Vom Mädchen zur Ehefrau. Erziehungsmethoden höfischer Kultur im Mittelalter


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Mittelalter: Eine facettenreiche Epoche
1.1 Die Frau in der höfischen Gesellschaft

2. Vom adligen Mädchen zur Ehefrau
2.1. Die Erziehung adliger Mädchen
2.1.1 Methodik und Inhalte der Erziehung adliger Mädchen
2.1.2 Anstandsregeln nach Thomasin von Zerklaere
2.2 Die Herausforderung ,,Ehefrau in der höfischen Gesellschaft‘‘
2.2.1 Die gute Erziehung in der Anwendung
2.2.2 Robert de Blois‘ ,,Chastoiement des dames‘‘ - Verhaltenslehre für adlige Frauen

3. Ein Blick über den Tellerrand: Verantwortung am Hof und der andere Weg der Frau
3.1 Verantwortungsvolle Aufgaben und die politische Einflussnahme
3.2 Das Leben, in dem die Frau keine Ehefrau sein will

4. Der steinige Weg des Erwachsenwerdens
4.1 Das Gesicht des Verzichtes: Disziplin statt Unbeschwertheit - Unterwerfung statt Selbstbestimmung

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Literatur

1. Das Mittelalter: eine facettenreiche Epoche

1.1 Die Frau in der höfischen Gesellschaft

Das Mittelalter - Ein großes Loch von 500 n. Chr. bis ca. 1500 zwischen Altertum und Neuzeit1. Es wird oft von ,,der fremden Epoche‘‘ gesprochen und die Andersartigkeit der Epoche hat sich in den Köpfen der Menschen stark verankert. Es tauchen oftmals Asso­ziationen von roher Gewalt, extremer religiöser Auslebung, Hexenverbrennung und gro­ßen sozialen Ungleichheiten auf2. Doch das Mittelalter ist viel mehr als das, denn neben den negativen Aspekten gibt es viele interessante Themen, die die Epoche nicht so schlecht dastehen lassen und mit einem Thema davon werde ich mich in dieser Hausarbeit beschäftigen.

Wenn man den Begriff ,,höfische Gesellschaft‘‘ im Zusammenhang mit ,,Mittelalter‘‘ hört, sieht man sofort die Ritter in glänzender Rüstung, Burgen und Ritterturniere. Es geht viel um das Attribut der Männlichkeit und Stärke und die Frauen tauchen in den meisten Assoziationen nicht intensiv auf. Aus diesem Grund werde ich mein Augenmerk auf das weibliche Geschlecht am mittelalterlichen Hof richten. Unter dem Oberbegriff ,,ritterlich- höfische Kultur‘‘ werde ich mich also mit dem adligen Mädchen und der Frau am Hofe beschäftigen.

Die Forschung zur höfischen Gesellschaft gestaltet sich schwierig, wenn man auf aktuelle Literatur zurückgreifen will, denn dort kommt sie nur selten vor3. Es gibt mehrere Werke, die sich thematisch mit der höfischen Kultur beschäftigen, allerdings sind diese meist 30 Jahre alt und älter. Über die Frau in der höfischen Gesellschaft lässt sich noch weniger erforschen, da es in den historischen Quellen erhebliche Leerstellen darüber gibt. In mit­telalterlichen literarischen Werken wird zwar viel über die Frau und ihre Lebensform ge­schrieben, allerdings kann man dadurch leider nicht darauf schließen, wie das tatsächliche Leben und die Stellung der Frau am Hof gewesen ist4. Ein weiteres Problem stellen dabei die Quellen dar, denn diese sind oft auf Französisch und schwer zugänglich. Trotz der wenigen und teilweise veralteten Literatur habe ich Quellen und Literatur gefunden auf dessen Grundlage ich folgende Fragestellung entwickelt habe, die ich in der Hausarbeit bearbeiten werde: ,,Die höfische Kultur - Vom Mädchen zur Ehefrau: Inwieweit wurden die Mädchen durch Erziehungsmethoden zur Ehefrau erzogen und welche Forderungen, Tugenden und Aufgaben hatten diese später am Hof zu erfüllen?‘‘. Im Folgenden werde ich vorerst die Erziehung adliger Mädchen und ihre Methodik, wie sie auf ihr späteres Leben vorbereitet werden, untersuchen. Im Anschluss daran liegt der Fokus auf der Ehe­frau am Hof und welche Forderungen und Aufgaben sie bewältigen hat. Als Quellen­grundlage dient ,,Der Welsche Gast‘‘ von Thomasin von Zerklaere, welches eine Art Be­lehrungsbuch ist und unter anderem viel über die höfische Erziehung der Frau aussagt.

2. Vom Mädchen zur Ehefrau

2.1 Die Erziehung adliger Mädchen

2.1.1 Methodik und Inhalte der Erziehung adliger Mädchen

Die Erziehung zur adligen Frau beginnt schon im Kindesalter und Grund dafür ist, dass die damalige Annahme galt, dass die weibliche Natur so schwach ist, dass die Frauen belehrt und angeleitet werden müssen5. Wer die Erziehung der Mädchen übernommen hat, ist aus den historischen Quellen nicht ganz ersichtlich. Es wird vermutet, dass sich die Fürstin um die Ausbildung der Mädchen gekümmert hat, indem sie einen Hofkaplan oder einen Hauslehrer angestellt hat, der ihnen vor allem Lesen und Schreiben beige­bracht hat. Als weitere Erziehungsmethode sind die Mädchen in ein Kloster oder in ein geistliches Stift geschickt worden, um dort ihre Erziehung zu erhalten6. Die Erziehung auf der Burg der Eltern ist meist im Alter zwischen 13 und 16 Jahren abgeschlossen und der Heirat mit einem Ritter hat daraufhin nichts mehr im Wege gestanden7.

An oberster Stelle steht bei der Erziehung die Wahrung der Jungfräulichkeit. Dabei wer­den die Mädchen einer strengen und ständigen Bewachung unterzogen. Wenn die Tochter zum Beispiel in die Kirche geht, wird sie von der Mutter begleitet. Allerdings ist es den Eltern am wohlsten, wenn das Mädchen so selten wie möglich das Haus verlässt, da drau­ßen jegliche Bedrohungen herrschten, die die Wahrung der Jungfräulichkeit möglicher­weise gefährden könnten. Durch die Tatsache, dass die Mädchen also viel Zeit im Eltern­haus verbringen, müssen sie beschäftigt werden.

Die Beschäftigungen dienen somit hauptsächlich dazu, dass die Mädchen nicht auf ir­gendwelche ,,schlimmen Gedanken‘‘ kommen können. Sie lernen zu arbeiten, was in die­sem Falle Handarbeiten wie spinnen, weben und nähen beinhaltet. Aber auch bei diesem Arbeiten geht es nicht darum Kleider zu nähen, die ihnen gefallen und eventuell zu frei­zügig sind, sondern es sollten Gewänder sein, die praktisch sind und vor Kälte schützen8.

Des Weiteren bekommen die Mädchen eine Ausbildung der künstlerischen Fähigkeiten. Von einer höfischen Dame wird erwartet, dass sie Saiteninstrumente spielen kann und gleichzeitig bekommen die Mädchen Unterricht in Tanz, Musik und Gesang. Außerdem werden sie noch in weiteren Dingen unterrichtet und so lernen sie das Reiten, Schach­spielen und ihnen werden grundlegendende Aspekte der Heilkunst vermittelt, damit sie am Hof später die Ritter verarzten können9.

Neben als diesen Fertigkeiten und Fähigkeiten gibt es aber vier Dinge, die bei der Erzie­hung adliger Mädchen von höchster Bedeutung sind und auf die bei der Unterrichtung ein hoher Wert gelegt wird. Dies sind die Schamhaftigkeit und die sexuelle Enthaltsam­keit, Demut, eine schweigsame Art und die Sittenreinheit.

Die Schamhaftigkeit und die sexuelle Enthaltsamkeit sind deshalb grundlegend, da das Verlangen und die Lust unterdrückt werden sollen10. So darf das Mädchen auch keine Kleidung tragen, die auf jegliche Art Wollust erzeugt. Unangebracht sind enganliegende Gewänder, die durch Schlitze Haut zeigen, Seide und die Farbe Purpur, kostbare Gürtel und Haarbänder. Außerdem gilt es als Werk des Teufels, wenn man sich schminkt oder die Haare färbt, weil dadurch die Schöpfung Gottes verzerrt wird11. Das Verlangen soll auch in anderen Bereichen nicht Überhand nehmen. So sollen die Mädchen nur essen und trinken, um Hunger und Durst zu besänftigen, es soll nicht zu viel geschlafen werden und sie sollen auch kein Bad zu sich nehmen.

Demut, Schweigsamkeit und Sittenreinheit werden unterrichtet, weil es für das gesell­schaftliche Auftreten maßgeblich ist12.

Für ein Kind sind das viele Dinge, auf die in ihrer Kindheit geachtet wird und es macht Anschein, dass Kinder ihre Kindheit nicht frei ausleben dürfen. Vor allem wenn sie die meiste Zeit des Tages im Haus verbringen und ihren Handarbeiten nachgehen.

2.1.2 Anstandsregeln nach Thomasin von Zerklaere

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Erziehung adliger Mädchen sind die Anstandsregeln. Im Mittelalter gibt es viele Erziehungsbücher für Mädchen und Frauen, woran sich diese und die Gesellschaft orientiert haben. Ein bekanntes Erziehungsbuch stammt von Thomasin von Zerklaere und nennt sich ,,Der Welsche Gast‘‘ aus den Jahren 1215 und 1216. Dort stehen Anweisungen geschrieben, die Mädchen und junge Damen zu befolgen haben, damit man ihnen ein gutes Benehmen und eine gute Erziehung nachsagen kann13.

So schreibt von Zerklaere Anweisungen wie: ,,ein vrouwe sol niht vast an sehen einn vrömeden man, daz stât wol14 ‘‘oder ,, Ein june vrouwe sol senfticlîch und niht lût spre­chen sicherlich15 ‘‘. Im ersten Zitat schreibt von Zerklaere, dass eine Frau einen Fremden nicht unentwegt anstarren soll, denn so gehört es sich. Im Zweiten geht es um die Sprech­art- und Lautstärke, denn diese soll angenehm sein und auch nicht zu laut.

Im ,,Welschen Gast‘‘ lassen sich aber noch viele weitere Regeln finden: Eine Dame soll nicht sprechen, wenn sie nicht gefragt wird und generell nicht viel reden, vor allem nicht wenn sie am Essen ist. Zudem soll sie sich nicht viel umsehen, sondern den Kopf nach vorne richten, wenn sie geht. Eine anständige Dame achtet darauf, nicht ohne Mantel herumzulaufen und wenn sie dies doch tut, muss sie wenigstens aufpassen, dass man keine nackte Haut sieht, denn dies zeugt von Anstandslosigkeit. Des Weiteren sagt von Zerklaere, dass eine Dame sich blicken lassen soll, wenn ein fremder Gast zu Besuch kommt. Sie soll keine Scherze machen und es lässt von guter Erziehung zeugen, wenn die Dame die Beine beim Sitzen nicht übereinander schlägt.

Auch beim Reiten gibt es Regeln an die sich eine Frau halten muss. So soll sie nicht quer sitzen und ihr Kopf ist nach vorne gerichtet16.

Alles in Allem hat Thomasin von Zerklaere in ,,Der Welsche Gast‘‘ eine sehr genaue Vorstellung vom Verhalten junger Damen ausgearbeitet und präsentiert. Er geht dabei sehr ins Detail und für die adeligen Mädchen ist dieses Erziehungsbuch wohl eine Art Anleitung. Es wird sehr viel Disziplin dazugehören, diesen Regeln bedingungslos zu fol­gen, vor allem wenn man bedenkt, dass es Kinder sind, die eigentlich noch den kindlichen Übermut haben und sehr lebhaft und somit schwer zu bändigen sind.

Betrachtet man die beiden Kapitel gemeinsam, dann wird die Wichtigkeit der Erziehung im Mittelalter erst richtig deutlich und zeigt, dass es um mehr geht, als lediglich um gutes Benehmen. Wenn man sich heutzutage umsieht, dann schaffen es viele Eltern ihre Kinder auch ohne Erziehungsbücher zu gutem Benehmen zu erziehen. Aus heutiger Sicht denke ich, dass es im Mittelalter viel mehr darum geht, die Persönlichkeit der Frauen einzudäm­men und ein kontrolliertes Handeln möglich zu machen. Thomasin von Zerklaere hat mit seinem Werk erreicht, dass wenn zum Beispiel eine Frau mal aus ihrem Innersten unkon­trolliert laut und enthusiastisch redet, daraufhin ihre Erziehung in Frage gestellt wird. Dabei hat es wohl viel weniger mit Erziehung, sondern mit dem Charakter und der Per­sönlichkeit dieser Frau zu tun.

2.2 Die Herausforderung ,,Ehefrau in der höfischen Gesellschaft‘‘

2.2.1 Die gute Erziehung in der Anwendung

Sobald die Mädchen also zu anständigen Damen erzogen worden sind, steht der Ehe­schließung nichts mehr im Wege. Sie verlassen den elterlichen Hof und wohnen von dort an bei ihrem Ehemann.

Der Hauptzweck der Ehe ist es Nachkommen zu zeugen und als verheiratete Frau steht sie unter der Vormundschaft des Ehemanns und hat sich unterzuordnen17. Von nun hat sie die gute Erziehung unter Beweis zu stellen und es folgen noch weitere Aufgaben, die sie zu bewältigen hat.

[...]


1 Müller, Harald: Mittelalter, Berlin 2008, S. 11.

2 Ebd., S. 9.

3 Bumke, Joachim: Höfische Kultur: Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, München 1986, S. 14.

4 Rösener, Werner: Leben am Hof: Königs- und Fürstenhöfe im Mittelalter, Ostfildern 2008, S. 163.

5 Bumke: Höfische Kultur [.], S. 470.

6 Rösener: Leben am Hof [.], S. 166.

7 Lascho, Birgit: Ritter und Hofdamen. Die Erziehungs- und Ausbildungswege adliger Jungen und Mäd­chen im Mittelalter, in: Praxis Geschichte 7/8, Berlin 2012, S. 43-48, hier: S. 43.

8 Bumke: Höfische Kultur [...], S. 470-471.

9 Lascho: Ritter und Hofdamen. Die Erziehungs- und Ausbildungswege adliger Jungen und Mädchen im Mittelalter [.], S. 46.

10 Rösener: Leben am Hof [.], S. 166.

11 Bumke: Höfische Kultur [.], S. 471.

12 Rösener: Leben am Hof [.], S. 166.

13 Bumke: Höfische Kultur [...], S. 477.

14 Von Zerklaere, Thomasin: Der Welsche Gast, Berlin 2004, hier: S. 31 Vers 400.

15 Ebd., S. 31 Vers 405.

16 Ebd., S. 31-33.

17 Paravacini, Werner: Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, 2.Aufl., München 2010, S 24.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Vom Mädchen zur Ehefrau. Erziehungsmethoden höfischer Kultur im Mittelalter
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V537393
ISBN (eBook)
9783346158413
ISBN (Buch)
9783346158420
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ehefrau, erziehungsmethoden, kultur, mädchen, mittelalter
Arbeit zitieren
Katharina Ramke (Autor), 2015, Vom Mädchen zur Ehefrau. Erziehungsmethoden höfischer Kultur im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537393

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