In der vorliegenden Arbeit widmet sich die Autorin den in der Erzählung vorkommenden Machtstrukturen. Dabei sind folgende Fragen von Relevanz: Welche Aspekte im Leben des Protagonisten begünstigen das Ausprägen eines Machtstrebens? Gibt es Gründe weshalb er nach Macht und Herrschaft strebt? Wie äußert der Ich-Erzähler seine Überlegenheit gegenüber anderen? Welche Formen der Machtdemonstration kommen vor?
Zu diesem Zweck werden im nächsten Kapitel wichtige Ansätze erläutert. Im Folgenden analysiert die Autorin ausgewählte thematische Motive anhand von Textstellen im Hinblick auf die vorkommenden Machtmotive. Wie auch die Erzählung "Ein Mann und eine Magd"in zwei Abschnitte gegliedert ist, werden in einem ersten Teil Gründe dargestellt, die das Streben des Protagonisten nach Macht begünstigen. Im Anschluss werden Formen und Äußerungen der Macht, die in die Erzählung Eingang finden, erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Macht und Machtstreben nach Adler
2.1. Das Minderwertigkeitsgefühl und Streben nach Überlegenheit
2.2. Gemeinschaftsgefühl
3. Gründe des Machtstrebens
3.1. Isolation und Selbsthass
3.2. Hierarchiedenken
3.3. (Sexuelle) Zurückweisung
4. Formen der Macht und Äußerungen des Machtgefühls
4.1. Macht durch Geld
4.2. Macht durch Überlegenheit
4.3. Macht durch Bestimmung
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die in Hermann Ungars Erzählung "Ein Mann und eine Magd" dargestellten Machtstrukturen und das Machtstreben des Protagonisten. Basierend auf der Individualpsychologie von Alfred Adler wird analysiert, wie frühkindliche Traumata, Isolation und Zurückweisung die Entwicklung eines pathologischen Strebens nach Überlegenheit und Herrschaft über andere motivieren.
- Analyse der psychologischen Ursachen für Machtstreben nach Alfred Adler.
- Untersuchung des Einflusses von Isolation und mangelnder Mutter-Kind-Bindung.
- Darstellung des Zusammenhangs zwischen Hierarchiedenken und Selbsthass.
- Erörterung der verschiedenen Formen der Machtausübung, insbesondere durch Geld und Demütigung.
- Interpretation des Protagonisten als "gehässiges Kind" im individualpsychologischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
3.3. (Sexuelle) Zurückweisung
Eine starke Zurückweisung, widerfährt dem Protagonisten durch die Magd Stasinka. Um die Auswirkungen dieser Handlung zu verstehen, soll nun vorerst das Verhältnis zwischen dem Jungen und Stasinka genauer betrachtet und dargestellt werden.
„Nie hatte ich ein Weib anders denn bei schwerer Arbeit gesehen, nicht einmal je bei mütterlicher Zärtlichkeit.“ (Ungar 1989, S. 50)
„Als sei ein jeder dem ersten Weib, das ihm begegnet, für immer verfallen, wenn auch vielleicht bloß in einer Liebe, die Religion und Sitte der Leidenschaft entkleidet haben, wie der Liebe zu einer Mutter.“ (Ungar 1989, S. 51)
Wie aus den vorhergehenden Textstellen hervorgeht, stellt die Magd Stasinka, als erste und einzige Frau, eine starke Mutterfigur für den Protagonisten dar, die in ihm in seiner pubertären Phase das erste Mal so etwas wie Begierde wecken kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Hermann Ungars Werk und die Relevanz der Machtthematik unter Rückgriff auf Alfred Adlers Individualpsychologie.
2. Macht und Machtstreben nach Adler: Theoretische Grundlegung des Minderwertigkeitsgefühls, des Gemeinschaftsgefühls und der Entstehung abnormaler Machtansprüche bei Kindern.
3. Gründe des Machtstrebens: Untersuchung der Faktoren Isolation, Hierarchiedenken und die prägende sexuelle Zurückweisung durch die Magd Stasinka als Auslöser für den Selbsthass.
4. Formen der Macht und Äußerungen des Machtgefühls: Analyse der konkreten Machtdemonstrationen des Protagonisten mittels Geld, sozialer Überlegenheit und der skrupellosen Bestimmung über fremde Schicksale.
5. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die das Machtstreben des Protagonisten als Resultat der frühkindlichen Vereinsamung und fehlenden Integration bestätigen.
Schlüsselwörter
Hermann Ungar, Ein Mann und eine Magd, Alfred Adler, Individualpsychologie, Machtstreben, Minderwertigkeitsgefühl, Gemeinschaftsgefühl, Isolation, Selbsthass, Machtdemonstration, Hierarchiedenken, sexuelle Zurückweisung, Motivanalyse, Literaturanalyse, Expressionismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Machtstreben und die Methoden der Machtdemonstration des Protagonisten in Hermann Ungars Erzählung "Ein Mann und eine Magd".
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Machtstrukturen, psychologische Traumata in der Kindheit, soziale Isolation, die Rolle von Geld als Machtfaktor und die Auswirkungen von Demütigung.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, das Verhalten des Protagonisten durch die Linse der Individualpsychologie Alfred Adlers zu erklären und die Ursachen für sein pathologisches Streben nach Macht aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die durch die theoretischen Ansätze der Individualpsychologie (insbesondere das Konzept des "gehässigen Kindes" und des Minderwertigkeitsgefühls) fundiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Bereiche: Erstens die theoretischen Grundlagen nach Adler, zweitens die psychologischen Gründe für das Machtstreben (Isolation, Hierarchien) und drittens die Analyse der konkreten Machtausübung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Machtstreben, Minderwertigkeitsgefühl, Isolation, Selbsthass, Hierarchiedenken und soziale Entfremdung.
Warum spielt das "Siechenhaus" eine so große Rolle für den Protagonisten?
Das Siechenhaus fungiert als Ursprungsort der sozialen Isolation und der frühen Erfahrungen von Ohnmacht und "Billigkeit", welche den späteren, kompensatorischen Machtdrang des Erzählers grundlegend prägen.
Welche Bedeutung kommt der Figur Stasinka für das Machtmotiv zu?
Stasinka nimmt eine zentrale Rolle als Ersatz-Mutterfigur ein; ihre Zurückweisung ist der entscheidende Katalysator, der den Protagonisten dazu treibt, den Status des Dieners zu verlassen und Herr über sie zu werden.
Wie korreliert der ökonomische Aufstieg mit der psychischen Entwicklung?
Geld wird vom Erzähler als das entscheidende Instrument begriffen, um die erlittene soziale Demütigung zu rächen und seine Überlegenheit gegenüber der Magd sowie anderen Menschen physisch und materiell zu beweisen.
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- Stephanie Strauß (Author), 2020, Ursachen des Machtstrebens und Formen der Machtdemonstration. Hermann Ungars Erzählung "Ein Mann und eine Magd", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537217