Der Philhellene Hadrian als Wohltäter für Athen im 2. Jahrhundert n. Chr.


Hausarbeit, 2016

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Pausanias – der Reiseschriftsteller

2. Der Krieg der Römer

3. Die Zerstörung Athens durch Sulla

4. Augustus als erster Unterstützer der Stadt Athen nach der Plünderung Sullas

5. Hadrian: ,,Der kleine Grieche‘‘ und Philhellene

6. Das ,,wiederaufgeblühte‘‘ Athen unter dem Kaiser Hadrian

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Pausanias – der Reiseschriftsteller

Pausanias ist ein griechischer Reiseschriftsteller im 2. Jahrhundert n. Chr.. Er hat eine Schrift über seine Reisen durch Griechenland verfasst. Einer seiner Aufenthalte ist Athen gewesen. Während er, wie ein kleiner Reiseführer, Athen mit seinen Bauten und Sehenswürdigkeiten beschreibt, schreibt er folgende These auf: ,,Athen, das so sehr durch den Krieg der Römer verwüstet wurde, blühte unter der Regierung Hadrians wieder auf.‘‘ (Paus. 1, 20, 7)1. Genau mit dieser These befasst sich dieses Essay. Dabei stellen sich mehrere Fragen: Was ist mit dem ,,Krieg der Römer‘‘ gemeint? Was meint Pausanias mit dem ,,Wiederaufblühen‘‘ Athens? Ist seine These haltbar oder muss ihre Richtigkeit kritisch hinterfragt werden?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich diese Arbeit und sie werden im Laufe des Essays auch beantwortet. Zu aller Erst wird der Begriff ,,Krieg der Römer‘‘ erklärt und der Bezug zu Athen erläutert. Es wird die Frage beantwortet, ob Athen durch diesen Krieg wirklich so zerstört worden ist, wie es Pausanias beschreibt. Daraufhin geht es um den ersten Kaiser des römischen Reiches, Augustus und ob beziehungsweise was er für Athen schon vor Hadrian getan hat.

Im letzten Teil geht es um Hadrian. Zum einen wird seine Beziehung zu Griechenland beschrieben und zum anderen wird beleuchtet, inwiefern Hadrian die Stadt Athen ,,wiederaufblühen‘‘ lässt, wie Pausanias es schreibt.

Im Schlussteil werden die Argumente die gegen oder für Pausanias These sprechen, noch einmal zusammengefasst und das Ergebnis wird erläutert.

Nach der Bearbeitung der These und trotz der Argumente, die dagegen sprechen, hat es Hadrian tatsächlich geschafft die Wirtschaft, die Architektur, die Infrastruktur und die Bildung so sehr anzukurbeln, wie es vor ihm kein anderer getan hat. Athen, wie die Bevölkerung es selbst sagt, fühlt sich wie ,,neugeboren‘‘2 und daher ist Pausanias These, dass Athen unter der Regierung von Hadrian ,,wiederaufgeblüht‘‘ haltbar.

2. Der Krieg der Römer

Pausanias lebt im zweiten Jahrhundert n. Chr. (120-180 n.Chr.) 3 und der ,,Krieg der Römer‘‘ ist kein Ereignis gewesen was zu seiner Lebzeit stattgefunden hat. Um Pausanias Aussage also richtig deuten und erklären zu können, muss man in der Geschichte Athens knapp 200 Jahre vor Pausanias Lebzeit zurückgehen.

Begonnen hat es mit dem König von Pontos, Mithridates VI., der 120-63 v. Chr. gelebt hat. Er hat es mithilfe seiner erfolgreichen Expansionspolitik geschafft, Pontos zum größten Königreich Kleinasiens zu machen. Die Ablehnung der Bevölkerung Kleinasiens, vor allem auch die der Griechen, gegenüber dem römischen Reich hat diesen Aufstieg zu einem Großreich beschleunigt. Athen selbst hat sich ebenfalls, durch einflussreiche Gruppierungen, von dem römischen Reich abgewandt und legt die Zukunft der Stadt in die Hände des Mithridates VI4.

Das römische Reich ist sich über die Gefahr von Mithridates VI. bewusst und bereit einen Krieg gegen das Königreich Pontos zu führen.

Durch die Erklärung des Krieges muss ein Oberbefehlshaber für den Krieg gegen Mithridates VI. erhoben werden und dies ist der Beginn des Konfliktes zwischen den römischen Feldherren Gaius Marius und L. Cornelius Sulla. Während Marius noch die Hoffnung hat, mit Hilfe eines Volkstribuns, den Oberbefehl zugesprochen zu bekommen, hat der Senat sich bereits für Sulla entschieden. Daraufhin veranlasst der Volkstribun 88 v. Chr. in der Volksversammlung ein Gesetz, welches einzig und allein Marius den Oberbefehl zuspricht. Sulla kann diese Niederlage jedoch nicht hinnehmen5 und es passiert folgendes: ,,Als Sulla von den Vorgängen hörte, entschloss er sich, auf kriegerischem Wege eine Entscheidung herbeizuführen. Er berief deshalb sein Heer, […], zu einer Versammlung zusammen und sprach von der ihm durch Sulpicius und Marius erlittenen Schmach. […] Sulla besetzte nun das Esquilinische Tor und den anschließenden Mauerabschnitt mit einer Legion Soldaten, während Pompeius das Gleiche am Collinischen Tor mit einer zweiten tat; eine dritte Legion rückte gegen die Hölzerne Brücke heran, eine vierte nahm zur Ablösung vor den Mauern Aufstellung. Mit dem Rest seiner Truppen zog Sulla in die Stadt ein, in seiner Erscheinung und in der Tat als Landfeind. […], Marius und Sulpicius aber traten beim Forum Esquilinum den Angreifern mit einer rasch bewaffneten Streitmacht entgegen, und so kam es hier zu einem Kampf zwischen den verfeindeten Parteien. Dies war das erste Gefecht in Rom, nicht mehr das Abbild eines bloßen Parteienstreits, sondern ein regelrechter, wie im Krieg unter Einsatz von Trompeten und Feldzeichen durchgeführter Kampf.‘‘ (Appian, Bürgerkriege 1, 57 [250 – 252. 257-259])6. Durch diese Quelle Appians lässt sich feststellen, dass Sulla alles erdenklich Mögliche probiert, damit er den Oberbefehl wiedererlangt. Er stiftet einen Bürgerkrieg an und Marius rettet sein eigenes Leben, indem er flieht7. Nach diesem initiierten Bürgerkrieg schafft es Sulla, dass das Gesetz, welches Marius den Oberbefehl zuspricht, zurückgezogen wird. Sulla bekommt seinen Oberbefehl, zieht in den Krieg gegen Mithridates VI. und beendet ihn erfolgreich8.

Genau diesen Konflikt meint Pausanias mit dem ,,Krieg der Römer‘‘ und infolgedessen hat auch Athen darunter leiden müssen.

3. Die Zerstörung Athens durch Sulla

Nach seinem Sieg über Mithridates VI. reist Sulla 86 v. Chr. in die Stadt Athen und lässt die Athener ihr Bündnis mit Mithridates VI. und die Abwendung vom römischen Reich schmerzhaft spüren9. Pausanias geht in einer seiner Schriften sogar so weit, indem er folgendes geschrieben hat: ,,Sulla hat sich gegen die Menge der Athener grausamere Taten erlaubt, als man es einem Römer zutrauen kann‘‘ (Paus. I, 20. 7)10. Sullas Taten als grausam zu bezeichnen, ist keine Übertreibung. Er lässt den Fehler des falschen Bündnisses sowohl die Stadt selbst, als auch die Bevölkerung spüren. Pausanias schreibt, wie es zu den vielen Opfern zustande gekommen ist: ,,Als Sulla nach Attika zurückkehrte, sperrte er die unter den Athenern, die sich noch widersetzten, in den Kerameikos und ließ jeden zehnten, durch das Los bestimmt, hinrichten.‘‘ (Paus. I, 20. 7)11. Neben der hohen Anzahl an Todesopfern12, lässt Sulla auch die Stadt nicht unverschont.

Einerseits besteht die Zerstörung aus der Plünderung der Stadt13, andererseits wird vor allem das Gebiet um den Hafen zerstört und viele Kunstwerke werden entweder als Beute mitgenommen oder ruiniert14.

Auf dieser historischen Grundlage hat Pausanias eben diese These aufgestellt, dass Athen durch den ,,Krieg der Römer‘‘ verwüstet worden ist und durch Hadrian wiederaufblühte. Jedoch sollte jede historische These kritisch beurteilt werden, da man nicht bei jeder davon ausgehen kann, dass sie unparteiisch und historisch korrekt ist.

Zu aller Erst muss festgestellt werden, dass die Zerstörungen durch Sulla nicht so massiv gewesen sind, dass die Stadt Athen komplett in Trümmern gelegen hat. Es hat zwar erhebliche Zerstörungen gegeben, und auch das Hafengebiet ist stark angegriffen worden, allerdings hat Sulla seine Truppen angewiesen die Gebäude zu verschonen. Natürlich bleibt es bei so einer Belagerung nicht aus, dass Gebäude beschädigt werden, aber der größte Teil bleibt unversehrt15. Die größten Schäden finden sich vor allem im Hafen und Kunstwerken, vor allem Skulpturen, Denkmäler und Heiligtümer sind betroffen gewesen16.

4. Augustus als erster Unterstützer der Stadt Athen nach der Plünderung Sullas

Pausanias sagt also, dass erst durch Hadrian Athen wiederaufblühte. Auf welche Art und Weise er ,,wiederaufblühen‘‘ meint, ist ein Interpretationsaspekt. Meint er die architektonischen Aspekte, die Bildung oder die Wirtschaft?

Wenn man nur von der Zerstörung der Gebäude und einem kleinen wirtschaftlichen Aufschwung ausgeht, gibt es ein kleines Wiederaufblühen schon vor der Regierungszeit Hadrians.

Vorerst haben die Athener selbst versucht sich wieder von innen heraus aufzubauen. Es entstehen Pläne, sich neu in den Handelsverkehr einzubringen und dafür ist eine ausreichend ausgebaute Infrastruktur nötig. Allerdings kann Athen diese Pläne nicht verwirklichen, da es ihnen an finanziellen Mitteln für den Ausbau fehlt. 51 v. Chr. wird unter Herodes eine athenische Gesandtschaft zu Caesar geschickt. Dieser sichert Athen eine Unterstützung in Form von 50 attischen Talenten zu. Allerdings steht Athen während es um die Unterstützung von Caesar bittet, auch in Verbindung mit seinem größten Konkurrenten Pompeius. Diese Verbindung hat Caesar nicht gutheißen können und er nimmt seine Unterstützung zurück.

Diesen Zorn über Caesar entladen die Athener, als Caesar ermordet wird, indem sie die Caesar-Mörder Brutus und Cassius mit Statuen geehrt haben17. Die Ablehnung und Provokation gegenüber des römischen Reiches hält auch dann nicht an, als Octavian dem Konkurrenten Marcus Antonius gegenübersteht18. Bei der Schlacht bei Aktium 31 v. Chr. halten sie nämlich nicht zu Octavian, sondern zum Verlierer Marc Anton. Lange Zeit lässt Augustus, der frühere Octavian, die Athener spüren, dass sie damals auf der falschen Seite gestanden haben und er meidet die Stadt ganz bewusst. Erst 19 v. Chr. kommt es zur Versöhnung und daraufhin hat Athen die langersehnte finanzielle Unterstützung bekommen, damit der Handelsmarkt ausgebaut werden kann. Neun Jahre später hat der Marktplatz schlussendlich seine Funktion vollwertig wahrnehmen können19.

Jedoch ist dies nicht das einzige, was Augustus für Athen getan hatte. Er tritt zwar nicht selbst als Bauherr und Stifter auf, allerdings schickt er Agrippa, einen engen Vertrauten. Mit Agrippa als Bauherr bekommt Athen einen prunkvollen Konzert- und Vortragssaal, das Odeion, mit seinem Platz direkt auf der Agora20. Durch dieses Bauprojekt hat Augustus es geschafft, die Bildhauer-Branche so sehr anzukurbeln, dass die Ateliers mit den Aufträgen aus Rom nicht mehr hinterhergekommen sind21. Diese hohe Nachfrage kommt der Wirtschaft Athens zugute und aufgrund des Aufschwunges gibt es einen großen Andrang auf die athenischen Gymnasien, Philosophenschulen und Bibliotheken. Durch die Stiftung des Titus Flavius Pantainos 100 n. Chr. wird das Angebot an Bildung sogar um eine zusätzliche Bibliothek erweitert22.

Schlussendlich kann man sagen, dass sich schon vor der Regierungszeit Hadrians ein Kaiser, in diesem Fall Augustus, um die Stadt Athen gekümmert hat. Durch ihn hat es sowohl einen architektonischen23, als auch wirtschaftlichen Aufschwung gegeben, welcher der Stadt sehr gut getan hat.

[...]


1 Pausanias: Reisen in Griechenland, hg. v. Felix Eckstein, Darmstadt 1986, S. 108.

2 Sinn, Ulrich: Athen. Geschichte und Archäologie, München 2004, S. 79.

3 Habicht, Christian: Pausanias und seine ,,Beschreibung Griechenlands‘‘, München 1985, S. 118.

4 Sinn: Athen, S. 69.

5 Piepenbrink, Karen: Das Altertum, 2. akt. Aufl., Stuttgart 2015, S. 180.

6 Piepenbrink: Das Altertum, S. 181.

7 Piepenbrink: Das Altertum, S. 180.

8 Piepenbrink: Das Altertum, S. 182.

9 Habicht, Christian: Athen. Die Geschichte der Stadt in hellenistischer Zeit, München 1995, S. 306.

10 Pausanias: Reisen in Griechenland, hg. v. Felix Eckstein, Darmstadt 1986, S. 108.

11 Pausanias: Reisen in Griechenland, hg. v. Felix Eckstein, Darmstadt 1986, S. 107.

12 Habicht: Athen, S. 307.

13 Habicht: Athen, S. 310.

14 Habicht: Athen, S. 307.

15 Habicht: Athen, S. 310.

16 Habicht: Athen, S. 307.

17 Sinn: Athen, S. 70.

18 Sinn: Athen, S. 71.

19 Sinn: Athen, S. 72.

20 Sinn: Athen, S. 73.

21 Sinn: Athen, S. 74.

22 Sinn: Athen, S. 75.

23 Goette, Hans R./Hammerstaedt, Jürgen: Das antike Athen. Ein literarischer Stadtführer, München 2004, S. 205.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Philhellene Hadrian als Wohltäter für Athen im 2. Jahrhundert n. Chr.
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V537388
ISBN (eBook)
9783346129703
ISBN (Buch)
9783346129710
Sprache
Deutsch
Schlagworte
philhellene, hadrian, wohltäter, athen, jahrhundert
Arbeit zitieren
Katharina Ramke (Autor), 2016, Der Philhellene Hadrian als Wohltäter für Athen im 2. Jahrhundert n. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537388

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