Napoleon Bonaparte während der Französischen Revolution. Jakobiner oder Opportunist?


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Napoleons Herkunft und junge Jahre
2.1. Heimat und Familie
2.2. Jugendjahre

3. Beginn der Revolution und die Herrschaft der Jakobiner
3.1. Politische Veränderungen auf Korsika
3.2. Napoleons Annäherung an die Jakobiner
3.3. Militärische Karriere während der Revolution

4. Der 9. Thermidor und die Herrschaft der Thermidorianer
4.1. Napoleon als „ehemaliger Jakobiner“
4.2. Erneuter Aufstieg unter den Thermidorianern
4.3. Der 17. Fructidor und Napoleons Aufstieg in die Politik

5. Fazit

6. Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur
6.1. Quellenverzeichnis
6.2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Bürger, die Revolution ist auf ihre Grundsätze gebracht, von denen sie ausgegangen ist; sie ist beendet“1. Dies soll Napoleon Bonaparte dem französischen Volk im Dezember 1799 mitgeteilt haben. Dass dieser junge Mann zu diesem Zeitpunkt einen steilen militärischen und politischen Aufstieg hinter sich hatte, ist hinreichend bekannt. Immerhin war er gerade zum Ersten Konsul aufgestiegen und würde sich nur einige Jahre später selbst zum Kaiser krönen. Ebenso ist den meisten Menschen bekannt, dass er schon während der Französischen Revolution als Offizier tätig war und so den Grundstein für seinen steilen Aufstieg legte. Um diese Zeit in Napoleons Leben soll es in dieser Arbeit gehen. Dabei möchte ich jedoch nicht seine militärischen Talente oder seine Fähigkeiten als Feldherr betrachten, sondern sein Verhältnis zur französischen Revolution. Wie war sein persönliches Verhältnis zu den mächtigen Männern der Revolution und welche Rolle spielte dieses Verhältnis bei seinem steilen Aufstieg? War Napoleon tatsächlich ein Jakobiner, wie es häufiger behauptet wird? Was hielt der spätere Kaiser Frankreichs von dem großen gesellschaftlichen Wandel?

Um diese Fragen zu beantworten werde ich chronologisch vorgehen und dabei versuchen die Handlungen und Meinungen Napoleons während der Revolution nachzuvollziehen. Um wesentliche Charakterzüge Napoleons herauszuarbeiten und so seine Persönlichkeit besser zu verstehen, werde ich bei seiner Herkunft und Kindheit beginnen, diese aber nur kurz anreißen. Aufgrund des Umfangs dieser Hausarbeit, habe ich mich dazu entschlossen, zeitlich nicht über den Staatsstreich des 18. Brumaire hinauszugehen. Da Napoleon selbst die Revolution mit seinem Aufstieg zum Ersten Konsul als beendet ansieht, wie das oben genannte Zitat zeigt, kommt es mir als Endpunkt meiner Arbeit geeignet vor.

Um diese Zeit in Napoleons Leben bearbeiten zu können, muss ich vor allem texthermeneutisch vorgehen. Bei der Literatur stellen sich mir jedoch schon zwei große Probleme in den Weg. Zum einen gibt es wenig Literatur, die sich speziell mit diesem Thema oder dieser Zeit in Napoleons Leben auseinandersetzt. Ich habe zwei Aufsätze gefunden, die ich jedoch leider nicht benutzen kann. Der Aufsatz „Buonaparte – Bonaparte – Napoleon“ mit dem Untertitel „Vom Parteigänger der Revolution zum Kaiser“ von Dr. Hans-Ulrich Thamer, der in „Napoleon: Trikolore und Kaiseradler über Rhein und Weser“ von Veit Veltzke erschienen ist, ist in der ULB entliehen und als Präsenzbestand der Bibliothek im Fürstenberghaus nicht auffindbar.

Auch der Aufsatz „Bonaparte républicain“ von Alphonse Aulard ist als deutsche Übersetzung nicht vorhanden und für mich, aufgrund meiner fehlenden Französischkentnisse, in der Originalsprache nicht zu gebrauchen. Das ist das zweite große Problem. Dies gilt nämlich nicht nur für spezielle Literatur, sondern ebenso für viele Primärquellen. Briefe, Aufsätze oder verschriftliche Reden Napoleons habe ich als deutsche Übersetzung nicht gefunden. Lediglich die Memoiren Napoleons waren als deutsche Fassung zugänglich. Jedoch muss man diese kritisch hinterfragen, da sie teilweise retrospektiv als Rechtfertigung für vergangene Handlungen geschriebene Passagen enthält, die nicht mit Napoleons eigentlichen Einstellungen und Meinungen dieser Zeit übereinstimmen.

Ich muss mich also zum Großteil auf die Biographien Napoleons verlassen und die in ihnen enthaltenen Zitate von Napoleons Briefen und Schriften. Auch die Biographien behandeln Napoleons Dasein während der Revolution unterschiedlich ausgiebig. Besonders Jean Tulard und Johannes Willms setzen sich mit den jungen Jahren Napoleons, wie auch seinem Aufstieg während der Revolution auseinander. Jedoch zeigen diese beiden ein unterschiedliches Bild von Napoleon. Während sich die Biographie von Tulard mit dem Mythos von Napoleons auseinandersetzt, versucht Willms gerade diesen zu vermeiden. Auffällig ist, dass er Napoleon von Beginn an als Opportunisten darstellt und sogar ein ganzes Kapitel danach benennt. Tulards Bild von Napoleon ist hingegen um einiges positiver, wie der Untertitel „Mythos des Retters“ schon vermuten lässt.

Meine Aufgabe in dieser Arbeit ist es nun, die Aussagen der beiden Biographien, unter Zuhilfenahme anderer Biographien und Literatur, zu vergleichen und so ein möglichst genaues Bild von dem Napoleon dieser Zeit zu zeichnen.

2. Napoleons Herkunft und junge Jahre

Um Napoleons persönliche Belange und Einstellung zu erarbeiten, muss man sein komplettes Leben betrachten. Es reicht nicht bei der Frage nach seinem Verhältnis zur französischen Revolution nur seine Berührungspunkte mit ebendieser zu betrachten. Ein Stück weit geht es darum sich mit Napoleons Wesen zu beschäftigen, um seine persönliche Einstellung zur Revolution zu verstehen. Daher beginne ich bei seiner Herkunft, Kindheit und Jugend.

2.1. Heimat und Familie

Obwohl er heute wahrscheinlich als einer der berühmtesten Franzosen gilt, wurde er nicht direkt in Frankreich geboren. Auf die Welt kam Napoleon am 15. August 1769 in Ajaccio, auf der Insel Korsika, welche bei Napoleons Geburt gerade seit 15 Monaten zu Frankreich gehörte. Zuvor stand sie unter der Herrschaft des Königreichs Genua. Es tobte ein andauernder Unabhängigkeitskampf, der auch mit der Annektierung durch Frankreich nicht beendet war.2

Napoleon Bonaparte3 oder Napoleone Buonaparte, wie sein Geburtsname lautete, wurde also zwar unter der Herrschaft Frankreichs, aber als Korse geboren.4

Seine Mutter Letizia heiratete im jungen Alter von 14 Jahren den angesehenen Carlo Bounaparte. Sie bekamen im Laufe ihrer Ehe zwölf Kinder, von denen jedoch nur acht überlebten. Napoleon war der zweitälteste von ihnen, nur Joseph war ein Jahr älter.5 Laut eigener Aussage, war Napoleon von Geburt an ein neugieriges Kind.6 Mutter und Sohn hatten ein besonderes Verhältnis zueinander. Die besondere Verbindung bestätigte er später auf St. Helena wo er über sie sagte: „Eine Mutter, wie es nur wenige gibt – eine herrliche Frau von vielem Verstande“7.

Seinen Vater Carlo nennt Napoleon in seinen Memoiren einen „Edelmann“8. Als Korsika an Frankreich fiel, nutzte er seinen Ruf und seine Kontakte, um in Frankreich als Beamter zu arbeiten und so weiterhin Geld für seine Familie zu verdienen. Dank der Kontakte seines Vaters zum französischen Gouverneur auf Korsika, dem Graf von Marbeuf, wurde Napoleon ein königliches Stipendium zuteil.

2.2. Jugendjahre

Die militärische Laufbahn Napoleons begann schon im Alter von neun Jahren an der Militärakademie. Für die zunehmend in finanzielle Not geratene Familie Buonaparte war dies eine Entlastung, denn es bedeutete für Napoleon Sicherheit und Verpflegung. Doch das Leben auf der Militärakademie Brienne war beschwerlich. Es herrschten Disziplin und Ordnung.9

Napoleon war aufgrund seiner Herkunft und seiner Schwierigkeiten mit der französischen Sprache bei seinen Mitschülern nicht sehr beliebt. Es machte ihn zum Außenseiter. Er vertiefte sich daraufhin in die Literatur, besonders auf die Beschreibungen großer Männer, wie Julius Caesar. Ein besonders guter Schüler war er jedoch nicht.10

Mit fünfzehn Jahren wurde Napoleon in die École Militaire in Paris aufgenommen. Nur ein Jahr nach seiner Aufnahme beendete Napoleon das Studium erfolgreich, was besonders ist, da dieses Studium normalerweise mindestens zwei Jahre beanspruchte. Im September 1785 bestand er die Offiziersprüfung und startete als Unterleutnant seinen Militärdienst in Südfrankreich.

Schon im Februar 1785, starb sein Vater Carlo und ließ die Familie mit finanziellen Sorgen zurück. Napoleon fühlte sich in der Verantwortung und schrieb im März seinem Onkel Lucien, um ihn zu beten, sich um die Familie zu kümmern. Er selbst war noch nicht im Militärdienst und konnte daher seine Familie finanziell nicht unterstützen. Auch deshalb absolvierte er sein Studium an der École Militaire schneller als gewöhnlich. Die Freizeit als Unterleutnant verbrachte er sehr zurückhaltend, lebte fast enthaltsam, um Geld für seine Familie zu sparen.11

Auch der Beginn seiner Offizierstätigkeit war noch bestimmt vom Tod seines Vaters. Im September 1786, nur ein Jahr nach dem Bestehen der Offiziersprüfung bekam Napoleon das erste mal Urlaub. Diesen verbrachte er in Ajaccio, wo er seiner Familie zur Seite stand und sich um die finanziellen Hinterlassenschaften seines Vaters kümmerte. Erst im Mai 1788 kehrte er zu seinem Regiment, das zu diesem Zeitpunkt in Auxonne stationiert war, zurück.12

„Alle familiären Sorgen haben mir meine Jugendjahre verdorben; sie haben sich auf meine Stimmung ausgewirkt und mich vor der Zeit ernst werden lassen.“13, sagte er später über die familiären Probleme seiner Jugend.

3. Beginn der Revolution und die Herrschaft der Jakobiner

1789 begann die französische Revolution. Die Einberufung der Generalstände führte zur Ausrufung des Nationalkonvents durch den dritten Stand. Es kam bekanntlich zu Unruhen seitens des Volkes, die sich besonders gegen den König richteten. Die Jakobiner um Robespierre gewannen zunehmend an Einfluss und schließlich kam es zum Ende der nur noch konstitutionellen Monarchie.

3.1. Politische Veränderungen auf Korsika

Napoleon konzentrierte sich in dieser Zeit allerdings noch auf Korsika. Im September 1789 verließ er Auxonne deshalb wieder und nahm sich Urlaub, um nach Korsika zu gehen, wo er bis zum Februar 1791 blieb.

Als Napoleons Vorbild Pascal Paoli 1790 aus seinem englischen Exil nach Korsika zurückkehrte, spaltete sich das politische Korsika in zwei Lager. Die Paolisten, benannt nach eben jenem korsischen Patrioten, standen den Royalisten gegenüber, welche sich der französischen Krone verbunden fühlten.

[...]


1 Zitiert nach: Axel Kuhn, Die Französische Revolution, Stuttgart ⁶1999, S.166

2 Vgl. Roger Duffraise, Napoleon. Revolutionär und Monarch, München 1994, S.11

3 In Folge werde ich der Kürze halber und um Verwechslungen mit seinen Brüdern auszuschließen den Vornamen „Napoleon“ verwenden

4 Vgl. Jean Tulard, Napoleon oder Mythos des Retters, Tübingen 1978, S.45-47

5 Vgl. Eckart Kleßmann, Napoleon. Ein Charakterbild, Weimar 2000, S.6

6 Vgl. Napoleon, Napoleon Bonapartes Memoiren I, übersetzt von Heinrich Gauss, Weimar 1834, S.14

7 Zitiert nach: Ebd. S. 14

8 Ebd. S.10

9 Vgl. Johannes Willms, Napoleon. Eine Biographie, München 2005, S.15

10 Vgl. Roger Duffraise, Napoleon. Revolutionär und Monarch, München 1994, S. 12f; Volker Ullrich, Napoleon, Reinbek bei Hamburg ³2011, S.16

11 Vgl. Johannes Willms, Napoleon. Eine Biographie, München 2005, S.17-19; Volker Ullrich, Napoleon, Reinbek bei Hamburg ³2011, S.19

12 Vgl. Jean Tulard, Napoleon oder Mythos des Retters, Tübingen 1978, S.50f

13 Zitiert nach: Johannes Willms, Napoleon. Eine Biographie, München 2005, S.19

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Napoleon Bonaparte während der Französischen Revolution. Jakobiner oder Opportunist?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V537122
ISBN (eBook)
9783346135667
ISBN (Buch)
9783346135674
Sprache
Deutsch
Schlagworte
napoleon, bonaparte, französischen, revolution, jakobiner, opportunist
Arbeit zitieren
Onno Suntken (Autor), 2017, Napoleon Bonaparte während der Französischen Revolution. Jakobiner oder Opportunist?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537122

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