Der Horos des zweiten Konzils von Nizäa 787 und seine Folgen für den Bilderstreit


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Christentum und die Bilder vor dem Konzil 787

3. Das Zweite Konzil von Nizäa

4. Der Konzilsbeschluss

5. Folgen für den Bilderstreit

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
7.1. Quellen
7.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Schon viele Künstler haben sich daran versucht ein Bildnis von Gott zu erschaffen. Das wohl bekannteste stammt aus der Feder von Leonardo Da Vinci. An der Decke der Sixtinischen Kapelle sehen wir den Gottvater bei der „Erschaffung Adams“, so der Titel des Bildes. Nicht zuletzt dank dieses Bildes beschränkt sich die Darstellung von Gott häufig auf einen älteren Mann mit weißem Bart und krausen, ebenso weißen Haaren. Dabei ist die bildliche Darstellung von Gott heute noch ebenso schwierig wie umstritten.

In den 10 Geboten heißt es „Du sollst dir kein Gottesbild machen..“1. Ist es also verboten Gott auf künstlerische Art und Weise darzustellen? In der heutigen Praxis scheint diese Frage mit „Nein“ beantwortet worden zu sein. Ob in Cartoons, Filmen oder modernen Gemälden, Gott begegnet uns überall. Besonders Jesus Christus wird in fast allen Medien abgebildet. Was heute kein Problem darstellt, mündete in der Frühzeit des Christentums in einen handfesten Streit, der seinen vorläufigen Höhepunkt im zweiten Konzil von Nizäa fand.

Um den Beschluss dieses Konzils, soll es in dieser Hausarbeit gehen. Ich möchte herausfinden welche Konsequenzen das Konzil für den Fortlauf des Bilderstreits hatte und wie es sich in der folgenden Entwicklung des Christentums niedergeschlagen hat. Um dies zu erreichen, werde ich zunächst kurz auf die Entstehung des Bilderstreits eingehen und die Situation vor dem Konzil beleuchten, um den Beschluss des Konzils in seinen historischen Kontext einordnen zu können. Im Folgenden werde ich auf den Beschluss selbst genauer eingehen, um die Folgen herauszuarbeiten. Diese chronologische Vorgehensweise hat den Vorteil, dass sich die Situation vor dem Konzil mit der Situation nach dem Konzilsbeschluss vergleichen lässt. Den Inhalt der Konzilssitzungen und die Argumentationen der streitenden Positionen werde ich keine große Beachtung schenken, da es mir hauptsächlich um den Beschluss selbst und die damit verbundenen Veränderungen geht und der theologische Inhalt der Diskussion die Rahmen meiner Hausarbeit sprengen würde.

Der Forschungsstand ist zum geschichtlichen Aspekt des Konzils recht einheitlich. Zur Vorgeschichte und dem Ablauf des Konzils bezieht sich ein Großteil der Literatur auf die selben Quellen, nämlich Mansi und Theophanes. Die ausführlichsten Beschreibungen zum Konzil und dessen Vorgeschichte finden sich bei Gervais Dumeige, in dessen Buch Nizäa II, welches mir zunächst als Anhaltspunkt dienen wird. Hinzu kommen viele Darstellungen aus Lexika oder Reihen zur Konzilsgeschichte, sowie einige Aufsätze, die sich insbesondere mit dem Konzilsbeschluss selbst auseinandersetzen. Ein Problem wird sein, dass sich viele der Texte mit dem theologischen Aspekt des Bilderstreits befassen. Da dieser nicht das Hauptthema der Hausarbeit sein soll, werde ich versuchen die geschichtlichen Aspekte aus der Literatur herauszufiltern.

2. Das Christentum und die Bilder vor dem Konzil 787

Für die wachsende Gemeinde der Urchristen hatten religiöse Bilder noch nicht die Bedeutung, die sie im Laufe der Zeit bekommen sollten. Nicht zuletzt liegt dies an dem Ursprung des Christentums im Judentum, welches religiöse Bilder und Darstellungen ablehnte. „Das Christentum konnte sich auf kein künstlerisches Erbe beziehen;...“.2 In den ersten beiden Jahrhunderten orientierte sich das Christentum zudem stark an der Schrift. Das hatte zur Folge, dass man diese Bilder ebenfalls ablehnte, um nicht dem Götzendienst zu verfallen und vom wahren Gott abzurücken. Auch die frühchristlichen Apologeten sprachen sich gegen diese Art von Bildern aus. So beziehen sich Tertullian, Irenäus oder Aristides häufig auf die Verbote in der Bibel. Minicius Felix und Klemens von Alexandrien argumentierten daraufhin theologisch gegen die Herstellung von Gottesbildern. „Das Abbild Gottes ist der Mensch“3, zitiert Gervais Dumeige Minicius Felix und bringt damit dessen Aussage zur Geltung, dass Gott im Herzen des Menschen verehrt wird und so die äußere Gestalt Gottes nicht darstellbar sei. Auch Klemens von Alexandrien bestätigt die Unmöglichkeit der bildlichen Darstellung vom Logos, der Gott ist. Jedoch schließt dieser die Darstellung christlicher Symbole nicht aus.

Trotz der Haltung der Apologeten, tauchten ab dem dritten Jahrhundert zunehmend Bildwerke mit christlichen Darstellungen auf. Vor allem in der Grabkunst, der Gestaltung von Sarkophagen, sind christliche Illustrationen oder Skulpturen zu finden. Da sich dies auch im vierten Jahrhundert nicht ändert, ist davon auszugehen, dass die bildliche Darstellung von Gott oder Christus weitestgehend akzeptiert wurde. Die Synode von Elvira, die zu Beginn des vierten Jahrhunderts versuchte dem Einhalt zu gebieten fand kaum Auswirkungen, was allerdings auch an der räumlichen Entfernung zu Byzanz gelegen haben kann.4

In der Folge wurden auch Stimmen zur Verteidigung der Bilder laut. So wurde häufig Basilius zitiert, der davon spricht, dass die Verehrung nicht dem Bild an sich zu Teil werde, sondern dem Dargestellten, also dem Urbild.5 Die Streitfrage drehte sich insbesondere um die Anfertigung von Darstellungen Christi in dessen Mensch-Sein. Günter Lange bringt die es auf den Punkt indem er sagt „Es geht also letztlich um die Frage, ob das biblische und urchristliche Gottesbildverbot auch auf den Fall des menschgewordenen Gottessohns anwendbar sei oder ob dieses Verbot durch die Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth als aufgehoben zu gelten habe.“6.

Diese Frage scheint beantwortet, wenn man die zunehmende Verehrung von Christusbildern im sechsten Jahrhundert betrachtet. In dieser Zeit bildete sich auch die Verehrung von sogenannten Acheiropoieten aus. Dies waren Bilder, die nicht von Menschen gemacht, sondern von Gott gekommen sein sollen.7

Die Verehrung der Bilder nahm nun Oberhand und drohte die Verehrung der Schrift abzulösen. Sie waren nicht länger Verstärker, sondern Vermittler des Glaubens.8

Glaubt man Dr. Thomas Sternbergs Hypothese, dass durch die Veränderung der Bilder hin zu Objekten kultischer Verehrung, die er in das fünfte Jahrhundert datiert, erstmals eine Rechtfertigung für die Bilderverehrung nötig war, so würde dies bedeuten, dass diese Veränderung ausschlaggebend für Entstehung des Bilderstreits war. Man muss jedoch hinzufügen, dass ihm vorgeworfen wurde, nicht beachtet zu haben, dass es schon zuvor Verehrung von Heiligen gegeben hat, die nicht komplett von der Bildverehrung zu trennen ist.9

Im achten Jahrhundert trat der Bildverehrung ein neuer Kaiser entgegen. Mit Leo III. kam ein Mann an die Macht, der sich zwar erst mit der Zeit, aber dafür mit aller Deutlichkeit gegen die Verehrung der Bilder stellte. Ihm gegenüber standen zwei kirchliche Würdenträger, die sich für die Bilder aussprachen. Sowohl der Patriarch Germanus, als auch Papst Gregor II. versuchten der bilderfeindlichen Politik Leos II. Einhalt zu gebieten.

Auch nachdem sowohl Leo III. als auch Gregor II. gestorben waren ließ der Streit nicht nach. Gregors gleichnamiger Nachfolger Papst Gregor III. hielt gegen Leo III. an der Linie seines Vorgängers fest und auch Leos Nachfolger Konstantin V. führte die bilderfeindliche Politik seines Vaters weiter. Er ging sogar noch weiter. Gervais Dumeige nennt Konstantins Vorgehen einen „Propaganda-Feldzug gegen die Bilder“10. Es kam zum sogenannten Bildersturm oder Ikonoklasmus. Dieses Vorgehen mündete im Konzil von Hieria, welches er im Jahr 754 eröffnete.

Das Konzil von Hieria hatte es sich zur Aufgabe gesetzt die Bilderverehrung zu beenden. Es dauerte sechs Monate und wurde von Theodosius von Ephesus geleitet, der als Gegner der Bilderverehrung bekannt war. Die Argumentation des Konzils knüpft an die der frühchristlichen Bildergegner an. Neben dem Konzilsbeschluss wurden 20 Anathematismen angefertigt, die alle verurteilten, die Bilder verehrten oder anfertigten. Nach der Verlesung der Beschlüsse wurden Verbannungen gegen einige Bilderfreunde, darunter Germanus, ausgesprochen. Allerdings kann das Konzil von Hiereia nicht als Ökumenisches Konzil gelten, da lediglich das Patriarchat Konstantinopel anwesend war.11

Dennoch hatte der Konzilsbeschluss zur Folge, das Konstantin noch härter gegen die Bilder vorgehen konnte. Bilderfreunde wurden verfolgt, viele Abbildungen wurden übermalt und viele Schriften, die die Bilderverehrung verteidigten, wurden zerstört.

Erst nach dem Jahr 775, in dem Konstantin V. starb, kehrte wieder ein wenig Ruhe in die Situation um den Bilderstreit ein. Sein Sohn Leo IV. stellte sich zwar ebenso gegen die Bilder, wie sein Vater, jedoch lockerte er die Verfolgungen. Möglicherweise spielte seine Frau Irene in dieser Situation schon eine Rolle. Sicher ist jedoch, dass sie im weiteren Verlauf des Bilderstreits eine wichtige Position einnehmen wird. Denn nach nur 5 Jahren im Amt starb Leo IV. und überließ den Kaiserthron seinem erst zehn jährigen Sohn Konstantin VI. Aufgrund seiner Unmündigkeit übernahm seine Mutter die Vormundschaft und damit bis zu seiner Volljährigkeit die Regentschaft. Letztendlich ist sie es, die das Zweite Konzil von Nizäa einberuft.12

3. Das Zweite Konzil von Nizäa

Laut Gervais Dumeige, der sich hier auf Theophanes bezieht, entsprang die Idee des Konzils aus dem Rücktritt des Patriarchs Paul IV. Dieser hätte Irene berichtet er wäre unter den herrschenden Umständen lieber nie Patriarch gewesen und er sei der Meinung, dass nur ein Konzil die Lage retten könnte. Daraufhin hätten Irene und Konstantin ein Schreiben an Papst Hadrian gerichtet, um ihm von dem Vorhaben zu berichten.

Schon zuvor setzte sich Irene für die Freiheit in der Bilderfrage ein. Viele Menschen, darunter auch Bischöfe, vertraten noch den Beschluss des Konzils von Hiereia. Nicht zuletzt dank der Reputation Konstantins V. im militärischen Bereich war dort die vorherrschende Meinung ikonoklastisch, also bilderfeindlich.13

Doch Irene ersetzte Bildergegner in wichtigen Posten durch Bilderfreunde, wodurch diese an Macht gewannen.14 Durch das Konzil von Hiereia war die byzantinische Kirche gespalten. Um wieder Einigkeit zu schaffen war ein weiteres Konzil nötig, in dem die Patriarchen und Bischöfe ihre Meinung frei austauschen konnten.15

[...]


1 Bezogen auf die Einheitsübersetzung.

2 YANNOPOULOS, Panayotis, Vom zweiten Konzil von Kontantinopel (553) zum zweiten Konzil von Nicaea (786-787). In: ALBERIGO, Giuseppe (Hrsg.), Geschichte der Konzilien, Vom Nicaenum bis zum Vaticanum II. Wiesbaden 1998. S.161.

3 DUMEIGE, Gervais, Nizäa II (=Geschichte der ökumenischen Konzilien. Band 4). Mainz 1985. S. 24.

4 Vgl. DUMEIGE. S. 21-33.

5 Vgl. ebd. S. 33-50.

6 LANGE, Günter, Der byzantinische Bilderstreit und das Bilderkonzil von Nikaia (787). In: HOEPS, Reinhard (Hrsg.), Handbuch der Bildtheologie. Band 1, Bild-Konflikte. Paderborn 2007. S. 173f.

7 Vgl. DUMEIGE. S. 62-70.

8 Vgl. LANGE. S. 174f.

9 Vgl. STERNBERG, Dr. Thomas, Fünf Thesen zur Kontroverse um die Erlaubtheit der Bilder in der frühen Kirche. In: WOHLGEMUTH, Josef (Hrsg.), Streit um das Bild, Das Zweite Konzil von Nizäa (787) in ökumenischer Perspektive. Bonn 1989. S. 33-37.

10 DUMEIGE. S. 109.

11 Vgl. THÜMMEL, Hans Georg, Die Konzilien zur Bilderfrage im 8. und 9. Jahrhundert, Das 7. Ökumenische Konzil in Nikaia 787 (=Konziliengeschichte, Reihe A: Darstellungen). Paderborn 2005. S. 107.

12 Vgl. DUMEIGE. S. 122-135.

13 Vgl. ebd. S. 135f.

14 Vgl. YANNOPOULOS. S. 165.

15 Vgl. THÜMMEL. S. 107.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Horos des zweiten Konzils von Nizäa 787 und seine Folgen für den Bilderstreit
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V537129
ISBN (eBook)
9783346135773
ISBN (Buch)
9783346135780
Sprache
Deutsch
Schlagworte
horos, konzils, nizäa, folgen, bilderstreit
Arbeit zitieren
Onno Suntken (Autor), 2017, Der Horos des zweiten Konzils von Nizäa 787 und seine Folgen für den Bilderstreit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537129

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Horos des zweiten Konzils von Nizäa 787 und seine Folgen für den Bilderstreit



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden