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Ruth Klüger "weiter leben. Eine Jugend"

Title: Ruth Klüger "weiter leben. Eine Jugend"

Term Paper , 2006 , 22 Pages , Grade: 2.0

Autor:in: Janine Pohle (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Ein Buch, das still ist und zugleich alarmierend wirkt.“ So denkt Marcel Reich- Ranicki über das Buch von Ruth Klüger „weiter leben. Eine Jugend“. Ich habe dieses Zitat von ihm als Thema dieser Arbeit gewählt, weil es absolut zutrifft. Es sagt alles Nötige über dieses Buch aus und ich stimme der Meinung Marcel Reich- Ranickis völlig zu. Es ist kein gewöhnliches Buch über die Judenverfolgung oder den Holocaust. Nein, es stellt viele Bücher, die von derselben Problematik handeln, in den Schatten. Mit ihrem Buch hat Ruth Klüger„ neue Worte, einen neuen Ton, eine neue Aufrichtigkeit [in den] Auschwitz-Diskurs“ gebracht. Es handelt nicht nur von ihrer individuellen Lebensgeschichte, sondern ist von so einer Vielseitigkeit geprägt, die einfach beeindruckend ist. In die Beschreibung ihres Werdeganges fließen Reflexionen, kritische Bemerkungen und Hinterfragungen zu dem Thema Auschwitz, Judenverfolgung und Vergangenheitsbewältigung ein. Die Autorin selbst steht sich selbstkritisch gegenüber, übt andererseits aber auch Kritik an zeitgenössischen Diskursen.
Ich glaube, Reich-Ranicki hat das Wort „alarmierend“ gewählt, weil er derselben Meinung ist wie Ruth Klüger. Das Buch rüttelt den Leser sprichwörtlich wach. Es soll ihm die Augen öffnen und die Relevanz aufzeigen, dass Vergangenheit oder deutsche Geschichte nicht verdrängt oder gar vergessen werden darf. Diese Tatsache sollte sich der Leser immer wieder ins Gedächtnis rufen und verinnerlichen, und die Erinnerungen an die Geschichte zum Teil seines Lebens machen. Ruth Klüger weist ihre Leser immer wieder auf die Probleme und Fehler hin, die der Auschwitz- Diskurs nach sich zieht. So berichtet sie beispielsweise von Menschen, die das Vergangene nicht ernst genug nehmen oder das jüdische Schicksal mit anderen Verbrechen vergleichen. Solche Vergleiche sind aber unakzeptabel, denn Auschwitz ist einmalig. Ich denke, sie will die Leser warnen: Die aufgezeigten Fehler der Menschen sind vielleicht die eigenen. Jeder sollte seine Haltung zum Thema überdenken und hinterfragen. Alles, was sie wünscht, ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema und der nationalsozialistischen Geschichte, welche einfach nicht vergessen werden darf. Mit „alarmierend“ ist also gemeint: Reflektiert eure Haltung und Handlungen! Steht dem Thema nicht gleichgültig gegenüber!

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Identitätsproblem Ruth Klügers

1.1 Ihre österreichische Identität

1.2 Ihre jüdische Identität

1.3 Ihre deutsche Identität

1.4 Ihre amerikanische Identität

2. Der Umgang mit der jüdischen Katastrophe

2.1 Das Problem des Umganges mit der NS- Vergangenheit/ Auschwitz

2.2 Revisionismus des jüdischen Schicksals

2.3 Die Beispiele Christoph und Gisela

2.4 „Postkartenmotiv“

2.5 Die Verkitschung der jüdischen Katastrophe

3. Ihr Anliegen mit dem Buch

4. Meine Meinung zu dem Buch/ Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Ruth Klügers Autobiografie "weiter leben" im Hinblick auf ihre Identitätskonstruktion sowie ihren kritischen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie die Autorin die Problematik des Holocausts in ihrem Werk reflektiert, gesellschaftliche Verdrängungsmechanismen analysiert und den Leser zur aktiven Auseinandersetzung mit der Geschichte auffordert.

  • Analyse der multiplen Identitäten (österreichisch, jüdisch, deutsch, amerikanisch) der Autorin.
  • Kritik am Revisionismus und der Relativierung der jüdischen Katastrophe.
  • Untersuchung der Problematik der "Verkitschung" von Holocaust-Gedenkstätten und Literatur.
  • Herausarbeitung von Klügers Anliegen: Wachrütteln der Leser und Aufbrechen gesellschaftlicher Verdrängung.
  • Reflexion über das Verhältnis zwischen Juden und Deutschen in der Nachkriegszeit.

Auszug aus dem Buch

2.4 „Postkartenmotiv“

Als Ruth Klüger und ihre Mutter von Birkenau zu dem Arbeitslager Christianstadt transportiert wurden, war die Autorin zunächst glücklich dem Tod durch Vergasung entkommen zu sein. Doch dieses anfängliche Glücksgefühl schlug bald in Resignation und Unverständnis um, denn Ruth Klüger nahm seit langem mal wieder ihre Außenwelt wahr, welche unwirklich geworden zu sein schien.50 Die Landschaft lag vor ihr, als wäre nichts geschehen: „Ich grübelte über die Inkongruenz, daß diese Sorglosigkeit im selben Raum existierte wie unser Transport. [...] Das von mir Erlebte hatte die da draußen nicht einmal berührt.“ 51 Dieses Bild, welches auf mich wirkt als schaue sie auf eine Postkarte, hat Klüger, so glaube ich, bewusst gewählt, denn hiermit kommt die Distanz zwischen der jüdischen und der deutschen Welt, ja sogar die Unvereinbarkeit beider sehr gut zum Ausdruck. Verstärkt wird dieses Bild durch den fahneschwingenden Jungen, der stellvertretend für das deutsche nationalsozialistische Regime steht. „Für uns beide ist es derselbe Zug, sein Zug von außen gesehen, meiner von innen, und die Landschaft ist für uns beide dieselbe, doch nur für die Netzhaut dieselbe, dem Gefühl nach sehen wir zwei unvereinbare Landschaften.“ 52

Auch der Titel ihres Buches „weiter leben“ ist kennzeichnend für den Bruch zwischen den Deutschen und den Juden. Diesen Sachverhalt macht auch die getrennte Schreibweise des Titels deutlich. Ruth Klüger setzt mit der Getrenntschreibung des Wortes „weiterleben“ deutlich ein Signal. Einerseits ist die getrennte Schreibweise ein Hinweis auf das gebrochne Verhältnis der Deutschen und der Juden und andererseits stellt sie die gebrochene Identität Ruth Klügers selbst dar.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung begründet die Wahl des Themas und erläutert die zentrale Bedeutung von Ruth Klügers Werk für den Auschwitz-Diskurs.

1. Identitätsproblem Ruth Klügers: Das Kapitel erörtert die vier Identitäten der Autorin: die österreichische, jüdische, deutsche und amerikanische Identität.

2. Der Umgang mit der jüdischen Katastrophe: Dieses Kapitel analysiert Klügers Kritik an der deutschen Vergangenheitsbewältigung, am Revisionismus und an der musealen Verkitschung des Holocausts.

3. Ihr Anliegen mit dem Buch: Hier wird dargelegt, dass Klüger den Leser durch Provokation zum aktiven Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte bewegen möchte.

4. Meine Meinung zu dem Buch/ Schlusswort: Die Autorin reflektiert ihre persönliche Leseerfahrung und zieht eine Bilanz zur Relevanz des Buches für die Nachfolgegeneration.

Schlüsselwörter

Ruth Klüger, weiter leben, Holocaust, Identität, Auschwitz-Diskurs, Vergangenheitsbewältigung, Revisionismus, Verkitschung, Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, Literaturwissenschaft, Autobiografie, Nachfolgegeneration, Antisemitismus, Gedenkstätten.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Ruth Klügers autobiografisches Werk "weiter leben" und deren Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Biografie und der deutschen NS-Vergangenheit.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Identitätsfindung der Autorin sowie ihrer scharfen Kritik an der Verdrängung und Relativierung des Holocausts in der deutschen Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Klüger durch ihr Buch zur kritischen Reflexion über den Holocaust anregt und den "Stacheldraht" zwischen der jüdischen und der deutschen Welt durchbrechen möchte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur und zeitgenössischer Diskurse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Klügers vier Identitäten, die Kritik an der mangelnden Aufarbeitung des Holocausts, die Problematik der "Verkitschung" sowie das bewusste Ziel der Autorin zur Provokation des Lesers detailliert untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Identitätsproblematik, Auschwitz-Diskurs, Revisionismus, Verkitschung, Vergangenheitsbewältigung und die Rolle der Erinnerungskultur.

Wie bewertet die Autorin der Arbeit die Bedeutung von Gedenkstätten?

Die Autorin hinterfragt Ruth Klügers Kritik an Gedenkstätten kritisch und kommt zu dem Schluss, dass diese trotz der Gefahr einer "Museumskultur" wichtige Lernorte für die Nachfolgegeneration bleiben.

Warum betont die Autorin die Bedeutung des Titels "weiter leben"?

Der Titel wird als Signal interpretiert, das den Bruch zwischen der jüdischen und deutschen Welt sowie die gebrochene Identität Ruth Klügers verdeutlicht.

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Details

Title
Ruth Klüger "weiter leben. Eine Jugend"
College
University of Leipzig
Course
Autobiografie nach 1945
Grade
2.0
Author
Janine Pohle (Author)
Publication Year
2006
Pages
22
Catalog Number
V53860
ISBN (eBook)
9783638491938
ISBN (Book)
9783656785002
Language
German
Tags
Ruth Klüger Eine Jugend Autobiografie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Janine Pohle (Author), 2006, Ruth Klüger "weiter leben. Eine Jugend", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53860
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