Das Leben der Frau im klassischen Athen


Hausarbeit, 2017
15 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Junge, unverheiratete Frauen
2.1 Kindheit und Erziehung
2.2 Pubertät

3 Verheiratete Frauen
3.1 Verlobung, Ehe und Sexualität
3.2 Häusliches Leben
3.3 Ehebruch und Scheidung

4 Alte Frauen

5 Resümee

6 Quellenverzeichnis

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Zurückhaltung und Zurückgezogenheit ist das Kennzeichen der Hausfrau, Hervortreten und Geselligkeit das der Hetäre“.1 Dieser Satz Gudrun Bodens aus ihrer Dissertation kann als treffende Kurzdefinition für die Rolle der athenischen Bürgerin zur klassischen Zeit verwendet werden. Auf den folgenden Seiten soll die Fragestellung, wie das Leben einer Frau im klassischen Athen aussah, erörtert werden. Die dazu aufgestellte These lautet: „Das Leben der Frauen im klassischen Athen war von Separation und Zurückgezogenheit geprägt.“ Die Ausführungen beziehen sich dabei ausschließlich auf Athenerinnen aus der Oberschicht. Fremde, Sklavinnen, Hetären, Konkubinen und der Unterschicht angehörige Frauen werden in dieser Seminararbeit ausgeklammert.

An Forschungsliteratur zum Thema mangelt es nicht, so war es auch möglich, relativ neue Werke für diese Arbeit heranzuziehen. Bei dem Jüngsten handelt es sich um einen Sammelband, herausgegeben von Elke Hartmann. In „Geschlechterdefinitionen und Geschlechtergrenzen in der Antike“ eries sich insbesondere ein Aufsatz von Ernst Baltrusch, welcher sich dem Geschlecht und Alter widmet, als nützlich. Ein Großteil der herangezogenen Informationen entstammt Christine Schnurr-Redfords „Frauen im klassischen Athen – Sozialer Raum und reale Bewegungsfreiheit“ und Sue Blundells „Women in Ancient Greece“. Beide versuchen die Lebensweise und Rollenzuteilung der athenischen Frau greifbarer zu machen und insbesondere Schnurr-Redford versucht, vermeintlich falsche Annahmen früherer Forschungen zu revidieren. Der Sammelband „Frauenwelten in der Antike – Geschlechterordnung und weibliche Lebenspraxis“ liefert wertvolle Einblicke in den Ablauf der Hochzeitsfeierlichkeiten im klassischen Athen. Des Weiteren bot Julia Iwersens „Die Frau im Alten Griechenland – Religion, Kultur, Gesellschaft“ aufschlussreiche Informationen über den weiblichen Körper und seine Rezeption. Zuletzt fanden vereinzelte Auszüge aus Ilse Dickingers „Das patriarchalische System als Ursache der Diskriminierung von Frauen im Berufsleben“ und Josine Bloks Aufsatz „Recht und Ritus der Polis – Zu Bürgerstatus und Geschlechterverhältnissen im klassischen Athen“ Eingang in diese Seminararbeit. Bei den zwei verwendeten Primärquellen handelt es sich um Aristoteles „Oikonomika“ und Xenophons „Oikonomikos“, beides Schriften, die das Thema Hauswirtschaft behandeln.

Die Gliederung dieser Arbeit spiegelt gleichzeitig auch grob die Lebensabschnitte der Frau im klassischen Athen wieder. Im ersten Abschnitt werden junge, unverheiratete Frauen behandelt, im zweiten Ehefrauen und zuletzt ältere Frauen. Das Resümee bietet eine kurze Zusammenfassung.

2 Junge, unverheiratete Frauen

2.1 Kindheit und Erziehung

Ihre ersten sieben Lebensjahre verbrachten athenische Mädchen gemeinsam mit ihren Brüdern im Kinderzimmer, welches sich in den Frauenräumen des Hauses befand. Danach wurde ihr Leben zunehmend von Separation bestimmt.2 Die Knaben besuchten eine vom Vater ausgewählte Schule, wo sie in Lesen, Schreiben, Rhetorik, Philosophie und Sport unterrichtet wurden, während den Mädchen eine Schulbildung verwehrt blieb. Lediglich in Ausnahmefällen wurde das Privileg einer Ausbildung gewährt. Aspasia, die zweite Frau des Perikles, die als Lehrerin und Politikerin tätig war, kann hier als Beispiel angeführt werden.3

Bevor die Mädchen mit ihrem zehnten Lebensjahr in den Tempeldienst eintraten, verbrachten sie ihre Zeit im Schutze des Hauses. Dort wurden sie in häuslichen Tätigkeiten wie Kochen, Putzen und Handarbeit unterwiesen. Zudem übten sie sich in ihrer künftigen Mutterrolle, indem sie sich um jüngere Geschwister kümmerten.4 Der Vater hielt sich tagsüber außerhalb des Hauses auf - so oblag es der Mutter und der Amme, die heranwachsenden Frauen auf die Ehe und die damit verbundenen Aufgaben vorzubereiten.5 Xenophon schreibt davon, dass die Frau des Kritobulos im Kochen und der Handarbeit geschult war, als sie ihm übergeben wurde. Es war letztlich jedoch die Aufgabe des Ehemanns, seine Frau so zu erziehen, dass sie dazu im Stande war, gänzlich die Leitung des Haushalts zu übernehmen.6

Der Tempeldienst, in den die Mädchen mit zehn Jahren eintraten, erstreckte sich über mehrere Jahre. Die Mädchen lernten unter Anleitung der Priesterin Singen, Tanzen und Musizieren. Außerdem wurden sie über diversen Göttermythen und homerischen Gesänge instruiert. Über diese Zeit ist nicht sonderlich viel bekannt. Es lässt sich jedoch annehmen, dass es sich dabei um eine relativ zwanglose handelte, stand das Erlernen von Liedern und Tänzen doch in Mittelpunkt.7

Im Vergleich zu den Knaben wuchsen Mädchen sehr behütet und von der Außenwelt abgeschirmt in der Verborgenheit des Hauses oder des Tempelbezirks auf.8 Sie lebten zurückgezogen und unter permanenter Aufsicht,9 was auch Xenophon anmerkt:

„[…] die sie mit nicht einmal fünfzehn Jahren zu mir kam, in der vorhergehenden Zeit aber unter einer Aufsicht lebte, die ganz darauf ausging, sie möglichst wenig sehen, möglichst wenig hören und möglichst wenig fragen zu lassen!“10

2.2 Pubertät

Die erste Menstruation markierte den Übergang vom Mädchen zur Frau. Sie wurde jedoch nicht als Zeichen der Reifung, sondern der Zähmung angesehen. In den Augen der Griechen passten Mädchen in keine ihrer gesellschaftlichen Kategorien, sondern wurden als beinahe tierartige Wesen wahrgenommen. Jungfräulichkeit existierte für sie lediglich im Kontext des Glaubens an Göttinnen oder Priesterinnen. Von diesen abgesehen wurde eine enthaltsame Lebensform nicht als Tugend wahrgenommen. Erst mit der ersten Regelblutung wuchsen die Mädchen zu einem menschlichen Wesen heran, das seinen Zweck des Kindergebärens erfüllen konnte.11 Aristoteles machte den Beginn der Regelblutung mit dem 13. Lebensjahr und dem Anschwellen der Brüste fest.12 Dies führte zu zunehmender Heißblütigkeit und sexueller Enthemmung der jungen Frauen, was Aristoteles auf die vermehrte Sekretion von Körpersäften zurückführte.13 In den Hippokratischen Schriften ist die Rede davon, dass Mädchen während ihrer Periode oft besonders verletzlich sind und zu Halluzinationen neigen, da der Scheideneingang noch nicht durch Geschlechtsverkehr geöffnet wurde und das Blut dadurch nicht abfließen kann. Stattdessen fließe es hinauf zum Herzen und zur Lunge, wodurch die Mädchen an Fieber leiden und teils sogar suizidale Tendenzen entwickeln. Empfohlen wurde daher die schnellstmögliche Verheiratung des Mädchens, denn Geschlechtsverkehr und das Gebären eines Kindes galten als die einzigen Heilmittel. So überrascht es nicht, dass es für attische Mädchen üblich war, sehr früh, also bereits nach dem Erreichen der Geschlechtsreife, zu heiraten.14

3 Verheiratete Frauen

3.1 Verlobung, Ehe und Sexualität

Eine Liebesheirat wie man sie heute kennt war im Athen der klassischen Zeit undenkbar. Es handelte sich um eine arrangierte Ehe, bei der die Familie, allen voran der Vater, den passenden Partner auswählte. Sollte der Vater bereits verstorben sein, so oblag es dem Bruder, seine Schwester zu verheiraten, bevor er selbst jemanden ehelichen durfte. Über Verwandte versuchte man zusätzliche Informationen über potentielle Ehemänner einzuholen, da diese Entscheidung wohl überlegt sein sollte - schließlich konnte von einer ‚guten Partie‘ die ganze Familie profitieren.15 Die zu Verheiratende war in der Regel nicht in die Entscheidung involviert und hatte dem Athener Recht nach auch keine Mittel, um Einspruch bei der Wahl ihres Ehemannes einzulegen.16 Den ihr Versprochenen traf sie für gewöhnlich nicht vor dem ersten formellen Treffen beider Familien. Es war möglich, dass die Versprochenen sich auf einem Fest schon zuvor gesehen hatten. Dennoch war es jungen Frauen und Männern untersagt, in der Öffentlichkeit miteinander zu reden.17

Ihr Anteil vom Familienerbe, die sogenannte Mitgift, stand der Tochter im Gegensatz zum Sohn bereits zum Zeitpunkt der Hochzeit zu, denn sie galt als obligatorischer Aspekt der gesetzeskonformen Eheschließung. Die Aushändigung war gesetzlich zwar nicht vorgeschrieben, jedoch hatte der Vormund der Frau eine starke, moralische Verpflichtung, da ansonsten der Verdacht bestand, dass es sich bei der Braut um keine echte Bürgerin handelte. Die Mitgift bestand sehr wahrscheinlich aus Landbesitz, Häusern oder Einnahmen von Verpachtungen, Vermietungen oder Vieh. Bei dem Empfänger handelte es sich um den Ehemann, der diese zu verwalten und instandzuhalten hatte, denn im Falle einer Scheidung musste sie dem Vormund der Frau zurückerstattet werden. Beim Tod der Frau ging ihre Mitgift an die Söhne über. Neben der Mitgift war es Brauch, die Braut mit einer Aussteuer auszustatten. Dabei handelte es sich in der Regel um Kleider und Schmuck.18

Die hochzeitlichen Festlichkeiten dauerten für gewöhnlich drei Tage. Sie wurden mit Familie und Freunden bevorzugt im Monat Gamelion (Mitte Januar bis Mitte Februar) begangen, da laut griechischer Mythologie in diesem Zeitraum auch das namensstiftende Götterpaar Zeus und Hera Hochzeit gefeiert haben sollen. Am ersten Tag wurden Vorbereitungen getroffen. Dazu zählte die Durchführung von Opfer- und Reinigungsritualen. Das Bad des Paares war dabei von besonderer Wichtigkeit. Nächstverwandte Kinder holten dafür Wasser aus der athenischen Quelle Kallirhoe, um die Eheleute zu reinigen. Der zweite Tag war der Tag der eigentlichen Hochzeit, der den Höhepunkt des Lebens der Frau markierte. Die Braut wurde hierfür von ihren Brauthelferinnen eingekleidet, frisiert und mit Schmuck versehen. Das Festessen fand im Haus des Brautvaters statt, wobei Frauen und Männer an getrennten Tischen Platz nahmen. Abends wurde die Braut schließlich in das Haus des Bräutigams überführt.19 Die Prozession wurde von der Brautmutter, die die Hochzeitsfackel trug, angeführt. Die Mutter des Bräutigams öffnete dann, eine weitere Hochzeitsfackel haltend, die Tür.20 Daraufhin erfolgte, in der Hoffnung auf baldigen Nachwuchs, der erste Beischlaf des Paares. Am nächsten Morgen fanden weitere Festlichkeiten und Geschenkübergaben statt.21

Geschlechtsverkehr wurde als etwas angesehen, was zur Gesundheit der Frau beitrug und für den Erhalt dieser gar unabdinglich war. In den Hippokratischen Schriften wird davon berichtet, dass sexuell Inaktive unter schrecklichen Kopfschmerzen, Müdigkeit und sogar Stimmverlust leiden. Geschlechtsverkehr und Schwangerschaft wurden dabei als die einzig wirklich wirksamen Heilmittel empfohlen. Griechische Männer erkannten, dass Sex eine Quelle gemeinsamen Vergnügens sein konnte. Auf Vasen wurden Frauen beim Geschlechtsverkehr mit lächelnden Gesichtern abgebildet, was darauf schließen lässt, dass auch sie Vergnügen dabei empfanden. Grundsätzlich nahm die Frau eine unterwürfige Haltung ein - so wurde sie oft vornübergebeugt dargestellt, während der Mann sie von hinten penetrierte. Bei der Betrachtung der Vasen lässt sich teilweise exakt feststellen, ob es sich um Vaginal- oder Analverkehr handelt. Aufgrund dieser Quellen kann angenommen werden, dass Analverkehr nicht selten praktiziert wurde, war er doch die effektivste Form der Verhütung. Diese Lust der Frau wurde teils jedoch auch als Mangel an Selbstbeherrschung kritisiert. So galt es auch als unschicklich, wenn die Frau beim ehelichen Koitus ihr Vergnügen zu offen zur Schau stellte. Die reproduktive Zweckgebundenheit des ehelichen Geschlechtsverkehrs sollte ihre für sie im Vordergrund stehen, denn die Hauptaufgabe der Frau lag in der Geburt der Kinder. Zum Vergnügen dienten den Männern ihre Hetären.22

3.2 Häusliches Leben

Der Aufenthaltsort der Frau war im Haus - unnötiges Herumtreiben vor dem Haus und auf den Straßen Athens galt es zu vermeiden. Der Mann dagegen hatte sich nicht länger als nötig in seiner Heimstätte aufzuhalten, da dies ansonsten die Vernachlässigung seiner außerhäuslichen Pflichten bedeutet hätte.23 Xenophon vergleicht die Hausfrau mit der Bienenkönigin, die im Stock bleibt, während die anderen diesen verlassen, um zu arbeiten. Die Aufgabe der Bienenkönigin ist es, daraufhin das Eingebrachte zu verwalten. So war es auch die Aufgabe der athenischen Hausfrau, den Haushalt zu verwalten.24 Die Frauen wurden dabei nicht weggesperrt. Bei der strikten Separation handelte es sich schlicht um die für damalige Zeiten universal akzeptierte Rollenverteilung zwischen Mann und Frau.25

[...]


1 Gudrun Boden, Beiträge zur politischen Rolle der Frau im klassischen Athen, Diss. Tübingen 1949, S. 108.

2 Boden, Beiträge zur politischen Rolle der Frau, S. 116.

3 Ilse Dickinger, Das patriarchalische System als Ursache der Diskriminierung von Frauen im Berufsleben, Linz 1995, S. 190.

4 Sue Blundell, Women in Ancient Greece, London 1995, S. 133.

5 Boden, Beiträge zur politischen Rolle der Frau, S. 117.

6 Xen. oik. 7, 6.

7 Boden, Beiträge zur politischen Rolle der Frau, S. 117f.

8 Ebd., S. 119.

9 Christine Schnurr-Redford, Frauen im klassischen Athen. Sozialer Raum und reale Bewegungsfreiheit, Berlin 1996, S. 160.

10 Xen. oik. 7, 5.

11 Julia Iwersen, Die Frau im Alten Griechenland. Religion, Kultur, Gesellschaft, Düsseldorf, Zürich 2002, S. 57f.

12 Blundell, Women in Ancient Greece, S. 99.

13 Schnurr-Redford, Frauen im klassischen Athen, S. 161.

14 Blundell, Women in Ancient Greece, S. 99.

15 Schnurr-Redford, Frauen im klassischen Athen, S. 259f.

16 Boden, Beiträge zur politischen Rolle der Frau, S. 92.

17 Schnurr-Redford, Frauen im klassischen Athen, S. 260.

18 Elke Hartmann, Heirat und Bürgerstatus in Athen, in: Thomas Späth/Beate Wagner-Hasel (Hg.), Frauenwelten in der Antike. Geschlechterordnung und weibliche Lebenspraxis, Darmstadt 2000, S. 16-31, hier S. 19.

19 Ebd., S. 20.

20 Schnurr-Redford, Frauen im klassischen Athen, S. 88.

21 Hartmann, Heirat und Bürgerstatus in Athen, S. 20.

22 Blundell, Women in Ancient Greece, S. 100-102.

23 Schnurr-Redford, Frauen im klassischen Athen, S. 74.

24 Xen. oik. 7, 33.

25 Schnurr-Redford, Frauen im klassischen Athen, S. 75.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Leben der Frau im klassischen Athen
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
1,0
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V538425
ISBN (eBook)
9783346137661
ISBN (Buch)
9783346137678
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leben, frau, athen, klassisches athen, bürgerin
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Das Leben der Frau im klassischen Athen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538425

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Leben der Frau im klassischen Athen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden