Das Leben der Frauenrechtlerin Mathilde Franziska Anneke


Hausarbeit, 2017

16 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1) Einleitung

2) Frauen im Vormärz/Revolution
a) Ehe und Familie
b) Frauenvereine
c) Politik

3) Biographie Anneke

4) Abweichung der Norm
a) Bekanntenkreise
b) die zweite Ehe
c) Revolution

5) Fazit

6) Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Die Epoche vor der Revolution 1848/49 wird Vormärz oder auch Biedermeier genannt. Sie kennzeichnet ein Aufstreben der Bevölkerung, besonders in den bürgerlichen Kreisen. Die Idee der politischen Mitbestimmung war lediglich einem Teil der Bevölkerung zugedacht. Unselbstständige, Juden, Arme und Heimatlose sollten nicht wählen oder gar kandidieren dürfen.

Doch mit dem zusätzlichen Ausschluss der Frauen wird der Hälfte der gesamten Bevölkerung ein eigene politische Stimme schon im Vorhinein verwehrt.

Sie wäre „überflüssig, [da die Frauen] durch ihre Ehemänner und Väter und Brüder vertreten werden"1

In dieser Zeit lebte Mathilde Franziska Anneke. "Sie wird nur als eine der Frauen erwähnt, die aus Liebe zu ihrem Mann kurzzeitig auf der politischen Bühne auftraten".2 Doch hatte sie wirklich keinen eigenen, politischen Antrieb?

2) Frauen im Vormärz

a) Ehe und Familie

Das Modell der polaren Geschlechter beruft sich auf die als naturgegebene Ordnung, in der die passive, gefühlvolle Frau für die Familie sorgt und der aktive, vernunftgelenkte Mann die Familie ernährt und Entscheidungen trifft. (In den Arbeiterfamilien galt dieses Prinzip jedoch selten, da der Mann die Familie meist nicht alleine versorgen konnte.3 ) Frauen waren trotzdem Anfang des 19.Jahrhunderts ihrem Mann, Vater oder Bruder untergeordnet. Das Sorgerecht der Kinder stand dem Ehemann zu. Die Grenzen zwischen weiblicher und männlicher Arbeit wurden klarer, da Frauenerwerbsarbeit abnahm und der alleinige Geldverdiener ein Symbol bürgerlicher Männlichkeit. Die Ungleichheit von Männern und Frauen sollte sich gegenseitig ergänzen in einer klaren Hierarchie. Die Frau sollte nicht nur den Haushalt führen, sondern auch den Mann „emotional [...] entlasten". Die Erziehung der Kinder oblag allerdings auch dem Ehemann (1845 erschien der Struwwelpeter). Der Frau wurde somit lediglich die alleinige Kontrolle über den Haushalt gewährt.4

Im Gegensatz zu den adligen Kreisen, war die bürgerliche Familie ein Lebensmittelpunkt. Die hohe Sterblichkeitsrate bei Geburten oder im Wochenbett führte zu neuen Familienzusammenschließungen. Doch auch dort bemühte man sich in bürgerlichen Milieus um einen liebevollen Umgang und Zuneigungen bei Hochzeiten oder am heiligen Abend. Auf dem Land gab es durch die Erbfolge automatisch Rangfolgen. Die unverheirateten Geschwister dienten dem Ältesten später als niedrige Angestellte, so blieb die Verbundenheit dort eher aus. Die neuen Vorstellungen der romantischen Liebe keimten in Teilen auch bei der ländlichen Bevölkerung auf und es wurde des Öfteren hinab geheiratet.5

Der Adel ehelichte meist nur Personen aus dem engeren Kreis. Konträr dazu, besonders die Bürger, die Vorstellung der romantischen Liebe, mit der sie ihre eigene Individualität unterstrichen. Der Liberalismus forderte gelehrte, aufgeweckte Persönlichkeiten, die sich weiterentwickeln sollen.

Die Realität bestand jedoch daraus, dass Frauen sich alleine selten ernähren konnten. Die Väter versuchten ihre Töchter möglichst früh zu verheiraten. Ein Mann konnte aber nur heiraten mit entsprechendem Besitztum, ab den 40ern wurde dies, durch die Wirtschaftslage, erschwert. So nahmen die Mädchen eilig Anträge an. Waren Frauen ledig, wurden sie nicht sehr angesehen. Anfangs wirft man ihnen zu hohe Ansprüche vor und ab einem gewissen Alter galt sie als alte, garstige Jungfern, zu denen sich ledige Frauen angeblich natürlicherweise entwickeln sollten.6

b) Frauenvereine

Die Armenfürsorge wurde nach der Hungersnot 1815/16 organisiert im Jahre 1817 von Königin Katharina von Württemberg gegründeten „Verein zur Hülfe der Notleidenden"7. Obgleich als reiner Frauenverein gedacht, wurden für dessen Leitung sieben Frauen und zehn Männer eingeteilt. Aufgrund dem (teils) weiblichen Vorstand und einigen nicht beamteten Personen wurde die Organisation nicht verstaatlicht. Die weiblichen Mitglieder wurden der Organisation zugeteilt, weil sie mit Hausarbeit bestens vertraut waren. Die Verwaltung und Repräsentation übernahmen die Männer - diese Aufgabenverteilung beinhaltet wieder die strikte Einhaltung einer Hierarchie.

Die Unterstützung der Verarmten diente gleichermaßen auch zur Festigung der Stände. Die Hilfe bestand meist aus dem Antrieb zu Fleiß, Bescheidenheit und Reinlichkeit und kam so eher einer Fremdbelehrung und Erziehung gleich. Ferner war der Vereinsbeitritt in den meisten Städten für die Unterschicht untersagt.

Die geforderten Tätigkeiten im Verein verkörperten für wohlhabendere bürgerliche Ehefrauen ein Ehrenamt. Doch für die Frauen, die ohne Bedienstete einen Haushalt führen mussten oder selbst erwerbstätig waren, stellten sie eine zusätzliche Belastung dar.

c) Politik

Die in den Jahren 1848 bis 1850 aufkommenden Frauenvereine waren demokratisch gesinnt, doch sie ergänzten bloß die der Männer. Zur damaligen Zeit waren Frauenbewegungen, insbesondere autonome, quasi gänzlich unbekannt. Auch die Frauenvereine wurden in den meisten Fällen von Männern geleitet.

Die typischen weiblichen, politischen Aktivitäten waren im Alltag eingebettet. „Revolution besteht eben nicht nur aus Haupt- und Staatsaktionen auf der Bühne der großen Politik".8 Sie engagierten sich meist im Hintergrund, doch bildeten sie allgemein eine sehr wichtige Stütze. Die Erziehung, Vereinsarbeit, unterschwellige Einflüsse auf (Ehe)männer oder sogar die Mode sind Faktoren, die eine Revolution entscheidend beeinflussen können. Die Vereine bildeten eine weit verzweigte Gemeinschaft, die den Revolutionären und nun auch (neu: in einem großen Ausmaß) den Frauen ein Kommunikationsnetzwerk bot.

Die Ehefrauen leisteten der Regierung gegenüber passiven Widerstand, unterstützen politisch Verfolgte, gaben den Revolutionären Rückhalt und auch Deckung. Als sich in Heilbronn 1848 eine Bürgerwehr bildete, sollten die Waffen eingesammelt werden. Daraufhin verzogen sich die Männer aus der Stadt und es waren die Ehefrauen, die sich dem Militär stellen mussten. Mithilfe vorgeschobener Unwissenheit, Naivität (sie wissen nicht wo sich die Waffen befinden) und Verführung mit Hilfe von Alkohol konnten sie die Beschlagnahmungen schließlich verhindern.9

Die Presse verbreitete ihr eigenes Frauenbild. Das „Neckar-Dampf-Schiff", eine demokratische Zeitung aus Heilbronn, schrieb: „Laß Deinen Heerd, laß deine Hütte Laß Weib und Kind in Gottes Hand, Und stirb, nach freier Männer Sitte Für Freiheit, Recht und Vaterland!"10 Es gab eindeutig eingeteilte weibliche Arbeiten (beispielsweise Fahnensticken) und unweibliche wie das Munitionsgießen.11

Der sogenannte Katzenjammer war eine Möglichkeit der Frauen, sich politisch zu äußern. Sie bestand darin, dass jemandem, der Unrecht getan hatte oder ähnliches nachts eine Schmährede gehalten wurde vor seinem Haus. Es versammelte sich dazu eine große Menschenmenge, die zunächst mit allen möglichen Gegenständen so laut es ging lärmte und dazu Beleidigungen schrie und das betroffene Haus wurde mit Tritten und Steinen drangsaliert.

[...]


1 Weicker, C. T.: Geschlechtsverhältnisse. In: Staats-Lexicon. Bd. 6. 1838. S. 631-665 aus: Geisthövel, A.: Restaurationund Vormärz 1815-1847. Paderborn 2008. S.70

2 Henkel, Μ., Taubert, R.: Das Weib im Conflict mit den socialen Verhältnissen. Mathilde Franziska Anneke und die erste deutsche Frauenzeitung. S.5

3 Geisthövel, A.: Restaurationund Vormärz 1815-1847. Paderborn 2008. S.70ff. (nachfolgend: Geisthövel, A.: Restauration und Vormärz)

4 Vgl. Geisthövel, A.: Restaurationund Vormärz. S. 162 ff.

5 Vgl. Geisthövel, A.: Restaurationund Vormärz. S. 160 ff.

6 Vgl. Lipp, C.: schimpfende Weiber S.173 ff.

7 Leube, F. : Der allgemeine Wohltätigkeitsverein im Königreich Württemberg. Stuttgart 1850. in: Lipp, C.: schimpfende Weiber S.206

8 Lipp, C.: schimpfende Weiber S. 9

9 Lipp, C.: schimpfende Weiber S. 149ff.

10 Lipp, C.: schimpfende Weiber S.144

11 Lipp, C.: schimpfende Weiber S. 339

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Leben der Frauenrechtlerin Mathilde Franziska Anneke
Hochschule
Universität Siegen
Note
3,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V536566
ISBN (eBook)
9783346125866
ISBN (Buch)
9783346125873
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leben, frauenrechtlerin, mathilde, franziska, anneke
Arbeit zitieren
Eva Franke (Autor:in), 2017, Das Leben der Frauenrechtlerin Mathilde Franziska Anneke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536566

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