Der erste Kreuzzug. Ein gerechter Krieg?

Die Lehre des gerechten Krieges nach Augustinus von Hippo


Hausarbeit, 2013

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1.) Einleitung

2.) Die Lehre des gerechten Krieges nach Augustinus von Hippo
2.1) Zum Hintergrund der Entstehung
2.2) Die Lehre vom gerechten Krieg

3.) Der erste Kreuzzug – Ein gerechter Krieg?
3.1) Bestand ein gerechter Grund?
3.2) Der Blick auf den Frieden
3.3) Der Papst – Eine legitime politische Autorität?
3.4) Sittlichkeit und Lauterkeit als Voraussetzung, aber gewünscht?

4.) Ergebnisanalyse

5.) Abschlussbemerkung

1.) Einleitung

Kriege spielen seit jeher eine große Rolle in der Geschichte der Menschheit. Bis heute werden Kriege aus den unterschiedlichsten Gründen geführt, sei es aus religiösen Gründen, aus wirtschaftlichen, aus machtpolitischen oder diversen anderen Gründen.

Da der Krieg offensichtlich ein ständiger Begleiter der Menschheit ist versuchte man schon oft, ihn in geordnete Bahnen zu lenken und gewisse Regeln einzuführen, wie z.B. nach dem zweiten Weltkrieg durch Artikel 1der UN - Charta1. Dies erkannte man auch bereits in der Antike. Es wurden mehrere Theorien bzw. Lehren über den Krieg verfasst, mit denen man versuchte, zwischen legitimen und illegitimen Kriegen und deren Rechtmäßigkeit zu unterscheiden. Eine von diesen antiken Lehren ist die Lehre des gerechten Krieges (bellum iustum) von Augustinus von Hippo, die er in seinem Werk „ De civitate Dei “ Anfang des fünften Jahrhunderts verfasste2.

Im Zuge dieses Beitrags soll zu Beginn die Lehre vom gerechten Krieg von Augustinus von Hippo vorgestellt werden. Da der Kreuzzugsaufruf von Papst Urban II. in Clermont 1095 als Initialzündung der Kreuzzüge gilt, soll anschließend dieses theoretische Konzept des bellum iustum auf eben diesen Aufruf angewandt werden. Dabei soll überprüft werden, ob in diesem Aufruf zum Kreuzzug Elemente vorhanden sind, die der Lehre von Augustinus entsprechen und der erste Kreuzzug (1095/96 – 1099) somit als rechtmäßiger und gerechter Krieg bezeichnet werden kann. Hierbei wird sich in diesem Beitrag auf die Fassung des Kreuzzugsaufrufs von Fulcher von Chartres bezogen, der in der Wissenschaft als wohl glaubwürdigster Autor gilt3.

2.) Die Lehre des gerechten Krieges nach Augustinus von Hippo

2.1) Zum Hintergrund der Entstehung

Augustinus von Hippo schrieb seine Lehre vom gerechten Krieg vor dem Hintergrund der Konstantinischen Wende von 380 n. Chr. Da das Christentum durch diese Wende an politische Macht gelangt war, war es für Augustinus wichtig, für die eigentlich pazifistischen Christen die Gewaltanwendung neu zu definieren4, so dass es Christen möglich wurde, den Kriegsdienst aufzunehmen5.

Obwohl Augustinus selbst das Amt des Bischofs inne hatte, war er als Redner bei politischen und militärischen Aktivitäten beteiligt und hatte dadurch Einblicke in dieses tägliche Geschehen6.

Durch diese Einblicke war es ihm möglich, im Zuge seiner Lehre vom gerechten Krieg die römische Kriegsführung zu kritisieren. Diese Kriege wurden stets als Verteidigungskriege (iusta defensio) deklariert, obwohl die Römer nur durch diese Kriege ihre Territorien erweitern konnten. Aus dieser Kritik heraus entwickelte Augustinus seine eigene Vorstellung eines gerechten Krieges7.

Ferner sei noch zu erwähnen, dass sich Augustinus von Hippo auf eine bereits vorhandene Theorie des gerechten Krieges stützte, die vom römischen Politiker und Philosophen Cicero entwickelt worden war. Bereits dieser schrieb, dass Kriege nur gerecht seien, wenn ein Staat, gegen den man Krieg führe, ein Unrecht begangen habe oder wenn der Feind angreife8.

2.2) Die Lehre vom gerechten Krieg

Bereits am Anfang kann man festhalten, dass die Lehre vom gerechten Krieg, zumindest in der Antike, als vernunftbasierte Theorie angesehen wurde9. Man durfte demnach einen Krieg auch nur als gerecht bezeichnen, wenn gewisse Kriterien erfüllt waren, auf die jetzt näher eingegangen wird.

Augustinus leitet die Kriterien seiner Lehre aus den eigentlich friedlichen Botschaften des alten und neuen Testaments ab. Auf entsprechende Textstellen der Bibel näher einzugehen würde allerdings den Rahmen dieser Arbeit sprengen, weshalb dies hier nur erwähnt sei10.

Das erste Kriterium ist das, dass ein gerechter Grund (causa iusta) vorliegen muss. Ein gerechter Grund ist laut Augustinus ein zuvor begangenes Unrecht, welches durch einen Krieg vergolten werden soll11. Dazu schreibt er in seinem Werk De civitate Dei: „Nur die Ungerechtigkeit der gegnerischen Seite zwingt ja den Weisen zu gerechter Kriegsführung12.“ Desweiteren definiert Augustinus Unrecht als Taten oder Situationen, die dem irdischen, als auch dem göttlichen Heilsplan zuwiderlaufen13. Ebenso ist der Schutz von Gläubigen vor Andersgläubigen als gerechter Grund anzusehen, genauso wie der Schutz des Papstes, der Kirche, der Kirchengüter usw14. Der Krieg entspringt also, laut Augustinus, aus theologischem und irdischem Unrecht.

Obwohl der Krieg als Vergeltungsmaßnahme für erleidetes Unrecht gesehen wird, muss das oberste Ziel sein, durch den Krieg den Frieden wiederherzustellen. Dies stellt auch gleichzeitig das nächste Kriterium der Lehre vom gerechten Krieg dar, der Blick auf den Frieden und die Wiederherstellung der natürlichen Ordnung (intentio recta)15. Nach Augustinus‘ Ansicht besitzen alle Menschen die Sehnsucht nach Erfüllung, die sie nur im Frieden finden können. Menschen können also nur endgültige Erfüllung in einem endgültigen Frieden finden, dem ewigen Leben. Folglich muss es die Aufgabe jedes Christen sein, den Krieg immer auf den Frieden auszurichten16.

Ein weiteres Kriterium ist dieses, dass ein Krieg ebenfalls nur dann gerecht sein kann, wenn er von einer legitimen politischen Autorität, z.B. einem weltlichen Für-sten oder von Gott selbst ausgerufen wird (legitima auctoritas)17. Eng verbunden mit dem Kriterium des legitima auctoritas ist das Kriterium der Lauterkeit der Motivation und die sittliche Einstellung der Krieger. Hierzu schreibt Augustinus: „ Da niemand wisse, ob ein Krieg von Gott befohlen sei, seien jene die innere Einstellungen des Kämpfenden, der frei von niederen Trieben sein müsse, sowie die legitime Autorität des menschlichen Befehlshabers entscheidend, unter dem auch getaufte Christen Dienst leisten können 18 “. Somit hängen die letzten beiden Kriterien sehr eng zusammen. Man könnte also die innere Einstellung der Krieger als Indiz für einen Befehl sehen, der letztendlich von Gott direkt gegeben wird. Da Gott, nach Augustinus, ohne Ungerechtigkeit sei, könne ein solcher Krieg nur gerecht sein19. Augustinus geht in seiner Theorie sogar noch einen Schritt weiter, indem er davon ausgeht, dass ein Krieg, bei entsprechender Haltung der Krieger, eine Form der Nächstenliebe sei, indem durch Bestrafung des Gegners Besserung eintrete20.

Zur Lehre vom gerechten Krieg bleibt noch zu erwähnen, dass Augustinus Verteidigungs – und Angriffskriege zur Vergeltung von Unrecht erlaubt, Eroberungskriege aber prinzipiell nicht als gerecht ansieht21. Für christliche Kämpfer sieht Augustinus trotz der Gewalt keine Probleme in der Teilnahme an einem gerechten Krieg, im Gegenteil. Die Teilnahme an einem gerechten Krieg sei sogar eine Art Dienst an Gott und Befolgung des Liebesgebots Jesu22.

Obwohl es laut der Theorie möglich ist, einen Krieg als gerecht zu titulieren und auch in gewisser Weise Gewalt zu legitimieren, ist es für Augustinus von großer Bedeutung zu vermerken, dass diese Lehre kein Aufruf zum Töten sein soll oder sogar zu einem heiligen Krieg. Genauso wie ein Krieg niemals gut sein kann, wenn er auf etwas Bösem basiert23.

3.) Der erste Kreuzzug – Ein gerechter Krieg?

Im folgenden Abschnitt wird die eben vorgestellte Theorie auf den Kreuzzugsaufruf von Papst Urban II. auf dem Konzil von Clermont 1095 angewandt werden und überprüft werden, ob es sich beim ersten Kreuzzug um einen gerechten Krieg handelte. Zugrunde liegt die Fassung des Priesters Fulcher von Chartres.

3.1) Bestand ein gerechter Grund?

Für Augustinus ist es wichtig, wie oben beschrieben, dass für einen gerechten Krieg ein gerechter Grund vorliegen muss, also ein begangenes Unrecht vergolten wird. Papst Urban II. nennt dazu in seiner Rede die Türken, die zuvor Unrecht an den im Orient lebenden Christen begangen haben sollen. Urban II. erzählt seiner Zuhörerschaft, die Türken hätten „(..) Länder der Christen an sich gerissen, (…), viele getötet oder gefangengenommen, haben Kirchen zerstört und haben Gottes Königreich verwüstet 24 “. Weiterhin macht er den Anwesenden deutlich, „ wenn Ihr ihnen gestattet, noch viel länger weiterzumachen, werden sie Gottes gläubiges Volk auf weiter Flur unterwerfen 25 “. Mit diesen angeführten Gründen und Vorkommnissen entspricht Papst Urban II. dem Kriterium des causa iusta. Augustinus sieht es als gerechten Grund an, einen Krieg zum Schutze der Gläubigen vor Andersgläubigen zu führen. Dieses Kriterium führt Papst Urban II. in seiner Rede an, indem er explizit auf die Überfälle der Türken eingeht. Weiterhin sei es ein gerechter Grund Krieg zu führen, wenn durch geschehenes Unrecht die Kirche zu Schaden gekommen sei. Dies ist laut Urbans Ausführungen ebenfalls geschehen. Die Angriffe der Türken auf die Christen und Kirche im Orient können auch als Unrecht am Heilsplan Gottes angesehen werden. Dies wird im Kreuzzugsaufruf nicht wörtlich ausgeführt, dennoch kann man davon ausgehen, dass Papst Urban II. dies so auffasste. Es lässt sich also erkennen, dass alle möglichen Punkte des causa iusta in der Rede erwähnt werden und somit nach diesem Kriterium von einem gerechten Krieg gesprochen werden kann.

[...]


1 UN: Charta der Vereinten Nationen und Statut des Internationalen Gerichtshof. In: United Nations (1945). URL: http://www.un.org/Depts/german/un_charta/charta.pdf (Aufruf am 24.02.2013).

2 Mantovani, Mauro: Bellum iustum. Die Idee des gerechten Krieges in der römischen Kaiserzeit. Bern 1990,S.90.

3 Jaspert, Nikolas: Die Kreuzzüge. Darmstadt 2003, S. 34.

4 Mayer, Peter: Die Lehre vom gerechten Krieg. Obsolet oder unverzichtbar?. Bremen 2005, S. 12.

5 Walzer, Michael: Erklärte Kriege. Kriegserklärungen. Hamburg 2003, S.31.

6 Fuhrer, Therese: Krieg und (Un-)Gerechtigkeit. Augustin zur Ursache und Sinn von Kriegen. In: War in Words. Transformations of War from Antiquity to Clausewitz. Hrsg. v. Marco Formisano (u.a). Berlin 2011 (Transformationen der Antike, Bd.19), S. 27.

7 Mantovani, Bellum iustum. Die Idee des gerechten Krieges in der römischen Kaiserzeit, S.91.

8 Fuhrer, Krieg und (Un-)Gerechtigkeit. Augustin zur Ursache und Sinn von Kriegen, S. 26.

9 Schreiner, Klaus: Einführung. In: Heilige Kriege. Religiöse Begründungen militärischer Ge-waltanwendung. Judentum, Christentum und Islam im Vergleich. Hrsg. v. Klaus Schreiner. München 2008 (Schriften des Historischen Kollegs, Bd. 78), S. XX.

10 Schmidt, Peter: Bellum iustum. Gerechter Krieg und Völkerrecht in Geschichte und Gegenwart. Frankfurt 2008, S. 108.

11 Fuhrer, Krieg und (Un-)Gerechtigkeit. Augustin zur Ursache und Sinn von Kriegen, S. 25.

12 Schmidt. Bellum iustum. Gerechter Krieg und Völkerrecht in Geschichte und Gegenwart, S. 110.

13 Ebd., S. 112.

14 Graf, Friedrich Wilhelm: Sakralisierung von Kriegen. Begriffs – und problemgeschichtliche Erwägungen. In: Heilige Kriege. Religiöse Begründungen militärischer Gewaltanwendung. Judentum, Christentum und Islam im Vergleich. Hrsg. v. Klaus Schreiner. München 2008 (Schriften des Historischen Kollegs, Bd. 78), S. 9.

15 Ebd., S.8.

16 Engelhardt, Paulus: Die Lehre vom „gerechten Krieg“ in der vorreformatorischen und katholischen Tradition. Herkunft, Wandlungen, Krise. In: Der gerechte Krieg. Christentum, Islam, Marxismus. Hrsg. v. Reiner Steinweg. (o.O. o.J.) (Vierteljahresschrift für Erziehung, Politik und Wissenschaft: Friedenanalysen. Bd. 12), S. 75.

17 Graf, Friedrich Wilhelm: Sakralisierung von Kriegen. Begriffs – und problemgeschichtliche Erwägungen. S.8.

18 Fuhrer, Krieg und (Un-)Gerechtigkeit. Augustin zur Ursache und Sinn von Kriegen, S. 24.

19 Ebd., S. 24.

20 Schmidt, Peter: Bellum iustum. Gerechter Krieg und Völkerrecht in Geschichte und Gegenwart. S. 108.

21 Mayer, Peter: Die Lehre vom gerechten Krieg. Obsolet oder unverzichtbar?. Bremen 2005,S. 14.

22 Graf, Friedrich Wilhelm: Sakralisierung von Kriegen. Begriffs – und problemgeschichtliche Erwägungen, S.8.

23 Fuhrer, und (Un-)Gerechtigkeit. Augustin zur Ursache und Sinn von Kriegen, S. 33.

24 Hiebl, Manfred: Die Rede Papst Urbans des Zweiten auf dem Konzil von Clermont 1095. In: Fulcher von Chartres (2002). URL: www.manfredhiebl.de/urban.htm (Aufruf am 23.02.2013)Z. 56 – 59.

25 Ebd., Z. 59 – 60.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Der erste Kreuzzug. Ein gerechter Krieg?
Untertitel
Die Lehre des gerechten Krieges nach Augustinus von Hippo
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
9
Katalognummer
V538082
ISBN (eBook)
9783346144706
ISBN (Buch)
9783346144713
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kreuzzug, krieg, lehre, krieges, augustinus, hippo
Arbeit zitieren
Maximilian Posch (Autor), 2013, Der erste Kreuzzug. Ein gerechter Krieg?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538082

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der erste Kreuzzug. Ein gerechter Krieg?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden