Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Begriff des Bösen, speziell mit dem des radikalen Bösen, bei Hannah Arendt. Ziel der Arbeit soll sein, den Begriff des radikalen Bösen bei Hannah Arend in all seinen Facetten zu erfassen und darzustellen, wie dieser sich im Laufe der Jahre gewandelt hat. Da Hannah Arendt, wie bereits erwähnt, keine eigene Ausarbeitung nur zum Begriff des Bösen geschrieben hat, werden hierfür verschiedene Schriften aus ihrem Gesamtwerk zurate gezogen, um eine chronologische Entwicklung des Begriffs präsentieren zu können. Das banale Böse, beziehungsweise das wurzellose Böse, auf die Hannah Arendt in späteren Schriften zu sprechen kommt, werden hierbei ebenfalls mit dem radikalen Bösen in Beziehung gesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hannah Arendt über das radikale Böse
2.1 Zur Rolle der Konzentrationslager innerhalb der Elemente und Ursprünge
2.2 Die Entdeckung und Eigenschaften des radikalen Bösen
3 Kant über das radikale Böse
3.1 Zur „Einwohnung des bösen Prinzips“in der menschlichen Natur
3.2 Zu den guten Anlagen im Menschen
3.3 Kant über den Hang zum Bösen in der menschlichen Natur
3.4 Warum der Mensch von Natur aus böse ist
4 Kant, Hannah Arendt und das radikale Böse im Vergleich
5 Hannah Arendt, Eichmann und die „Banalität des Bösen “
5.1 Eichmann: pflichtbewusster Bürger und administrativer Massenmörder zugleich
6 „I changed my mind“: das radikale Böse und seine verschiedenen Formen
6.1 Die banale Seite des radikalen Bösen
6.2 Zum wurzellosen Bösen
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht das Phänomen des Bösen im Denken von Hannah Arendt, wobei der Schwerpunkt auf der chronologischen Entwicklung des Begriffs des radikalen Bösen und dessen Abgrenzung beziehungsweise Ergänzung durch die Konzepte der „Banalität des Bösen“ und des „wurzellosen Bösen“ liegt. Dabei wird zudem die philosophische Verbindung zu Immanuel Kants Religionsschrift kritisch analysiert.
- Chronologische Analyse des Begriffs „radikales Böses“ bei Hannah Arendt.
- Vergleich der Positionen von Arendt und Kant zum radikalen Bösen.
- Untersuchung der These der „Banalität des Bösen“ am Beispiel Adolf Eichmann.
- Einordnung des „wurzellosen Bösen“ als Bestandteil des größten Bösen.
- Reflexion über die philosophische Bedeutung von Gedankenlosigkeit und Urteilskraft.
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Entdeckung und Eigenschaften des radikalen Bösen
Zuvor wurde die Rolle der Konzentrationslager innerhalb der Ausführungen Arendts über die totale Herrschaft untersucht. Hierbei zeigte sich, dass diese sowohl als Forschungsstätte als auch als Beweis dafür dienten, dass alles, auch das menschliche Wesen, seine Spontaneität und Identität, zerstört werden kann und damit alles möglich wird. In genau diesem Zusammenhang kommt Hannah Arendt zum ersten Mal auf das radikale Böse zu sprechen.
Bis jetzt scheint der totalitäre Glaube, daß alles möglich ist, nur bewiesen zu haben, daß alles zerstörbar ist, auch das Wesen des Menschen. Aber in ihrem Bestreben, unter Beweis zu stellen, daß alles möglich ist, hat die totale Herrschafft, ohne es eigentlich zu wollen, entdeckt, daß es ein radikal Böses wirklich gibt und daß es in dem besteht, was Menschen weder bestrafen noch vergeben können. Als das Unmögliche möglich wurde, stellte sich heraus, daß es identisch ist mit dem unbestrafbaren, unverzeihlichen radikal Bösen, das man weder verstehen noch erklären kann durch die bösen Motive von Eigennutz, Habgier, Neid, Machtgier, Ressentiment, Feigheit oder was es sonst noch geben mag und demgegenüber daher alle menschlichen Reaktionen gleich machtlos sind; dies kann kein Zorn rächen, keine Liebe ertragen, keine Freundschaft verzeihen, kein Gesetz bestrafen.
Wie aus dem soeben zitierten Passus ersichtlich wird, schreibt Arendt dem radikal Bösen mehrere Eigenschaften zu. Es handelt sich dabei um etwas absolut unverzeihliches, das durch nichts in der Welt gerächt werden kann. Es gleicht zudem einer unvorhergesehenen Nebenerscheinung, die während der Versuche in den Konzentrationslagern zum Vorschein kam und die ursprünglich nicht beachsichtigt war.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz des Bösen bei Hannah Arendt und legt das methodische Vorgehen dar, welches eine chronologische Analyse der verschiedenen Formen des Bösen umfasst.
2 Hannah Arendt über das radikale Böse: Dieses Kapitel thematisiert die Rolle der Konzentrationslager als Instrument der totalen Herrschaft und führt den Begriff des radikalen Bösen in Arendts Denken ein.
3 Kant über das radikale Böse: Hier erfolgt ein Exkurs zu Kants Religionsschrift, um das Verständnis von Anlagen zum Guten und dem Hang zum Bösen in der menschlichen Natur zu vertiefen.
4 Kant, Hannah Arendt und das radikale Böse im Vergleich: Dieses Kapitel arbeitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den philosophischen Positionen von Kant und Arendt heraus.
5 Hannah Arendt, Eichmann und die „Banalität des Bösen “: Der Fokus liegt auf der Analyse des Falls Adolf Eichmann und der berühmten These der Banalität des Bösen als Charakterstudie.
6 „I changed my mind“: das radikale Böse und seine verschiedenen Formen: Hier wird die scheinbare Kontradiktion zwischen den verschiedenen Begrifflichkeiten Arendts aufgelöst und das „wurzellose Böse“ eingeführt.
7 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einer Reflexion über die Bedeutung der menschlichen Urteilskraft im Angesicht des Bösen.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, radikales Böses, Banalität des Bösen, wurzelloses Böse, Immanuel Kant, totale Herrschaft, Konzentrationslager, Eichmann-Prozess, Gedankenlosigkeit, Urteilskraft, Verantwortung, menschliche Spontaneität, Freiheit, Moralphilosophie, Böses.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Auseinandersetzung von Hannah Arendt mit dem Phänomen des Bösen, insbesondere mit der Entwicklung ihrer Begriffe des radikalen, banalen und wurzellosen Bösen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die totale Herrschaft, die Bedeutung der menschlichen Spontaneität, die Analyse von Adolf Eichmann und der Vergleich mit der kantischen Moralphilosophie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Begriff des radikalen Bösen bei Hannah Arendt in all seinen Facetten zu erfassen und darzustellen, wie sich dieser über die Jahre hinweg in ihrem Werk gewandelt beziehungsweise weiterentwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt ein chronologisches Vorgehen, indem sie verschiedene Schriften aus Arendts Gesamtwerk analysiert und diese in einen systematischen Zusammenhang mit Kants Religionsschrift sowie aktuellen Debatten setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des radikalen Bösen in den Konzentrationslagern, den kantischen Bezug, den Vergleich zwischen Arendt und Kant, die Analyse von Eichmanns Banalität sowie die Diskussion verschiedener Formen des Bösen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie radikales Böses, Banalität des Bösen, Gedankenlosigkeit, totale Herrschaft und menschliche Spontaneität definiert.
Wie bewertet Arendt die Rolle von Adolf Eichmann?
Arendt charakterisiert Eichmann nicht als dämonisches Monster, sondern als einen beängstigend gewöhnlichen, gedankenlosen Beamten, dessen Verbrechen aus einer Unfähigkeit zum eigenständigen Denken und Hinterfragen resultierten.
Warum bezieht sich Arendt in ihrer Analyse auf Kant?
Arendt nutzt den von Kant geprägten Begriff des radikalen Bösen als Ausgangspunkt, kritisiert jedoch dessen Rationalisierungsversuch und stellt ihm ihre eigene, aus der Erfahrung totalitärer Herrschaft gewonnene Sichtweise gegenüber.
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- Dilara Erginos (Author), 2017, Über das Böse bei Hannah Arendt. Zur Entwicklung des radikalen Bösen mit einem Seitenblick zu Kant, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537070