. Die preußische Wirtschaft am Anfang des 19. Jahrhunderts: Hier werden die wirtschaftstheoretischen Grundlagen des Merkantilismus und der Freihandelstheorie Adam Smiths sowie die Wirtschaftsverhältnisse in England, Frankreich und dem preußischen Staat detailliert untersucht.
III. Preußen: Dieses Kapitel analysiert die konkreten Wirtschaftsreformen (Bauernbefreiung, Steuer- und Zollreform, Gewerbereform) sowie die spezifischen regionalen Wirtschaftsverhältnisse, wobei Schlesien als Fallbeispiel für Umsetzungsprobleme dient.
Schluß: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass die preußischen Wirtschaftsreformen zwar eine Strukturveränderung bewirkten, aber durch eine teils zu idealistische und unflexible Anwendung liberaler Theorien an die Grenzen der wirtschaftlichen Belastbarkeit stießen.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Preußen, Wirtschaftsreformen, Liberalismus, Adam Smith, Merkantilismus, Bauernbefreiung, Zollgesetz, Publizistik, Freihandel, Wirtschaftsgeschichte, 19. Jahrhundert, Staatsschulden, Wirtschaftsstruktur, Schlesien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie aufklärerische Ideen und wirtschaftsliberale Theorien die preußische Wirtschaftspolitik in der Umbruchsphase zwischen 1806 und 1818 beeinflussten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Geistesgeschichte der Aufklärung, die Rolle des wirtschaftlichen Liberalismus nach Adam Smith sowie die Analyse der preußischen Reformen wie Bauernbefreiung und Zollreform.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die preußische Verwaltung liberale Theorien in einer Zeit tiefgreifender struktureller Probleme umzusetzen versuchte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verfolgt einen systematischen Ansatz, der die Situation Preußens in den internationalen Kontext der Nachbarstaaten England und Frankreich einbettet und historische Diskurse analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der intellektuellen Grundlagen, die theoretische Gegenüberstellung von Wirtschaftsmodellen und die Analyse spezifischer preußischer Reformgesetze und deren Auswirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Aufklärung, Preußen, Liberalismus, Wirtschaftsreformen, Freihandel und die Rolle der preußischen Beamtenschaft.
Warum spielt das Fallbeispiel Schlesien eine besondere Rolle?
Schlesien dient dazu, die negativen Auswirkungen und die Problematik einer "naiven" Anwendung der Freihandelstheorie in einer Region mit spezieller Wirtschaftsstruktur beispielhaft zu illustrieren.
Wie bewertet der Autor die Rolle der preußischen Beamten?
Der Autor argumentiert, dass die preußischen Beamten maßgeblich von den Ideen der Aufklärung geprägt waren, jedoch teilweise zu unflexibel agierten, um die theoretischen Reformansätze erfolgreich an die Realität anzupassen.
- Arbeit zitieren
- Oliver Meuser (Autor:in), 2010, Die Einflüsse von Aufklärung und liberaler Wirtschaftstheorie auf die preußische Wirtschaftspolitik zwischen 1806 und 1818, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536334