Die Frauenbewegung in der Entstehung des Wohlfahrtsstaates 1890 bis 1933

Forderungen und Auswirkungen auf die Sozialpolitik


Hausarbeit, 2019

24 Seiten, Note: 13


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frauenbewegung in der Entstehung des Wohlfahrtsstaats 1890-1933
2.1 Louise Otto-Peters und der Allgemeine Deutsche Frauenverein
2.2 Weibliche Armut und der maternalistische Feminismus
2.3 Das Frauenwahlrecht
2.4 Auswirkungen der Frauenbewegung auf die Nachkriegszeit

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Die Teilnahme der Frau an den Interessen des Staates ist nicht allein ein Recht, sie ist eine Pflicht der Frauen." (Vahsen 2009, o. S.). Dieses Zitat stammt von Louise Otto-Peters, einer großen Frauenrechtlerin, die im 19. Jahrhundert die Frauenbewegung initiiert, geprägt und vorangetrieben hat. Es beschreibt, wofür sie im 19. Jahrhundert gemeinsam mit anderen Feministinnen gekämpft hat, nämlich um die politischen Rechte von Frauen. Sie sollten von Frauen so gelebt werden, wie es für Männer zu dieser Zeit bereits selbstverständlich war. Es ging also auch um den Kampf der Gleichberechtigung.

Der Begriff des Feminismus ist heutzutage jedem bekannt und in sämtlichen Medien so präsent wie nie. Aktuelle Bewegungen wie #metoo verhelfen dem modernen Feminismus zu enormer Bekanntheit. Jedoch wissen die Wenigsten, woher der Feminismus kommt und wie es mit der Frauenbewegung angefangen hat.

Mädchen und Frauen können hier in Deutschland im 21. Jahrhundert in die Schule gehen, sich an Universitäten einschreiben, den Beruf ausüben, den sie möchten und die meisten werden dabei vom Staat nicht eingeschränkt. Frauen können und dürfen sich eine politische Meinung bilden, ab dem 18. Lebensjahr wählen gehen und sich auch als Kandidatin wählen lassen. Wir betrachten es als selbstverständlich, dass Frauen in der Politik mitreden. Vor allem sind Frauen im 21. Jahrhundert unabhängig. Sie dürfen es sich selbst aussuchen, ob sie heiraten und Kindern bekommen möchten, sowie Aktivitäten unternehmen, ohne jemanden ihr vermeintlich Übergestellten nach Erlaubnis zu fragen. Diese Privilegien sind den Frauen aus dem 19.Jahrhundert und dem 20.Jahrhundert zu verdanken. Denn zu dieser Zeit entstand der Feminismus, mit dem das damalige kollektive Auftreten von Frauen gemeint ist (vgl. Fraisse & Perrot 1994, S.11). In dieser Zeit ergriffen mehr und mehr Frauen das Wort und versuchten mit allen Mitteln auf sich aufmerksam zu machen (vgl. Bock 1995, S.14). Sie durchbrachen die Stereotype und haben gezeigt, dass es viele Wege gibt, um zum Ziel zu gelangen (vgl. ebd.). Was wäre heute, wenn sich Frauen damals nicht geäußert hätten, nicht gekämpft und auch Rückschläge erlitten hätten? Wo stünden die Frauen heute mit all ihren Rechten? Die Geschichte der Emanzipation hätte einen anderen Verlauf genommen und Frauen wären der Gleichberechtigung wahrscheinlich um einige Schritte zurück.

In der vorliegenden Hausarbeit setze ich mich mit den Frauen aus der Frauenbewegung auseinander. Die Forderungen der Frauenbewegung zu den Bereichen Bildung, Armut und dem Frauenwahlrecht stehen hierbei im Vordergrund. Somit liegt das Hauptaugenmerk dieser Arbeit auf der Beantwortung der Frage, welche Forderungen die Frauenbewegung in der Entstehung des Wohlfahrtsstaates stellten und welche Auswirkungen diese auf die Sozialpolitik hatten.

Im Hauptteil der Arbeit werde ich zunächst die Anfänge der Frauenbewegung im frühen 19.Jahrhundert erläutert, die schon vor 1890 begonnen haben. Weiterhin werde ich auf die schon erwähnte Feministin Louise Otto-Peters eingehen, sowie auf den vor ihr gegründeten Allgemeinen Deutschen Frauenverein. Dabei erläutere ich wofür dieser Verein einstand und dessen Mitglieder gekämpft haben. Im nächsten Kapitel der maternalistische Feminismus, der sich gegen die Armut von Müttern engagiert hat. Hierbei wird erläutert, wie weibliche Armut entstehen konnte und welche Forderungen die mutterschaftsbezogene Frauenbewegung hatte. Im darauffolgenden Kapitel werde ich die Kämpfe um das Frauenwahlrecht näher beschreiben und dabei auch auf die Frauenbewegung während des Erstens Weltkrieges eingehen. Im letzten Kapitel des Hauptteils geht es um Nachkriegszeit. Ich werde erläutern, welche Auswirkungen die Frauenbewegung aus der Vorkriegszeit und Kriegszeit auf die Sozialpolitik hatte und welche Gesetze aus ihren Forderungen geschlossen wurde. Weiterhin gehe ich darauf ein, wie es mit der Frauenbewegung in der Weimarer Republik weiter ging und wie das neue Bild der Frau in dieser Zeit aussah, sowie dieses in der Gesellschaft aufgenommen wurde.

Nach dem Hauptteil folgt ein abschließendes Fazit, indem die relevanten Ergebnisse erläutert werden.

2. Frauenbewegung in der Entstehung des Wohlfahrtsstaats 1890-1933

Die Anfänge der Frauenbewegung in Deutschland zeigen sich durch feministische Aktivitäten und Schriften bereits vor dem 19.Jahrhundert (vgl. Fraisse & Perrot 1994, S.13). Der Feminismus, der sich in den revolutionären Praktiken von 1789 angekündigt hatte, kam jedoch er erst nach 1830 wirkungsvoll zum Zuge (vgl. ebd.).

Die Französische Revolution von 1789 änderte die politische und gesellschaftliche Struktur in Europa, denn die Begriffe Freiheit, Gleichheit und Bürgerlichkeit gerieten in den Vordergrund (vgl. Vahsen 2008, o. S.). Die Frauen zu dieser Zeit waren an den revolutionären Aktionen beteiligt und forderten unter anderem eine Verbessrung der Lebensmittelsituation (vgl. ebd.). Einige von ihnen wurden zu den Vorkämpferinnen für das Frauenrecht, da sie aus politischen Gründen handelten (vgl. ebd.). Die Französische Revolution endete 1804 mit der Krönung Napoleons zum Kaiser (vgl. ebd.). Die Handlungsfreiräume der Frauen waren um 1830 stark eingegrenzt (vgl. Schraut 2019, o. S.). Sie hatten geringe Bildungsmöglichkeiten, politische Unmündigkeit, eine geringe Chance zu qualifizierter außerhäuslicher Berufsarbeit sowie den widrigen Umstand mit geringen Mitteln als Witwe eine Familie zu versorgen (vgl. ebd.). Nachfolgende weibliche Armut war ebenfalls ein Kennzeichen für das Leben der Frauen im 19. Jahrhundert (vgl. ebd.). Ihnen wurden die natürlichen Geschlechtseigenschaften wie Tugend, Sittlichkeit und Fleiß zugewiesen, sowie die Rolle der Ehefrau und Mutter (vgl. Vahsen 2008, o. S.). Außerdem sei die Frau Eigentum des Mannes und ihre Aufgabe bestehe fast ausschließlich darin, Kinder zu gebären (vgl. Käppeli 1994, S.542). Es wurde schnell deutlich, dass diese Ideologie bei Frauen der Arbeiterschicht nicht funktionierte, da sie die Erwerbsarbeit für den Unterhalt der Familie gebraucht haben (vgl. Vahsen 2008, o. S.). Einige Frauen verdienten sich den Unterhalt beispielsweise als Autorinnen und mischten sich mit Hilfe von Literatur in die Politik ein (vgl. ebd.).

Durch die Befreiungskriege gegen Napoleon wurden in Deutschland um 1815 zahlreiche Frauenvereine gegründet, deren Mitglieder in Krankhäusern arbeiteten und Kleidung für Soldaten herstellten (vgl. ebd.). Einige Frauenvereine bestanden nach dem Wiener Kongress 1815 fort, sodass diese zu Vorgängerinnen der späteren politischen Frauenvereine wurden (vgl. ebd.). Zwischen der Französischen Revolution und dem Ersten Weltkrieg kam es zu immer neuen feministischen Vorstößen, sodass die Frauenfrage in diesem Jahrhundert zum Gegenstand breiter öffentlicher Diskussionen wurde (vgl. Käppeli 1994, S.539). Frauen waren zu dieser Zeit kaum auf dem Arbeitsmarkt vertreten, da ihnen die benötigte Bildung gefehlt hat (vgl. Museumlandschaft 2016, S.62). Zudem galten bis zum Ersten Weltkrieg nur Männer als Staatsbürger, sodass die Sozialversicherungssysteme für Frauen nur wenig hilfreich waren (vgl. Bock 1995, S.427). Dies hatte zu Folge, dass sich Frauen in der Mitte des 19. Jahrhunderts zusammenschlossen, um ihre liberalen Ideen und ihre emanzipatorischen Forderungen durchzusetzen (vgl. Wawrzyn 2000, S.191). Diese gehörten jedoch zu den Außenseiterinnen der Gesellschaft, da Liberalismus, Internationalismus und Emanzipation im Kaiserreich als Gefahr für die ganze Nation angesehen wurde (vgl. ebd.). Durch eigenes Schreiben und Organisationstalent schufen sich wenige Frauen eine öffentliche Identität und begaben sich in die Öffentlichkeit, um die Erklärung der Menschenrechte auch für das weibliche Geschlecht zu beanstanden und dessen Interessen zu verteidigen (vgl. Käppeli 1994, S.539). Viele von ihnen gründeten auch Zeitschriften, jedoch beschränkten sich die Aktivitäten auf die Zeiten politischer und sozialer Krisen (vgl. ebd. S. 548). Diese feministischen Bewegungen führten mit ihren Publikationen und Vereinen, Taktiken, Bündnissen und Forderungen zu einem Streitobjekt heftiger Auseinandersetzungen in zahlreichen gesellschaftlichen und politischen Gruppierungen (vgl. ebd. S. 539). Daraus folgte, dass das Koalitionsverbot von 1850 dem weiblichen Geschlecht jegliche öffentliche Betätigung in politischen Fragen verbot, sowie die Vereinsgründung zu solchen Zwecken und an politischen Veranstaltungen teilzunehmen (vgl. Schraut 2019, o. S.).

Durch die Regierungsübernahme durch König Wilhelm I. in Preußen gab es neue Hoffnungen (vgl. Schraut 2019, o. S.). Viele gesellschaftlichen Gruppen stellten sich neu auf (vgl. ebd.) um Strategien und Modelle zur Lösung der sozialen Frage und Frauenfrage zu entwickeln (vgl. Käppeli 1994, S.547). Viele von ihnen suchten sie in autonomen Initiativen und erwarteten Hilfe vom Staat (vgl. ebd. S.548). Schließlich lockerte 1862 die Gewerbeordnung erstmals das Koalitionsverbot für Arbeiter und führte somit zum Zusammenschluss von politischen Arbeitervereinen (vgl. Schraut 2019, o. S.). Die Männer organisierten sich auf der Basis der gesellschaftlichen Klassen (vgl. Käppeli 1994, S.540) und gründeten 1863 den Allgemeine Deutsche Arbeiterverein in Leipzig (vgl. Schraut 2019, o. S.). Diese Situation nutzen auch Frauen, sodass im Jahr 1865/1866 Zentren der Frauenbewegung folgten, um auch auf sich und deren Situation aufmerksam zu machen (vgl. Käppeli 1994, S. 548). Diese organisierten sich auf der Basis des Geschlechts und störten somit die üblichen Konfigurationen des Politischen (vgl. ebd. S.540). Adolf Lette gründete 1865 den Verein zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts, dessen Vorsitzende nur Männer waren und sich an einem eingeschränkten Emanzipationsverständnis orientiere (vgl. ebd. S.548). Schließlich fand in diesem Jahr eine große Frauenkonferenz in Leipzig statt, die von dem Leipziger Frauenbildungsverein ausgerufen wurde (vgl. Wolff, 2008, o. S.). Auf dieser Konferenz wurde der Allgemeine Deutsche Frauenverein gegründet (vgl. ebd.), unteranderem mit dem Ziel, gleichberechtige Bildung für Frauen zu erreichen (vgl. Museumlandschaft 2016, S.62). Welche Feministinnen diesen Verein gegründet haben und für was er einstand, wird im folgenden Kapitel näher erläutert.

2.1 Louise Otto-Peters und der Allgemeine Deutsche Frauenverein

Der Allgemeine Deutsche Frauenverein entstand durch einen Vorschlag von Anton Korn (vgl. Schraut 2019, o. S.). Er war Herausgeber der ‚Allgemeinen Frauenzeitung‘ und hat sich an interessierte Frauen gewandt, Frauenvereine zu gründen (vgl. ebd.). Diese Idee wurde dann schnell von Louise Otto-Peters und ihren Kampfgefährtinnen wahrgenommen (vgl. ebd.).

Louise Otto-Peters war eine der bedeutendsten deutschen Feministinnen, Revolutionärinnen, Gründungsfigur der bürgerlichen Frauenbewegung (vgl. Seibring 2019, o. S.) und war bis zu ihrem Tod 1895 Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (vgl. Schötz 2019, o. S.). Sie wurde am 26.März 1819 in Meißen geboren und wuchs zusammen mit ihren 3 Schwestern in einem liberalen, gutbürgerlichen Elternhaus auf (vgl. Vahsen 2009, o. S.). Trotz des Schulbesuchs und privaten Unterrichts blieb ihnen höhere Bildung verwehrt (vgl. ebd.). Daher bildete sich Louise Otto autodidaktisch fort und betrieb private Studien (vgl. ebd.). Sie konzentrierte sich nach dem Tod ihrer Eltern auf ihren Berufswunsch Schriftstellerin zu werden (vgl. ebd.). Jedoch führte die zunehmende Armut der Bevölkerung, politische Zensur und Verhaftungen dazu, dass sie sich gesellschaftlich einmischte (vgl. ebd.). Mit dem Gedicht ‚Die Klöpplerinnen‘ welches die armseligen Arbeitsbedingungen der Heimarbeiterinnen behandelte, wurde sie um 1840 bekannt und erzielte mit politischen Artikeln weitere Erfolge im Journalismus (vgl. ebd.). Sie arbeitete gemeinsam mit ihrem Ehemann August Peters an Zeitungsartikeln zu Frauenthemen in der Mitteldeutschen Volks-Zeitung (vgl. ebd.). Nach seinem Tod hörte sie zwar auf als Redakteurin der Zeitung zu arbeiten, führte ihr Engagement jedoch fort (vgl. ebd.). Im Jahr 1865 begann ein neuer Lebensabschnitt für Louise Otto-Peters, da sie mit ihrer Freundin Auguste Schmidt den Leipziger Frauenbildungsverein gründete (vgl. ebd.). Mit diesem Verein veranstalteten sie die erste deutsche Frauenkonferenz, durch die der Allgemeine Deutsche Frauenverein gegründet wurde (vgl. ebd.). Die Gründung des Vereins gilt als die Geburtsstunde der organisierten Frauenbewegung in Deutschland (vgl. Schötz 2019, o. S.). Gemeinsam mit Auguste Schmidt brachte sie außerdem die Vereinszeitung ‚Neue Bahnen‘ heraus, um über aktuelle Aktionen zu berichten und sich mit den Informationen für die Rechte der Frauen einzusetzen (vgl. Vahsen 2009, o. S.).

Der Allgemeine Deutsche Frauenverein wurde als eine autonome Selbsthilfeorganisation gegründet, die sich unteranderem mit den Reformen der Frauenkleidung, Alkoholismus, dem Frauenwahlrecht (vgl. ebd.), sowie der ansteigenden Frauenarmut beschäftigt hat (vgl. Wolff2008, o. S.). Selbsthilfe war für Louise Otto-Peters ein wichtiger Begriff, denn sie war der Meinung, dass Frauen nur durch individuelle und kollektive Selbsthilfe zur Emanzipation geführt werden können (vgl. Schötz 2019, o. S.). Jedes Mädchen und jede Frau solle sich ihrer Meinung nach „[s]ich selbst zu der Anschauung […] bringen, auch außerhalb von Ehe und Familie einen Selbstzweck […] haben, deshalb lernen und sich [vorbereiten] […] müssen.“ (ebd.) Diese Selbsthilfe sollte mit dem Gemeinsinn verbunden werden, um sich den Problemen bewusst zu werden und gemeinsam dagegen anzutreten (vgl. ebd.). Aus diesem Grund gründete sie auch den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (vgl. ebd.). Der Verein vertrat mitunter das Ziel, die Befähigung der Frau zur mündigen Staatsbürgerin (vgl. Bastkowski, Lindner & Prokop 1980, S.3). Sie sahen ihre Aufgabe darin, die Interessen von Frauen in der Öffentlichkeit ein Forum einzuräumen und mit ganzer Energie zu vertreten (vgl. ebd.). Die Verbesserung der individuellen und gesellschaftlichen Situation von Mädchen und Frauen lag im Vordergrund des Vereins (vgl. Schötz 2019, o. S.). Frauen sollten von der weiblichen Arbeit befreit werden, die weibliche Bildung angehoben werden sowie das Prinzip der Selbsthilfe erkannt werden (vgl. ebd.). Selbstständigkeit wurde großgeschrieben und jede Frau sollte in die Lage der Selbstständigkeit kommen (vgl. ebd.). Nur wer den Zugang zur Berufswelt erlangt, kann unabhängig werden (vgl. Käppeli 1994, S.539). Unter weiblicher Arbeit verstand Louise Otto-Peters die mehr oder weniger zugänglichen Berufe wie die der Künstlerin, Schriftstellerin, der Lehrerin und Kindergärtnerin, sowie der Fotografinnen und Verkäuferinnen (vgl. Schötz 2019, o. S.). Frauen sollten ihrer Meinung nach auch kaufmännischen und handwerklichen Ausbildungen ausüben können und hielt auch das Medizinstudium für Frauen und weibliche Ärzte für möglich (vgl. ebd.). Der Allgemeine Deutsche Frauenverein hatte dazu Visionen zum Bereich der Mädchenbildung, da sie überzeugt davon waren, dass in allen Einrichtungen der Mädchen- und Frauenbildung eine gleiche Anzahl an Lehrerinnen und Lehrer geben wird und benennen ausdrücklich Gymnasien und Universitäten (vgl. ebd.). In der Mitte des 19.Jahrhunderts gingen Jungen an öffentliche Schulen und wurden auf die zukünftigen Berufe vorbereitet (vgl. Wolff 2008, o. S.). Mädchen hingegen konnten nur auf die privaten und weniger öffentlichen Mädchenschulen gehen, dessen Abschluss keine berufliche Perspektive für die Zukunft bot (vgl. ebd.). Die Feministin und Lehrerin Helene Lange setzte sich im Allgemeinen Deutschen Frauenverein spezifisch mit dem Thema der Mädchenbildung auseinander (vgl. ebd.). Gemeinsam mit fünf anderen Frauen schrieb sie eine Petition an den preußischen Unterrichtsminister, in der sie eine verbesserte Mädchenbildung und größeren Einfluss von Lehrerinnen auf die Erziehung forderten, sowie auf Missstände der Mädchenschulbildung aufmerksam machen (vgl. ebd.). Diese Petition bewirkte allerdings wenig und die Frauen kümmerten sich selbst um die Schulentwicklung (vgl. ebd.). Es wurden Realschulkurse gegründet, die die Mädchen auf den späteren Universitätsbesuch vorbereiten sollten (vgl. ebd.). Dafür gründete Helene Lange zusammen mit Auguste Schmidt und Marie Loeper-Houselle den Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein (vgl. ebd.). Wegen der Forderungen des Vereins wurde das Mädchenschulsystem in das staatliche Handeln integriert, denn ab dem Jahr 1899 wurden Frauen an Universitäten zugelassen und 1908 die Mädchenschulreform eingeführt (vgl. ebd.). Louise Otto-Peters sprach weiterhin von Frauenemanzipation, in der Frauen dieselben Rechte und Gelegenheiten haben sollten wie Männer, Fähigkeiten entwickeln und sie auch zu nutzen (vgl. Schötz 2019, o. S.). Männer konnten laut Vereinsstatuten nicht Mitglied werden, da Frauen selbst entscheiden sollten, was sie für richtig und wichtig hielten (vgl. Schötz 2005, S.12), sowie der eigenen Kraft auch etwas zuzutrauen (vgl. Schötz 2019, o. S.). Mit Männerfeindlichkeit hatte dies aber nichts zu tun (vgl. ebd.). Als Ausnahme zur Mitgliedschaft galt, dass Männer von den Frauen als Ehrenmitglied in den Verein aufgenommen werden konnten (vgl. ebd.). Sie besaßen allerdings nur eine beratende, aber keine beschließende Stimme (vgl. Schötz 2005, S.12).

Durch die steigende Mitgliederzahl im Verein kam es zu verschiedenen Gruppierungen mit teilweise widersprüchlichen Ansätzen (vgl. Wolff 2008, o. S.). Es wurden viele weitere Vereine gegründet, sodass der Allgemeine Deutsche Frauenverein zur Koordinierung der vielen Interessen nicht mehr geeignet erschien (vgl. Schötz 2005, S.12). Deshalb folgte 1894 eine nationale Dachorganisation, der Bund Deutscher Frauenvereine, welcher aus den regionalen Frauenvereinen bestand (vgl. Museumlandschaft 2016, S.62). Helene Lange wurde dessen erste Vorsitzende (vgl. Bastkowski, Lindner & Prokop 1980, S.5). Es entfaltete sich bis zum Ersten Weltkrieg eine intensive Frauenvereinskultur (vgl. Käppeli 1994, S.549), sodass der Bund nach einem Jahr schon aus 65 Vereinen bestand (vgl. Wolff 2008, o. S.). Der Allgemeine Deutsche Frauenverein bestand aus 16.000 Mitgliedern, der Bund für Mutterschutz aus 4.000 Mitgliedern, sowie der Allgemeine Deutsche Lehrerinnenverein 28.000 Mitglieder (vgl. Schraut 2019, o. S.). Louise Otto-Peters verstarb am 13.März 1895 in Leipzig (vgl. Vahsen 2009, o. S.). Bis zu ihrem Tod widmete sie sich, neben der zeitaufwändigen Vereinstätigkeit und der Frauenbewegung, der literarischen und journalistischen Arbeit und wurde zum Vorbild wichtiger Frauengestalten (vgl. Vahsen 2009, o. S.). Sie war aktiv an den Bewegungen beteiligt. Durch Unterdrückungen hinterließen sie in ihrem Leben tiefe Narben (vgl. ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Frauenbewegung in der Entstehung des Wohlfahrtsstaates 1890 bis 1933
Untertitel
Forderungen und Auswirkungen auf die Sozialpolitik
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
13
Autor
Jahr
2019
Seiten
24
Katalognummer
V537866
ISBN (eBook)
9783346145994
ISBN (Buch)
9783346146007
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauenbewegung, entstehung, wohlfahrtsstaates, forderungen, auswirkungen, sozialpolitik
Arbeit zitieren
Regina Krintovski (Autor), 2019, Die Frauenbewegung in der Entstehung des Wohlfahrtsstaates 1890 bis 1933, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537866

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Frauenbewegung in der Entstehung des Wohlfahrtsstaates 1890 bis 1933



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden