Wenn man die zunehmende Globalisierung mit in Anbetracht zieht, sollte jedes Mitglied einer Gesellschaft Interesse am friedvollen Zusammenleben haben und sich in bestimmter Weise mit anderen Kulturen auseinander setzen können. Sei es die kroatische Familie aus dem Haus zu grüßen oder beim Italiener um die Ecke seine Lieblingspasta zu essen. Wir alle kommen in Berührung mit anderen Kulturen, warum sollten wir dann nicht auch am Verstehen dieser Kulturen interessiert sein? Wie verstehen wir aber andere Kulturen?
HAMMES-DI BERNANDO sagt dazu „Zum Verständnis für den Anderen gehört auch das Verstehen von Sprachen.“
Wir können jetzt natürlich nicht 3 bis 7 Sprachen lernen, nur um beispielsweise im Restaurant das Essen in der Landessprache des Kellners zu bestellen. Wir können aber, gestärkt durch unsere eigenen Interessen, Sprachkurse einer Sprache absolvieren, um unseren Kommunikationshorizont zu erweitern. Und wir können (unsere) Kinder ermuntern, fremde Sprachen zu erlernen, sowie MigrantInnen dabei helfen unsere Sprache zu erlernen.
Über die Notwendigkeit des Erlernens einer anderen Sprache werde ich in einem späteren Kapitel näher eingehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Interkulturelle Erziehung
1.1. Die Notwendigkeit von Verständigung durch Sprache
1.2. Was verbirgt sich hinter interkultureller Erziehung?
2. Die Bedeutung der Muttersprache
2.1. Der Stellenwert der Muttersprache beim Erwerb einer Zweitsprache
2.2. Zweisprachigkeit - eine Chance?
3. Bilinguale Erziehung an Grundschule
3.1. Richtungen bilingualer Erziehung
3.1.1. Die Immersion
3.1.2. Das „bilingual education“ - Konzept
3.2. Praxisbeispiele an Grundschule
3.2.1. Ergebnisorientierter Fremdsprachenunterricht (Hamburg)
3.2.2. Begegnung mit einer Fremdsprache
(Nordrhein-Westfalen / Baden-Württemberg)
3.2.3. Kooperationsunterricht (Berlin)
3.2.4. Early Partial Immersion (Altenholz bei Kiel)
3.3. Zusammenfassung der Modelle
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Sprache und interkultureller Erziehung im Kontext der Grundschule, um aufzuzeigen, wie Mehrsprachigkeit gefördert werden kann und warum dies eine Schlüsselkompetenz in einer globalisierten Gesellschaft darstellt. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Wirksamkeit verschiedener bilingualer Erziehungsmodelle und deren Anwendungsmöglichkeiten an deutschen Grundschulen.
- Notwendigkeit interkultureller Erziehung und Verständigung durch Sprache
- Stellenwert der Muttersprache für den Zweitspracherwerb
- Definitionsansätze und Bedeutung von Zweisprachigkeit
- Analyse und Vergleich bilingualer Erziehungskonzepte (u.a. Immersion)
- Praxisbeispiele zur Umsetzung von Fremdsprachenunterricht an deutschen Schulen
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Die Immersion
Das Modell der Immersion wurde erstmals in den 60er Jahren in Kanada eingeführt. Entwickelt wurde dieses Modell von LAMBERT und TUCKER. Es sollte vorrangig anglophone Minderheiten im frankophonen Teil Kanadas, ein „Eintauchen“ in eine Zweitsprache ermöglichen um diese als Unterrichtssprache zu verwenden (vgl. (FTHENAKIS / SONNER / THRUL / WALBINER 1985, S.25). „Das heißt, dem Konzept liegt die Annahme zugrunde, dass die Zweitsprache in einer natürlichen Lernsituation möglichst ähnlichen Situation besser gelernt wird als bei bloßem Fremdsprachenunterricht.“ (ebd. 1985, S.25)
Das Projekt begann mit zwei Gruppen im Kindergarten, in denen anglophone Kinder ausschließlich in der frankophonen Sprache betreut und gelehrt wurden. Im Anschluss kamen diese Kinder in Schulklassen mit zweisprachigen LehrerInnen und wurden in französisch unterrichtet. Während in der ersten Klasse noch Rücksicht von Seiten der LehrerInnen auf englische Beiträge oder Fragen von SchülerInnen genommen wurde, so musste sich ab dem zweiten Schuljahr die französische Sprache ausschließlich durchsetzen. Die Tests von LAMBERT und TUCKER erstreckten sich über einen Zeitraum von acht Jahren. In den Untersuchungen konnte entgegen vieler Befürchtungen, das durch das Programm die Muttersprache vernachlässigt wird, bewiesen werden, dass sich die Erstsprache stabilisiert und zur Zweitsprache parallel entwickelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Interkulturelle Erziehung: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit von Sprache als Kulturträger und Brücke zwischen Individuen sowie die historische Entwicklung der interkulturellen Pädagogik in Deutschland.
2. Die Bedeutung der Muttersprache: Hier wird der Stellenwert der Erstsprache beim Erwerb einer Zweitsprache beleuchtet und diskutiert, inwiefern Zweisprachigkeit eine Chance für die kognitive und soziale Entwicklung von Kindern darstellt.
3. Bilinguale Erziehung an Grundschule: Der Hauptteil analysiert theoretische Konzepte wie die Immersion und vergleicht diese mit konkreten Praxismodellen an verschiedenen deutschen Grundschulstandorten.
4. Schlusswort: Das Schlusswort reflektiert mögliche zukünftige Entwicklungen im Fremdsprachenunterricht vor dem Hintergrund einer zunehmend multikulturellen und vernetzten europäischen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Erziehung, Bilinguale Erziehung, Muttersprache, Zweitspracherwerb, Immersion, Grundschule, Fremdsprachenunterricht, Interkulturelle Kompetenz, Mehrsprachigkeit, Sprachbewusstheit, Migrationshintergrund, Sprachförderung, Integrationsbemühungen, Bildungsprozess, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Möglichkeiten und der Notwendigkeit einer bilingualen Erziehung und interkulturellen Bildung von Kindern in Vor- und Grundschulen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Bedeutung der Muttersprache, Konzepte des frühen Fremdsprachenerwerbs und deren praktische Umsetzung in unterschiedlichen deutschen Modellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sprachbarrieren durch frühzeitige Förderung überwunden werden können und welcher Beitrag bilinguale Konzepte zur interkulturellen Kompetenz leisten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Untersuchung verschiedener Praxismodelle zum bilingualen Unterricht in Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Konzept der Immersion, das „bilingual education“-Konzept sowie spezifische Beispiele wie den ergebnisorientierten Fremdsprachenunterricht in Hamburg oder das Kita-Grundschul-Verbundprojekt in Altenholz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Interkulturelle Erziehung, Bilinguale Erziehung, Zweisprachigkeit, Immersion und Sprachförderung.
Wie wird das Immersions-Modell nach Lambert und Tucker bewertet?
Die Autorin bewertet das Immersions-Modell als effektiv und kindgerecht, da es eine hohe Sprachkompetenz ohne Leistungsdefizite in anderen Fächern ermöglicht.
Welche Rolle spielt die Muttersprache laut der Arbeit?
Die Muttersprache wird als grundlegender Kulturträger und Basis für die Identitätsentwicklung betrachtet, deren Wertschätzung für den erfolgreichen Erwerb einer Zweitsprache essenziell ist.
- Quote paper
- Steffi Hennig (Author), 2005, Bilinguale Erziehung von Kindern in Vor- und Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53655