Hannah Arendt und der Antisemitismus


Hausarbeit, 2016

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.) Einleitung

2.) Antisemitismus
a) Geschichte
b) Begriff

3.) Biographie Hannah Arendts

4.) Hannah Arendts Verhältnis zum Judentum

5.) Der Eichmannprozess
a) Der Bericht
b) Die Reaktionen

6.) Vorwürfe Hannah Arendts

7.) Fazit

8.) Quellenverzeichnis

9.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung:

Hannah Arendt war und ist eine umstrittene politische Denkerin. Sie war ungewöhnlich und erregte durch ihre Ansichten Aufsehen, besonders da sie selbstverständlich gewordene Begriffe in Frage stellte, sowie andersartige Perspektiven ermöglichte.

Ihre Theorie von der „Banalität des Bösen“ stieß auf heftigen Widerstand.

„Die Eichmann-Kontroverse, ausgelöst durch Hannah Arendts fünfteilige Serie, die vom 16. Februar bis zum 16. März 1963 im New Yorker erschien, war der erste und mit Sicherheit bitterste öffentliche Disput unter Intellektuellen und Wissenschaftlern, der jemals über den Holocaust geführt wurde“1

2.) Antisemitismus:

a)Geschichte:

Die seit dem Erstarken des Christentums aufkommende Feindschaft gegen Juden, die insgesamt und über alle Zeit hinweg als Mörder von Jesus angesehen wurden, zeigte sich im Verlauf der Geschichte in verschiedenen Formen und oft während gesellschaftlichen Umbrüchen und in Krisenzeiten. Allerdings bestand im Mittelalter und in der frühen Neuzeit die Möglichkeit für die Juden, sich durch die Konversion zum Christentum in die Gesellschaft zu integrieren.

Während der Aufklärung und der sich entwickelnden allgemeinen Menschenrechte verschoben sich die bisherigen Begründungen für die antijüdischen Vorurteile: Waren die Juden vorher vor allem als religiöse Minderheit gesehen worden, so definiert der Antisemitismus sie nun pseudowissenschaftlich als eine Abstammungseinheit (Rasse) mit erblich negativen Charaktereigenschaften. Dies bedeutete auch, dass eine Veränderung ihrer gesellschaftlichen Zugehörigkeit durch Integration oder Assimilierung ausgeschlossen wurde. Diese Weltanschauung sieht allein schon in der Existenz der Juden die Ursache vieler, wenn nicht gar aller Probleme.

b) Der Begriff:

Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurden die sprachwissenschaftlichen und völkerkundlichen Unterscheidungen in indoeuropäischen und semitischen Sprachfamilien auf die Völker übertragen. So sprach man von den verschiedenen Rassen der Indogermanen, oder Ariern, und den Semiten; letztendlich einengend von den Germanen und den Juden.

Heute gibt es verschiedene Definitionsansätze für Antisemitismus. So hat 2005 das "European Monitoring Center against Racism and Xenophobia" (EUMC) in Wien folgende Arbeitsdefinition vorgeschlagen: Danach zeigt sich der Antisemitismus in einer bestimmten Wahrnehmungsweise ("a certain perception ofJews, which may be expressed as hatred toward Jews"), und auch als gegen Juden bzw. jüdische Einrichtungen gerichtete verbale oder physische Handlungen ("rhetorical and physical manifestations").

Diese Einstellungen und Taten richten sich auch gegen Nicht-Juden, wenn diese "jüdische Interessen" unterstützen oder fälschlich für Juden gehalten werden, und auch gegen den Staat Israel ais jüdisches Kollektiv.

Den Juden wird dabei unterstellt, sie würden konspirieren, um die Menschheit zu schädigen, und sie werden dafür verantwortlich gemacht, wenn Vorhaben fehlschlagen ("why things go wrong").2

Die amerikanische Historikerin Helen Fein definiert den Antisemitismus nach seinen Erscheinungsformen und Zielen:

Antisemitismus ist ein dauerhafterlatenter Komplex feindseliger Überzeugungen gegenüber Juden als einem Kollektiv. Diese Überzeugungen äußern sich beim Einzelnen als Vorurteil, in der Kultur als Mythen, Ideologie, Folklore und in der Bildsprache, sowie in Form von individuellen oder kollektiven Handlungen - soziale oder gesetzliche Diskriminierung, politische Mobilisierung gegen Juden, und als kollektive oder staatliche Gewalt -, die darauf zielen, sich von Juden als Juden zu distanzieren, sie zu vertreiben oder zu vernichten.3

3.) Biographie Hannah Arendts:

Hannah Arendtwird am 14.Oktober 1906 in Hannovergeboren. 1909 ziehtdie Familie nach Königsberg zurück, da der Vater sehr krank war und schließlich 1913 stirbt. Ihr Großvater macht sie mit den jüdischen Traditionen vertraut und ihre Eltern (nach dem Tod des Vaters nur die Mutter) stellen ihr renommierte Sozialisten vor.

1924 legt sie ein Abitur als Externe ab und nimmt ein Studium in Marburg auf. Ihre Lehrer sind Bultmann und Heidegger, mit dem sie eine Liebesbeziehung eingeht. 1925 bis 1928 gehört sie zu den Studenten Karl Jaspers in Heidelberg, bei welchem sie auch promoviert.

1926 lernt sie Kurt Blumenfeld kennen, den Sprecher der Zionisten in Deutschland, der ihr ein enger Freund wird.

1929 heiratet sie Günter Stern, doch die Beziehung ist instabil und verschlechtert sich mit seiner Flucht nach Paris 1933. Arendt wird kurz darauf in Berlin verhaftet, kann aber ebenfalls nach Paris fliehen. Dort arbeitet sie mit „Youth Alijah“ zusammen, einer Organisation, diejüdische Jugendliche nach Palästina schickt. Nach der Auswanderung Sterns in die USA (1936) wird ihre Ehe 1937 geschieden.

1940 ehelicht sie dann Heinrich Blücher, den sie 1936 kennen gelernt hat. Das Vorrücken der deutschen Wehrmacht veranlasst das Ehepaar zur Flucht nach Südfrankreich. Dort werden sie in Internierungslagernfestgehalten. Im Durcheinanderderfranzösischen Niederlage kann sich Arendt Entlassungspapiere besorgen und zu ihrer Freundin Lotte Sempell in Montauban reisen, wo sie auch ihren Mann wiedertrifft. Beide erhalten 1941 ein Notvisum für Amerika.

Dort hält sie Vorlesungen an mehreren Universitäten und Hochschulen, unter anderem an der New School for Social Research, an der verschiedene (emigrierte) deutsche Wissenschaftler unterrichten. 1951 erschien ihr Buch „The Origins of Totalitarianism“, das große Aufmerksamkeit auf sich zieht.4 Sie beschreibt darin den Totalitarismus als eine neue Herrschaftsform, die es vor Stalin nicht gegeben hat.

1961 reist sie nach Jerusalem, um für „The New Yorker“ über den Eichmann-Prozess zu berichten. Der Bericht erscheint 1963 und erfährt deutlich negative Kritiken in Israel, Deutschland und den USA. Man wirft ihr vor, dass sie Eichmann in Schutz nähme, weil sie in ihm kein „Monster“ sieht, sondern einen Bürokraten, der nur Befehle ausführte.

Am 4. Dezember 1975 stirbt Hannah Arendt an einem Herzinfarkt.

4.) Verhältnis zum Judentum

Arendts Familie gehört zu den assimilierten Juden. Diese haben meist eine aufgeklärte Interpretation ihrer Religion, sodass der Glaube im Alltag keine allzu große Rolle mehr spielt und sie oft zum Atheismus neigen. Assimilierte Juden haben meist Erfolg mit ihren Geschäften und leben - im Gegensatz zu ihren ärmeren Verwandten auf dem Lande - in den Städten. Durch diese ungleichen Verhältnisse gibt es auch Konflikte unter den einzelnen Gruppen von Juden - besonders zwischen assimilierten und nicht-assimilierten. Ihre Mutter ist sehr erpicht darauf, dass Hannah während ihrer Schulzeitjede antisemitische Bemerkung eines Lehrers sofort mitteilt. Als sie 15 Jahre alt ist, wird Arendt von einem jungen Lehrer derart erniedrigt, dass sie ihre Klassenkameraden zu einem Boykott gegen eben jenen Lehrer anstiftet - weshalb sie allerdings von der Schule hinaus geworfen wird.

Nach ihrer Flucht nach Paris 1933, arbeitet sie dort bis 1935 bei „Youth Alijah“, eine Organisation die Auswanderungen fürjüdische Jugendliche nach Palästina organisiert. Auch Arendt begleitet Jugendliche dorthin.

In New York engagiert sie sich gegen die Absichten einiger Zionisten in Palästina einen rein jüdischen Staat zu errichten und für die Aufstellung einer jüdischen Armee. Eine solche Armee sei die einzig mögliche Antwort auf die Lügen: die feigen Juden würden andere, die für sie gegen das Nazi -regime kämpften, für sich sterben lassen. Dieser Einsatz macht sie immer mehr unter den Juden bekannt. Nachdem sie ab dem Jahre 1943 auch Texte auf Englisch verfasst, erweitert ihr Bekanntheitsgrad noch mehr.

Die in den USA lebenden Juden waren aus Armut und ohne große Bildung emigriert und hatten sich ihr Leben hart erarbeitet. Demgegenüber stehen in den 30ern die Flüchtlinge aus Europa, die eine viel höhere Bildung genossen hatten. Aus theoretischer Sicht missbilligt Arendt die Betonung dieser Unterschiede. Dennoch macht sie aus ihrer Verbundenheit mit der deutschen Kulturtradition kein großes Geheimnis.

1948 bringt Arendt in Deutschland ein Buch „Sechs Essays“ heraus. Dass eine jüdische Emigrantin in der schwierigen Nachkriegszeit ein Buch für deutsche Leser veröffentlicht, ist schon relativ gewagt.

[...]


1 Rabinbach, A.G.: Hannah Arendt und die New Yorker Intellektuellen, in: Smith, Gary (Hg.): Hannah Arendt Revisited. Frankfurt a.M. 2000. S. 33

2 Zitiert nach: Prof. Dr. Werner Bergmann: Was heißt Antisemitismus? httD://www.bDb.de/Dolitik/extremismus/antisemitismus/37945/antisemitismus?D=all vom 27.11.2006 - Stand 25.03.2016

3 Helen Fein, Dimensions of Antisemitism: Attitudes, Collective Accusations and Actions, in: H.Fein (ed.), The Persisting Question. Sociological Perspectives and Social Contexts of Modern Antisemitism, Current Research on Antisemitism, vol.1 ed. by Herbert A.Strauss, Werner Berg-mann. Berlin, New York 1987. S.67

4 Van der Pijl, K.: Vordenker der Weltpolitik: Einführung in die internationale Politik aus ideengeschichtlicher Perspektive. Opladen 1996. S. 224

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Details

Titel
Hannah Arendt und der Antisemitismus
Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V536565
ISBN (eBook)
9783346160713
Sprache
Deutsch
Schlagworte
antisemitismus, arendt, hannah
Arbeit zitieren
Eva Franke (Autor), 2016, Hannah Arendt und der Antisemitismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536565

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