Die Eroberung Ägyptens durch das Imperium Romanum. Inwiefern hatte Ägypten nach der Eingliederung in die römische Republik eine Sonderstellung?


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ägypten im römischen Imperium
1.1 Ist in Ägypten alles anders als im Rest des römischen Reiches?

2. Die entscheidende Zeit
2.1 31-30 v. Chr.: Octavian gegen Marcus Antonius

3. Aegyptum imperio populi Romani adieci
3.1 Die Eroberung Ägyptens

4. Die Sonderstellung Ägyptens
4.1 Die Verwaltung
4.2 Das Prinzipat und der Prinzeps

5. Die großen Veränderungen
5.1 Die zwei großen Säulen der Sonderstellung Ägyptens

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Ägypten im römischen Imperium

1.1 Ist in Ägypten alles anders als im Rest des römischen Reiches?

Ägypten – Ein fernes Land im Nordosten von Afrika, gehört es heute zu einem anderen Kontinent, war es einmal Teil des großen römischen Reiches. Mit dem Sieg Octavians über Marcus Antonius und Kleopatra gewann das römische Imperium ein sehr reiches und strategisch gut gelegenes Land. Jedoch gibt es in diesem Land den einen oder anderen Bereich der anders gehandhabt wird als im Rest des Reiches. Octavian probiert neue Systeme aus - sowohl in der Verwaltung als auch in der Herrschaft.

Über die Eroberung Ägyptens wird in der Literatur mehrfach geschrieben und es gibt auch recht aktuelle Werke dazu. Allerdings wird oft der Sieg und die fortlaufenden Ereignisse und Veränderungen in Hinblick auf das römische Reich thematisiert. Was sich jedoch in der Provinz Ägypten ändert, kommt dabei manchmal etwas zu kurz. Deshalb beruht diese Arbeit genau darauf. Sie befasst sich unmittelbar mit der Zeit nach dem Sieg und der Eroberung Ägyptens. Dabei spielt der Feldherr und spätere Kaiser Octavian eine unabdingbare Rolle und daher ist es notwendig auch ihn ein Stück weit zu betrachten. Nach dem Sieg über Marcus Antonius und Kleopatra gibt es zahlreiche Veränderungen, welche allerdings den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden. Daher wird es um zwei sehr wichtige Aspekte der Veränderung gehen. Es haben sich die Fragen gestellt, weshalb Octavian sich die Mühe macht und ein neues Verwaltungssystem in Ägypten aufbaut und mit welchen Mitteln er seine Herrschaft legitimiert und dabei ein neues Herrschaftssystem errichtet.

Zu Beginn wird das Jahr 31 v. Chr. kurz erläutert, denn in diesem Jahr finden wichtige Ereignisse statt, die den Sieg über Ägypten besiegeln. Daraufhin folgt ein Blick auf Octavian unmittelbar nach der gewonnen Schlacht. Schließlich kommt der Hauptteil dieser Arbeit, welcher sich in zwei Teile spaltet: Auf der einen Seite werden die neue Verwaltung und der Grund dafür erläutert und auf der anderen Seite thematisiert die Arbeit den Verlauf und die Hintergründe des neuen Herrschaftssystems, nämlich das Prinzipat mit Augustus als Prinzeps.

Dies geschieht alles mit der Frage im Hintergrund, inwieweit Ägypten eine Sonderstellung im Gegensatz zum restlichen römischen Imperium innehatte.

2. Die entscheidende Zeit

2.1 31-30 v. Chr.: Octavian gegen Marcus Antonius

Das große Ende des Ptolemäischen Krieges zwischen Octavian und Marcus Antonius findet bei der Seeschlacht von Actium statt1. Antonius reist mit insgesamt 19 Legionen nach Griechenland und Octavian ist ihm mit seinen 13 Legionen faktisch unterlegen. Quantitativ ist Antonius Octavian also zwei Schritte voraus, allerdings sind seine Truppen so schlecht ausgebildet, dass diese numerische Mehrheit kaum eine Bedeutung hat.

Als Antonius mit seiner Flotte Griechenland erreicht, passiert erst einmal nichts. Den gesamten Sommer des Jahres 31 v. Chr. hat weder Antonius noch Octavian einen großen Angriff gestartet, sondern sie haben abgewartet, ob der Gegner den ersten Schritt zum Kampf macht. Antonius versucht zwar zweimal Octavian zu überfallen, ihm gelingt allerdings kein erfolgreicher Abschluss und auch ein Überraschungsangriff scheitert. Aufgrund der Tatsache, dass diese Fehlversuche stattgefunden haben, die Versorgung der Flotten immer schlechter wird und der Winter bevorsteht, gibt es zahlreiche Männer, die ihre Truppe und Flotte verlassen haben. Daraufhin muss Marcus Antonius eine Entscheidung über den weiteren Verlauf der Situation treffen. Der Kriegsrat bespricht zwei Optionen: Zum einen kommt die Idee, die entscheidende Schlacht zu verschieben, die Flotte aufzugeben und sich auf das Heer an Land zu konzentrieren2. Zum anderen bringt Kleopatra den Vorschlag, dass ein Rückzug der Flotte und des Heeres nach Ägypten am besten wäre, auch auf die Gefahr hin, dass es daraufhin zu einer Seeschlacht kommen könnte. Kleopatras Option wird befürwortet und auch der Gegner Octavian wollte sich diese Schlacht nicht entgehen lassen, wobei kurz die Überlegung bestand, Marcus Antonius und seine Gefolgschaft fliehen zu lassen3.

Es ist also der 2. September 31 v. Chr. und beide Flotten liegen sich gegenüber. Die erste Kampfhandlung unternimmt Marcus Antonius, indem er seine Schiffe vorstoßen lässt. Irgendwann jedoch sind die großen, schweren Schiffe von den kleinen Schiffen Octavians umringt und es findet ein ausgeglichener Kampf statt, dabei ist ein klarer Favorit anfangs nicht erkennbar. Dann entscheidet sich Kleopatra, welche ihre Flotte hinter der von Marcus Antonius positioniert hat, ihre Schiffe direkt durch das Kampfgebiet auf das offene Meer zu manövrieren. Dabei gelingt es Marcus Antonius auf Kleopatras Schiffen zu kommen und sie fliehen nach Peloponnes. Nicht viele schaffen es Kleopatra zu folgen und ein großer Teil der Flotte bleibt zurück, wird von Octavians Schiffen zerstört und somit besiegt.

Kleopatras Flotte übersteht diese Schlacht ohne Verluste, allerdings bleibt von Marcus Antonius nur ein geringer Teil der Flotte übrig. Es ist jedoch so viel, dass es für Marcus Antonius Hoffnung gibt, den Kampf gegen Octavian weiterzuführen4. Ein entscheidender Faktor, der die Hoffnung am Leben lassen sollte, ist die Voraussetzung, dass die Legionen weiter zu Antonius halten würden, trotz seiner Flucht inmitten einer Schlacht. Dieser Wunsch nach Loyalität geht für Marcus Antonius jedoch nicht in Erfüllung: Eine Woche nach der Schlacht bei Actium wechseln viele Legionen zu Octavian, nachdem dieser den Legionen Land versprach. Allerdings kapitulieren nicht nur die Truppen, die bei der Seeschlacht teilgenommen haben, sondern z.B. auch stationierte Legionen in Kyrene. Nach und nach bricht dabei die Macht des Marcus Antonius zusammen und er unternimmt in seiner Verzweiflung den vergeblichen Versuch sich das Leben zu nehmen.

Octavian verfolgt weiter seine Pläne und gelangt über Syrien nach Ägypten. Sofort entgegnet ihm Marcus Antonius mit Verhandlungen, dass er sich ins Privatleben zurückziehen würde und er übergibt Octavian Decimus Turullius, einen der letzten lebenden Caesar-Mörder. Octavian lässt Turullius zwar hinrichten, allerdings beeindrucken ihn Antonius friedliche Absichten nicht und er lehnt die Verhandlung ab.

Am 1. August 30 v. Chr. als Marcus Antonius sich der letzten Schlacht vor den Toren Alexandrias stellt, passiert das Unfassbare: Sowohl seine Ritter als auch die Flotte schließen sich Octavian an. Antonius bleibt nur noch der Rückzug und somit die Niederlage5.

Nach dem verlorenen Kampf bei Alexandria und der völligen Verzweiflung darüber, treibt es Marcus Antonius und Kleopatra in den Selbstmord und Octavian geht als Sieger hervor6.

3. Aegyptum imperio populi Romani adieci

3.1 Die Eroberung Ägyptens

,,Ägypten habe ich dem Herrschaftsgebiet des römischen Volkes hinzugefügt.7 ‘‘(Augustus: Res Gestae 27) – so schreibt es Octavian, der spätere Augustus, in seiner Res Gestae Divi Augusti. Nachdem Octavian Marcus Antonius und Kleopatra besiegt hat, ist Ägypten kein selbstständiger Staat mehr8, sondern wird ein Teil des römischen Imperiums9. Direkt nach der gewonnen Schlacht am 1. August 30 v. Chr. hält Octavian eine Rede vor dem Volk Alexandrias. Diese Situation wird später von Plutarch Antonius niedergeschrieben: ,,Caesar selbst zog in die Stadt (Alexandria) ein und unterhielt sich währenddessen mit dem Philosophen Areios und nahm ihn bei der Rechten, damit er bei seinen Mitbürgern sogleich im Mittelpunkt des Interesses stehe und Aufstehen errege, wenn er von ihm so augenfällig geehrt werde. Dann betrat er das Gymnasium, stieg auf eine für ihn errichtete Tribüne, und als die Leute sich in Angst und Schrecken vor ihm niederwarfen, befahl er ihnen, aufzustehen, und sagte, er entlaste das Volk von aller Schuld, erstens wegen des Gründers Alexander, zweitens weil er die Schönheit und Größe der Stadt bewundere, und drittens um seinem Freund Areios zu Gefallen zu sein.10 ‘‘ (Plut. Ant. 80,1). Alexandria ist eine Metropole des vorherigen Königreiches gewesen11 und somit eine wichtige Station nach seiner Eroberung. Die Tatsache, dass Octavian dem Volk befohlen hat, sich wieder zu erheben und er es von all seiner Schuld befreit, ist ein Indiz für eine kommende milde Herrschaft. Unterstützt wird diese These durch sein Verhalten gegenüber verbliebenden Anhängern Antonius‘, denn er lässt nur sehr wenige hinrichten12.

Nun soll Ägypten also dem Imperium Romanum hinzugefügt werden. Mit Ägypten hat das römische Reich ein Land erhalten, welches durch seine direkte Anbindung ans Meer eine sehr gute geostrategische Lage innehat13. Ein weiterer Vorteil ist der große Reichtum, u.a. in Form von Geld, aber auch an Ressourcen wie vor allem Getreide und Stein. Zuletzt hat Ägypten sehr gute Handelsbeziehungen14, welche das Land sicherlich noch attraktiver gemacht hat.

Octavian stehen einige große Aufgabe bevor. Da Ägypten nach dem Sieg zu einer Provinz wird15, muss eine völlige Neuordnung dieser Provinz stattfinden und für Octavians Stellung in dieser Provinz muss er eine neue Herrschaftslegitimation finden. Der Prozess hat bis ins Jahr 23 v. Chr. gedauert16. Wie die Neuordnung der Provinz und die neue Herrschaftsform aussehen, wird in den folgenden Kapiteln thematisiert, da diese entscheidende Faktoren in Bezug auf die Frage zur Sonderstellung Ägyptens sind.

4. Die Sonderstellung Ägyptens

4.1 Die Verwaltung

Die Sonderstellung Ägyptens macht sich vor allem in der veränderten Verwaltung in Ägypten in Bezug auf den Rest des römischen Reiches bemerkbar. Während im gesamten römischen Imperium die Provinzen vom Senat verwaltet werden, setzt Octavian ein neues Verwaltungssystem für Ägypten fest und zwar den praefectus Alexandreae et Aegypti17. Dieser Präfekt ist ein römischer Mann aus dem Ritterstand, welcher in Alexandria residiert, Dem Kaiser, in diesem Falle Octavian, direkt unterstellt ist18 und ihn repräsentiert19. Dieser Präfekt hat in den wichtigsten Bereichen wie Administration und Militär Befugnisse und die oberste Kontrolle über das Finanz- und Steuerwesen20. Außerdem gilt ihm die Aufgabe der Rechtsprechung in Ägypten. Neben Alexandria, wo er wohnt, reist er noch nach Memphis und Pelusium, um dort der Aufgabe des Richters nachzugehen21.

Der erste praefectus Alexandreae et Aegypti ist C. Cornelius Gallus gewesen. Dieser ist ein römischer Ritter, welcher Octavian während der Eroberung Ägyptens von unschätzbarem Wert und gleichzeitig ein guter Freund gewesen ist. Gallus ist ein äußerst fähiger Statthalter, sodass Augustus ihn 27 v. Chr. noch einmal im Amt bestätigte22, obwohl das Amt auf zwei bis drei Jahre beschränkt gewesen ist und dann ein neuer Statthalter ernannt wird23. Nur vergisst Gallus, dass er lediglich der Stellvertreter des Octavian ist: Nachdem Cornelius Gallus im Süden Ägyptens einige erfolgreiche militärische Operationen durchgeführt hatte, ließ er in der gesamten Provinz Ehrenstatuen von und für sich aufstellen und verfasst einen Tatenbericht, den er als Inschrift an den Wänden der Pyramiden befestigen lässt24. Genau dieses Verhalten kann Augustus nicht dulden. Die Herausstellung der eigenen Leistungen stufen Gallus als gefährliche Konkurrenz ein, da er in Ägypten demnach Zugriff auf die Legionen und Ressourcen hat. Die Freundschaft zwischen Gallus und Augustus ist Vergangenheit und er wird wegen Hochverrates angeklagt. Das Urteil ist hart: Gallus soll verbannt werden und sein gesamtes Vermögen verlieren.

[...]


1 Schlange-Schöningen, Heinrich: Augustus, 2. Aufl., Darmstadt 2012, S. 77.

2 Ebd.: S. 78.

3 Ebd.: S. 79.

4 Schlange-Schöningen, Heinrich: Augustus, 2. Aufl., Darmstadt 2012, S. 79-80.

5 Ebd. S. 80.

6 König, Ingemar: Die römische Republik, 2. akt. Aufl., Stuttgart 2012, S. 220.

7 Augustus Res Gestae 27, hg. v. Marion Giebel, Stuttgart 2007, S. 32.

8 König: Die römische Republik, S. 220.

9 Vgl. Augustus S. 81.

10 Augustus: Schriften, Reden und Aussprüche, hg. v. Klaus Bringmann, Darmstadt 2008, S. 169-170.

11 Clauss, Manfred: Alexandria. Schicksale einer antiken Weltstadt, Stuttgart 2003, S. 121.

12 Schlange-Schöningen: Augustus, S. 82.

13 Jördens, Andrea: Statthalterliche Verwaltung in der römischen Kaiserzeit. Studien zum praefectus Aegypti, Stuttgart 2009, S. 41.

14 Clauss: Alexandria, S. 130.

15 Ebd.: S. 121.

16 Schlange-Schöningen: Augustus, S. 81.

17 Jördens: Statthalterliche Verwaltung in der römischen Kaiserzeit, S. 46.

18 Lembke, Katja/ Fluck, Cäcilia/ Vittmann, Günter: Ägyptens späte Blüte. Die Römer am Nil, Mainz am Rhein 2004, S. 91-92.

19 Herklotz, Friederike: Prinzeps und Pharao. Der Kult des Augustus in Ägypten, Frankfurt am Main 2007, S. 229.

20 Lembke/Fluck/Vittmann: Ägyptens späte Blüte, S. 91-92.

21 Clauss: Alexandria, S. 123.

22 Jördens: Statthalterliche Verwaltung in der römischen Kaiserzeit, S. 46-47.

23 Herklotz: Prinzeps und Pharao, S. 230.

24 Vgl. Cass. Dio, 53, 23, 5.

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Details

Titel
Die Eroberung Ägyptens durch das Imperium Romanum. Inwiefern hatte Ägypten nach der Eingliederung in die römische Republik eine Sonderstellung?
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V537382
ISBN (eBook)
9783346141392
ISBN (Buch)
9783346141408
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eroberung, ägyptens, imperium, romanum, inwiefern, ägypten, eingliederung, republik, sonderstellung
Arbeit zitieren
Katharina Ramke (Autor), 2015, Die Eroberung Ägyptens durch das Imperium Romanum. Inwiefern hatte Ägypten nach der Eingliederung in die römische Republik eine Sonderstellung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537382

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