Diese Arbeit soll einen grundlegenden Überblick verschaffen über das Problem der internationalen Gewinnbesteuerung von Unternehmen vor dem Hintergrund der Digitalisierung und Globalisierung sowie Lösungskonzepte der OECD vorstellen. Im Vordergrund der Betrachtung stehen Konzepte zur internationalen Gewinnverteilung von multinationalen Konzernen.
Da diese zuvorderst betriebswirtschaftlichen Konzeptionen nicht losgelöst betrachtet werden können von fundamentalen Ansätzen des (inter-) nationalen Steuerrechts und auch vor dem Hintergrund gesamtwirtschaftlicher Implikationen zu würdigen sind, gliedert sich der Aufbau der Arbeit in zwei Hauptteile. Im ersten Hauptteil steht die theoretische Perspektive der internationalen Besteuerung im Vordergrund. Hierzu werden Besteuerungsprinzipien in einer geschlossenen und offenen Volkswirtschaft aus dem Blickwinkel der Bundesrepublik Deutschland (BRD) prägnant dargestellt. Im zweiten Hauptteil werden sodann neben einer Einordnung von Digitalisierungsentwicklungen im Wirtschaftsleben konkrete Gewinnverteilungskonzepte, die den zuvor erörterten Grenzen Rechnung tragen, vorgestellt und kritisch gewürdigt.
Das Phänomen des irischen Wirtschaftswachstums (ca. 35 % im Jahr 2015) versinnbildlicht den Status quo der multinationalen Besteuerung und wurde vom US-Ökonom Paul Krugman mit dem Begriff "Leprechaun Economics" betitelt. Dieses Wachstum liegt nicht etwa in einer Revolution der Wertschöpfung begründet, sondern ist das Resultat eines unlauteren Steuerregimes, das Kapital aus dem Ausland anzieht und ist nur eines von vielen Beispielen sog. Steueroasen.
Im Zuge des G20-Gipfels im Juni 2012 wurde die OECD mit der Entwicklung von Lösungsvorschlägen beauftragt, die solchen missbräuchlichen Steuergestaltungsstrategien entgegenwirken (BEPS -Projekt). Erste Ergebnisse in Form eines Maßnahmenkataloges wurden 2015 veröffentlicht (BEPS 1.0). Mit den fortlaufenden Arbeiten im Rahmen von BEPS 2.0 soll ein konsistentes und global vereinheitlichtes Besteuerungskonzept entwickelt werden. Hierbei geht es zum einen um die Neuzuordnung von Besteuerungsrechten (Pillar 1) und zum anderen um die Sicherstellung einer globalen Mindestbesteuerung (Pillar 2).
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Besteuerungsansätze aus volkswirtschaftlicher Perspektive
- Nationales Besteuerungskonzept
- Grenzüberschreitende Wertschöpfung aus steuerlicher Perspektive
- Internationales Besteuerungskonzept
- Zwischenstaatliche Erfolgszuordnung
- Zwischenfazit
- Gewinnverteilung von Unternehmen in der digitalisierten Wirtschaft
- Wertschöpfung in der digitalisierten Wirtschaft
- Wertschöpfungsmodelle in der Digitalökonom
- Charakteristika digitaler Geschäftsmodelle
- Exkurs: Europäische Wertschöpfung im internationalen Kontext
- Gewinnallokationsregeln im Rahmen von BEPS 2.0.
- User Participation
- Marketing Intangibles
- Significant Economic Presence
- Wertschöpfung in der digitalisierten Wirtschaft
- Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit Gewinnverteilungskonzepten im internationalen Kontext und analysiert, wie die Wertschöpfung in der digitalisierten Wirtschaft gerecht und effizient besteuert werden kann. Dabei werden insbesondere die Herausforderungen der digitalen Wirtschaft für bestehende Besteuerungsansätze und die aktuellen Lösungsansätze der OECD im Rahmen von BEPS 2.0. beleuchtet.
- Nationale und internationale Besteuerungskonzepte
- Wertschöpfung in der digitalisierten Wirtschaft
- Gewinnverteilung von Unternehmen in der digitalen Wirtschaft
- BEPS 2.0. und die Neuordnung der internationalen Besteuerung
- Herausforderungen und Lösungsansätze für die Besteuerung digitaler Geschäftsmodelle
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Thematik der Gewinnverteilungskonzepte im internationalen Kontext vor und erläutert die Relevanz des Themas. Im zweiten Kapitel werden verschiedene Besteuerungsansätze aus volkswirtschaftlicher Perspektive beleuchtet, darunter das nationale Besteuerungskonzept und die steuerliche Perspektive der grenzüberschreitenden Wertschöpfung. Das dritte Kapitel befasst sich mit der Gewinnverteilung von Unternehmen in der digitalisierten Wirtschaft und untersucht die spezifischen Herausforderungen der digitalen Wirtschaft für die Besteuerung. Hier werden Wertschöpfungsmodelle in der Digitalökonomie, Charakteristika digitaler Geschäftsmodelle sowie die europäische Wertschöpfung im internationalen Kontext analysiert.
Im vierten Kapitel werden die aktuellen Lösungsansätze der OECD im Rahmen von BEPS 2.0. vorgestellt und insbesondere die drei Säulen User Participation, Marketing Intangibles und Significant Economic Presence im Detail betrachtet. Die Arbeit endet mit einer thesenförmigen Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Schlussfolgerungen.
Schlüsselwörter
Digitale Wirtschaft, Gewinnverteilung, internationale Besteuerung, BEPS 2.0., User Participation, Marketing Intangibles, Significant Economic Presence, Wertschöpfung, Steuerrecht, OECD, Europäische Union.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Ziel des BEPS-Projekts der OECD?
Das BEPS-Projekt (Base Erosion and Profit Shifting) soll missbräuchlichen Steuergestaltungsstrategien multinationaler Konzerne entgegenwirken und eine faire Gewinnbesteuerung sicherstellen.
Welche Herausforderungen stellt die Digitalisierung für das Steuerrecht dar?
Digitale Geschäftsmodelle benötigen oft keine physische Präsenz in einem Land mehr, was herkömmliche Besteuerungsregeln, die an Standorte gebunden sind, aushebelt.
Was versteht man unter „Significant Economic Presence“?
Es ist ein Konzept im Rahmen von BEPS 2.0, das Besteuerungsrechte an dem Ort begründet, an dem ein Unternehmen eine signifikante wirtschaftliche Präsenz durch digitale Interaktion hat.
Was sind „Leprechaun Economics“?
Der Begriff beschreibt ein künstliches Wirtschaftswachstum (wie in Irland 2015), das nicht auf realer Wertschöpfung, sondern auf der Ansiedlung von Kapital durch unlautere Steuervorteile basiert.
Was beinhalten Pillar 1 und Pillar 2 von BEPS 2.0?
Pillar 1 befasst sich mit der Neuzuordnung von Besteuerungsrechten, während Pillar 2 eine globale Mindestbesteuerung sicherstellen soll.
Warum ist das Konzept der „User Participation“ relevant?
Es berücksichtigt, dass Nutzer digitaler Plattformen durch ihre Daten und Interaktionen aktiv zur Wertschöpfung beitragen, was steuerlich erfasst werden soll.
- Quote paper
- David Kochar (Author), 2020, Gewinnverteilungskonzepte im internationalen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537555