Die Fragestellung der vorliegenden Arbeit ist, ob die Etablierung von Lernerautonomie im Englischunterricht der Grundschule theoretisch möglich ist und ob die Schüler in diesem Alter die Voraussetzungen mitbringen, um autonom die neue Fremdsprache zu erlernen.
Zunächst werden Ziele und Prinzipien des Englischunterrichts an der Grundschule erläutert. Anschließend wird die Entwicklung bezüglich Definitionsansätzen von Lernerautonomie dargestellt und der Ursprung von Lernerautonomie in der Pädagogik erläutert und auf unterschiedliche Interpretationen eingegangen, welche das Begriffsverständnis weiter abgrenzen von missverständlichen Auslegungen.
Im Anschluss wird der Begriff auf den Fremdsprachenunterricht übertragen und die Prinzipien, welchem er in diesem Kontext zugrunde liegt, vorgestellt. Um zu klären, inwiefern der Ansatz der Lernerautonomie generell von Bedeutung ist, werden in einem späteren Kapitel Begründungen nach Legenhausen erläutert, welche für die Etablierung dieser im Englischunterricht der Grundschule sprechen.
Lernerautonomie stellt alle Beteiligten vor ganz neue Herausforderungen. Daher wird ausführlich auf die unterschiedlichen Faktoren eingegangen, welche einen Einfluss auf die Etablierung von Lernerautonomie im Englischunterricht der Grundschule haben und demnach auch als Voraussetzungen zu verstehen sind. Dafür wird zunächst die Rolle des Lerners neu beschrieben und anschließend auf das Alter der Grundschule übertragen.
Kognitive, metakognitive und sprachliche Fähigkeiten und die Fähigkeit zur Verantwortungsübernahme werden genauer beschrieben und mit den Anforderungen der Lernerautonomie verglichen. Des Weiteren wird die Rolle der Lehrkraft neu definiert und eine autonomieförderliche Lernumgebung konkretisiert. Merkmale eines autonomen Klassenzimmers werden erläutert.
Um die weitere Realisierung der Lernerautonomie theoretisch zu überprüfen, werden praktische Umsetzungsmöglichkeiten aufgezeigt und deren Anwendbarkeit im Englischunterricht der Grundschule untersucht. Darunter fallen Methoden wie u.a. Lern- und Sprachgebrauchsstrategien, Evaluationen, Lernportfolios, sowie kooperatives Lernen, ebenso wie die Möglichkeit der Unterrichtsgestaltung und die Förderung von Lehrerautonomie. Es werden autonomieförderliche Materialien und die Verwendung neuer Medien vorgestellt.
Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit in einer englischen Zusammenfassung dargestellt und ein Ausblick auf einen möglichen Transfer in die Praxis gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ziele und didaktische Prinzipien des Englischunterrichts in der Grundschule
3 Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht
3.1 Definitionsverständnis der Lernerautonomie
3.2 Pädagogischer Ursprung der Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht
3.3 Unterschiedliche Interpretationen der Lernerautonomie
3.4 Prinzipien der Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht
4 Gründe für das autonome Fremdsprachenlernen in der Grundschule
4.1 Sozialpolitische Gründe
4.2 Anthropologische und entwicklungspsychologische Gründe
4.3 Lerntheoretisch-konstruktivistische Gründe
4.4 Sprachlerntheoretisch-didaktische Gründe
5 Faktoren & Voraussetzungen der Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht in der Grundschule
5.1 Lerner im autonomen Fremdsprachenunterricht der Grundschule
5.1.1 Merkmale und Aufgaben autonomer Lerner
5.1.2 Fähigkeiten eines Grundschülers bezüglich Lernerautonomie
5.1.2.1 Kognitive Fähigkeiten
5.1.2.2 Metakognitive Fähigkeiten
5.1.2.3 Fähigkeiten zur Verantwortungsübernahme
5.1.2.4 Fähigkeiten zur target language use
5.2 Lehrer im autonomen Fremdsprachenunterricht
5.3 Autonomie förderliche Lernumgebung
5.3.1 Bedingungen für Lernerautonomie im Kontext Schule
5.3.2 Merkmale des autonomen Klassenzimmers
6 Umsetzung von Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht der Grundschule
6.1 Lern- und Sprachgebrauchsstrategien
6.1.1 Definition und Klassifikation
6.1.1.1 Direkte Lernstrategien
6.1.1.2 Indirekte Lernstrategien
6.1.1.3 Sprachgebrauchsstrategien
6.1.2 Vermittlung
6.2 Evaluation
6.3 Lernportfolios & Logbücher
6.4 Lehrerautonomie
6.5 Target language use
6.6 Language awareness
6.7 Unterrichtsgestaltung
6.8 Kooperatives Lernen
6.9 Autonomieunterstützende Materialien und Medien
6.9.1 Auswahlkriterien für Lehr- und Lernmaterialien
6.9.2 Ausgewählte Materialien & Medien
7 Summary
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht theoretisch, ob die Etablierung von Lernerautonomie im Englischunterricht der Grundschule möglich ist und welche Voraussetzungen Grundschüler hierfür mitbringen, um autonom eine neue Fremdsprache zu erlernen.
- Begründung der Bedeutung von Lernerautonomie im schulischen Kontext
- Analyse der entwicklungspsychologischen Voraussetzungen von Grundschülern für autonomes Lernen
- Definition und Anpassung von Lehrerrollen im autonomen Unterricht
- Untersuchung von praktischen Unterrichtsmethoden wie Strategientraining, Portfolios und Projektarbeit
Auszug aus dem Buch
3.1 Definitionsverständnis der Lernerautonomie
Autonomie findet seinen begrifflichen Ursprung in den griechischen Worten autós (selbst) und nómos (Gesetz) und bedeutet ursprünglich „eigengesetzlich“ oder „selbstgesetzlich“ (Decke-Cornill & Küster 2014: 207). Der Begriff der Lernerautonomie wurde maßgeblich durch den Bericht “Autonomy and Foreign Language Learning” geprägt, herausgegeben vom Europäischen Rat im Jahre 1979 (zitiert in dieser Arbeit als Holec 1981). Henri Holec argumentiert darin, dass das Sprachenlernen sich distanzieren müsse vom gerichteten Lehren (Little, Dam & Legenhausen 2017: 4). Sein Verständnis dieses Konzepts war noch sehr technisch, situationsbedingt und politisch geprägt, da es das Unterrichtsgeschehen demokratischer machen und den Lerner zu einem mündigen Teil der Gesellschaft erziehen sollte (Benson 2001: 49; Neuner-Anfindsen 2005:14; Trim 1978 in Little, Dam & Legenhausen 2017: 4; Waschk 2008: 22,23).
Holec versuchte als einer der Ersten, den Begriff der Lernerautonomie zu erfassen und ihn in Zusammenhang mit dem Fremdsprachenlernen zu bringen (Little, Dam & Legenhausen 2017: 4). Er definiert Lernerautonomie als die „ability to take charge of one’s own learning” und erweitert dadurch die Definition von Autonomie nach B. Schwartz aus dem Jahre 1977 (Holec 1981: 3). Diese ability ist keine Art von angeborenem Verhalten, sondern eine “potential capacity”, also eine Fähigkeit, welche meistens durch “formal learning” erworben werden kann und von Holec genau definiert wird (ebd.):
“To take charge of one’s learning is to have, and to hold, the responsibility for all decisions concerning all aspects of this learning, ie:
• determining the objectives;
• defining the contents and progressions;
• selecting methods and techniques to be used;
• monitoring the procedure of aquisition properly speaking (rhythm,time,place,etc);
• evaluating what has been aquired.
The autonomous learner is himself capable of making all these decisions concerning the learning with which he is or wishes to be involved” (Holec 1981: 3).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Konzept der Lernerautonomie ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob diese Form des Lernens in der Grundschule umsetzbar ist.
2 Ziele und didaktische Prinzipien des Englischunterrichts in der Grundschule: Es werden die offiziellen Bildungsziele und methodischen Prinzipien dargelegt, die als Rahmen für den Englischunterricht in der Grundschule dienen.
3 Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Lernerautonomie, erläutert dessen pädagogischen Ursprung und diskutiert verschiedene Interpretationen sowie zugrundeliegende Prinzipien.
4 Gründe für das autonome Fremdsprachenlernen in der Grundschule: Hier werden sozialpolitische, entwicklungspsychologische, konstruktivistische und sprachdidaktische Argumente angeführt, die für eine frühzeitige Förderung der Lernerautonomie sprechen.
5 Faktoren & Voraussetzungen der Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht in der Grundschule: Dieses Kapitel analysiert die spezifischen Voraussetzungen aufseiten der Lernenden, der Lehrkraft sowie der Lernumgebung für eine gelingende Autonomie.
6 Umsetzung von Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht der Grundschule: Es werden konkrete Umsetzungsmöglichkeiten wie Lernstrategien, Evaluation, Portfolios, Unterrichtsgestaltung und Medieneinsatz praxisnah untersucht.
7 Summary: Das abschließende Summary fasst die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit in englischer Sprache zusammen.
Schlüsselwörter
Lernerautonomie, Englischunterricht, Grundschule, Fremdsprachenlernen, Selbststeuerung, Lernstrategien, Metakognition, Lehrerrolle, Evaluation, Sprachbewusstsein, Language Awareness, Zieltransparenz, Motivation, Schulpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Lernerautonomie im Kontext des Englischunterrichts an Grundschulen und erörtert, ob Grundschulkinder die nötigen Voraussetzungen mitbringen, um ihr Lernen selbstständig zu steuern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Lernerautonomie, die Rolle der Lehrkraft als Lernbegleiter, notwendige kognitive und metakognitive Fähigkeiten der Kinder sowie praktische Umsetzungsmethoden wie Portfolios und Projektarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob die Etablierung von Lernerautonomie im Englischunterricht der Grundschule generell möglich ist und ob Schüler in diesem Alter bereits über die entsprechenden Voraussetzungen verfügen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Analyse und Synthese einschlägiger Fachliteratur, pädagogischer Konzepte und aktueller Studien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung der Autonomie, die Analyse der Voraussetzungen bei Grundschülern (kognitiv, metakognitiv, emotional) sowie eine detaillierte Ausarbeitung praktischer Umsetzungsmöglichkeiten für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lernerautonomie, Grundschulenglisch, Lernstrategien, Metakognition, Lehrerautonomie, Evaluation und Sprachlernbewusstsein.
Ist Lernerautonomie in der ersten Klasse bereits vollständig möglich?
Die Arbeit stellt fest, dass Schüler der ersten Klasse in der Regel noch nicht alle kognitiven Voraussetzungen mitbringen; die Autonomiefähigkeit soll jedoch schrittweise durch gezieltes Training im Laufe der Grundschulzeit entwickelt werden.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei der Umsetzung von Lernerautonomie?
Die Lehrkraft nimmt eine neue, beratende Rolle ein (Facilitator, Counselor), indem sie geeignete Lernumgebungen schafft, Lernprozesse strukturiert und die Schüler zur Eigenverantwortung ermutigt, ohne sie mit zu viel Freiheit zu überfordern.
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- Vivi S. (Author), 2019, Lernerautonomie im Englischunterricht der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537369