Diese Hausarbeit soll sich damit beschäftigen, wie Kameraeinstellung und Schnitt die Inszenierung und somit die Performanz der Politiker beeinflussen können. Es soll deutlich gemacht werden, wie Produzenten Einfluss auf die Wahrnehmung der Zuschauer nehmen können und wie wichtig es sein kann, über mediale Kompetenzen zu verfügen, um dies zu erkennen und zu hinterfragen.
Dabei beschäftigt sie sich mit dem persuasiven Sprachhandeln: Wie drücken wir uns aus? Welche Wirkung erzeugen wir so bei unserem Gegenüber? Persuasives Sprachhandeln beschäftigt sich oft vor allem mit der Politik und wie Politiker*innen sich durch Sprache und Ausdruck in ein bestimmtes Licht rücken. Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, wie die Kameraeinstellungen in Polittalkshows das Gesagt oder Nichtgesagt von Poltiker*innen unterstützt bzw. gemildet wird.
Dafür wird exemplarisch der Fünfkampf 2017 untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufbau einer Polit-Talkshow
2.1 Der Moderator
2.2 Die Gäste
2.3 Das Publikum
3. Die Inszenierung durch Kameraeinstellung
3.1 Das Verhältnis zwischen verbalen Äußerungen und technisch-visueller Darstellung
3.2 Strukturierung und Dynamisierung des Geschehens
3.3 Profilierung des Sprechers
3.4 Profilierung von Beteiligungsrollen
4. Analyse von Polit-Talkshows
4.1 Der Fünfkampf nach dem TV-Duell
4.2 Sequenz 1: Thema Digitalisierung
4.3 Sequenz 2: Thema Bildung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Kameraeinstellungen und Schnitttechniken auf die wahrgenommene Performanz von Politikern in Polit-Talkshows. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie visuelle Inszenierung die Wirkung sprachlicher Beiträge beim Zuschauer manipulieren oder verstärken kann.
- Mediale Inszenierung und Politainment in Talkshows
- Die Rolle von Produktion und Bildregie als „dritte Partei“
- Analyse der Kameraführung zur Strukturierung und Dynamisierung
- Kategorisierung von Profilierungsstrategien (Sprecher vs. Beteiligungsrollen)
- Empirische Untersuchung anhand von Transkriptionssequenzen
Auszug aus dem Buch
Die Inszenierung durch Kameraeinstellung
Polit-Talkshows gehören, wie das Wort talk impliziert, zum performativen Fernsehgenre. Die Gäste inszenieren sich durch sprachliche Äußerung und wollen damit eine bestimmte Wirkung beim Zuschauer erreichen. Hinzu kommt aber der starke Showcharakter, d.h. auch dem Visuellen muss eine starke Bedeutsamkeit zugeschrieben werden. Auch hierfür sind die Gäste eigenverantwortlich durch Mimik oder Gestik, jedoch werden sie an dieser Stelle mit einem Kontrollproblem konfrontiert. Produzenten, Bildregie und Schnitt können die visuelle Wirkung überarbeiten und somit die Performanz der Gäste in ein völlig anderes Licht rücken. (Holly 2015, 124) Die Botschaften, die beim Zuschauer schlussendlich ankommen, sind mehrfach gefiltert und wurden in dem Sinne transkribiert, dass Äußerungen oder Verhalten „anders lesbar“ gemacht werden. Oftmals erscheint dieses Vorgehen natürlich und wird von den Zuschauern nicht aktiv wahrgenommen, dennoch darf die Wirkung nicht unterschätzt werden. Denn die Zuschauer nehmen das Gespräch, das in der Talkshow geführt wird, zwar auditiv und visuell wahr, die Hauptaufmerksamkeit liegt aber auf den Bildern, die ihnen gezeigt werden. (Klein 2015, 247) Aus diesem Grund ist es wichtig, sich damit zu beschäftigen, welche Wirkung bestimmte Kameraeinstellungen und Schnitte genau haben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Genre Polit-Talkshow und die Bedeutung der (Selbst-)Inszenierung sowie Definition der Forschungsfrage zur Kameraeinflussnahme.
Aufbau einer Polit-Talkshow: Erläuterung der Rollenverteilung zwischen Moderator, Gästen und Publikum sowie deren Beitrag zur Gesprächsstruktur.
Die Inszenierung durch Kameraeinstellung: Theoretische Herleitung der Wirkung von Kamerabewegungen und Schnitten auf die Performanz und Profilierung der Akteure.
Analyse von Polit-Talkshows: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf den „Fünfkampf nach dem TV-Duell“ mit Fokus auf Digitalisierung und Bildung.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung über die Macht der Bildregie und das Erfordernis einer geschärften medialen Kompetenz beim Rezipienten.
Schlüsselwörter
Polit-Talkshow, Politainment, Kameraeinstellung, Schnitt, Inszenierung, Performanz, Mediale Kompetenz, Bildregie, Sprecherprofilierung, Adressatenverdopplung, Politische Kommunikation, Zuschauerwirkung, Fernsehanalyse, Rhetorik, Wahlkampf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die visuelle Gestaltung von Polit-Talkshows durch Kameraeinstellungen und Schnitte die Wirkung und Performanz der teilnehmenden Politiker beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Phänomen des "Politainment", der Rolle der Produktion bei der Inszenierung von Sprechern sowie der medienlinguistischen Analyse von Bild-Sprach-Transkriptionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Zuschauer nicht nur auf die verbalen Aussagen der Politiker reagieren, sondern in starkem Maße von der bildlichen Inszenierung durch die Regie beeinflusst werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine medienlinguistische Analyse auf Basis von Transkriptionen angewendet, bei der Verbaltext, nonverbales Verhalten und Kameraeinstellungen systematisch in Korrelation gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung (Aufbau der Show) und eine empirische Analyse von zwei spezifischen Sequenzen aus dem ARD-Fünfkampf zum Thema Digitalisierung und Bildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Polit-Talkshow, Inszenierung, Performanz, Bildregie und Adressatenverdopplung.
Wie wirkt sich die Kamera auf Joachim Herrmann in der ersten Sequenz aus?
Die Kamera unterstützt durch ihre Positionierung hinter den Moderatoren einen "Verhörcharakter", der die Unsicherheit des Politikers visuell verstärkt und ihn in die Defensive drängt.
Warum wird Christian Lindner in der zweiten Sequenz als "stark" wahrgenommen?
Die Kamera fokussiert ihn so, dass er im visuellen Mittelpunkt steht und seine Konfrontation mit den anderen Gästen durch spezielle Kamerafahrten dramaturgisch unterstützt wird, während seine Mimik kaum kritisch hinterfragt wird.
Was versteht die Autorin unter der "Adressatenverdopplung"?
Die Gäste einer Talkshow müssen sich gleichzeitig gegenüber dem Gegenüber im Studio (Primäradressat) und dem Publikum vor dem Fernseher (Sekundäradressat) behaupten, wobei die Regie den Fokus häufig auf den Sekundäradressaten legt.
- Quote paper
- Jana Hartmann (Author), 2018, Bildinszenierung in Polit-Talkshows. Wie wirken sich Kameraeinstellung und Schnitt auf die Performanz der Politiker aus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537143