Woher kommt die Systemtheorie und was sind ihre Ursprünge? Welchen Stellenwert hat die systemische Intervention bei der Beratung sozialer Systeme - und was sind überhaupt "Intervention" und "soziale Systeme"? In der folgenden Arbeit sollen Antworten auf diese Fragen gefunden und damit eine kurze Einführung in das Thema der systemtheoretischen Beratung und der Intervention gegeben werden. Zuerst soll der Ursprung der systemischen Perspektive aufgezeigt werden. Hier werden die allgemeine, die soziologische und die personale Systemtheorie vorgestellt. Im weiteren Verlauf, soll dann genauer auf die Intervention eingegangen werden. Es soll geklärt werden, was Intervention überhaupt ist, welche Systeme daran beteiligt sind und welche Ebenen und Dimensionen hierbei wichtig sind. Zum Abschluss sollen schließlich noch die Potenziale und Grenzen der systemischen Intervention angesprochen werden.
Die systemische Beratung scheint in den letzten Jahrzehnten einen immer stärkeren Aufschwung zu erleben. Sie bietet eine neue Sichtweise auf die Welt, in welcher Probleme nicht nur eine Ursache haben, sondern durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren in einem komplexen System entstehen. Im Gegensatz zum Eigenschaftsmodell, Verhaltensmodell oder dem Handlungsmodell betrachtet sie nicht nur den Einzelnen, sondern auch das dazugehörige Umfeld oder die Kommunikation als ein System.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Systemtheorie
2.1. Ursprünge der Systemtheorie
2.1.1. Allgemeine Systemtheorie
2.1.2. Evolutionistische Systemtheorie
2.2. Soziologische Systemtheorie
2.3. Personale Systemtheorie
3. Intervention
3.1. Definition
3.2. Die beteiligten Systeme
3.2.1. Das Klientensystem
3.2.2. Das Beratersystem
3.2.3. Das Beratungssystem
3.2.4. Die beteiligten Systeme als soziale Systeme
3.3. Ebenen und Dimensionen der Intervention
4. Fazit: Potenziale und Grenzen
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt eine Einführung in die systemtheoretische Beratung und beleuchtet die Rolle sowie die Funktionsweise systemischer Interventionen bei der Arbeit mit sozialen Systemen.
- Grundlagen der Systemtheorie (Allgemein, Soziologisch, Personal)
- Definition und Verständnis systemischer Intervention
- Analyse der beteiligten Systeme (Klienten-, Berater- und Beratungssystem)
- Ebenen und Dimensionen systemischer Interventionsarbeit
- Kritische Reflexion über Potenziale und Grenzen systemischer Beratung
Auszug aus dem Buch
3.2.3. DAS BERATUNGSSYSTEM
Das Beratungssystem ist die „gemeinsame sachliche, zeitliche, soziale und räumliche Schnittmenge“ (Königswieser/Exner 2006, S. 26) aus dem Klienten- und dem Beratersystem. Es ist ein, im Gegensatz zu den zwei bereits beschriebenen Systemen, komplett neu entstandenes System, das es in dieser Konstellation vorher noch nicht gab. Die Aufgabe des Beratungssystems ist es, Lösungen für das Klientensystem zu finden und bleibt nur so lange bestehen, wie es der Beratungsauftrag vorgibt. Dieses neue System besteht aus „zumindest zwei Kooperationspartnern mit asymmetrischer, aber komplementärer Aufgabenstellung und Funktion, nämlich sich beraten zu lassen oder zu beraten, für eine bestimmte Zeit zur Lösung eines oder mehrerer, genau spezifizierter oder noch offener Probleme des Klientensystems“ (ebd.). Hier findet letztlich auch der „Kommunikationsprozeß der eigentlichen inhaltlichen Beratung“ (ebd., S. 26f.) statt, was allerdings nicht bedeutet, dass in den beiden anderen Systemen nicht auch an der gemeinsamen Beratungsaufgabe gearbeitet werden kann.
Eine Schwierigkeit, die sich im Rahmen dessen ergibt, sind die Möglichkeiten, aber vor allem die Grenzen der Intervention im Rahmen dieses Beratungssystems. Zum einen müssen „Verhandlungen geführt und Interventionen gesetzt werden, um die notwendigen strukturellen Bedingungen für die Möglichkeit von Beratung“ (Königswieser/Exner 2006, S. 27) zu erarbeiten und zu bewahren. Jedoch trägt vor allem das professionelle Beratersystem die Verantwortung für den notwendigen Rahmen, die passenden Bedingungen für die Umsetzung und die Interventionen, die zur Aufrechterhaltung des Beratungssystems, und für die „sachliche Bearbeitung der inhaltlichen Probleme des Klientensystems“ (ebd.) erforderlich sind. Dies bedeutet für die Berater, dass sie durch ihre Interventionen keinen direkten Einfluss auf das Klientensystem ausüben, da sie kein Teil dessen sind. Stattdessen müssen die Interventionen und Anregungen zuvor im Beratungssystem simuliert und kommuniziert werden, um schließlich von den Kooperationspartnern des Beratungssystems letztendlich in das Klientensystem hineingetragen zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der systemischen Beratung ein, erläutert die Grundannahmen systemischer Sichtweisen und definiert die Fragestellungen der Arbeit.
2. Systemtheorie: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen der Beratung durch eine Analyse der allgemeinen, soziologischen und personalen Systemtheorie.
3. Intervention: Hier werden Definitionen, Akteure sowie methodische Ebenen und Dimensionen systemischer Interventionen im Beratungsprozess detailliert beschrieben.
4. Fazit: Potenziale und Grenzen: Das abschließende Kapitel reflektiert kritisch die Möglichkeiten und Begrenzungen systemischer Interventionen und betont die Bedeutung gemeinsamer Veränderungsprozesse.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der im Text verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Referenzen.
Schlüsselwörter
Systemische Beratung, Systemtheorie, Intervention, Soziale Systeme, Klientensystem, Beratersystem, Beratungssystem, Autopoiese, Kommunikation, Interventionsebenen, Systemumwelt, Regelkreise, Selbstorganisation, Konstruktivismus, Organisationsberatung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der systemischen Perspektive in der Beratung und untersucht, wie systemtheoretische Erkenntnisse zur Analyse und Veränderung sozialer Systeme genutzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Systemtheorie, die Struktur von Beratungssystemen sowie die methodische Gestaltung und Durchführung systemischer Interventionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, eine fundierte Einführung in das Verständnis systemischer Beratung zu geben und aufzuzeigen, wie Interventionen in sozialen Systemen zielgerichtet und professionell erfolgen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der einschlägigen systemtheoretischen Literatur und deren Übertragung auf den Kontext der Beratungspraxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die verschiedenen systemtheoretischen Ansätze erläutert und anschließend die Interventionslogik sowie die beteiligten Systeme (Klient, Berater, Beratungssystem) analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind die Begriffe Systemtheorie, Intervention, Soziale Systeme, Kommunikation und Selbstorganisation.
Wie unterscheidet sich die personale Systemtheorie von der soziologischen Sicht?
Während die soziologische Sichtweise (nach Luhmann) den Fokus auf Kommunikation als Element legt, stellt die personale Systemtheorie die handelnden Personen als Subjekte in den Mittelpunkt der Beratung.
Warum ist die Unterscheidung zwischen dem Klientensystem und dem Beratungssystem wichtig?
Diese Trennung verdeutlicht, dass Berater nicht Teil des Klientensystems sind und daher nur durch Impulse (Irritationen) aus dem intermediären Beratungssystem heraus Veränderungen anstoßen können, statt direkt in das Klientensystem einzugreifen.
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- Anonym (Author), 2017, Systemtheorie und Beratung. Die Intervention als Instrument zur Beratung sozialer Systeme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538764