Burnout in Pflegeberufen. Hintergründe und Handlungsstrategien


Hausarbeit, 2016

30 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung

1. Definition von Burnout

2. Gründe für Burnout

3. Symptome von Burnout
3.1 Burnout Kreislauf nach Freudenberger

4. Diagnosemöglichkeiten für Burnout
4.1 Maslach-Burnout-Inventory (MBI)- Deutsche Version (MBI-D) und - General Survey (MBI-GS-D)

5. Folgen von Burnout
5.1 Prävalenz von Burnout in Deutschland

6. Präventionsmöglichkeiten von Burnout
6.1 Bewältigungsstrategien von Burnout

7. Methodisches Vorgehen

8. Fazit

9. Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang: Allgemeine Kriterien zur Beurteilung von Studien

Einleitung

Die vorliegende Facharbeit zum Modul „Aktuelle theoretische und klinische Perspektive der Pflegewissenschaft“ setzt sich thematisch mit der Erkrankung des Burnouts auseinander.

Das Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, was man unter Burnout versteht, welche Relevanz das Thema in der Gesellschaft und speziell in der Gesundheits- und Krankenpflege hat sowie welche Diagnose- beziehungsweise Präventionsmöglichkeiten es gibt.

Die Autoren entschieden sich für diese Thematik, da sie in ihrer beruflichen Laufbahn oftmals mit Betroffenen konfrontiert wurden, die den zum Teil ungünstigen Rahmenbedingungen des Pflegeberufes Tribut zollen mussten. Häufig wird von Belastungen, Beanspruchungen, Stress und vor allem Burnout gesprochen. Es gibt bereits zahlreiche Untersuchungen zum Thema Burnout im Bereich der Pflege, die immer wieder belegen, dass es sich um ein ernstzunehmendes Problem handelt.

Ausgehend von der Definition des Begriffs „Burnout“ und den verschiedenen Ursachen der Erkrankung, beleuchten die Autoren mögliche Diagnoseverfahren. Im Verlauf beschreiben sie mögliche Folgen der Erkrankung sowie die Prävalenz von Burnout in Deutschland. Abschließend beschreiben die Autoren mögliche Präventionsstrategien und stellen das methodische Vorgehen ihrer Arbeit dar. Im Fazit benennen sie ihr Ergebnis und reflektieren ihr Handeln.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Kategorien der Symptome von Burnout (Litzcke & Schuh, 2010, S. 162) modifiziert von Koenen & Hansen

Tabelle 2 MBI-D – Anzahl der Items und Beispielitems pro Skala (Eigene Darstellung)

Tabelle 3 MBI-GS-D – Anzahl der Items und Beispielitems pro Skala (Eigene Darstellung)

Tabelle 4 Bewältigungsstrategien von Burnout (Ekert & Ekert, 2014, S.340) modifiziert von Koenen & Hansen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Burnout Kreislauf nach Freudenberger

Abbildung 2 AU-Tage - die häufigsten Krankheiten 2000 bis 2013

1. Definition von Burnout

Der Begriff Burnout bezeichnet einen plötzlich einsetzenden oder langsam beginnenden Zustand körperlicher, geistiger und gefühlsmäßiger Erschöpfung. Es wird von einem Burnout gesprochen, wenn eine dauerhafte Gefährdung der seelischen und körperlichen Gesundheit durch Belastungen und Stress im Arbeitsalltag vorliegt (Schmidt, 2015, S. 35). Erstmals erwähnt wurde der Begriff Burnout im Jahre 1974 vom Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger. Er beobachtete sowohl an sich selbst, als auch an seinen Kollegen, eine Form des „Ausgebranntseins“. Freudenberger übte mehrere Tätigkeiten aus, hatte eine Familie und arbeitete zudem ehrenamtlich mit drogensüchtigen jungen Prostituierten. Bei diesen Tätigkeiten bemerkte er eine zunehmende Erschöpfung. Er fühlte sich ausgelaugt, schneller reizbar und dauernd müde. Seine Prioritätensetzung veränderte sich dahingehend, dass er kaum noch Zeit für Familie, Freunde und Hobbys hatte. Im Verlaufe beobachtete er seine Kollegen und erkannte das diese ähnliche Symptome zeigten (Fiedler, 2010, S. 10).

Im Jahre 1976 erforschte die Sozialpsychologin Christina Maslach die von Freudenberger beobachteten Symptome. Im Zuge dieser Forschung entwickelte sie eine Definition die auch heute noch Anwendung findet:

„Ein Burnout liegt vor, wenn sich der Betroffene gefühlsmäßig ausgezerrt fühlt, was mit Empfindungen des Ausgelaugtseins und der Überbeanspruchung einhergeht (Emotionale Erschöpfung). Das Erleben der eigenen Nützlichkeit und Effektivität ist stark beeinträchtigt, womit Gefühle der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins verbunden sind (reduziertes Wirksamkeitserleben). Ein drittes Kennzeichen ist die Versachlichung von menschlichen Beziehungen, die durch gefühlslose und abgestumpfte Reaktionen gegenüber Mitmenschen charakterisiert ist (Depersonalisierung)“ (Schmidt, 2015, S.36).

2. Gründe für Burnout

Die Gründe für Burnout in der Pflege sind mannigfaltig. Es wurde festgestellt, dass gerade das schlechte Arbeitsklima zwischen Pflegenden und Ärzten, die mangelnde Anerkennung, aber vor allem die schlechte Personalsituation als zentrale Risikofaktoren um an Burnout zu erkranken herausgestellt wurden. Die massiven Stellenstreichungen in den letzten Jahren und der gleichzeitige Abbau an Ausbildungsmöglichkeiten hat zur Folge, dass der Personalbestand in der Pflege überaltert ist. Zudem wirkt sich die ständige Fluktuation des Patientenklientels, durch die niedrigen Verweildauern, negativ auf das Berufsfeld „Pflege“ aus. Trotz dieser Umstände wird von den Pflegekräften eine gleichbleibende hochwertige Pflege gefordert (Zander, Dobler & Busse, 2011, S. 98 - 101).

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat ein Faktenblatt herausgegeben, in welchen Angaben zu den Arbeitsbedingungen von Krankenpflegern (n=464) und Altenpflegern (n=282) analysiert und anderen Erwerbstätigen (n=19920) gegenübergestellt wurden. Es wurde deutlich, dass in Pflegeberufen neben den bereits genannten mangelhaften Arbeitsbedingungen auch die körperliche Belastung als sehr hoch gesehen wird. Überdies wurden zeitliche Belastungsfaktoren beforscht. Hier wurde die Arbeit im Schichtdienst als zusätzliche Belastung gesehen, da sie eine normale Teilhabe am Sozialleben nicht möglich macht. Des Weiteren berichteten 54% der befragten Krankenpfleger und 39% der Altenpfleger, dass es häufig zu Pausenausfällen in den Abteilungen kommt. Psychische Anforderungen, durch hohen Termindruck beziehungsweise durch häufig unterbrechende Tätigkeiten, wurden ebenfalls als Belastung gesehen. Deutlich wurde überdies, dass viele Pflegekräfte an muskuloskelettalen (Schmerzen im Nackenbereich et cetera) und psychovegetativen Beschwerden (Schlafstörungen et cetera) leiden (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2014).

In der NEXT- Studie (Nurses Early Exit Studie) wurden die Arbeitsbelastungen ergründet, die für den häufigen Berufsausstieg in der Pflege verantwortlich sind. Bei dieser Studie handelt es sich um eine Längsschnittstudie, in dieser 78000 Pflegekräfte in 10 europäischen Ländern kontaktiert wurden, um einen umfangreichen Fragekatalog zur Arbeitssituation in der Pflege auszufüllen. 39898 Teilnehmer gaben ihren Fragebogen ab. Zu den teilnehmenden Ländern gehörte neben Belgien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Polen und die Slowakei auch Deutschland, weshalb die Studie für die Autoren interessant ist. Die Arbeitssituation wurde in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Diensten erforscht. In einem ersten Schritt erhielten die Pflegenden der unterschiedlichen Einrichtungen einen Fragebogen zum Arbeits- und Privatleben und zu ihren Zukunftsperspektiven. Nach 12 Monaten erhielten diejenigen einen weiteren Fragebogen, die ihre Einrichtung verlassen hatten, um festzustellen warum sie dies taten. Die Rücklaufquote der Fragebögen in Deutschland für die Basisbefragung lag bei 3565 von 6484 teilnehmenden Personen. Mit 88 Prozent teilnehmenden 3-jährig Examinierten war das untersuchte Qualifikationsniveau relativ hoch. Im Rahmen der Befragung wurde deutlich, dass die Rahmenbedingungen der Pflege in Deutschland im Vergleich zu einigen Ländern besser, zu anderen aber auch wesentlich schlechter sind. Beispielsweise beträgt die wöchentliche durchschnittliche Anzahl der Arbeitsstunden in Deutschland 31,5 Stunden in den Niederlanden aber nur 24,8 Stunden. So auch im Bereich der Wochenenddienste pro Monat an denen gearbeitet wurde. Gefragt wurde, wie viel Prozent der Pflegenden an drei oder mehr Wochenenden im Monat arbeiten würden. In Deutschland sind es 11 Prozent und in den Niederlanden nur 2 Prozent. Auch die Führungsqualität, Arbeitszufriedenheit sowie die Bindung an die Organisation beziehungsweise an den Beruf wurden untersucht. Die Führungsqualität wird in Deutschland im Vergleich zu den anderen Ländern mit einem Mittelwert von 3,5 (Möglicher Bereich 1(gering) – 5 (hoch)) relativ hoch bewertet. Die Arbeitszufriedenheit liegt bei einem Mittelwert von 2,5 (Möglicher Bereich 1-4). Zudem haben die Pflegekräfte insgesamt eine relativ hohe Bindung zum Beruf. Ein Mittelwert von 3,9 bezogen auf eine Skalierung von 1 bis 5 bestätigt die Aussage der Autoren. Die soziale Unterstützung durch den Vorgesetzten beziehungsweise durch die Kollegen liegt in Deutschland auf einem Mittelwert von 3,3 (Vorgesetzte) und 3,5 (Kollegen) auf einer Skalierung von 1-5. Hier sind zwar keine großen Unterschiede zu anderen europäischen Ländern zu erkennen, aber auch hier wird deutlich, dass die soziale Unterstützung als insgesamt eher gering ausfällt. Neben den Arbeitsbedingungen wurde auch die Burnout- Problematik in Pflegeberufen erforscht. Hier war zu erkennen, dass die Einrichtungsart (Krankenhaus, Altenheim, Ambulante Pflege) sich auf das persönliche Burnout auswirkt, da sicherlich die Belastungen in den Einrichtungen unterschiedlich stark sind. In Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen sind diese gleichermaßen hoch, in der ambulanten Pflege etwas geringer. Probleme die das Burnout- Risiko steigen lassen, von denen Pflegende berichteten, beziehen sich auch vollends auf die Rahmenbedingungen der Arbeit. Hier wurden zum Beispiel genannt:

-Nicht genug Zeit, um Patienten zu versorgen
-Angst davor Fehler zu machen
-Unsicherheit bei der Bedienung von Geräten
-Wenig Bereitschaft von Kollegen auszuhelfen
-Unzufrieden mit den Möglichkeiten, Patienten die benötigte Pflege zu geben (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2005, S. 9 – 62).

Neben den genannten beruflichen Ursachen, um an Burnout zu erkranken spielen auch gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Faktoren eine Rolle. An den Beruf der examinierten Gesundheits- und Krankenpflegerin beziehungsweise des Gesundheits- und Krankenpflegers werden bestimmte Rollenerwartungen von verschiedenen Personen beziehungsweise Berufsgruppen gestellt, die die Personen unter Druck setzen. Durch das christlich postulierte Ideal der Nächstenliebe werden die Pflegenden zusätzlich unter massiven Druck gesetzt. Ein positiver Arbeitsplatzwechsel ist zumeist, aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage, schwierig. Wirtschaftliche Faktoren und politisches Ansehen der Pflegeberufe können Auswirkungen auf eine mögliche Lohnerhöhung haben.

Überdies spielt auch das private Umfeld eine Rolle. Eine stabile Beziehung, tragende Freundschaften oder eine kreative Freizeitgestaltung gelten als wichtige Ressourcen. Ein nicht stützendes soziales Umfeld kann sich negativ auf den Berufsalltag auswirken.

Das Risiko an Burnout zu erkranken steigt aber auch durch allgemeine Persönlichkeitsfaktoren. Zum einen die Unsicherheit und Ängstlichkeit, da gerade diese Eigenschaften häufig zu Misserfolgen führen. Auch ein gesteigerter Perfektionismus oder die Unfähigkeit sich abzugrenzen steigert die Burnout- Anfälligkeit. Des Weiteren ist es gefährlich, wenn Betroffene ein zu starres Weltbild haben. Insbesondere dann, wenn der Beruf als einziger Ort der Sinnfindung dient. Fehlende Bewältigungspotenziale, um Misserfolgen adäquat zu begegnen, können das Burnout- Risiko weiter steigen lassen (Schmidt, 2015, S. 44 - 46).

3. Symptome von Burnout

In der zuvor beschriebenen Definition unterteilt Maslach Burnout in drei Kernsymptome: die emotionale Erschöpfung, ein reduziertes Wirklichkeitserleben und die Depersonalisierung.

Die emotionale Erschöpfung ist stark verbunden mit einer körperlichen Erschöpfung. Die Betroffenen haben das Gefühl, dass durch den intensiven beruflichen Kontakt zum Beispiel mit Klienten/innen oder Patienten/innen oder mit den Mitarbeitern, die eigenen emotionalen Reserven verbraucht werden (Glaser, 2012, S. 26).

Aus der Unzufriedenheit mit der eigenen Leistungsfähigkeit im Beruf, ergibt sich das reduzierte Wirklichkeitserleben. Es entwickeln sich Zweifel an der Handlungskompetenz und der eigentlichen Berufswahl (Glaser, 2012, S. 26).

Das ursprünglich nur zeitweilige Gefühl der Hilflosigkeit hat sich schließlich zu einem chronischen Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Desillusionierung verdichtet. Das Leben verliert mehr und mehr seinen Sinn. Ein Gefühl des völligen Versagens füllt den Menschen aus. Die Seele erstarrt und es entwickelt sich ein regelrechter Widerwillen gegen sich selbst, die sogenannte Depersonalisierung.

Eine weitere Kategorisierung der Symptome nahmen der Bildungswissenschaftler Maximilian Buchka und Jörg Hackenberg vor. Sie unterteilen die Symptome in 3 Kategorien: die körperliche Erschöpfung, die emotionale Erschöpfung sowie die geistige Erschöpfung (Litzcke & Schuh, 2010, S. 162).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 Kategorien der Symptome von Burnout (Litzcke & Schuh, 2010, S. 162) modifiziert von Koenen & Hansen

3.1 Burnout Kreislauf nach Freudenberger

Der Burnout Forscher Herbert Freudenberger beschrieb Burnout als einen Kreislauf der in 12 Stadien verläuft.

Stadium 1: In diesem Stadium sind erste Ermüdungserscheinungen spürbar, jedoch werden diese nicht eingestanden. Als Reaktion darauf werden die eigenen Erwartungen sogar höher gesetzt.

Stadium 2: Diese höher gesetzten Erwartungen benötigen einen verstärkten Einsatz. Die Arbeit und deren Aufgaben werden immer mehr. Die Angst davor, die Kontrolle zu verlieren, ermöglicht es nicht Aufgaben abzugeben beziehungsweise zu delegieren.

Stadium 3: Die eigenen Bedürfnisse finden in diesem Stadium kaum noch Bedeutung und werden vernachlässigt. Es wird ein hoher Aufwand betrieben, um fadenscheinige Ausreden wie zum Beispiel Müdigkeit oder ähnliches zu kommunizieren und Sozialkontakte nicht mehr pflegen zu müssen. Viele unangenehme Situationen werden aufgeschoben oder ganz versäumt.

Stadium 4: In diesem Stadium werden die eigenen Bedürfnisse nicht mehr nur noch vernachlässigt, sondern sie werden verdrängt. Unerreichbare Ziele und Pläne werden geschmiedet und Ratschläge aus dem persönlichen Umfeld gemieden.

Stadium 5: Die eigenen Wertvorstellungen verändern sich. Es zählt nur noch das Hier und Jetzt. Gedanken an die Zukunft und Vergangenheit werden ausgeblendet. Das allgemeine Zeitverständnis zeigt enorme Defizite auf. So findet der Betroffene keine Zeit mehr für Freunde, Urlaub oder Feierlichkeiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Burnout Kreislauf nach Freudenberger

Stadium 6: Probleme sowie Konflikte werden verleugnet. Das eigene Verhalten wird nun kaum mehr reflektiert. Es ist starr und Intoleranz, unter anderem auch gegenüber der eigenen Familie, entsteht.

Stadium 7: Durch den sogenannten Rückzug, sucht der Betroffene Trost in unrealistischen Tagträumen, worin sie unterschiedlichste Phantasien ausleben und dadurch eine kurzzeitige Besserung der eigenen Stimmungslage erreichen.

Stadium 8: In diesem Stadium tritt eine deutliche Verhaltensänderung auf. Die Konfliktfähigkeit sowie Kommunikationsfähigkeit nehmen drastisch ab. Der Alltag ist gekennzeichnet mit Selbstzweifeln, dem Hinterfragen des Sinns des Lebens und dem Gefühl nicht gemocht zu werden.

Stadium 9: Durch das Gefühl nicht mehr gemocht zu werden, kommt es zu einer Depersonalisierung. Das Gefühl, dass die eigene Persönlichkeit verloren geht, nimmt immer mehr zu. Um eine kurzzeitige Ablenkung zu erlangen wird in diesem Stadium oftmals zu Alkohol, Tabletten oder anderen Suchtmitteln gegriffen.

Stadium 10: Die Betroffenen haben das Gefühl überhaupt nicht mehr gebraucht zu werden. Diese innere Leere kann zu Panikattacken oder Phobien führen.

Stadium 11: Die Symptome ähneln denen einer Depression. Die Betroffenen überlassen Entscheidungen dem Schicksal und vernachlässigen die eigene Körperhygiene. Der emotionale Zustand kann sich sogar bis zu Suizidgedanken steigern.

Stadium 12: Dieses Stadium ist durch völlige Erschöpfung gekennzeichnet. Der Körper und der Geist sind erheblich angeschlagen, sodass ein stationärer Aufenthalt nötig wird (Ratheiser, 2011, S. 16).

4. Diagnosemöglichkeiten für Burnout

Der Begriff Burnout wird in der Literatur unterschiedlich besetzt und polarisiert ungemein. So gibt es Vertreter die das Burnout nur als Modebegriff sehen, wenn kein anderer Grund für eine Arbeitsunfähigkeit besteht. Auf der anderen Seite wird die Meinung vertreten, dass es so langsam an der Zeit wäre, das Burnout-Syndrom als eigenständige Krankheitsdiagnose anzuerkennen und in das ICD-10 und in das DSM-IV aufzunehmen. „Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10 genannt) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Diagnoseklassifikationssystem der Medizin“ (Schmidt, 2015, S. 71). Burnout wird zurzeit im ICD-10 der Störungsgruppe Z zugeordnet. In dieser Gruppe werden von Z 00 – 99 Faktoren beschrieben, die eine Beeinflussung auf den Gesundheitszustand haben. Die Gruppe Z 73 beinhaltet „Probleme und Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Z 73.0 ist das Erschöpfungssyndrom Burnout. Es ist zu erkennen, dass Burnout als Zusatzkategorie codiert und meist nach klinischem Eindruck diagnostiziert wird. Im zweiten zuvor beschrieben Diagnoseklassifikationssystem, dem DSM-IV, sucht man Burnout vergebens. „ Viele Forscher und Ärzte sind der Meinung, dass diese Codierung dem Krankheitserleben und den Folgen des Burnouts nicht gerecht werden“ (Schmidt, 2015, S. 72).

4.1 Maslach-Burnout-Inventory (MBI)- Deutsche Version (MBI-D) und - General Survey (MBI-GS-D)

Ein Instrument, was in der Literatur als „Goldstandard“ (Glaser, 2012, S. 26) zur Messung des Burnout´s beschrieben wird, ist der Maslach-Burnout-Inventory (MBI).

Das im Jahre 1981 von den Psychologinnen der Universität of California at Berkeley Christina Maslach und Susan E. Jackson in englischer Sprache entwickelte Instrument untersucht 3 Dimensionen (Maslach & Jackson, 1981, S. 209):

- Emotional exhaustion (Emotionale Erschöpfung)
- Depersonalisation (Depersonalisierung)
- Personal accomplishment (Persönliche Leistung).

In der Originalversion besteht das Messinstrument aus sechs Skalen, da jedes Item einmal nach Häufigkeit und ein zweites Mal nach Intensität bewertet wird. Die Intensitätsskala ist in der zweiten Auflage weggefallen, weil beide Formate hoch korreliert waren. Die deutsche Version des Maslach Burnout Inventory ist nach Büssing und Glaser (1992) adaptiert. Sie ist speziell für Berufstätige im Bereich der Krankenpflege konzipiert und umfasst immer noch die drei Skalen, nämlich: Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und persönliche Erfüllung, wobei die dritte Skala eine verkehrte Polung der Items aufweist. Das heißt, hohe Werte in den Skalen Emotionale Erschöpfung und Depersonalisation sprechen für Burnout, während in der Skala Persönliche Erfüllung niedrige Werte für Burnout sprechen. Die Skala Emotionale Erschöpfung besteht immer noch aus neun, wenn auch etwas abgeänderten Items. Die zweite Skala Depersonalisation besteht aus fünf Items und die Skala Persönliche Erfüllung aus sieben Items. Tabelle 5 zeigt pro Skala die Anzahl der Items mit jeweils einem Beispielitem.

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Burnout in Pflegeberufen. Hintergründe und Handlungsstrategien
Hochschule
Fachhochschule Münster  (Bildung&Beratung Bethel)
Note
1,3
Autoren
Jahr
2016
Seiten
30
Katalognummer
V538844
ISBN (eBook)
9783346135964
ISBN (Buch)
9783346135971
Sprache
Deutsch
Schlagworte
burnout, pflegeberufen, hintergründe, handlungsstrategien
Arbeit zitieren
Frederik Koenen (Autor:in)Michael Hansen (Autor:in), 2016, Burnout in Pflegeberufen. Hintergründe und Handlungsstrategien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538844

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Burnout in Pflegeberufen. Hintergründe und Handlungsstrategien



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden