Auslandsdirektinvestitionen in Tschechien und Polen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

54 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1. Begriff der Auslandsdirektinvestitionen
2.1.1. Definition
2.1.2. Abgrenzung zu Portfolioinvestitionen
2.1.3. Arten und Formen der Direktinvestitionen
2.1.4. Statistische Erfassung

3. Theorien der Direktinvestitionen
3.1. Theorie des monopolistischen Vorteils
3.2. Produktzyklushypothese nach Vernon
3.3. Standorttheorie
3.4. Behavioristische Theorie
3.5. Internalisierungstheorie
3.6. Eklektisches Paradigma
3.7. Uppsala – Modell der Internationalisierung
3.8. Zusammenfassende Überlegungen zu den Theorien

4. Motive für die Auslandsdirektinvestitionen
4.1. Beschaffungsorientierte Motive
4.2. Absatzorientierte Motive
4.3. Umweltorientierte Motive
4.4. Strategische Motive
4.5. Kostenorientierte / Effizientorientierte Motive

5. Einflussfaktoren
5.1. Marktgröße
5.2. Faktorkosten
5.3. Infrastruktur
5.4. Entfernung
5.5. Risikoeinschätzung
5.6. Agglomerationsvorteile
5.7. Spezifische Determinanten im Transformationsprozess
5.7.1. Markterschließung
5.7.2. Privatisierung

6. Entwicklung der Auslandsdirektinvestitionen
6.1.1. Entwicklung in Polen
6.1.1.1. ADI nach Wirtschaftszweigen
6.1.1.2. ADI nach Herkunftsländern und Unternehmen
6.1.1.3. ADI nach Zielregionen
6.1.2. Entwicklung in Tschechien
6.1.2.1. ADI nach Wirtschaftszweigen
6.1.2.2. ADI nach Herkunftsländern und Unternehmen
6.1.2.3. ADI nach Zielregionen

7. Auswirkungen der Auslandsdirektinvestitionen auf das Empfängerland

8. Fallbeispiel: Regionales Cluster in Brno (Brünn)/Südmähren

9. Fazit

10. Literaturangaben

11. Anhang

1.Einleitung

Durch die EU-Osterweiterung am 24. Mai 2004 um 10 neue Mitgliedstaaten, eröffneten sich Europa, besonders auch Deutschland durch die Nähe zu Mittel- und Osteuropa (MOE), ganz neue wirtschaftliche Perspektiven. Nach einem Jahrzehnt des Transformationsprozesses haben die MOE-Länder eine Industriestruktur erreicht, die zwischen den nördlichen und südlichen EU-15 Mitgliedstaaten einzuordnen ist. Mit dieser Annäherung an die Wirtschaftsstruktur verbessern sich schließlich auch die Bedingungen für Auslandsdirektinvestitionen (ADI). Denn nach Zschiedrich (2000: 206) belegen internationale Erfahrungen, dass die Mitgliedschaft in Freihandelszonen oder Wirtschaftsgemeinschaften, wie der Europäischen Gemeinschaft, den ADI-Fluss vergrößern. Sowohl die Beitrittsländer als auch die Mitgliedstaaten der EU-15 legen große Erwartungen in die zukünftige Entwicklung der Direktinvestitionen. Jedoch ist der Kapitalfluss von vielen Bestimmungsfaktoren abhängig und kann nicht als Allheilmittel in punkto Verbesserung mikro- und makroökonomischer Bedingungen angesehen werden. In wie weit ausländische Direktinvestitionen ein Hoffnungsträger der MOE-Länder sind, soll am Beispiel Tschechiens und Polen aufgezeigt werden. Hierfür wird zuerst eine theoretische Grundlage geschaffen um in den Begriff der Direktinvestitionen einzuführen. Da die Wirkungen der ADI nur in Abhängigkeit von Formen, Typen und Motiven dargestellt werden können, wird anschließend noch auf die verschiedenen Theorien der Direktinvestitionen eingegangen. Darauf folgen die Entwicklung und die Auswirkungen der ADI-Zuströme in Tschechien und Polen. Zuletzt sollen alle diese Faktoren noch an einem Fallbeispiel in Tschechien anschaulich verdeutlicht werden.

2.Grundlagen

2.1.Begriff der Auslandsdirektinvestitionen

2.1.1.Definition

Auslandsdirektinvestitionen, in der Literatur auch als ausländische Direktinvestitionen (ADI) bezeichnet, sind Kapitaleinlagen, die ein Betrieb oder ein Unternehmen als Investor im Ausland einbringt. Diese Direktinvestitionen können verschiedener Form sein: Neugründung oder Erwerb eines Unternehmens bzw. einer Zweigniederlassung im Zielland, Beteiligung und Erweiterung oder Ausstattung und Modernisierung desselben in Form von Anlagemitteln oder Zuschüssen. Ziel einer solchen Kapitalanlage ist es auf die Geschäftstätigkeit des zu gründenden oder bereits bestehenden Unternehmens Einfluss zu nehmen und die Geschäftsführung zu kontrollieren. (Leser 2001: 142). Durch diese Kontrolle soll nicht nur die Ertragszielung beeinflusst, sondern auch versucht werden eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Folglich sind bei Direktinvestitionen finanz- und leistungswirtschaftliche Motive von Bedeutung: finanzwirtschaftlich gesehen sollen zukünftige Kapitalerträge erzielt werden; aus leistungswirtschaftlicher Sicht wird die Einflussnahme auf die Gestaltung des Leistungsprozesses verfolgt mit dem Ziel einer entsprechenden Rendite (Plum 1995: 6).

Jedoch lassen sich Direktinvestitionen nicht auf einen Kapitaltransfer reduzieren: mit den Kapitaleinlagen werden viele unternehmensspezifische Faktoren, wie technisches, organisatorisches und kommunikatives Wissen sowie Humankapital in das Empfängerland übertragen (Plum 1995: 8).

2.1.2.Abgrenzung zu Portfolioinvestitionen

Portfolioinvestitionen hingegen stellen ausschließlich den Ankauf von Wertpapieren eines Unternehmens oder Betriebs dar. Der finanzielle Aspekt ist dabei ausschlaggebend, denn Motiv dieser Investitionen ist es, sich an den laufenden Erträgen zu beteiligen und nicht die Beteiligung an der Erzielung der Erträge (Kušić & Heckmann 2000: 258). Dabei spielt das Kontrollmotiv keine Rolle, sondern Risiko- und Renditeüberlegungen stehen im Vordergrund (plum 1995: 6). Jedoch ist schwer zu unterscheiden, wann durch Direktinvestitionen Kontrolle ausgeübt werden soll und wann nicht. Als Maß der Einflussnahme wird der Umfang der Kapitalbeteiligung herangezogen. Eine eindeutige Abgrenzung zu den Auslandsdirektinvestitionen ist aber nicht möglich, weil die Beteiligungshöhe nicht zwingend ausschlaggebend sein muss für das Maß der Kontrolle. Denn selbst bei einer geringen Beteiligungshöhe ist eine große Einflussnahme möglich, z. B. wenn die Kontrolle verschiedener Prozesse oder Entscheidungen vertraglich festgeschrieben ist (Plum 1995: 7).

2.1.3.Arten und Formen der Direktinvestitionen

Auf den Zusammenhang mit den Investoren im Empfängerland bezogen, gibt es zwei Arten von Direktinvestitionen: additive und substitutive. Von additiven Direktinvestitionen spricht man, wenn die Kapitalanlagen zusätzlich zum Investitionsvolumen im Empfängerland vollzogen werden. Substitutive Direktinvestitionen verdrängen indirekt oder sogar direkt inländische Investoren oder Unternehmen im Empfängerland (Plum 1995: 9).

Eine weitere grundsätzliche Differenzierung der Art der Direktinvestitionen ist die Klassifizierung in horizontale und vertikale. Bei den zuerst genannten wird das gleiche Produkt weiterproduziert, nur der Standort der Produktion wird ins Ausland verlegt. Dadurch werden schließlich auch neue Märkte erschlossen und beliefert, die Produktionsmenge steigt, damit verbunden Skalenerträge und die Gewinne. Bei vertikalen Direktinvestitionen werden ausschließliche einzelne Produktionsschritte ins Ausland mit den geringsten Faktorkosten (vgl. 5.2.) verlagert.

Eine weitere Einteilung der Direktinvestitionen sind die realisierten Formen der Kapitalströme. Denn nicht selten nehmen diese Realisierungsformen Einfluss auf die Auswirkungen der Direktinvestitionen. Da durch Unternehmenszusammenschlüssen und –Aufkäufen (mergers and aquisitions = M&A) häufig nur ein Eigentümerwechsel ohne direkte Investitionseffekte stattfindet, bevorzugen die Empfängerstaaten den Neuaufbau von Produktionsstätten der global players (Zschiedrich 2001: 212). Diese Greenfield Investments, also Neugründungen bzw. Beteiligungsaufstockungen ziehen eine additive Wirkung nach sich, weil auch andere Betriebe an diesen Standort angelockt werden. Übernahmen oder Beteiligungen an bereits bestehenden Unternehmen (M&As) hingegen haben oft substitutive Auswirkungen, weil andere Unternehmer durch den Aufkauf verdrängt werden.

Jedoch kann eine solche Art der Direktinvestition mit verbundener Verdrängung auch bei Neugründung von Unternehmen auftreten. Wenn den Investoren des Empfängerlandes nur der inländische Kapitalmarkt für Investitionen zugänglich ist und der ausländische Investor ebenfalls dort seine Direktinvestitionen investiert, kann dies zu einer Verdrängung des heimischen Investors führen. Nur wenn die heimischen Investoren ihre Finanzquellen auf dem internationalen Kapitalmarkt oder sogar im Geberland haben, können sie bestehen bleiben (Plum 1995: 10).

Selbst M&As müssen nicht zwingend substitutive Direktinvestitionen nach sich ziehen. Werden die Verkaufserlöse als freiwerdende Mittel für neue Investitionen genutzt, erfolgt eine direkte additive Wirkung. Es kann genauso indirekt zu neuen Investitionen kommen, wenn es in Folge der Direktinvestitionen zu einer Steigerung der Nachfrage nach dem freiwerdenden Mittel im investierten Ausland kommt. Außerdem bleibt unklar, welche Entwicklung das ausländische Unternehmen ohne Direktinvestitionen genommen hätte. Denn viele Untenehmen wären ohne Kapitalunterstützung oder Beteiligung ausländischer Investoren nicht weiter wettbewerbsfähig gewesen (Plum 1995: 11).

Die Auslandsdirektinvestitionen können sich sogar so auswirken, dass Investoren im Empfängerland angeregt werden Kapital anzulegen. In diesem Fall würden die ausländischen Unternehmen einen Anreiz für die heimischen Betriebe darstellen indem sie im Empfängerland neue Märkte und Gewinnchancen ermöglichen. Durch die Direktinvestitionen können ebenfalls neue Investitionen im vor- und nachgelagerten Bereich angezogen werden, wie z. B. im Vorprodukt- oder Absatzbereich. In diesem Fall spricht man von den komplementären Auswirkungen der Auslandsdirektinvestitionen, weil es im Empfängerland zu zusätzlichen Investitionen kommt (Plum 1995: 12).

Außer den Greenfield Investments und den M&As gehören schließlich noch Unternehmensbeteiligungen von mehr als 10% zu den Realisierungsformen der Direktinvestitionen. Da im internationalen Rahmen Direktinvestitionen als Kontrolle ausländische Betriebe definiert werden, muss die Beteiligungshöhe den Schwellenwert von 10 % übersteigen. Des Weiteren können langfristige Kreditvergaben an ausländische Firmen und Joint Ventures eine Form der Direktinvestitionen darstellen. Joint Ventures stellen Partnerschaftsunternehmen in- und ausländischer Anteilseigener dar, mit einer Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung des einen Partners (Zschiedrich 2001: 212). So können Kapital, Maschinen, Anlagen, Ausrüstungen, Management, Know-How, Experten und Führungskräfte im kaufmännischen Bereich weniger schwierig transferiert werden, Direktinvestitionen durch den investierenden Partner besser überprüft und Negativeffekte weitgehend vermieden werden (Leser 2001: 365).

2.1.4.Statistische Erfassung

Da Direktinvestitionen als Kapitalströme definiert werden, sind die Hauptquellen der Daten nationale Statistiken. Jedoch ergeben sich in den statistischen Erfassungsmethoden wesentliche Unterschiede. So können die Daten je nach Art und Inhalt nur eingeschränkt verglichen werden (Plum 1995: 37). Auf Grund der Vielfalt der weltweiten Erfassungsmethoden sollen hier nur die für Deutschland maßgebende vorgestellt werden.

Eine Methode der statistischen Erfassung ist die Abgrenzung gegenüber den anderen Formen des langfristigen Kapitalverkehrs. So ist beispielsweise zur Abgrenzung zu Portfolioinvestitionen (vgl. 2.1.2.) die Beteiligungshöhe maßgebend. Hier besteht jedoch die Schwierigkeit, dass die Schwellenwerte für die Beteiligungshöhe von Land zu Land verschieden sind. Die Mindestbeteiligungshöhe von 10%, die von der OECD und dem IWF vorgeschlagen wird, verwenden nur einige Länder, wie USA, Japan, Frankreich. Andere Länder, so auch Deutschland auch Großbritannien, haben als Grenze die 20%-Marke. Eine dritte Gruppe von Ländern (Niederlande, Belgien, Luxemburg) verwendet keine festgesetzte Beteiligungshöhe und entscheiden von Fall zu Fall.

Eine zweite Methode ist nach Plum (1995: 37) die statistische Konzeption selbst, die auf der Grundlage der tatsächlich durchgeführten Direktinvestitionen erstellt wird. Dies ist aber nur in denen Ländern möglich, die wie Deutschland eine Meldepflicht für die Direktinvestitionen haben. Da z. B. in Japan die Daten auf den genehmigten Direktinvestitionen basieren, die stets höher sind als die tatsächlich realisierten, fallen die japanischen Direktinvestitionen immer zu hoch aus.

Der Erfassungsmodus der Direktinvestition in Deutschland ist die Zahlungsbilanzstatistik oder die Bestandstatistik, die beide von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht werden (Kutschker & Schmid 2004: 94).

In der Zahlungsbilanzstatistik werden die ADI-Ströme als langfristige Kapitalbewegungen zwischen In- und Ausland abgebildet. Dabei liegt ein Abhängigkeitsverhältnis vor, wenn „der Anteil einer Unternehmung im Inland (Ausland) am Nominalkapital einer Unternehmung im Ausland (Inland)“ die 10 %-Schwelle übersteigt.

Eine modifizierte Form der Zahlungsbilanzstatistik ist die Transferstatistik des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit. Es werden sowohl reinvestierte Gewinne und Verluste der Zahlungsbilanzstatistik entnommen, als auch der Erwerb bzw. Verkauf von kommerziellem Grundbesitz abgezogen. Dies führt zu einer Bereinigung der Statistik der Deutschen Bank um den reinen Transfer der Direktinvestitionen noch deutlicher untersuchen zu können.

Die Bestandsstatistik gibt, wie der Name schon erahnen lässt, den Bestand der ADIs wieder. Eine solche Statistik kann natürlich nur in den Ländern erstellt werden, die eine gesetzliche Meldepflicht für Direktinvestitionen vorsehen. Denn auf solchen Bestandsmeldungen basiert diese Statistik. Kutschker & Schmid (2004: 95) müssen in Deutschland ADIs bei der Deutschen Bundesbank angegeben werden, sobald 10% oder mehr der Kapitalanteile oder der Stimmrechte an einem ausländischen Unternehmen erreicht werden oder sobald Zweigniederlassung und Produktionsstätten ein Bruttovertriebsvermögen von mehr als 3 Mio. Euro übersteigen. Selbst indirekte Beteiligungen sind meldepflichtig, wenn diese Beteiligung höher als 50% ist. Diese Regelungen gelten umgekehrt genauso für Auslandsdirektinvestitionen, die in Deutschland getätigt werden.

Als problematisch erweisen sich diese Statistiken, wenn es in einem Land keine gesetzlich Grundlage zur Auskunft oder zur Meldung gibt. Dadurch können entscheidende Direktinvestitionsströme und –bestände unberücksichtigt bleiben und die Statistiken liegen unter dem wirklichen Ergebnis. Viele Länder haben auch keine zuverlässige Erfassung der ADI-Ströme und –bestände. Dies und die unterschiedliche Höhe des Schwellenwertes, der auch weit über der empfohlenen 10%-Marke liegen kann, erschweren den internationalen Vergleich der Direktinvestitionen.

Außerdem müssen nach Plum (1995: 38) bei einer vollständigen Erfassung sowohl reinvestierte Gewinne als auch andere Kapitalströme, wie Kreditbeziehungen, miteinbezogen werden. Jedoch werden diese zwei Bestandsgrößen nicht von allen Ländern erfasst. Des Weiteren verläuft die Erfassung der mittelbaren Direktinvestitionen, die über eine Art Vermittlergesellschaft getätigt werden, nicht in jedem Land gleichermaßen. Folglich können ausländische Direktinvestitionen nur mit Vorsicht international verglichen werden.

3.Theorien der Direktinvestitionen

Im Folgenden werden einige Theorien zu Direktinvestitionen näher erläutert. Allerdings handelt es sich nur um eine Auswahl nach der Häufigkeit des Vorkommens in der Literatur und stellt keine vollständige Übersicht dar.

3.1.Theorie des monopolistischen Vorteils

Der Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre der Europa – Universität Viadrina (BWL-VIADRINA) stellt fest, dass die Theorie des monopolistischen Vorteils von Stephen Hymer (1960) und Kindleberger (1969) besagt, dass es folgende Gründe für Direktinvestitionen im Ausland von Unternehmen gibt:

- „das dort eingesetzte Kapital abzusichern (durch aktive Managementkontrolle, vs. Portfolioinvestitionen).
- den bestehenden Wettbewerb vor Ort auszuschalten.
- Renten aus monopolistischen Vorteilen vollständig abzuschöpfen (rent seeker)“.

Allerdings wird laut Welge und Holtbrügge (2003: 67f) in der Theorie zunächst davon ausgegangen, dass eine Tochtergesellschaft zunächst Wettbewerbsnachteile gegenüber inländischen Unternehmen aufweist. Mögliche Ursachen hierfür können sein:

- „Geringere Kenntnisse der Gesetzgebung, Wirtschaft, Politik und Sprache des Gastlandes bedingen höhere Informationskosten und höhere Risiken.
- Ausländische Unternehmungen werden in vielen Ländern durch diskriminierende Praktiken der Regierung …, der Konsumenten und der Lieferanten behindert.
- Die Gewinnrückführung ist Wechselkursrisiken ausgeliefert.
- Die geographische Entfernung zwischen der Muttergesellschaft und der ausländischen Tochtergesellschaft führt zu hohen Kommunikations- und Koordinationskosten.“

Deswegen müssen ausländische Unternehmen erst über spezifische monopolistische Vorteile verfügen um diese Nachteile überwinden zu können. Voraussetzung hierfür ist eine „Marktunvollkommenheit“ die sich wie folgt äußern kann:

- Bei unvollkommenen Faktor- und Gütermärkten besitzen vor allem Unternehmen aus Industrieländern ein häufig überlegenes Technologie- und Management Know-How, sowie eine größere Marktmacht und auch einen Imagevorteil.
- Große international agierende Unternehmen zeichnen sich häufig durch Massenproduktionsvorteile aus.
- Markteintrittsbarrieren durch staatliche Regelungen wie tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse regen häufig Direktinvestitionen in diesen Ländern an.

Schwächen dieser Theorie nach Welge und Holtbrügge (2003: 68) sind die Nichtberücksichtigung, dass Unternehmen auch investieren um neue Vorteile zu erringen und das sie nicht erklären kann, warum die Produktion im Ausland günstiger ist als Exporte aus dem Geberland.

3.2.Produktzyklushypothese nach Vernon

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Heineberg (2003:113)

Heineberg (2003: 113) erläutert, dass nach der Produktzyklushypothese oder –Theorie nach Vernon aus dem Jahre 1966, Produkte einer bestimmten Lebensdauer unterliegen und dabei hinsichtlich ihrer Gestaltung, Produktions- und Absatzbedingungen Veränderungen unterliegen. Der Produktzyklus lässt sich je nach Kombination der Produktionsfaktoren in eine Innovations-, Wachstums-, Standardisierungs- bzw. Ausreifungsphase und eine Schrumpfungsphase unterteilen. Die Innovationsphase eines Produktes benötigt für den Forschungs- und Entwicklungsprozess einen massiven Einsatz von Finanzmitteln und hoch qualifizierten Arbeitskräften. In der Wachstumsphase wird mehr Kapital für die eigentliche Produktion eingesetzt und das Produkt setzt sich auf dem Markt durch, wobei es zu einem starken Anwachsen der Erlöse kommt. Nach Jawad (2004: 11) kommt es in der Reifephase zu einer Standardisierung der Produktionsverfahren was auch eine Reduzierung der Qualifikationsanforderungen an die Arbeiter zur Folge hat. War der Absatz weitgehend auf den heimischen Absatz konzentriert, wird nun mit dem Export begonnen und es werden von den Unternehmen auch Produktionsstätten im Ausland gegründet die Nähe zu Exportmärkten und die eventuell vorhandenen niedrigeren Lohnkosten zu nutzen. In der Schrumpfungsphase kommt es dann zu einem Rückgang der Nachfrage. Laut Heineberg (2003: 113) haben Unternehmen mehrere Möglichkeiten um einen Absatzverlust infolge einer Schrumpfungsphase zu vermeiden. Erstens durch die Substitution des alten Produktes durch ein Neues gleicher Art, zweitens durch die Ausdehnung des Lebenszyklus durch Produktmodifizierungen, drittens durch eine Verbesserung der Produktionstechnologie und viertens mittels Rationalisierung und Senkung der Arbeitskosten. Gerade hier sieht Jawad (2004: 12) zwar vor allem für Entwicklungsländer die Chance sich auf die Herstellung von Produkten zu konzentrieren, welche die Standardisierungsphase abgeschlossen haben und dabei standardisierte Produktionsverfahren mit Hilfe von Vorleistungen an Kapital mittels ausländischer Direktinvestitionen zu erhalten. Diese Empfängerländer können komparative Kostenvorteile wie geringere Lohnkosten oder auch eventuell verfügbare Ressourcen enthalten.

3.3.Standorttheorie

Durch eine Entscheidung eines Unternehmens zu einer Auslandsdirektinvestition trifft es gleichzeitig eine Standortentscheidung, so Perlitz (2004: 100f) und somit werden auch die Theorien zu Direktinvestitionen auch zu Standorttheorien. Jahrreiß hat folgende Standortfaktoren zu ihrer Bedeutung für Direktinvestitionen näher untersucht: 1.) Staatliche Investitionsanreiz; 2.) marktbezogene Variabeln wie Marktgröße, Wachstum und Handelshemmnisse; 3.) Lohnkostendifferenzen; 4.) Steuersystem; und 5.) politische Risiken. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass Investitionsanreize, das Steuersystem und politische Risiken kaum einen Erklärungswert liefern. Lohnkostendifferenzen erklären nur kostenorientierte Direktinvestitionen wohingegen nach Jahrreiß marktbezogene Variablen und hierbei vor allem das Marktpotential besondere Wichtigkeit für die Erklärung von Direktinvestitionen besitzen.

3.4.Behavioristische Theorie

Aharoni (1966) hat sich laut Perlitz (2004: 97f) die Frage gestellt, warum sich Unternehmen sich vom höheren Risiko davon abhalten lassen Direktinvestitionen im Ausland zu tätigen, obwohl sie hohe Gewinnchancen haben. Dabei haben seine Untersuchungen ergeben, dass viele Führungskräfte oft Zeit und Aufwand vermeiden wollen solche Berechnungen anzustellen und zudem noch genügend gewinnträchtige Anlagemöglichkeiten im Inland sehen. Aharoni sieht bei den Unternehmen eine Anstoß – und Bewertungsphase in der die eigentliche Entscheidung fällt. Dabei sind oft einzelne Führungskräfte ausschlaggebend, die von Motiven wie Reiselust, Prestigedenken, Entwicklungshilfe, frühere Reisen, sowie familiäre und schulische Entwicklung angeregt werden. Weiterhin sieht Aharoni folgende Initialkräfte innerhalb der Anstoßphase die ein Unternehmen veranlassen können eine Direktinvestition im Ausland zu tätigen:

- Vorschläge, die von außen an das Unternehmen herangetragen werden.
- Angst, den Markt aufgrund von staatlichen Restriktionen zu verlieren.
- Mitläufereffekte, weil das Unternehmen sich gezwungen sieht, Konkurrenten ins Ausland zu folgen um ihre relative Größe beizubehalten.
- Sowie eine starke Konkurrenz von ausländischen Unternehmen auf den Inlandmärkten des Unternehmens.

3.5.Internalisierungstheorie

Ursprünglich basiert diese Theorie laut Welge und Holtbrügge (2003: 68f) auf dem Transaktionskostenansatz von Coase (1937), der davon ausgeht, das viele Transaktionsformen über den Markt ineffizient sind und das viele Transaktionen ausschließlich innerhalb des Unternehmens möglich sind. Diesen Umstand beschreibt Coase als „Marktversagen“. Die Integration von Transaktionskosten in das Unternehmen wird als Internalisierung bezeichnet. Dieser Transaktionskostenansatz wurde von Buckley Und Casson (1976) zur „Theorie der Internalisierung“ für multinationale Unternehmen weiterentwickelt, so Perlitz (2004: 108f). So entstehen nach ihnen multinationale Unternehmen hauptsächlich aufgrund der Tatsache, dass die Märkte unvollkommen sind und dies hauptsächlich für Zwischenprodukte und immaterielle Ressourcen wie Wissen und Erfahrung. Dabei können die Unternehmen die Vorteile durch Internalisierung weit besser nutzen als durch Exporte. Daraus lässt sich folgern, „…wenn Zwischenprodukte und Immaterielle Ressourcen unternehmensintern international günstiger als über die Auslandsmärkte disponiert werden können, kommt es zum Entstehen von Direktinvestitionen im Ausland und damit zu multinationalen Unternehmungen. Die Theorie wurde teilweise von anderen Autoren in Teilaspekten noch erweitert.

3.6.Eklektisches Paradigma

Zum Begriff selbst: beide Begriffe entstammen dem Altgriechischen. Ein Eklektiker ist demnach ein Philosoph, der verschiedenen Philosophien zu einer zusammenfasst. Und ein Paradigma bedeutet soviel wie Muster oder Beispiel. Erstellt wurde der Ausdruck von Dunning (1980). Grundgedanke seiner Theorie ist nach Welge und Holtbrügge (2003: 71ff), dass sich Art und Umfand des internationalen Engagements nicht auf eine einzige Ursache zurückgeführt werden kann, sondern dass es von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Besonders relevant sind für Dunning drei Faktoren, die er selbst „Vorteilskategorien“ nennt:

- Eigentumsvorteile (ownership advantages -> O ); hierzu gehören allgemeine Eigentumsvorteile (wie Patente und Management Kow-How), etablierte Tochtergesellschaften (bringen Synergieeffekte bei der Beschaffung und ermöglichen Zugang zu weiteren Kapazitäten) und Eigentumsvorteile die aus der Multinationalität resultieren (Diversifikation des Risikos).
- Standortvorteile (locational advantages -> L ) bilden sich aus politischen Rahmenbedingungen, Lohnkosten, Umweltbedingungen und Infrastruktur.
- Internalisierungsvorteile (internalization advantages -> I ) bringen Transaktionskosten-Ersparnisse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: eigene Darstellung

Damit verknüpft Dunning die Aussagen der monopolistischen Vorteilstheorie, der Standort-Theorie und der Internalisierungstheorie. Aufgrund der englischen Anfangsbuchstaben seiner Vorteilskategorien wird dieser Ansatz auch OLI – Ansatz genannt.

Diese OLI - Vorteile setzt Dunning nach Perlitz (2004: 110) mit verschiedenen Markteintrittstrategien in Verbindung. Wie folgende Abbildung (Abb. 4) darstellt, hält Dunning einen Portfolioressourcentransfer schon optimal für möglich wenn allein nur ein Eigentums- oder Wettbewerbsvorteil vorhanden ist. Internalisierungs- oder auch Standortvorteile bewirken hier keine positiven Veränderungen. Sind Eigentums- oder Wettbewerbsvorteile vorhanden, so ist ein Export möglich, allerdings erreicht man eine optimale Ausgangsposition durch das Hinzuführen von Internalisierungsvorteilen. Auch hier haben Standortvorteile keine Auswirkungen. Die Direktinvestition stellt die komplexeste Markteintrittseintrittsstrategie dar. Nach Dunning ist diese wiederum möglich, wenn nur Eigentums- oder Wettbewerbsvorteile vorhanden sind. Die Direktinvestition wird optimiert, durch das Hinzunehmen von Internalisierungsvorteilen. Die optimalste Ausgangsposition einer solchen Investition wird nach Dunning jedoch erst erreicht, wenn auch noch Standortvorteile vorhanden sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: eigene Darstellung nach Perlitz (2004: 110)

Dunning passte seine Theorie 1988 an verändertes Unternehmensverhalten an, jedoch konnte er nicht alle kritischen Punkte berücksichtigen, zum Beispiel geht er von einem homo oeconomicus aus, was Aharoni in seiner schon dargestellten Theorie widerlegt, des weiteren lassen sich verschiedene Erklärungsebenen nicht einfach zusammenführen, wie zum Beispiel Makroökonomische Daten und Entscheidungsdaten für das Management. Weiter, weist Perlitz (2004: 110) darauf hin, dass Itaki nachweist, dass Internationalisierungs- und Standortvorteile ausreichen um Wachstum multinationaler Unternehmen zu erklären.

3.7.Uppsala – Modell der Internationalisierung

Johanson und Vahlne haben nach Perlitz (2004: 111) das so genannte Uppsala – Internationalisierungsmodell maßgeblich auf der behavioristischen Theorie von Aharoni aufgebaut. Grundgedanke hierbei sind Lerneffekte, die das Unternehmen über andere Märkte erwirbt und einhergehend dazu sein Auslandsengagement ausbaut. Der Grad der Internationalisierung wird demnach durch den Wissensstand beeinflusst. Dabei bedingen sich Marktwissen und Entscheidungen gegenseitig. Marktwissen führt zu Engagement und Entscheidungen und diese machen sich durch weitere Erfahrung und Wissensgewinn bemerkbar.

3.8.Zusammenfassende Überlegungen zu den Theorien

Eine Vielzahl von Erklärungsvariabeln, so Perlitz (2004: 101f), sorgt auch für die Vielzahl an Erklärungsansätzen zum Zustandekommen von Auslandsdirektinvestitionen, wobei deutlich wird, dass es keine allgemein gültige Theorie gibt. Auffallend ist allerdings das Unternehmen oft aufgrund von defensiven Faktoren wie der Sicherung von Absatzmärkten im In- und Ausland, der Sicherung der eigenen Stellung im Vergleich zu Konkurrenten und der Sicherung von Rohstoffquellen, zumindest innerhalb der Theorien tätigen. Auch lässt sich feststellen, dass die „Theorie der Internalisierung“, das „eklektische Paradigma“ und das „Uppsala – Modell der Internationalisierung“ aufgrund Berücksichtigung mehrerer Markteintrittstrategien bei der Internationalisierung komplexer sind. Die Theorien greifen weitgehend auch den noch später in dieser Arbeit genannten „Motiven für Direktinvestitionen“ vor. Einen Überblick über alternative Theorien der internationalen Direktinvestitionen sowie ihre jeweiligen Erklärungsfaktoren und die Einbindung des Managements bietet Anlage I.

4.Motive für die Auslandsdirektinvestitionen

Viele Motive für Direktinvestitionen wurden bereits in den im vorhergehenden Kapitel bei den „Theorien zu Direktinvestitionen“ beschrieben. Jedoch ist es auch möglich Motive für Direktinvestitionen in verschiedenen Klassen zusammenzufassen. Nach Plum (1994: 14) gibt es keinen umfassenden Ansatz zur Erläuterung der Ursachen von Direktinvestitionen, sondern es gibt meist nur theoretische Ansätze, die einzelne Gesichtspunkte der „Bestimmungsgründe von Direktinvestitionen“ erklären. Allerdings lassen sich die Motive für Direktinvestitionen wie folgt klassifizieren:

- (1) Beschaffungsorientierung
- (2) Absatzorientierung
- (3) Umweltorientierung
- (4) Kostenorientierung

Kutschker und Schmid (2004: 83ff) hingegen stellen dar, dass Dunning in folgende vier Gruppen differenziert hat:

- (5) beschaffungsorientierte Motive („ressource-seeking“)
- (6) absatzorientierte Motive („market-seeking“)
- (7) effizienzorientierte Motive („efficiency-seeking“)
- (8) strategische Motive („strategic asset-seeking“)

Plum wie auch Kutschker und Schmid erklären die jeweiligen Punkte (1), (2), (5) und (6) zur Beschaffungsorientierung und zur Absatzorientierung weitgehend gleich. Die Motive (3) und (8) zur Umweltorientierung und zu den strategischen Motiven werden nur einmal behandelt. Die effizienzorientierten Motive (7) hingegen lassen sich wohl den Kostenorientierten Motiven (4) zuordnen, auch wenn Plum nicht auf dieselben Faktoren wie Kutscher und Schmid eingeht. Allerdings ist allgemein anzumerken, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Motiven zumeist fließend sind und einander weitgehend bedingen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Auslandsdirektinvestitionen in Tschechien und Polen
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Geographie)
Note
2,5
Autoren
Jahr
2005
Seiten
54
Katalognummer
V53770
ISBN (eBook)
9783638491297
Dateigröße
4034 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr ausführliche Hauptseminararbeit über ADI in Polen und Tschechien. Der einführende theoretische Teil ist sehr gründlich und im Haupteil wird nach Herkunftsländern, Unternehmen, Wirtschaftszweigen und der regionalen Verteilung differenziert. Ebenso ist ein Fallbeispiel vorhanden.
Schlagworte
Auslandsdirektinvestitionen, Tschechien, Polen
Arbeit zitieren
Felix Bachofer (Autor)Marielle Dannenman (Autor), 2005, Auslandsdirektinvestitionen in Tschechien und Polen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53770

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