Die Hauptmotive des Konflikts zwischen China und Taiwan


Seminararbeit, 2020

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Die historischen Hintergründe des Konflikts

3. Mögliche chinesische Invasion in Taiwan ab dem Jahr 2020

4. Die Rolle der USA im Konflikt zwischen Taiwan und China

5. Die letzten Taiwankrisen und die aktuelle Entwicklung des Konflikts

6. Das Fazit

7. Literaturverzeichnis und Internetquellen

1. Einleitung und Fragestellung

In meiner Hausarbeit möchte ich untersuchen, welche Gründe ursächlich für den anhaltenden Konflikt zwischen China und Taiwan sind. Bereits seit mehreren Jahrzehnten herrscht evidente Disharmonie zwischen chinesischer und taiwanesischer Seite. Diese Arbeit widmet sich vor allem Taiwans Unabhängigkeitskampf sowie den daraus resultierenden politischen Folgen. Auch in zahlreichen wissenschaftlichen Quellen dominiert Uneinigkeit über die Frage, ob Taiwan ein unabhängiger Staat ist oder eine Provinz Chinas.

Um die besondere Bedeutung der Auseinandersetzung über den staatsrechtlichen Status Taiwans zu erklären, werde ich zunächst das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Faktoren und gesellschaftlichen Positionen darlegen. Denn Taiwan sieht sich von China bedroht und bittet sogar die internationale Politik um Unterstützung im Falle eines chinesischen Angriffs. Allerdings ist die Volksrepublik China gleichzeitig Taiwans wichtigster Handelspartner. Schließlich werden die wirtschaftlichen Interaktionen zwischen Peking und Taipeh immer intensiver. Taiwan ist drittgrößter ausländischer Investor in China. Trotzdem besteht eine anhaltende politische Differenz (vgl. Zürl 1999: 248). Auf dieser Grundlage soll intensiv über das zutiefst ambivalente Verhältnis zwischen den beiden Staaten diskutiert werden.

Die konkrete Fragestellung lautet:

"Worin liegen die Hauptmotive des Konflikts zwischen der Volksrepublik China und Taiwan (Republik China) begründet bzw. welche Aspekte führen zur permanenten Kriegsbereitschaft beider Seiten?"

Dazu werden im Verlauf der Arbeit die historischen Hintergründe, die politische Vergangenheit sowie die Rolle der USA in diesem Konflikt erörtert. Auch die USA erkennen Taiwan nicht als souveränen, unabhängigen Staat an, gelten gemeinhin aber als Verbündete Taiwans. Damit geraten sie wiederum in Schwierigkeiten mit China, so dass die politischen Beziehungen zwischen den Weltmächten China und USA ebenfalls zu einem Konfliktherd werden könnten. Die verschiedenen Aspekte sollen zu einer differenzierten und reflektierten Einschätzung der Auseinandersetzung verhelfen. Ich finde speziell diesen Forschungsgegenstand interessant, da die Taiwankrise international in ihrer politischen Relevanz unterschätzt wird. Der Konflikt hat aber eine enorme globale Bedeutung, weil die USA und China potenzielle militärische Gegner sind und durch ihre Rivalität ein internationales Sicherheitsdilemma oder (schlimmstenfalls) ein struktureller Weltkonflikt entstehen können.

Grundlegend für die Beantwortung der spezifischen Forschungsfrage waren die zahlreichen Fundstellen in bekannten und renommierten Handbüchern, Tageszeitungen und Fachzeitschriften, die verdeutlichen, wie persistent und gleichzeitig aktuell der Konflikt zwischen Taiwan und China ist. Die umfang- und facettenreiche Auswahl an Literatur aus verschiedenen Ländern ist der Beleg dafür, wie viele (internationale) Wissenschaftler und andere Autoren sich mit der Thematik befasst haben. Die Vielfalt der Print- und Internetquellen dient dazu, die (welt-) politische Lage möglichst differenziert, das heißt, insbesondere ein breites Spektrum der taiwanesischen, chinesischen und amerikanischen Position bezüglich der Aufgabenstellung darzustellen.

2. Die historischen Hintergründe des Konflikts

Das Akronym A2AD spielt in dem Konflikt zwischen Taiwan und China eine ausschlaggebende Rolle. Denn A nti- A ccess A rea D enial (A2AD) ist die häufigste Handlungsoption, um feindlichen Verbänden zu Lande, zu Wasser und in der Luft den Zugang und/oder die Bewegungsfreiheit in einem Operationsgebiet mit militärischen Mitteln zumindest zu erschweren. Unter militärischen Mitteln werden in diesem Kontext unter anderem ABC-Waffen, Marschflugkörper, nukleare Raketen und Elektronische Kriegsführung verstanden. Einige taiwanesische Medien äußern sich folgendermaßen dazu: "The most effective means of deterring Chinese aggression against Taiwan is for the island to focus on upgrading its own A2AD capabilities".1 China strebt eine gewaltsame Wiedervereinigung mit Taiwan an. Für die Umsetzung dieses Ziels ist A2AD perfekt geeignet. Dabei ist die Tatsache zu konstatieren, dass die Volksrepublik China auf dem Weg zur Militär-Supermacht ist. China hat massiv in die Modernisierung seiner Marinestreitkräfte investiert. Dadurch wurde die chinesische Präsenz in der Pazifikregion sichtbar stärker.

Dagegen war Taiwan durch eine mangelhafte und fehlgeleitete Wirtschaftspolitik an den Rand des ökonomischen Kollapses geraten. Seit Mitte 1946 befand sich die Grundversorgung der taiwanesischen Bevölkerung in ernsthafter Gefahr, zeitweise herrschten Hungersnöte (vgl. Fleischauer 2008: 45). Folglich ist die Befassung mit der chinesischen Geschichte präsenter und einflussreicher als die gesellschaftliche Entwicklung Taiwans. Als Konsequenz wurde die Geschichte Taiwans als nebensächliches Regionalereignis dargestellt (vgl. Wang 2007: 23). Allerdings erholte sich die Wirtschaftslage in Taiwan in rasanter Geschwindigkeit und in den 1960/70er Jahren stieg es zu einem der vier Tigerstaaten in Asien auf. Seit 1949 steht Taiwan in konstantem Unabhängigkeitskonflikt mit dem ebenfalls wirtschaftlich aufstrebenden China (vgl. Lin 2000: 45).

Der Erfolg der chinesischen Militärstrategie ist an mehrere Faktoren geknüpft. Dazu zählt auch eine psychologische Kriegführungsplanung, die vornehmlich auf die Verunsicherung in der Bevölkerung, den Medien und der Börsenkurse in Taiwan ausgerichtet ist (vgl. Umbach 2002: 123).

In den Jahren 1954/55 stand Taiwan in zunehmendem Maße zwischen den Fronten von Washington und Peking (Beijing). Die USA und Taiwan bildeten ein Bündnis, das Taiwan unter den Schutz der USA stellte. Dieses gemeinsame Bündnis nannte sich Sino-American Mutual Defense Treaty. Daraus gründete sich zum späteren Zeitpunkt der sogenannte "Taiwan-Relations-Act" (vgl. Palaskas 2018: 34).

China erhebt energisch Seegebietsansprüche gegen andere Anrainerstaaten, die jedoch ebenfalls untereinander wechselseitige Gebietsansprüche geltend machen. Dieser Umstand verstärkt die politische Spannung im Pazifikraum und verkompliziert die Konfliktsituation um Taiwan (vgl. Jahn 2019: 54).

Offiziell unterhalten die Vereinigten Staaten keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan. Sie stehen aber per TRA (Taiwan Relations Act) an der Seite Taiwans in dem Zerwürfnis mit China. Dieser vermeintliche amerikanische Beistand ist aber längst keine Garantie dafür, dass die USA notfalls die taiwanesische Insel mit einem Militäreinsatz verteidigen würden. Im Endeffekt ist es sogar recht unwahrscheinlich, dass die USA in naher Zukunft einen militärischen Angriff gegen China unterstützen würden, nur um Taiwan aus einer akuten Konfliktsituation zu retten bzw. zu befreien. Ihnen wird das Risiko in letzter Konsequenz zu groß sein, möglicherweise sogar einen Nuklearkrieg mit China für die Freiheit und Unabhängigkeit Taiwans zu riskieren. Die amerikanische Militärpräsenz soll höchstens abschreckende Wirkung gegenüber China entfalten, so dass bis heute noch keine aggressive und gewaltsame Invasion auf Taiwan erfolgt ist (vgl. Gawrich/Knelangen 2017: 39).2

Nur wenige Staaten weltweit erkennen Taiwan als eigenständigen und souveränen Staat an. Es verwaltet sich gegenwärtig politisch in Eigenregie und verfügt über eine eigene Militärarmee bzw. Streitkräfte, um seine Sicherheit selbstständig zu gewährleisten. Entsprechen der Lehre des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Kenneth Waltz (1924­2013), nach der Staaten zuvorderst ihre Sicherheitsinteressen verteidigen, kann Taiwan grundsätzlich als "unitary actor" bezeichnet werden. Jedoch sind unabhängige Entscheidungen Taiwans ohne eine Abstimmung mit den USA nicht vorstellbar und deshalb nicht zu erwarten. Diese Situation birgt also einen bilateralen Konflikt zwischen der Volksrepublik und den USA in sich (vgl. Voetgen 2013: 39).

Auch die Bundesrepublik Deutschland pflegt keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan. Das bedeutet, dass Taiwan als Teil der Volksrepublik China betrachtet und anerkannt wird. Im Jahre 1992 brach Südkorea seine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan aus Rücksicht auf China ab. Taiwan reagierte verärgert und das südkoreanisch-taiwanesische Verhältnis wurde erheblich schlechter. Inzwischen hat es sich wieder stabilisiert (vgl. Kim 2010: 45).

Taiwan war einst durch eine komplexe Kombination aus westlichen Rechtsanschauungen und der chinesischen Rechtskultur geprägt, das heißt durch eine Verflechtung aus Tradition und Moderne. Im 20. Jahrhundert (in den 1970er Jahren) verwandelte sich Taiwan schrittweise von einer Agrar- zu einer Industrie- und Kommerzgesellschaft. In den 1990er Jahren wird die demokratische Bewegung in Taiwan vorherrschend (vgl. Wang 2007: 2-5).

Seit 1895 war Taiwan insgesamt nur für vier Jahre mit dem Festlandchina vereint und zwar im Zeitraum von 1945 bis 1949. Von 1895 bis 1945 wurde Taiwan von Japan besetzt, seit 1949 ist Taiwan ohne politische bzw. soziale Verbindung zum chinesischen Festland. Das Bündnis mit dem alten chinesischen Kaiserreich vor 1895 scheint eher lose gewesen zu sein. In der Interpretation Taiwans und der anderen Staaten, die Taiwan als unabhängig anerkennen, ist Taiwan ein völkerrechtlich anerkannter Staat, die 1912 gegründete Republik China. Das taiwanesische Selbstbildnis steht in der Tradition der ersten chinesischen Republik. Damit beruft sich Taiwan auf die staatliche Kontinuität der 1912 gegründeten Republik China. Dagegen betrachtet die im Jahr 1949 gegründete Volksrepublik China Taiwan als Provinz ihres Staates (vgl. Godehardt/Hansel/Harnisch 2018: 79). Zunächst kämpften sowohl die Volksrepublik als auch die Republik um die alleinige Vertretung Chinas. Die Volksrepublik China bietet der von der Republik China überwachten Insel Taiwan auch den Status einer Sonderverwaltungszone nach dem Hongkong-Vorbild an. Dies lehnt die Republik China bisher ab, da sie sich auf Augenhöhe mit der Volksrepublik wähnt (vgl. Dathe/Helmold 2018: 32). China unterhält bilaterale Beziehungen mit nahezu jedem Staat, doch gerade mit Taiwan ist der Umgang äußerst kompliziert. Die Demokratisierung Taiwans markierte einen außerordentlichen Wendepunkt in der China-Politik. Konsequenterweise widersetzte sich Taiwan im Jahr 1991 einem Anschluss an das Festlandchina. Im Juli 1999 sprach der taiwanesische Regierungschef Li Denghui von einer "besonderen zwischenstaatlichen" Beziehung zur Volksrepublik China anstelle von einer Beziehung zwischen zwei politischen Systemen. Diese Äußerung sorgte bei Vertretern der Volksrepublik für gehörige Proteste, weil die darin inbegriffenen separatistischen Tendenzen im Widerspruch zu den Bestrebungen einer Wiedervereinigung stehen (vgl. Kuhn/Ning/Shi 2001: 87).

Wenn auch der grundsätzliche Wille zur Vereinigung mit China in Taiwan durchaus existent ist, kann die Volksrepublik China nicht vollends das Vertrauen der Taiwanesen für eine politische Zusammenarbeit gewinnen. Aus taiwanesischer Sicht verfügt China über ein niedriges Wirtschaftsniveau, eine innen- und außenpolitische Instabilität sowie ein suboptimales kommunistisches Politiksystem. Diesen Zustand bezeichnen die Taiwanesen als sogenanntes "China-Problem". Aus chinesischer Perspektive nennt es sich allerdings "Taiwan-Problem" (vgl. Fehlbier 2004: 134). Nach chinesischer Auffassung ist Taiwan eine Provinz Chinas. Den Streit darum betrachtet China als bedrohlich für seine nationale Souveränität (vgl. Rogers 2008: 51). Aus realpolitischem Blickwinkel hat Taiwan nur minimale Chancen als eigenständiger Staat international anerkannt zu werden, da die VR China als Mitglied des Sicherheitsrats der UNO diese Entscheidung blockieren kann (vgl. Sieg/Timmermann 2010: 421). Doch für die UNO war die Taiwan-Frage irrelevant, solange die USA die Mehrheit der Stimmen in der UNO hinter sich versammeln konnte (vgl. Maurer 1996: 56). Aber Taiwan wehrt sich zunehmend sowohl militärisch als auch rhetorisch gegen das chinesische Regime. Laut der taiwanesischen Bevölkerung hat China den unbedingten Vorsatz, seine territorialen Ansprüche auf der Insel Taiwan durchzusetzen. China stellt für und auf Taiwan ein reales Bedrohungsszenario dar. Auf chinesischer Seite herrscht jedoch eine größere Sorge über die regionale Einflussnahme der USA als wegen des Konflikts mit Taiwan. Daher argumentieren chinesische Politiker bisweilen, dass das Spannungsfeld um Taiwan nicht weiter verschärft werden dürfe. Stattdessen müssten zukünftig neue Waffensysteme konstruiert werden, damit die VR China der "amerikanischen Bedrohung" entgegenwirken könne (vgl. Kempf 2002: 185). Weiterhin werde China im transnationalen Wirtschaftsystem mehr Macht erreichen, wenn es konstant seine Innovationspotenziale ausschöpfe. Bislang ist China eine passive Weltmacht, die nur indirekt ihre politischen Ziele durchsetzen kann (vgl. Krauße/Preyer 2017: 48). Aus chinesischer Sicht sind die Unabhängigkeitsbestrebungen Taiwans das Resultat der Manipulationen von nicht repräsentativen politischen Kräften auf der Insel. Die Wiedervereinigungsformel "Ein Land, zwei Systeme" versteht dem gegenüber Taiwan als Unterwerfungsstrategie unter den Alleinvertretungsanspruch der Regierung der VR China (vgl. Heilmann/Schmidt 2012: 106). China verfolgt das Ziel, die Überwachung der Seewege zu verstärken, die Kontroll- und Eingriffsmöglichkeiten der chinesischen Streitkräfte zu erweitern sowie die Transportsicherheit von Öllieferungen auszubauen. Mit solchen drastischen Maßnahmen beabsichtigt es, die Unabhängigkeitsbestrebungen Taiwans einzudämmen und sie im Einzelfall besser durch militärische Intervention unterbinden zu können (vgl. Liedtke 2019: 126). Erst im Jahre 2019 haben die USA ein Kriegsschiff in die Taiwanstraße geschickt. Die US-Marine agiert zwischen Taiwan und dem chinesischen Festland. Dieser Einsatz zeigt das Engagement der USA für einen freien und offenen Indopazifik. Auch sind die Vereinigten 2 Staaten der wichtigste Waffenlieferant des Inselstaates.

Zudem haben Vietnam und Taiwan ein partnerschaftliches Verhältnis. Das gilt vor allem für den ökonomischen Sektor. Insbesondere Taiwans Unternehmer sind in Vietnam sehr gefragt und belegen dort seit der wirtschaftlichen Öffnung Vietnams im Jahre 1986 auf dem Gebiet des Foreign Direct Investment (FDI) vordere Plätze. Aus den engen ökonomischen Berührungspunkten entwickelten sich auch diskrete politische Annäherungen zwischen Hanoi und Taipeh. "Mutual support between Vietnam and Taiwan on the China question certainly would represent a great boost to the strength of any South-east Asian united front directed against China" (Nguyen 2015: 73).

Mit Gründung der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) 1986 entwickelte sich in Taiwan schrittweise der Unabhängigkeitsgedanke und damit der der Loslösung von China. Die DPP steht zwar seit dem Jahr 2000 mit einer Unterbrechung von 2008 bis 2016 an der Spitze der Regierung, aber ihr fehlt weiterhin die Mehrheit in der Bevölkerung für die endgültige offizielle Emanzipation von China. Denn ein derartiger Abfall würde höchst wahrscheinlich eine kriegerische Auseinandersetzung bedeuten oder in abgeschwächter Form zumindest große Angst vor einem Krieg auslösen (vgl.van Ess 2008: 50). Die Demokratische Fortschrittspartei sieht in einer Annäherung an China die überdimensionale Gefahr, dass Taiwan seine Eigenständigkeit gänzlich verlieren könnte.

Die USA haben ihre Taiwan-Politik seit den 1980er Jahren nicht großartig reformiert. Im 21. Jahrhundert plädiert in den USA kaum jemand dafür, die Waffenexporte nach Taiwan zu beenden, um einer friedlichen Vereinigung zu chinesischen Konditionen Vorschub zu leisten (vgl. Paul 2017: 254). Die amerikanische Taiwan-Politik wird vom Taiwan Relations Act (TRA) von 1979 geleitet. (Geo-) strategisch maßgebend ist besonders die Taiwanstraße, die sich zwischen der Insel und dem chinesischen Festland befindet und die das süd- mit dem ostchinesischen Meer verbindet (vgl. Liedtke 2019: 126). Fortan werden weitere US- Waffenverkäufe an Taiwan erfolgen. Im Übrigen arbeiten die Vereinigten Staaten am Ausbau ihrer bilateralen Bündnisse in Zentral- und Südasien sowie Asien-Pazifik (vgl. Jäger/Vogelmann 2011: 400). China sucht nach Handlungsansätzen, um einem amerikanischen Eingriff in einen eventuellen Konflikt in der Taiwan-Straße zuvorzukommen, und setzt auf den Einsatz von Mittelstreckenraketen gegen US-Luftwaffenstützpunkte auf Okinawa und sich annähernden US-Flugzeugträgergruppen (vgl. Albert/Deitelhoff/Hellmann 2018: 120).

Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch, dass Taiwan wegen seiner geographischen Lage als äußerst wichtiger Transit-Handelsplatz gilt. Dieser Umstand ermöglichte es, die ökonomischen Tätigkeiten in Taiwan gewinnbringend in die Weltwirtschaft zu integrieren (vgl. Tang 2004: 169).

Eine weitere Konfliktquelle sind die 190 Kilometer nordöstlich von Taiwan gelegenen Diaoyu-Inseln. Momentan befinden sie sich im Besitz von Japan. Seit dem 16. Jahrhundert beansprucht die Volksrepublik China diese Inseln für sich alleine. Mittlerweile erheben auch chinesische Aktivisten aus Hongkong und Taiwan Besitzrechte an den Diaoyu-Inseln.

In der Diskrepanz, das ganze China repräsentieren zu wollen und gleichzeitig den eigenständigen Charakter Taiwans zu akzeptieren, ist aktuell kein vermittelndes Element erkennbar. Es entsteht ein Dilemma für alle beteiligten Akteure, die sich auf der einen Seite eine Koexistenz eines demokratischen und freiheitlichen Taiwans und auf der anderen die Umsetzung eines Großchinas wünschen (vgl. Schmidt-Glintzer 1999: 111-113). Das alles zeigt die Komplexität des Konflikts aufgrund der vielfältigen Interessengruppen. Es legt die Zwangslage offen zutage, die eine friedvolle Lösung für alle beteiligten Akteure so schwierig macht. Für eine solche ist eine genaue Abhandlung des Konflikts in einem historischen und politischen Kontext unentbehrlich.

3. Mögliche chinesische Invasion in Taiwan ab dem Jahr 2020

Aus Sicht Taiwans könnte die chinesische Armee ab 2020 imstande sein, das taiwanische Gebiet anzugreifen. Hinzu kommt, dass China -laut einem Medienbericht von "Focus Taiwan"- planen soll, die USA von einem Eingreifen in einen etwaigen Taiwan-Konflikt abzuhalten. Außerdem arbeitet Peking angeblich an einer Reihe von Cyberangriffen, um das digitale Leben auf der Insel Taiwan stillzulegen. China hat unbestritten in kurzer Zeit auffallend an militärischer Stärke gewonnen. Dennoch sind die einseitigen Informationen über die kriegerische Eroberung Chinas aus taiwanesischen Quellen mit Vorsicht zu betrachten. Allerdings sind auch unabhängige Experten über die rasante Geschwindigkeit der Aufrüstung Chinas überrascht. Insbesondere seine Kriegsmarine baut China militärisch aus.

Somit kann durchaus ein akutes Bedrohungsszenario für Taiwan ausgemacht werden. Auch für andere kleinere Länder in dieser Sphäre ist der chinesische Aufschwung zunehmend von Nachteil. Die Prognosen zahlreicher Politikwissenschaftler besagen, dass China in naher Zukunft in der Pazifikregion die militärische Vorrangstellung erlangen wird. Dies könnte gleichzeitig bedeuten, dass die USA eine chinesische Invasion in Taiwan unter Umständen nicht aufhalten können. Der Grund dafür sind die verbesserten chinesischen Kriegsschiffe und Raketen, die für US-Flugzeugträger ein Risiko darstellen.3 4

[...]


1 Einzusehen auf <https://m.focustaiwan.tw/news/acs/201710250016.aspx>

2 Einzusehen auf <https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-07/konflikt-mit-china-us-marine-strasse-von-taiw

3 Einzusehen auf <https://www.spiegel.de/politik/ausland/militaerbericht-taiwan-fuerchtet-invasion-durch- china-ab-2020-a-927593.html >

4 Einzusehen auf <https://www.srf.ch/news/international/maritime-aufruestung-chinas-bei-einer-invasion-in- taiwan-waeren-die-usa-machtlos>

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Hauptmotive des Konflikts zwischen China und Taiwan
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Politische Wissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
26
Katalognummer
V537418
ISBN (eBook)
9783346130655
ISBN (Buch)
9783346130662
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hauptmotive, konflikts, china, taiwan
Arbeit zitieren
Julia Engels (Autor), 2020, Die Hauptmotive des Konflikts zwischen China und Taiwan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537418

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