Diese Hausarbeit präsentiert den Forschungsverlauf einer Einzelfallanalyse aus dem Bereich "Lebenslanges Lernen aus biografischer Perspektive". Die Forschungsarbeit konzentriert sich auf die Implikation von biografischen Bildungserfahrungen, Alter und dem Lebenslangen Lernen. Im Jahr 2000 hat die Europäische Kommission ein Memorandum bezüglich des lebenslangen Lernens veröffentlicht. In diesem wird Lebenslanges Lernen wie folgt definiert: Formales Lernen findet in Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen statt und führt zu anerkannten Abschlüssen und Qualifikationen. Nicht-formales Lernen findet außerhalb der Hauptsysteme der allgemeinen und beruflichen Bildung statt und führt nicht unbedingt zum Erwerb eines formalen Abschlusses. Nicht-formales Lernen kann am Arbeitsplatz und im Rahmen von Aktivitäten der Organisationen und Gruppierungen der Zivilgesellschaft (wie Jugendorganisationen, Gewerkschaften und politischen Parteien) stattfinden.
Auch Organisationen oder Dienste, die zur Ergänzung der formalen Systeme eingerichtet wurden, können als Ort nicht-formalen Lernens fungieren (z.B. Kunst-, Musik- und Sportkurse oder private Betreuung durch Tutoren zur Prüfungsvorbereitung). Informelles Lernen ist eine natürliche Begleiterscheinung des täglichen Lebens. Anders als beim formalen und nicht-formalen Lernen handelt es sich beim informellen Lernen nicht notwendigerweise um ein intentionales Lernen, weshalb es auch von den Lernenden selbst unter Umständen gar nicht als Erweiterung ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten wahrgenommen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Teil
2.1 Darstellung des Theorierahmens
2.2 Stand der Forschung
3 Empirischer Teil
3.1 Narratives Interview
3.2 Feldzugang
3.3 Narratives Verfahren
4 Auswertungsschritte
4.1 Formale Textanalyse
4.2 Strukturelle Beschreibung
4.3 Analytische Abstraktion
4.4 Wissensanalyse
5 Interpretation der Ergebnisse
5.1 Modifizierung der Hypothesen
5.2 Beantwortung der Forschungsfrage
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer Einzelfallanalyse die lebensgeschichtlichen Motive, die Frauen im fortgeschrittenen Alter dazu bewegen, ihre Bildungslaufbahn durch Weiterbildung fortzusetzen oder nachzuholen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich frühe Bildungserfahrungen, soziokulturelle Herkunft und biographische Krisen auf die Resilienz und Lernmotivation im Erwachsenenalter auswirken.
- Biographische Lernprozesse und ihre Bedeutung für die Weiterbildung im Alter.
- Die Rolle soziokultureller Herkunft und autoritärer Erziehungsmuster.
- Anwendung der akteurtheoretischen Soziologie nach Schimank auf individuelle Lebensverläufe.
- Methodik des autobiographisch-narrativen Interviews nach Schütze.
- Resilienz als entscheidender Faktor für den sozialen Aufstieg und lebenslanges Lernen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Narratives Interview
Das Verfahren des autobiographisch-narrativen Interviews nach Schütze ist eine geeignete Methode zur Erfassung und Analyse von Lebenswelten und ihrer Sinndeutung, zum Verstehen des biographischen Prozesses im Rahmen einer Lebensverlaufsforschung als auch der subjektiven Wirklichkeitsdeutung der Erzählenden (Schütze 1977). Wichtiger Bestandteil der sozialwissenschaftlichen Biographieforschung sind Interviews. Das Interesse liegt diesbezüglich am Lebenszyklus von Altersgruppen einer Gesellschaft (Kohorten) und Personengruppen mit bestimmten gemeinsamen sozialen Merkmalen (soziale Aggregate). Aber gerade individuelle Lebensschicksale sind für soziologische Theoriebildung nicht bedeutungslos, weil negative Ereignisverkettungen die Identität des Biographieträgers direkt angreifen und dabei wichtig ist, wie er die negative Ereignisverkettung erfährt und wie er sie theoretisch verarbeitet (Schütze, 1983, S. 284). Hierzu stellt Schütze die These auf, dass es Prozessstrukturen gibt, die im Prinzip in allen Lebensläufen anzutreffen sind. Des Weiteren geht er davon aus, dass es systematische Kombinationen derartiger Prozessstrukturen gibt, die als Typen von Lebensschicksalen gesellschaftliche Relevanz besitzen. Im Kontext zu persönlichen Interpretationen des Biographieträgers ist diese Erfahrung aber nicht zu sehen, vielmehr wird hier deutlich, wie der Zusammenhang zwischen der eigenen Interpretation und der Lebensgeschichte zu sehen ist und wie sich die Lebensgeschichte faktisch ereignet hat. Erst im Moment wo Interpretationen, Lebensläufe beeinflusst haben und für „illusionäre Lebensorientierung sorgen“ (Schütze, 1983, S. 284) werden sie interessant.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz des lebenslangen Lernens und formuliert die Forschungsfrage zur Motivation von Frauen im fortgeschrittenen Alter, sich weiterzubilden.
2 Theoretischer Teil: Hier wird der theoretische Rahmen durch die akteurtheoretische Soziologie nach Schimank sowie den aktuellen Forschungsstand zum Weiterbildungsverhalten in Deutschland abgesteckt.
3 Empirischer Teil: Dieses Kapitel begründet die Wahl des narrativen Interviews als Methode und beschreibt den Zugang zum Feld sowie das narrative Verfahren nach Schütze.
4 Auswertungsschritte: Es wird die systematische Datenanalyse in vier Schritten erläutert, von der formalen Textanalyse bis hin zur Wissensanalyse der biographischen Daten.
5 Interpretation der Ergebnisse: Die zuvor aufgestellten Hypothesen werden anhand des empirischen Materials geprüft und modifiziert, um die Forschungsfrage abschließend zu beantworten.
6 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass positive frühe Bildungserfahrungen und Resilienz entscheidende Faktoren für die Lernmotivation im Erwachsenenalter darstellen, weist jedoch auf die Grenzen der Generalisierbarkeit der Einzelfallanalyse hin.
Schlüsselwörter
Lebenslanges Lernen, Biographieforschung, Narratives Interview, Schimank, Schütze, Weiterbildung, Resilienz, Soziale Herkunft, Bildungsbiographie, Einzelfallanalyse, Identität, Soziologie, Lernmotivation, Arbeitswelt, Frauen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Hintergründen und Motiven, die Frauen im fortgeschrittenen Alter dazu bewegen, ihre Bildungslaufbahn durch Weiterbildungen fortzusetzen oder bereits versäumte Abschlüsse nachzuholen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind lebenslanges Lernen, die Analyse biographischer Lernprozesse, die Bedeutung von Resilienz sowie die Einflüsse des soziokulturellen Milieus und familiärer Prägungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Welche lebensgeschichtlichen Gründe motivieren eine Frau im fortgeschrittenen Alter, sich kontinuierlich weiterzubilden?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode des autobiographisch-narrativen Interviews nach Fritz Schütze angewandt, um die subjektive Sinndeutung und Prozessstrukturen der Biografie zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung mittels Schimanks Akteurmodellen, die Darstellung des empirischen Vorgehens sowie die systematische Auswertung und Interpretation eines narrativen Interviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Lebenslanges Lernen, Biographieforschung, Resilienz, Soziale Herkunft und Narratives Interview geprägt.
Welche Rolle spielen die Akteurmodelle von Schimank in dieser Analyse?
Sie dienen als theoretisches Analyseinstrument, um zu verstehen, warum die Interviewpartnerin in spezifischen Lebenssituationen bestimmte Entscheidungen hinsichtlich ihrer Bildung und Karriere getroffen hat.
Welche Bedeutung hat das Konzept der Resilienz für das Ergebnis?
Das Ergebnis zeigt, dass Resilienz die Interviewpartnerin befähigte, trotz widriger Umstände wie Armut oder familiärer Schicksalsschläge, ihre Lernziele zu verfolgen und einen sozialen Aufstieg zu erreichen.
- Arbeit zitieren
- Rita Favata (Autor:in), 2014, Lebenslanges Lernen. Eine ältere Masterstudentin im Studiengang Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537061