Dieses Essay beschäftigt sich mit der Frage worin die Doktrin des Doppeleffekts besteht und welche Schwierigkeiten sich bei der Anwendung dieser Doktrin laut Foot ergeben.
Das Prinzip der Doppelwirkung (engl. „the doctrine of the double effect“) ist ein ethischer Grundsatz der im Falle eines moralischen Dilemmas Anwendung findet. Historisch hat sich vor allem die katholische Kirche auf dieses Prinzip berufen. Zugrunde liegt das Problem, dass es zwar in allen Bevölkerungsschichten weitgehend anerkannte ethische Grundregeln gibt, beispielsweise „Du sollst nicht töten.“, diese sich jedoch in bestimmten Situationen widersprechen. In gewissen Extremfällen ist es unumgänglich, dass entweder die eine oder die andere moralische Pflicht verletzt wird. Die Doktrin soll an dieser Stelle als Orientierungshilfe dienen. Sie relativiert ethische Grundregeln. Laut dieses Prinzips ist selbst eine strenge ethische Regel (wie die des Tötungsverbots) nicht absolut, sondern kann unter bestimmten Umständen gebrochen werden.
Grundlage ist die Unterscheidung zwischen den unterschiedlichen Folgen einer Handlung. Einerseits kann eine Folge der Beweggrund der Handlung sein, das was man direkt beabsichtigt. Andererseits können auch Folgen auftreten, die man zwar als Resultat der Handlung vorhersieht, aber nicht erreichen möchte, unbeabsichtigte Nebeneffekte. Bentham nennt Letztere eine „oblique intention“, das heißt indirekte Intention im Gegensatz zur direkten Intention. Folglich kann eine Handlung moralisch gerechtfertigt sein, sofern alle negativen Konsequenzen lediglich unbeabsichtigte Nebeneffekte sind. Man kann sich durchaus zuvor der schlechten Nebeneffekte bewusst sein, solange sie jedoch nicht selbst intendiert sind, rechtfertigt die beabsichtigte gute Folge sie.
An dieser Stelle sei gesagt, dass in dem Artikel mehrmals darauf hingewiesen wird, dass auch die Mittel intendiert sind. Foot schreibt zunächst „He intends in the strictest sense both those things that he aims at as ends and those that he aims at as means to his ends” . Kurz darauf bezieht sie sich auf Bentham: „Bentham spoke of ‘oblique intention,’ contrasting it with the ‘direct intention’ of ends and means” . Die Doktrin ist daher nicht gleichzusetzen mit „der Zweck heiligt die Mittel“. Der negative Nebeneffekt muss eindeutig ein Resultat aus der Handlung sein und nicht die Handlung an sich. Ein schlechtes Mittel für einen guten Zweck zu nutzen ist nicht erlaubt.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Prinzip der Doppelwirkung
2. Fallbeispiele
2.1 Das Trolley-Problem und der Richter
2.2 Das Medikament und das Serum
2.3 Der dicke Mann im Höhleneingang
3. Wo ist die Doktrin sinnvoll?
3.1 Die Hypothese der „bösen Menschen“
4. Welche Schwierigkeiten ergeben sich?
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das „Prinzip der Doppelwirkung“ in der praktischen Philosophie, um zu analysieren, inwiefern dieses moralische Dilemmata auflösen kann und wo die Grenzen sowie die praktische Anwendbarkeit dieses ethischen Grundsatzes liegen.
- Analyse der moralischen Differenzierung zwischen beabsichtigten Mitteln und unbeabsichtigten Nebeneffekten.
- Kritische Diskussion klassischer Gedankenexperimente wie das Trolley-Problem und das Serum-Beispiel.
- Untersuchung der Relevanz der persönlichen Intention in ethischen Entscheidungssituationen.
- Bewertung des utilitaristischen Risikos bei der Instrumentalisierung menschlichen Lebens.
- Reflektion über die praktische Anwendbarkeit der Doktrin in komplexen, realen Entscheidungssituationen.
Auszug aus dem Buch
2. Fallbeispiele
Zunächst sei das sogenannte „Trolley-Problem“ angeführt. Man stelle sich vor, eine Straßenbahn führe geradewegs auf fünf Gleisarbeiter zu. Der Fahrer könne den Tod der Arbeiter nur verhindern, indem er die Weichen umstellt und auf ein Gleis fährt, auf dem ein Arbeiter steht, der getötet würde. Es gibt nur diese zwei Wege und der Fahrer ist sich dessen absolut bewusst. Intuitiv urteilen die meisten Menschen, dass der Fahrer umlenken soll. Nun führt Foot ein zweites Beispiel an: Ein Richter soll den Täter eines Verbrechens finden und hinrichten lassen, da sonst ein aufgebrachter Mob Selbstjustiz ausüben und dabei fünf Menschen umbringen würde. Dem Richter ist es jedoch nicht möglich den Schuldigen ausfindig zu machen. Soll er in dieser Situation einen Unschuldigen verurteilen und hinrichten lassen, da das der einzige Weg ist, die Leben der fünf Unschuldigen zu retten?
In beiden Beispielen ist die Situation identisch: Tötet man einen Unschuldigen, kann man dadurch fünf andere retten. Dennoch entscheiden sich die meisten Menschen im zweiten Fall anders. Anhand der Doktrin lässt sich die unterschiedliche moralische Bewertung beider Fälle gut herausarbeiten. Entscheidend ist der Unterschied einen Menschen zu überfahren, da man nicht stoppen und somit lediglich vorhersehen kann dass man ihn töten wird (einem Nebeneffekt) oder dem direkten Hinrichten als Mittel.
Um das zu verdeutlichen stelle man sich vor, der Gleisarbeiter könne sich retten. Das wäre eine bessere Lösung für den Bahnfahrer. Er benötigt seinen Tod nicht zwangsläufig. Könnte jedoch der Schuldiggesprochene sich retten, müsste der Richter einen Anderen schuldig sprechen. Er benötigt zwangsläufig einen Tod.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Prinzip der Doppelwirkung: Einführung in den ethischen Grundsatz und die Unterscheidung zwischen direkt beabsichtigten Folgen und indirekten Nebeneffekten.
2. Fallbeispiele: Anwendung der Doktrin auf konkrete Dilemmata wie das Trolley-Problem, das Serum-Beispiel und das Szenario am Höhleneingang.
3. Wo ist die Doktrin sinnvoll?: Erörterung der Notwendigkeit von Maximen und der Vermeidung menschlicher Instrumentalisierung in moralischen Entscheidungsprozessen.
3.1 Die Hypothese der „bösen Menschen“: Analyse des Umgangs mit Erpressungsszenarien unter Anwendung des Prinzips der Doppelwirkung.
4. Welche Schwierigkeiten ergeben sich?: Kritische Reflexion über die subjektive Manipulierbarkeit der Kategorien Absicht, Mittel und Nebeneffekt.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Doktrin als ein Ansatz unter vielen in komplexen, realen Entscheidungssituationen.
Schlüsselwörter
Prinzip der Doppelwirkung, praktische Philosophie, moralisches Dilemma, Trolley-Problem, Intention, ethische Grundsätze, Nebeneffekt, Handlungsfolgen, Utilitarismus, Tötungsverbot, Instrumentalisierung, moralische Entscheidungsfindung, Menschenwürde, Willensbildung, normative Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Doktrin der Doppelwirkung und untersucht, wie man moralische Handlungen bewertet, bei denen sowohl gute als auch negative Konsequenzen auftreten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die moralische Unterscheidung von Mitteln und Nebeneffekten, die ethische Vertretbarkeit von Handlungen in Dilemmata und die Kritik am Utilitarismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Nützlichkeit und die Grenzen des Prinzips der Doppelwirkung als Orientierungshilfe für moralisch richtiges Handeln kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die philosophische Analyse von Gedankenexperimenten und die kritische Auseinandersetzung mit der Primärliteratur von Philippa Foot.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Fallbeispiele, diskutiert die Sinnhaftigkeit der Doktrin, beleuchtet das Problem der „bösen Menschen“ und legt Schwierigkeiten bei der praktischen Anwendung offen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Intention, Nebeneffekt, moralische Dilemmata, Instrumentalisierung und die Abwägung von Handlungsfolgen.
Wie unterscheidet die Doktrin zwischen dem „Trolley-Problem“ und dem Richter-Fall?
Die Doktrin bewertet den Tod des Arbeiters beim Trolley-Problem als unbeabsichtigten Nebeneffekt, während die Hinrichtung des Unschuldigen durch den Richter als gezieltes Mittel angesehen wird, was moralisch anders zu gewichten ist.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Mittel und Nebeneffekt laut der Autorin problematisch?
Die Autorin argumentiert, dass diese Kategorisierung hochgradig subjektiv ist und leicht manipuliert werden kann, um Handlungen zu rechtfertigen, was eine objektive Anwendung erschwert.
Welche Rolle spielt die Intention des Handelnden?
Die persönliche Absicht spielt eine entscheidende Rolle, da eine Handlung nach bestem Wissen und Gewissen moralisch weniger verwerflich erscheint als eine Handlung, die aus boshafter Absicht erfolgt.
- Arbeit zitieren
- Dilara Diegelmann (Autor:in), 2016, Die Doktrin des Doppeleffekts nach Philippa Foots, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537192