Ansätze, Anwendung und Kritik wertorientierter Controlling-Konzepte


Hausarbeit, 2018

24 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

III Formelverzeichnis

IV Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Shareholder Value-Konzept
2.1 Ursprung
2.1 Grundkonzepte

3 Konzepte des unternehmenswertorientierten Controllings
3.1 Discounted Cashflow
3.2 Cashflow Return on Investment
3.3 Economic Value Added
3.4 Market Value Added
3.5 Cash Value Added

4 Vergleich der vorgestellten Ansätze

5 Fazit

V Literaturverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Discounted Cashflow und Shareholder Value

Abbildung 2: Free Cashflow-Berechnung

Abbildung 3: Cashflow Return on Investment-Berechnung

Abbildung 4: Vergleich vorgestellter Ansätze

III Formelverzeichnis

Formel 1: Free Cashflow der Planungsperiode

Formel 2: Free Cashflow in der ewigen Rente

Formel 3: Berechnung des WACC

Formel 4: Berechnung des Eigenkapitalkostensatzes

Formel 5: Berechnung des CFROI

Formel 6: Vereinfachte CFROI-Berechnung

Formel 7: EVA-Berechnung nach der Capital Charge-Formel

Formel 8: EVA-Berechnung nach der Value Spread-Formel

Formel 9: Berechnung des CVA

IV Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Weltweit zeichnet sich ein Wettbewerb um Kapital ab. Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company prognostiziert für das Jahr 2020 eine globale Kapitalnachfrage in Höhe von 24,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Zehn Jahre zuvor fiel diese noch um ein Fünftel geringer aus.1 Um diesen Wettbewerb erfolgreich bestreiten zu können, müssen Unternehmen Eigenkapitalgebern nachhaltige, risikoadjustierte Renditeerwartungen in Aussicht zu stellen. Dabei kristallisieren sich zwei Problemfelder heraus. Zum einem geben Investoren die Verfügungsgewalt über die Ressource Kapital an das Management der jeweiligen Unternehmung ab. Dabei können Spannungsfelder zwischen dem Zielen des Investors als Auftraggeber und denen des Managements als Auftragnehmer entstehen. Informationsasymmetrien zwischen der beauftragenden und der leistenden Partei können potenzielle Spannungen verstärken. Zum Anderem bedarf es einer Bewertungslogik, welche den Wertzuwachs innerhalb einer Betrachtungsperiode messbar gestaltet und um Eigenkapitalkosten, handelsrechtlicher Bewertungswahlrechte und weitere verzerrenden Faktoren bereinigt.

Die Grundlage für diese Entwicklung bildeten unter anderem die Überlegungen von Milton Friedman und Alfred Rappaport, der den Gedanken des Shareholder Value in den frühen 90er Jahren zu Popularität verhalf. Die Wertbeitragsmessung beruht dabei auf der Kumulation diskontierter zukünftiger Zahlungsströme nach Abzug des Marktwertes des Fremdkapitals. Das Ziel dieses Ansatzes ist es den Unternehmenswert zu Gunsten der Anteilseigner zu maximieren. Seither haben sich zahlreiche Kennzahlenkonzepte herausgebildet, welche den Wertbeitrag eines Unternehmens mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung bestimmen. Das Controlling bildet dabei die Brücke zwischen zugrunde gelegten Annahmen aus der Finanzierungs- und Kapitalmarkttheorie und einer ganzheitlichen, richtungsweisenden Integration dessen in das Zielbild und das prozessuale Konstrukt der Unternehmung.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es wertorientierte Steuerungskonzepte miteinander zu vergleichen, die zur Lösung der oben beschriebenen Spannungsfelder beitragen. Dabei wird zunächst auf das Shareholder Value-Konzept und seine Ursprünge und Grundkonzepte Bezug genommen, welche die Grundlage für die nachfolgenden Konzepte des wertorientierten Controllings bilden. Im Hauptteil der Arbeit werden ausgewählte Steuerungskonzepte beleuchtet und hinsichtlich ihrer Basisgrößen und des zeitlichen Bezugs miteinander verglichen. Schließlich werden die Erkenntnisse der vorliegenden Arbeit in einem Fazit zusammengetragen.

2 Das Shareholder Value-Konzept

Die nachfolgenden Abschnitte befassen sich mit den Ursprüngen und Grundkonzepten des Shareholder Value Ansatzes. Sie beleuchten die Umstände, welche die Entwicklung dieses Denkansatzes forciert haben, verfolgen die wirtschaftlichen Auswirkungen, die die Anwendung mit sich gezogen hat und zeigen den Stand der Entwicklung in Abhängigkeit der zugrunde gelegten Grundkonzepte des Shareholder Value-Ansatzes auf.

2.1 Ursprung

Im September 1970 äußerte sich der Wirtschaftswissenschaftler und Neoliberalist Milton Friedmann im Zuge eines Interviews mit der New York Times zu den Ausmaßen und Formen unternehmensseitiger sozialer Verantwortung, welche er bereits in seinem 1962 erschienenen Buch „Kapitalismus und Freiheit“ thematisierte. Friedmann kritisiert dabei die Debatte über soziale Verantwortung von Unternehmen, da nur natürliche Personen Verantwortung tragen können und keine Unternehmen, die künstlich personifiziert werden.2 Friedmans Aussage nach, besteht in einer marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaft mit dem Recht auf Privateigentum die einzige Verantwortung des Managements, als angestellte Arbeitnehmer der Eigentümer, darin, die Gewinne des Unternehmens, unter Einhaltung rechtlicher und ethischer Restriktionen, zu maximieren. Anderweitig würden sie Eigentümergelder zur Forcierung privater Motive ausgeben .3

Mehr als zwei Jahrzehnte nach Erscheinen von Friedmans Werk, definiert Alfred Rappaport erstmalig den Begriff des Shareholder Values in seine m 1986 erschienenen Buch mit dem Titel: ‚Creating Shareholder Value: A Guide for Managers and Investors‘. Darin definiert der Autor den Unternehmenswert als Kumulation der ökonomischen Werte seines Eigen- und Fremdkapitals. Folglich bildet der Marktwert des Eigenkapitals den zu betrachtenden Shareholder Value.4 Rappaport schließt sich der Friedman’schen Argumentation der Gewinnmaximierung als Kern unternehmerischer Verantwortung an, da Unternehmen hinsichtlich der Lösung gesellschaftlicher Fragestellungen weder über die politische Legitimation noch die zur Lösung benötigte Expertise verfügen.5 Diese drastische Fokussierung der Aktionärs-/Anteilseignerinteressen unter dem vermeintlichen Ausschluss anderer Stakeholder entfachte eine breite öffentliche Diskussion, welche dem Begriff bis heute gesellschaftspolitisch belastet.6

2.1 Grundkonzepte

„‘Wertsteigerungsmanagement, ‚Shareholder Value Management‘ und ‚Value Based Management‘ sind [identische] Begriffe für eine Führungsphilosophie, deren oberstes Ziel [...] die Steigerung des Unternehmenswertes ist“.7 Dedizierter betrachtet bezeichnet Shareholder Value den Eigenkapitalanteil des Gesamtunternehmenswertes, der sich aus dem Wert seines Eigen- und Fremdkapitals zusammensetzt.8

Diese Ausrichtung erfolgt ganzheitlich und umspannt sowohl die Bereiche der Strategieformulierung, Anreizgestaltung und des internen Berichtswesens als auch die Kapitalmarktkommunikation und alle steuerungsrelevanten Kennzahlensysteme.9 Die Grundkonzepte des Shareholder Value-Ansatzes sind eng mit den Problemen klassischer Erfolgsgrößen gekoppelt. „Das verwenden des Gewinns als Erfolgsmaßstab führt u. U. dazu, dass ein Unternehmens Erfolg ausweist, obwohl tatsächlich aus der Sicht der Eigenkapitalgeber Wert vernichtet wurde.10 Dies ist dem buchhalterischen Erfolgsbegriff geschuldet, der die Deckung von Auszahlungen durch Einzahlungen und die Erzielung eines Überschusses als Erfolg versteht, ohne Berücksichtigung der Renditeforderung der (Eigen-)Kapitalgeber. Jahresabschlussorientierte Erfolgs- /Bilanzkennzahlen wie beispielsweise der Return on Investment (ROI) weisen oftmals eine unzureichende Risikoadjustierung auf, sind vergangenheitsorientiert und lassen weder Rückschlüsse auf die Altersstruktur des Anlagevermögens (AV), den Zeitwert des Geldes noch den zukünftigen Kapitalbedarf zu. Um diese Problemstellungen zu umgehen, greift das SHV-Konzept auf Zahlungsströme, sogenannte Cashflows (CF), als Basis der Wertbeitragsmessung zurück. Diese ermitteln sich aus der Gegenüberstellung zahlungswirksamer Ein- und Auszahlungen innerhalb einer Betrachtungsperiode.11 Im Unterschied zum buchhalterischen Erfolgsbegriff inkludiert diese Betrachtungsweise die Renditeforderung der Kapitalgeber in Form der Eigenkapitalkosten, welche zwecks Erfolgsbestimmung zusätzlich zu den Aufwendungen gedeckt werden müssen.12 Die Cashflow-basierte Unternehmensbewertung beziehungsweise der erzielte Wertbeitrag im Rahmen des SHV-Konzeptes sind auf unterschiedliche Arten durchführbar. Diese werden in den nachfolgenden Kapiteln näher erläutert und bilden den Hauptteil der vorliegenden Arbeit.

3 Konzepte des unternehmenswertorientierten Controllings

Die nachfolgenden Abschnitte basieren auf den Erkenntnissen und Konzepten des Shareholder Value-Ansatzes. Sie befassen sich mit den in der Praxis meist verwendeten Konzepten des Unternehmenswertorientierten Controllings zwecks Operationalisierung des Shareholder Value-Gedanken. Wie im vorangegangenen Kapitel angedeutet, bestehen hierzu unterschiedliche Herangehensweisen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Entity-Ansätzen, welche zunächst den Marktwert des Gesamtkapitals berechnen, um anschließend den Marktwert des Fremdkapitals abzuziehen und Equity- Ansätzen, welche direkt auf die Ermittlung des Marktwertes des Eigenkapitals abzielen.13 Neben der zugrunde gelegten Ergebnisgröße und der Zusammensetzung des Kapitalisierungszinssatzes spielt der herangezogene Zeithorizont eine wesentliche Rolle, welcher im Kapitel 4 thematisiert wird.

3.1 Discounted Cashflow

Das Discounted Cashflow-Verfahren (DCF) zielt auf die Unternehmenswertermittlung durch Abdiskontierung zukünftiger Zahlungsströme, die den Eigen- und/oder Fremdkapitalgebern zur Verfügung stehen, ab.14 Das Verfahren orientiert sich am Shareholder Value-Gedanken und ermöglicht die Ermittlung des Unternehmenswertes sowohl über Brutto- als auch über Nettoverfahren. Im Rahmen der Brutto-Ansätze wird zunächst der Zeitwert des Gesamtkapitals berechnet vom dem anschließend der Zeitwert des Fremdkapitals subtrahiert wird. Im Ergebnis resultiert der Zeitwert des Eigenkapitals, der Shareholder Value. DCF basierte Bruttoansätze sind zum Einem das Total Cashflow-Verfahren (TCF) sowie der Weighted Average Cost of Capital-Ansatz (WACC).15 Netto-Verfahren betrachten hingegen ausschließlich den Cashflow, der den Eigenkapitalgebern zur Verfügung steht und diskontieren diesen über die Eigenkapitalkosten ab, um den Zeitwert des Eigenkapitals zu ermitteln.16

In der Praxis bildet der WACC-Ansatz den weitverbreitetsten Ansatz DCF-basierter Unternehmenswertermittlung.17 Im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit wird dieser zur Erläuterung DCF-basierter Verfahren herangezogen. Zu den Bestandteilen der Berechnung zählen im Rahmen dieses Ansatzes der Diskontierungsfaktor, die zu kapitalisierenden Cashflows sowie der Betrachtungszeitraum.18 Dieser unterteilt sich in die Detailplanungsphase und die Phase der ewigen Rente. „Letztere ist eine Approximation für den Zeitraum, für den verlässliche Prognosen der Cashflows nicht mehr möglich sind“.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Discounted Cashflow und Shareholder Value

(Quelle: Heesen [2017], S. 39)

Abbildung 1 illustriert exemplarisch das DCF-Verfahren über den WACC-Ansatz. Zahlungsströme, sogenannte Free Cashflows (FCF) werden zunächst im Rahmen des Betrachtungszeitraums prognostiziert. Eine dedizierte Betrachtung der Cashflow- beziehungsweise WACC-Berechnung erfolgt in den nachfolgenden Abschnitten. Abdiskontiert durch den gewichteten Kapitakostensatz auf den Zeitpunkt 0 und unter Berücksichtigung der der ewigen Rente ergeben diese den Gesamtunternehmenswert. Da der WACC-Ansatz ein sogenanntes Entity- oder auch Brutto-Verfahren darstellt, stehen die ermittelten Free Cashflow sowohl Eigen- als auch Fremdkapitalgebern zur Verfügung. Zur Ermittlung des Shareholder Value muss der Marktwert des Fremdkapitals vom ermittelten Gesamtunternehmenswert abgezogen werden.

Die Ermittlung der zu kapitalisierenden Cashflows kann entweder direkt über betriebliche Ein- und Auszahlungen oder indirekt auf Basis der bilanziellen Jahresüberschusses erfolgen.20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Free Cashflow-Berechnung

(Quelle: Becker [2000], S. 14)

Abbildung 2 illustriert die direkte und indirekte Free Cashflow-Berechnung. Im Rahmen der direkten Berechnung bilden die betrieblichen Ein- und Auszahlungen aus laufender Unternehmenstätigkeit die Grundlage zur Ermittlung des Operativen Cashflows (OCF) vor Zinsen und nach Steuern. Im Zuge der direkten Cashflow-Berechnung wird hierzu der bilanzielle Jahresüberschuss zuzüglich Abschreibungen und Zuführungen zu langfristigen Rückstellungen herangezogen. Nach Abzug von Ertragssteuerzahlungen resultiert der betriebliche Cashflow vor Zinsen und nach Steuern. Vermindert man diesen um Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen in das Anlagevermögen (AV) sowie Erhöhungen des Working Capital (WC) resultiert jener Free Cashflow, der zur Berechnung über den WACC-Ansatz herangezogen werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formel 1: Free Cashflow der Planungsperiode

(Quelle: Heesen [2017], S. 39)

Formel 1 beschreibt die DCF-Berechnung innerhalb der Detailplanungsphase. Dazu werden die Free Cashflows der entsprechenden Periode durch den gewichteten Kapitalkostensatz mit der Laufzeit t abdiskontiert und kumuliert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formel 2: Free Cashflow in der ewigen Rente

(Quelle: Heesen [2017], S. 39)

Der Beitrag der ewigen Rente kann durch Formel 2 berechnet werden. Dazu wird von einem konstanten Free Cashflow ausgegangen, der dividiert wird durch den WACC und anschließend multipliziert wird mit dem WACC, welcher um 1 erhöht und mit dem Zeitpunkt t potenziert wird.

[...]


1 Vgl. Henrik Müller [2011], o. S.

2 Vgl. The New York Times [1970], S. 1.

3 ebd.

4 Vgl. Rappaport [1998], S. 48 ff.

5 Vgl. Rappaport [1998], S. 5.

6 Vgl. Prangenberg/Müller/Aldenhoff [2005], S. 5.

7 Hessen [2017], S. 30.

8 Vgl. Rappaport [1998], S. 39 f.

9 Vgl. Hessen [2017], S. 30.

10 Kehl [2001], S. 19.

11 Vgl. Düsterlho [2002], S. 40.

12 Vgl. Kehl [2001], S. 20.

13 Vgl. Holzamer [2004], S. 41.

14 Vgl. difu [o. J.], o. S.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. ebd.

17 Vgl. Hahne [2007], S. 32.

18 Vgl. Silge [2010], S. 31.

19 Silge [2010], S. 31.

20 Vgl. Becker [2000], S. 14.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Ansätze, Anwendung und Kritik wertorientierter Controlling-Konzepte
Hochschule
Hochschule Fresenius; Köln
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V537156
ISBN (eBook)
9783346127457
ISBN (Buch)
9783346127464
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Controlling, Wertorientiertes Controlling, Controlling Konzepte, Unternehmensbewertung, DCF, Discounted Cashflow, Shareholder Value, Cashflow Return On Investment, CFROI, Economic Value Added, EVA, Market Value Added, MVA, Cash Value Added, CVA
Arbeit zitieren
Christos Fotiadis (Autor), 2018, Ansätze, Anwendung und Kritik wertorientierter Controlling-Konzepte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537156

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