Praxisanleitung in der Alten- und Krankenpflege dient der Ausbildung und Förderung beruflicher sowie persönlicher Kompetenzen und stellt Anforderungen an Einrichtungen und Institutionen, an Anleiter und Auszubildende. Die vorliegende Facharbeit soll das Wesen und die Besonderheiten der praktischen Ausbildung erläutern, um ihren (Stellen)wert zu veranschaulichen.
Stellt man Menschen, die in der Pflege tätig sind, die Frage nach der Wichtigkeit der praktischen Anleitung von Schülern und Schülerinnen in der Alten- und Krankenpflege, so lassen die Mehrheit der Befragten dieser zweifelsohne einen eher hohen Stellenwert in der Ausbildung zukommen. Auch Berufsfremde würden auf Nachfrage hin sicher ähnlich werten. Die Aspekte für einen hohen Stellenwert sind zunächst leicht erkennbar und nachzuvollziehen: Das in der Schule erworbene theoretische Wissen soll mit praktischen Handlungen und Erfahrungen verknüpft werden. Mit dem Ziel, nach der Ausbildung den beruflichen Anforderungen selbständig zu begegnen, sollen die Lernenden durch das Üben von Fertigkeiten und Handlungsketten die Möglichkeit haben, Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen zu erlangen und zu erweitern.
Die praktische Ausbildung in den Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege unterliegt somit den allgemeinen Prinzipien, die auch für andere Ausbildungsberufe gelten. Kompetenzen, die essenziell für die Pflege von Menschen sind, entwickeln sich jedoch nicht (nur) durch erlernte Handlungsabläufe und Fachwissen, sondern begründen sich vielmehr in sozialer, ethischer und personeller Natur. Somit sind besondere Anforderungen an Methodik und Inhalt der Anleitung sowie an den daran beteiligten Personen gestellt. Im realen Pflegealltag ist indessen vielfach zu beobachten, dass der praktischen Schulung der (zumeist) jungen Menschen nicht die Aufmerksamkeit und Qualität zukommt, die ihrem Stellenwert entspricht, mehr noch, erforderlich ist. Ein Teil der vorliegenden Facharbeit befasst sich mit dieser Problematik, zeigt Zusammenhänge auf und beschreibt die daraus resultierenden möglichen Konsequenzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung der Krankenpflege in Deutschland
3. Gesetzliche Grundlagen
3.1 Ausbildungsziele
3.2 Praktische Ausbildung und Praxisanleitung
3.3 Haftungsrechtliche Grundlagen
4. Praxisanleitung – Zielsetzung, Aufgaben und Anforderungen
4.1. Theoretische und praktische Vernetzung
4.2 Der Erwerb von Kompetenzen
4.3 Berufliche und persönliche Eignung der Praxisanleitung
4.4 Die Aufgaben der Auszubildenden
5. Praxisanleitung im Spannungsfeld von Anspruch und Wirklichkeit
6. Qualität und Nachwuchs sichern
7. Pflegeberufegesetz und generalistische Ausbildung
8. Meinungen von Auszubildenden
9. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht den Stellenwert der praktischen Anleitung in der Alten- und Krankenpflege. Ziel ist es, das Wesen der Anleitung zu definieren, ihre Bedeutung für die Entwicklung beruflicher Handlungskompetenz zu verdeutlichen und die Diskrepanz zwischen den theoretischen Anforderungen und der pflegerischen Realität aufzuzeigen.
- Gesetzliche Rahmenbedingungen der Pflegeausbildung
- Die vier Komponenten der beruflichen Handlungskompetenz
- Anforderungsprofile und Eignung von Praxisanleitern
- Herausforderungen der praktischen Anleitung im Pflegealltag
- Einfluss der generalistischen Ausbildung auf die Praxisanleitung
Auszug aus dem Buch
4.2 Der Erwerb von Kompetenzen
Um im privaten, gesellschaftlichen oder beruflichen Umfeld Situationen zu reflektieren, einzuordnen und entsprechend eigenverantwortlich zu handeln, setzt der Mensch Fähigkeiten und Fertigkeiten (=Kompetenzen) ein, die er im Laufe seines Lebens erwirbt. Der Zugriff auf die eigenen Kompetenzen geschieht meist unbewusst, ist für andere nicht sichtbar und begrifflich nur schwer zu umschreiben (vgl. J. Fuchs 2018, S.2). Sie gründen auf individuelle Erlebnisse, Erfahrungen, Wissen und Persönlichkeitsstruktur und entwickeln sich ein Leben lang.
Im beruflichen Kontext sind Kompetenzen definiert, um sie bewusst und gezielt entwickeln, stärken und einsetzen zu können.
Wie in Kapitel 2.1. zu lesen war, ist das Ausbildungsziel in den Krankenpflegeberufen gemäß §3 KrPflG Abs. 1 „die Vermittlung fachlicher, personaler, sozialer und methodischer Kompetenzen“. Gemeinsam bilden diese vier Komponenten die berufliche Handlungskompetenz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die hohe Bedeutung der praktischen Anleitung für die Verknüpfung von Theorie und Praxis sowie die Notwendigkeit, Schüler zu kompetenten Pflegekräften zu entwickeln.
2. Entwicklung der Krankenpflege in Deutschland: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Weg der Pflege vom christlichen Selbstverständnis hin zum professionalisierten Berufsbild nach.
3. Gesetzliche Grundlagen: Es werden die rechtlichen Vorgaben, Ausbildungsziele und Haftungsfragen der praktischen Ausbildung erläutert.
4. Praxisanleitung – Zielsetzung, Aufgaben und Anforderungen: Der Fokus liegt auf der Vernetzung von Lernorten, dem Kompetenzerwerb sowie dem Anforderungsprofil an Praxisanleitende.
5. Praxisanleitung im Spannungsfeld von Anspruch und Wirklichkeit: Das Kapitel thematisiert den Konflikt zwischen pädagogischem Anspruch und dem Zeitmangel sowie den ökonomischen Zwängen im Pflegealltag.
6. Qualität und Nachwuchs sichern: Hier wird die Verantwortung von Trägern und Leitungskräften für die Qualitätssicherung durch gute Anleitung hervorgehoben.
7. Pflegeberufegesetz und generalistische Ausbildung: Die Reform der Pflegeberufe und die Einführung der generalistischen Ausbildung werden hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Praxisanleitung diskutiert.
8. Meinungen von Auszubildenden: Anhand von Interviews wird die Sichtweise der Auszubildenden auf die Praxisanleitung in der Realität dargestellt.
9. Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Qualität der Praxisanleitung maßgeblich von der Wertschätzung und den Rahmenbedingungen der Einrichtung abhängt.
Schlüsselwörter
Praxisanleitung, Pflegeausbildung, Handlungskompetenz, Pflegeberufegesetz, generalistische Ausbildung, Fachkompetenz, Sozialkompetenz, Personalkompetenz, Methodenkompetenz, Qualitätssicherung, Pflegenotstand, Praxisanleiter, Auszubildende, Lernfeldkonzept, Pflegequalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Stellenwert und die Bedeutung der praktischen Anleitung für Auszubildende in der Alten- und Krankenpflege unter Berücksichtigung gesetzlicher und betrieblicher Rahmenbedingungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die rechtlichen Grundlagen, die verschiedenen Kompetenzbereiche, das Anforderungsprofil an Praxisanleiter sowie die Herausforderungen durch den Stationsalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie wichtig eine fundierte praktische Anleitung für die Entwicklung professioneller Handlungskompetenz bei Auszubildenden ist.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse gesetzlicher Vorgaben und fachwissenschaftlicher Texte sowie auf einer qualitativen Befragung von Auszubildenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Kompetenzen, den Aufgaben von Praxisanleitenden, der Problematik von Anspruch versus Wirklichkeit und der künftigen Rolle der Praxisanleitung im Rahmen der generalistischen Ausbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Praxisanleitung, Pflegeausbildung, Handlungskompetenz, Pflegeberufegesetz, Qualitätssicherung und Praxisanleiter.
Wie unterscheidet sich die Ausbildung im neuen Pflegeberufegesetz?
Die Ausbildung wird generalistisch, d.h., die bisher getrennten Pflegeberufe werden in den ersten zwei Jahren gemeinsam ausgebildet, mit Spezialisierungsmöglichkeiten im dritten Jahr.
Welche Rolle spielt die Zeit in der Praxisanleitung?
Zeit ist laut der Autorin der zentrale Schlüsselbegriff – Zeit für Anleitung, Übung und Reflexion –, die im Pflegealltag aufgrund von Personalmangel und Belastungen oft zu kurz kommt.
- Arbeit zitieren
- Diana Tandler (Autor:in), 2019, Stellenwert der Praxisanleitung von Auszubildenden in der Alten- und Krankenpflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537814