Sind die Grenzen des Wachstums erreicht?

Die Entwicklung der Weltbevölkerung und die Tragfähigkeit der Erde


Seminararbeit, 2010

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Einführung

2 Die weltweite Bevölkerungsentwicklung
2.1 Historischer Wachstumsverlauf
2.2 Regionale Unterschiede der Bevölkerungsentwicklung
2.3 Wie entsteht Bevölkerungswachstum?
2.3.1 Das Modell des Demographischen Übergangs
2.3.2 Entwicklungsländer in der „demographischen Falle“
2.3.3 Einflussfaktoren auf Geburten- und Sterberaten
2.4 Aktueller Trend: Fertilitätsrückgang
2.5 Prognosen zukünftigen Bevölkerungswachstums

3 Die Tragfähigkeit der Erd Die Strukturierung einfacher Sätze in zwei narrativen Texten des Khoekhoegowabe
3.1 Arten von Tragfähigkeiten
3.2 Die Agrare Tragfähigkeit

4 Tragfähigkeitskonzepte
4.1 Malthus: „An Essay on the Principles of Population“ (1798)
4.1.1 Kritik an Malthus Tragfähigkeitsüberlegungen
4.1.2 Neomalthusianismus
4.2 Meadows et al.: „The Limits to Growth“ (1972, 1992, 2006)
4.2.1 Kritik an den Tragfähigkeitsüberlegungen von Meadows et al.

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einführung

So manch ein Wissenschaftler hat das rasante Anwachsen der Weltbevölkerung im vergang-enen Jahrhundert mit dem Ausruf einer „Bevölkerungsexplosion“ kommentiert und die apokalyptische Befürchtung geäußert, die Erde könnte „aus allen Nähten platzen“.

Das Weltbevölkerungsmodell der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung zählt in diesem Mo-ment 6.847.712.045 Menschen (URL 1). Diese Zahl wird in der nächsten Minute um wahr-scheinlich 158, in der nächsten Stunde sogar um 9.460 ansteigen (vgl. URL 1), wobei voraus-sichtlich fast 98 Prozent des Wachstums in den Entwicklungsländern stattfinden wird. In diesen Zahlen kommt allerdings lediglich das numerische Wachstumsverhalten der Welt-bevölkerung zum Ausdruck, nicht jedoch sagen sie etwas über den Wandel ihren Lebens-standards aus. Auch geben sie keinen Aufschluss darüber, ob dieses Bevölkerungswachstum Besorgnis erregen sollte oder aber als Beweis für den Erfolg des menschlichen Fortschritts in technologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht gelten sollte (vgl. Findlay (1999): 10). Heutzutage wird Bevölkerungswachstum oft als Ursache allen Übels von Hungerkrisen über Umweltzerstörung hinzu Armut dargestellt. Doch noch in vorindustrieller Zeit galt die hohe Bevölkerungszahl eines Landes als ein sicherer Indikator für dessen Wohlstand. Bevölkerungswachstum wurde als ein Resultat erfolgreicher Regierung eines Landes angesehen und bestätigte eine außerordentliche Fruchtbarkeit der natürlichen Gegebenheiten des Staatsgebietes, welche es vermochten, eine besonders hohe Zahl an Menschen zu ernähren. (vgl. URL 2) Doch natürlich lässt sich angesichts der seit dieser Zeit stattgefundenen rapiden Zuwächse die Frage nach der Tragfähigkeit der Erde formulieren. Wird die Anzahl der Weltbevölkerung ins Unermessliche steigen oder sind ihrer Zunahme Grenzen gesetzt? Wenn ja, welche Grenzen sind es genau, an die die Menschheit zu stoßen oder die sie gar zu überschreiten droht? Was würde bei Erreichen der Grenzen oder einer Grenzüberschreitung geschehen und sind diese Auswirkungen, die von vielen wissen-schaftlichen Meinungen als nicht erstrebenswert betrachtet werden, abwendbar?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die vorliegende Arbeit zum Thema Weltbe-völkerungsentwicklung und Tragfähigkeit der Erde. Dabei sollen die weltweiten historischen, aktuellen und möglichen zukünftigen Bevölkerungsentwicklungen und deren Ursachen als Grundlage für die Erläuterung der unterschiedlichen Tragfähigkeitsüberlegungen, die im Lau-fe der Zeit angestellt wurden, dienen.

2 Die weltweite Bevölkerungsentwicklung

2.1 Historischer Wachstumsverlauf

Zu Beginn unserer Zeitrechnung zählte die Spezies Mensch verhältnismäßig geringe Zahlen von schätzungsweise 270 bis 330 Mio. (vgl. Bähr (2004): 215), wobei ein etwas stärker Anstieg erst ab ca. 1500 n. Chr. mit Beginn der Neuzeit zu verzeichnen ist. So hat die weltweite Be-völkerung im Zeitraum von 1500 bis 1750 von annäherungsweise 500 auf 750 Mio. (vgl. ebd.) zugenommen. Eine starke Beschleunigung der Bevölkerungsprogression fand jedoch erst ab dem Ende des 18. Jahrhunderts mit Einsetzen der Industriellen Revolution in Europa ein, so-dass die Weltbevölkerung ihre erste Milliarde nach jahrtausendelangem nur geringfügigen Wachstum erreichte (vgl. Abb.1). Mit einer Verdopplungszeit von 123 Jahren wuchs sie bis 1927 auf zwei Milliarden an. Mit nachfolgendem Wachstum auf drei Milliarden bis 1960 hatte sich die Verdopplungszeit sogar schon auf 33 Jahre verkürzt, für die vierte Milliarde weiter auf 14 Jahre, für die fünfte Milliarde auf 13 Jahre und für die sechste und bisher jüng-ste Milliarde auf einen Tiefstwert von 12 Jahren. Seitdem vergrößert sich der Abstand zur nächsten Milliarde wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Historische Entwicklung der Weltbevölkerung ( DSW (2005))

Da die Weltbevölkerung bis vor kurzem noch zu ihrer Verdoppelung immer geringere Zeitab-stände benötigte, begann man das Wachstum wissenschaftlich als hyperexponentiell zu bezei-chnen und in der Öffentlichkeit schürten Medien unterdessen die Angst vor einer „Bevölke-rungsexplosion“.

Doch durch die stetige Abnahme der jährlichen Wachstumsrate seit dem Höhepunkt in den 1960er Jahren mit über 2 % (vgl. Abb.2) bis hin zu 1,2 % im Jahr 2009 (URL 3) kam es insgesamt zu einer Verlangsamung der relativen Zunahme. Die absolute Bevölkerungszunahme blieb jedoch überaus hoch durch die Eigendynamik des Bevölkerungswachstums, die sich aus einer besonders jungen Bevölkerungsstruktur ergibt. Diese hat eine hohe Geburtenrate, das heißt, eine hohe An-zahl Lebendgeborener auf 1000 Menschen einer Bevölkerung, zur Folge.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Übersicht Wachstumsraten ( Meadows et al. (2006) )

2.2 Regionale Unterschiede der Bevölkerungsentwicklung

Das Wachstum der Weltbevölkerung vollzog sich seit jeher regional sehr unterschiedlich, wobei Differenzierungen nicht nur zwischen Industrie- und Entwicklungsländern nötig sind, auch unter den Entwicklungsländern selbst und zwischen Stadt und Land sind diese zu ver-zeichnen (vgl. Nuschler (2006): 284).

Während mit Beginn der großen Wachstumsperiode, die in etwa auf die Zeit der Industriali-sierung zurückgeht, vor allem die Länder Europas einen starken Bevölkerungsanstieg zu ver-zeichnen hatten, sind in der postkolonialen Zeit, das heißt, ungefähr nach dem Zweiten Welt-krieg, die neu unabhängig gewordenen Entwicklungsländer im Zuge ihrer nachholenden Entwicklung zum Großteil verantwortlich für die weltweite Beschleunigung des Bevölke-rungswachstums. Auch im Jahre 2009 steuern die „less developed countries“ mit einer jähr-lichen Wachstumsrate von 1,7 % (URL 3, Angabe unter Ausrechnung Chinas) und die „least developed countries“ mit einer jährlichen Wachstumsrate von 2,4 % den überwältigenden Großteil zum globalen Bevölkerungsanstieg bei. Zukünftig wird damit gerechnet, dass bis zu 99% des Weltbevölkerungswachstums in den Entwicklungsländern stattfinden wird (vgl. Nuscheler (2006): 284) und infolgedessen das „Demographisches Gewicht“ (ebd.) der Ent-wicklungsländer weiterhin zunehmen wird. Dieser Entwicklung gegenübergestellt, wird in den meisten Industrienationen nur ein geringes Wachstum bis zu einer geringen Abnahme zu verzeichnen sein. Demnach haben etwa 32 Länder, wobei es sich überwiegend um euro-päische, mit Ausnahme Japans, handelt, ein stabiles jährliches Wachstum von maximal 0,4 % erreicht (vgl. Bohle (2002): 21). Das Bevölkerungswachstum 39 weiterer Länder, zu denen auch China und die USA zählen, wird noch längere Zeit stark zunehmen, obwohl diese Länder be-reits das Ersatzniveau von 2,1 Geburten pro Frau erreicht haben. Dieses ist, wie bereits er-wähnt, auf die Trägheit der Bevölkerungsentwicklung zurückzuführen, die es zu überwinden, aufgrund eines großen Anteils gebärfähiger Kohorten an der Bevölkerungsstruktur, einige Zeit in Anspruch nehmen wird. In den meisten Ländern der Erde wird jedoch ein beachtliches Wachstum stattfinden, wobei bis zum Jahre 2050 über die Hälfte der von der Weltbank an-gegebenen 125 Länder mindestens eine Verdopplung ihrer Bevölkerungszahlen erleben wird. Für Länder wie Äthiopien oder Pakistan wird sogar eine Verdreifachung in Betracht gezogen. (vgl. ebd.)

2.3 Wie entsteht Bevölkerungswachstum?

Das regional stark uneinheitliche natürliche Bevölkerungswachstum, welches in den bereits thematisierten räumlichen Disparitäten resultiert, ergibt sich aus der Differenz der Geburten und der Sterbefälle. Weltweit lag die Geburtenrate fast ausnahmslos über der Sterberate, wo-durch der so entstandene Geburtenüberschuss zu einem Anwachsen der Bevölkerung führte.

Rechengrößen dabei stellen die Rohe Geburtenrate, die die Zahl der Lebendgeborenen pro Jahr auf 1000 Menschen einer bestimmten Region angibt, sowie die Rohe Sterberate, die die Zahl der Todesfälle pro Jahr auf 1000 dieser Menschen angibt, dar. Demzufolge ergibt sich aus einer Abnahme der Sterberate bei gleichbleibender Geburtenrate ein Geburtenüberschuss, die Bevölkerung wächst. Entwicklungen in der Vergangenheit haben allerdings gezeigt, dass sich zumindest in den Industrieländern auch die Geburtenrate mit zunehmendem Wohlstand verringerte, wodurch der Geburtenüberschuss lediglich auf eine Phase dieses sogenannten Demographischen Übergangs beschränkt war.

2.3.1 Das Modell des Demographischen Übergangs

In den Industrienationen Europas, Nordamerikas und Australiens haben sich Geburten- und Sterberaten seit Einsetzen der Industrialisierung in solch regelhafter Weise verändert, dass man daraus das Modell des Demographischen Übergangs entwickelte und annahm, dieses auch auf die Bevölkerung jeden anderen Landes anwenden zu können. Charakteristisch für diesen Übergang von einer Agrargesellschaft in eine Industriegesellschaft sind die anfangs herrschenden hohen Sterbe- aber auch hohen Geburtenraten, was im Allgemeinen in einem hohen Bevölkerungsumsatz resultiert. In dieser prätransformativen Phase fluktuieren beide Raten durch Hungersnöte oder Epidemien. Zu Beginn der Transformation sinkt die Sterberate allmählich ab, was vor allem durch Fortschritte in der Medizin und durch Effizienzstei-gerungen in der Agrarproduktion, später auch durch technologische Innovationen ermöglicht wird. Da die Geburtenrate aber vorerst auf einem hohen Niveau verweilt, beginnt sich die sogenannte Bevölkerungsschere zu öffnen, ein merkliches Bevölkerungswachstum setzt also in dieser frühtransformativen Phase ein. Die Bilanz aus Geburten- und Sterberaten erreicht in der in der mitteltransformativen Phase ein Maximum. Der weitere Sterblichkeitsrückgang wird nun von einem langsam beginnenden Geburtenrückgang begleitet und verliert damit an Zuwachsauswirkung auf die Bevölkerungsentwicklung. Somit ist die spättransformative Phase gekennzeichnet durch ein vermindertes Bevölkerungswachstum, da die Geburtenrate sich nun stärker rückläufig verhält als die Sterberate. Letztendlichen haben sich Geburten- und Sterberate in einer Industriegesellschaft so sehr angeglichen, dass das Wachstum gering oder stagnierend und der Bevölkerungsumsatz sehr gering ist.

(s. auch Bähr (2004): 219-229)

2.3.2 Entwicklungsländer in der „demographischen Falle“

Werden also auch Entwicklungsländer in absehbarer Zeit einen derartigen Geburtenrückgang wie den der Industrieländer erleben und somit die weltweite Bevölkerungszunahme auf ein Minimum reduzieren? Wie bereits angedeutet lässt sich diese Modell der Bevölkerungs-entwicklung aufgrund besonderer Einflussfaktoren nur schwerlich auf die Länder der Peri-pherie übertragen. Zum Einen setzte die Entwicklung hin zu niedrigeren Sterberaten in den Entwicklungsländern erst ab etwa 1950 nach Erlangen ihrer Unabhängigkeit von ihren Kolo-nialmächten und damit zeitlich verzögert ein. Dafür erfolgte der Sterblichkeitsrückgang durch viel rascher als zu damaligen Zeiten in den Industrieländern. So brauchte es in Europa etwa „70 Jahre, um die Lebenserwartung von 40 auf 60 Jahre zu steigern“ (Münz & Ulrich (1997): 123), wohingegen die Lebenserwartung in vielen Entwicklungsländern in der Hälfte der Zeit in demselben Umfang angehoben werden konnte. (vgl. ebd.) Diese überaus schnelle Senkung der Sterberate ist jedoch vornehmlich Resultat exogener Faktoren wie internationaler Hilfs-programme, die Mittel zur Bekämpfung von Hunger und epidemischer Krankheiten wie Malaria, Cholera und Pocken bereitstellten (vgl. Münz & Ulrich (1997): 124), anfangs nicht je-doch das medizinische Wissen an sich, weswegen eine gewisse Abhängigkeit der Entwick-lungsländer von ausländischer Hilfe entstand. Somit war der Rückgang der Sterblichkeit nicht durch wirtschaftlichen oder sozialen Fortschritt erreicht worden (vgl. ebd.), denn eine Er-höhung des Lebensstandards blieb aufgrund fehlender oder verspäteter Industrialisierung und aufgrund wirtschaftlicher Abhängigkeit von den Industrieländern aus. Besonders letztere, die mit der Unabhängigkeit sofortig erfolgte Eingebundenheit in den Weltmarkt, führte dazu, dass Produktivitätsfortschritte unter globalem Konkurrenzdruck standen und der einheimischen Bevölkerung nicht zu Gute kamen. Durch fehlende wirtschaftliche Prosperität kam es auch nicht zu einer Veränderung des generativen Verhaltens wie es sich in den Industrieländern verhalten hatte. Kinder stellten somit weiterhin eine wichtige ökonomische Größe dar, die den Eltern Versorgungsabsicherung im Alter oder Krankheitsfall, sowie gesellschaftliches An-sehen versprach. So kam es nur sehr verzögert und in viel geringerem Maße zu einem Frucht-barkeitsrückgang, weshalb sich in Entwicklungsländern ein viel höheres, über einen viel läng-eren Zeitraum ausgedehntes, Bevölkerungswachstum ergab, welches mit teilweise über 3 % an jährlichem Zuwachs weit über jeglicher Rate in der Geschichte des Demographischen Übergangs in den Industrieländern lag und heute vielerorts noch liegt (vgl. Abb.3). In Entwick-lungsländern kann man daher von einer Deformation des Demographischen Übergangs (vgl. Abb.3) sprechen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Sind die Grenzen des Wachstums erreicht?
Untertitel
Die Entwicklung der Weltbevölkerung und die Tragfähigkeit der Erde
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Geographie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V538836
ISBN (eBook)
9783346140319
ISBN (Buch)
9783346140326
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tragfähigkeit, Bevölkerungswachstum, Ressourcenknappheit, Ressourcenverschwendung, Bevölkerungsexplosion, Weltbevölkerung, demografischer Übergang, demografische Falle, Demografie, Wirtschaftswachstum, Ökosystem Erde, Pauperisierung, Verarmung, Verstädterung, Urbanisierung, Malthus, Kurswechsel, Welternährung, Wachstumsgrenzen
Arbeit zitieren
Jana Raue (Autor:in), 2010, Sind die Grenzen des Wachstums erreicht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538836

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