In dieser Arbeit wird Peter Singers Argumentation für die moralische Gleichbehandlung von Mensch und Tier rekonstruiert; Gegenstand ist das Kapitel "Gleichheit für Tiere?" aus seinem Werk "Praktische Ethik" (1979).
Moralisch zu sein, bedeutet Singer zufolge, nach dem Prinzip der gleichen Interessenabwägung zu handeln. Weil die Empfindungs- beziehungsweise Leidensfähigkeit den Menschen und Tieren gemeinsam ist und "unsere Rücksicht auf andere nicht davon abhängig sein darf, was sie sind oder welche Fähigkeiten sie haben", muss ihr Interesse am Freisein von Leid gleichermaßen berücksichtigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rekonstruktion von Singers Argumentation
3. Fazit zur Argumentation
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das moralphilosophische Argumentationsmodell von Peter Singer, insbesondere dessen Plädoyer für die moralische Gleichbehandlung von Mensch und Tier basierend auf dem Prinzip der Interessenabwägung.
- Theoretische Grundlagen der Tierethik (Biozentrismus vs. Pathozentrismus)
- Die Rolle des Präferenzutilitarismus in Singers Argumentation
- Vergleichende Analyse zwischen Speziesismus und Rassismus
- Kritische Reflexion alltäglicher Praktiken wie Tierversuche und Massentierhaltung
- Die Bedeutung der Leidensfähigkeit als moralisches Kriterium
Auszug aus dem Buch
2. Rekonstruktion von Singers Argumentation
In seinem Kapitel „Gleichheit für Tiere?“ argumentiert Singer für die These, dass nicht nur die Interessen von Menschen moralisch zu berücksichtigen sind, sondern die Interessen aller leidensfähiger Lebewesen gleichermaßen. Wie Singer seine These in den beiden Texten „Rassismus und Speziesismus“ und „Speziesismus in der Praxis“ erläutert und belegt, werde ich im Folgenden rekonstruieren.
Im ersten Text bezieht sich Singer zunächst auf seine zuvor begründete „Überzeugung“ (S. 398), ein vernünftiger Grundsatz moralischen Handelns bestehe im Prinzip der Gleichheit, also dem „Prinzip der gleichen Interessenabwägung“ (vgl. ebd.). Moralisch handelt ein Mensch demzufolge dann, wenn er (a) die Interessen aller von seinem Handeln Betroffenen gleichermaßen berücksichtigt und (b) in der Konsequenz seines Handelns die Summe an Freuden maximiert bzw. die Summe an Leiden minimiert. Unmoralisch hingegen handelt, wie sich ableiten lässt, wer (A) nicht die Interessen aller gleich berücksichtigt - sondern entweder nur seinen eigenen Beachtung schenkt oder den Interessen einiger mehr als denen anderer - und wer (B) in der Bilanz mehr Leid als Freude für alle Beteiligten hervorbringt. In der Anerkennung des Prinzips der Gleichheit als „vernünftige moralische Basis“ (ebd.) besteht der Ausgangspunkt seiner Diskussion.
Von diesem moralischen Prinzip leitet Singer seine These ab. Er behauptet, es widerspreche dem Prinzip der Gleichheit grundsätzlich, nur menschliche Interessen miteinander abzuwägen und seine Gültigkeit somit auf eine Spezies zu reduzieren. Wer die gleiche Interessenabwägung für das Zusammenleben mit seinen Mitmenschen, den Lebewesen der eigenen Art, akzeptiert, müsse sie notwendig auch für Lebewesen außerhalb der eignen Art anerkennen (vgl. ebd.). Die Interessen von Tieren seien also gleichermaßen zu berücksichtigen, keinesfalls zu ignorieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Grundfragen der Moralphilosophie ein und stellt die theoretischen Konzepte des Biozentrismus sowie des Pathozentrismus als Grundlage für die Tierethik vor.
2. Rekonstruktion von Singers Argumentation: Hier wird Singers präferenzutilitaristischer Ansatz analysiert, wobei insbesondere das Prinzip der gleichen Interessenabwägung und der Begriff des Speziesismus im Zentrum stehen.
3. Fazit zur Argumentation: Das abschließende Kapitel bewertet die Plausibilität von Singers Argumentation und unterstreicht die moralische Notwendigkeit, tierisches Leid in menschliche Entscheidungsprozesse einzubeziehen.
Schlüsselwörter
Tierethik, Peter Singer, Präferenzutilitarismus, Speziesismus, Interessenabwägung, Leidensfähigkeit, Moralphilosophie, Pathozentrismus, Tierversuche, Massentierhaltung, Rassismus, Gleichheit, Utilitarismus, Tierrechte, moralische Behandlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die moralphilosophische Argumentation von Peter Singer zur Gleichbehandlung von Mensch und Tier.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Tierethik, die Kritik am Speziesismus und die Anwendung des utilitaristischen Prinzips der gleichen Interessenabwägung auf nicht-menschliche Lebewesen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie Singer begründet, dass das Interesse von Tieren, Schmerz zu vermeiden, moralisch ebenso schwer wiegt wie das von Menschen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Rekonstruktion und Analyse philosophischer Argumentationsstrukturen anhand von Singers Primärtexten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird Singers Argumentationsweg analysiert, angefangen bei der moralischen Basis der Interessenabwägung über den Vergleich zum Rassismus bis hin zur Kritik an Tierversuchen und Fleischkonsum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Speziesismus, Präferenzutilitarismus, Leidensfähigkeit und die moralische Interessenabwägung.
Wie unterscheidet Singer den Speziesismus vom Rassismus?
Singer nutzt den Rassismus als Analogie: So wie Rassisten die Interessen anderer Ethnien ignorieren, bevorzugen Speziesisten ihre eigene Art und vernachlässigen dabei die Leidensfähigkeit von Tieren.
Warum spielt die Leidensfähigkeit eine so zentrale Rolle bei Singer?
Für Singer ist die Empfindungsfähigkeit die notwendige und hinreichende Bedingung dafür, dass ein Wesen überhaupt Interessen besitzen kann, die moralisch zu berücksichtigen sind.
- Arbeit zitieren
- Jasmin Dreßler (Autor:in), 2019, Peter Singers "Praktische Ethik". Eine Argumentation für die moralische Gleichbehandlung von Mensch und Tier, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538245